Schiffsunglück: Jeder "Costa"-Passagier soll 14.000 Euro erhalten
Die Reederei der verunglückten "Costa Concordia" will die Passagiere für verlorenes Gepäck, Reisekosten und psychische Leiden entschädigen. Verbraucherschützer verlangen deutlich mehr.
Die Passagiere des verunglückten Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia sollen von der italienischen Reederei eine Entschädigung von je 11.000 Euro erhalten. Gemäß einer Einigung mehrerer italienischer Verbraucherschutzorganisationen mit der Reederei Costa Crociere soll das Geld an unverletzte Passagiere gezahlt werden – etwa für den Verlust ihres Gepäcks und psychische Folgen. Außerdem will die Reederei 3.000 Euro für den Reisepreis und die Rückreisekosten bezahlen. Passagiere, die auf das Angebot eingehen, müssen sich aber verpflichten, nicht gegen Costa zu klagen.
Die Regelung soll für etwa 3.000 der 3.200 Passagiere gelten, darunter 560 Deutsche. Die Hinterbliebenen der Todesopfer und die Verletzten sollen gesondert entschädigt werden. Neben den Touristen waren noch etwa 1.000 Besatzungsmitglieder an Bord.
Die Verbraucherschutzorganisation Codacons, die an der Einigung nicht beteiligt war, empfahl Passagieren, das Angebot nicht anzunehmen und sich erst auf psychische Schäden untersuchen zu lassen. Codacons bereitet eine Sammelklage gegen den Costa-Mutterkonzern Carnival in den USA vor und fordert 125.000 Euro für jeden Passagier.
- 13. Januar, 19 Uhr
Die Costa Concordia lichtet Anker in der Hafenstadt Civitavecchia und nimmt Kurs auf Savona.
- 21.05 Uhr
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Der Kapitän der Costa Concordia, Francesco Schettino, verlässt eines der Restaurants des Schiffes.
Er ist laut Augenzeugen in Begleitung von Domenica Cemortan, einer moldawischen Costa-Stewardess, deren Name weder auf der Besatzungs- noch auf der Passagierliste steht.
Nach Angaben einiger Anwesenden hat der Kapitän während des Essens Wein getrunken.
- 21.07 Uhr
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© Hydrographic Institute Italian Navy/dpaDie Costa Concordia weicht von dem geplanten Kurs ab.
- 21.08 Uhr
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Die Schwester des Besatzungsmitgliedes Antonello Tievoli, die auf der Giglio Insel lebt, kündigt auf Facebook die Vorbeifahrt des Schiffes an.
Knapp eine halbe Stunde später ruft Schettino bei Mario Palombo an, einem pensionierten Costa-Kapitän, der sich auf der Insel befinden soll. Schettino berichtet von der Annährung an die Küste – im Seefahrerjargon eine "Verbeugung" vor dem alten Kapitän. Plötzlich bricht die Telefonverbindung ab.
- 21.35 - 21.45 Uhr
Der Kiel der Costa Concordia rammt mehrmals eine kleine Felsengruppe unweit des Hafens von Giglio Porto.
- 21.48 Uhr
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Giovanni Iaccarino, Hauptdecks-Offizier, steigt in den Maschinenraum hinunter. Über die Bordsprechanlage meldet er, dass der ganze Maschinenraum unter Wasser stehe.
Eine Minute später ruft Ex-Kapitän Palombo das Costa-Crociere-Hauptquartier an. Er hat erfolglos versucht, Schettino wieder ans Telefon zu bekommen. Er ahnt, dass die "Verbeugung" schiefgegangen ist. Nach Angaben von Costa-Chef Pierluigi Foschi fand dieser Anruf erst um 22.25 Uhr statt.
- 22.05 Uhr
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© ReutersSchettino ruft in der Reederei-Zentrale an. Angeblich versucht er, die Situation herunterzuspielen.
- 22.05 Uhr
Die erste Durchsage: Ein Stellvertreter des Kapitäns meldet, dass es sich um einen "temporären Blackout" handelt.
- 22.06 Uhr
Eine junge Mitreisende ruft per Handy die Carabinieri in Prato an. Einige Passagiere haben inzwischen Schwimmwesten angelegt.
- 22.14 Uhr
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Die Hafenkommandantur in Livorno ruft die Costa Concordia an, um sich über den Vorfall zu erkundigen. Ein Offizier sagt, dass es sich nur um einen "Blackout" handele.
Der Kommunikationsoffizier des Hafenamts, Alessandro Tosi, äußert Bedenken über die Zuverlässigkeit der Informationen vom Schiff.
Zwei Minuten später nähert sich ein Patrouillenboot der Finanzpolizei dem Schiff, das inzwischen fast zum Stillstand gekommen ist.
- 22.26 Uhr
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Die Hafenkommandantur in Livorno spricht zum ersten Mal mit Schettino. Er gibt zu, dass es ein Leck im Kiel gibt. Bis zu diesem Zeitpunkt soll Schettino per Handy dreimal mit dem "Marine Operations Director" der Reederei Costa Crociere, Roberto Ferrarini, gesprochen haben.
Nach Angaben der Anwesenden sagt der Kapitän am Ende des letzten Telefonats den anderen Offizieren: "Meine Karriere endet hier. Sie entlassen mich."
- 22.28 Uhr
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Trotz der kritischen Lage lehnt Schettino die Unterstützung der Hafenkommandantur ab. Die Concordia, sagt er, brauche höchstens einen Schlepper, um in den Hafen einzufahren.
Eine Mitarbeiterin der Costa Concordiafordert im Namen des Kapitäns die Passagiere auf, zurück in die Kabinen zu gehen.
Kurz darauf glaubt die Hafenkommandantur den Offizieren nicht mehr und schickt von sich aus alle verfügbaren Schiffe zur Insel.
- 22.34 Uhr
An Bord wird offiziell der Distress, der Notfall, ausgerufen.
- 22.45 Uhr
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Angesichts der Unentschlossenheit Schettinos setzen sich einige Offiziere über ihren Kapitän hinweg und beginnen Vorbereitungen für die Evakuierung der Costa Concordia – rund eine Stunde nach der Havarie. Doch rettet diese "Meuterei" an Bord des Schiffes vielen Passagieren das Leben.
Drei Minuten später entschließt sich die Hafenkommandantur, alle verfügbaren Hubschrauber in den Einsatz zu schicken.
- 22.58 Uhr
Der Befehl "Schiff verlassen" wird endlich gegeben. Keine 15 Minuten später sind die ersten Passagiere an Land.
- 23.15 Uhr
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© www.giglionews.it/dpaDas Schiff beginnt sich zur Seite zu neigen. Viele Rettungsboote auf der linken Bordseite sind damit unbrauchbar.
- 23.30 Uhr
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In einer krassen Fehleinschätzung der Lage nimmt die Reederei Costa Crociere mit Paolo Cappucciati Kontakt auf, einem technischen Direktor einer kleinen Schiffsreparaturen-Firma in Savona. Es gäbe "einige Schäden am Kiel der Concordia", teilt die Reederei mit. Cappucciati solle mit seinem Team so schnell wie möglich zur Giglio-Insel fahren.
Was genau die 12-Mann-Firma mit der sinkenden Costa Concordia hätte machen sollen, bleibt unklar.
- 14. Januar, 00.32 Uhr
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Der Chef der Hafenkommandantur in Livorno, Gregorio De Falco, ruft bei Schettino an, um sich über die genaue Zahl der Passagiere an Bord zu erkundigen.
Schettino stottert, er behauptet, er sei an Bord, dass er aber die Zahl der Passagiere nicht einschätzen könne.
Einige Zeugen haben ihn um diese Uhrzeit allerdings schon auf einem Felsen gesehen.
Noch zwei weitere Male wird De Falco in dieser Nacht Schettino anrufen.
- 00.42
De Falco (Foto) ruft Schettino wieder an. Er befiehlt dem Kapitän, wieder an Bord zu gehen.
- 1.46 Uhr
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© Guardia Costiera/ReutersSchettino bekommt noch einen Anruf von De Falco. Der Kapitän verspricht, wieder an Bord zu gehen. Tun wird er es nicht.
- 04.46 Uhr
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Die Evakuierung ist offiziell beendet. Eine zunächst unbekannte Zahl Personen wird noch vermisst.
Das Kreuzfahrtschiff Costa Concordia war vor zwei Wochen vor der italienischen Insel Giglio auf einen Felsen gefahren, danach zur Seite gekippt und zu einem Teil im Wasser versunken. Bei dem Unglück starben mindestens 16 Menschen, darunter inzwischen mindestens vier Deutsche, wie das Auswärtige Amt mitteilte. Noch immer werden mindestens 15 Menschen vermisst, darunter acht Deutsche.
Abpumpen soll Samstag beginnen
Taucher durchsuchen weiterhin das Wrack nach den Vermissten. Hoffnungen, noch Überlebende im Wrack zu finden, gab es aus Sicht von Einsatzleiter Franco Gabrielli aber nicht mehr. Gleichzeitig wollten die Bergungsexperten des Unternehmens Smit letzte Vorbereitungen für das am Samstag geplante Abpumpen der etwa 2.300 Tonnen Treibstoff auf den Schiffstanks abschließen.
Für die Katastrophe vom 13. Januar macht die Justiz bisher vor allem den italienischen Kapitän Francesco Schettino verantwortlich, der zu dicht an der Insel vorbeifuhr und dabei das Schiff gegen einen Felsen rammte. Neben Schettino ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Ersten Offizier Ciro Ambrosio. Beiden werden unter anderem vielfache fahrlässige Tötung und das vorzeitige Verlassen des Schiffes vorgeworfen.






ist klar..
Wird es möglich sein, dass der Kapitän auch auf Entschädigung hoffen kann ?
- Vorausgesetzt, er verklagt nicht seinen Arbeitgeber.
Dieser Beitrag ist nicht besonders konstruktiv, aber ich halte ein solches Szenario in dieser Zeit für möglich !!!
Keiner, wirklich keiner übernimmt für sein Handeln in dieser Sache die Verantwortung.
einfach mal genauer zwischen einer psychischen Belastung oder Trauma und post-traumatischer Belastungsstörung unterscheiden würden. Stress oder Schock erleiden die meisten Menschen mal im Leben, eine Belastungsstörung bleibt die Ausnahme. Im Gegenteil, alle Opfer nach einer Katastrophe im Sinne einer möglichen Belastungsstörung zu betreuen, verstärkt die Tendenz, eine solche zu entwickeln sogar. (iatrogene Schäden durch unnötige Behandlung)
Leider ist das Problem moderner Berichterstattung, dass die ausführliche Darstellung auch bloß vermuteter Leiden die Emotionalisierung der Berichte ermöglicht, und stark emotionalisierte Artikel sind ebenso wie attraktiver wie emotionalisierte Werbung.
Welchen Schaden man damit anrichtet, sieht man der idiotischen Idee, dass grundsätzlich alle Geschädigten sich jetzt untersuchen lassen sollten.
Ihrem Kommentar kann ich nur zustimmen. Vermutlich kommen sich schone Einige herzlos vor, weil sie kein Trauma haben. Zusammen mit der medialen Vereinnahmung bleibt doch die Differenzierung in persönlicher Aufarbeitung auf der Strecke.
Über den vestorbenen Angehörigen hat man zu trauern. Für den Aspekt Hass oder die mögliche Befreiungsgefühle die mitspielen können, über diese menschlichen Komponenten gibt es keinen Ansprechpartner ausser teure Psychologen deren Inanspuchnahme Geld oder Krankheit voraussetzt.
Ihrem Kommentar kann ich nur zustimmen. Vermutlich kommen sich schone Einige herzlos vor, weil sie kein Trauma haben. Zusammen mit der medialen Vereinnahmung bleibt doch die Differenzierung in persönlicher Aufarbeitung auf der Strecke.
Über den vestorbenen Angehörigen hat man zu trauern. Für den Aspekt Hass oder die mögliche Befreiungsgefühle die mitspielen können, über diese menschlichen Komponenten gibt es keinen Ansprechpartner ausser teure Psychologen deren Inanspuchnahme Geld oder Krankheit voraussetzt.
Da wollen Anwälte auf Kosten der Gesellschaft reich werden.
Schrecklich diese Abzocke nach solchen tragischen Ereignissen
Da die Organisation beabsichtigt, in USA die Klage einzureichen, ist es ja klar, dass man sich auf psychische Schäden berufen wird.
Wenn dann über die Klage berichtet wird, dann bitte drauf hinweisen, dass es sich um eine USA-Klage handelt!
Sonst würden auch echte Traumatisierungen in Zukunft hier alle als vorgeshobene Schadensersatz-Geldmacherei belächelt werden.
Mich würde interessieren, welche Entschaedigung die tausende Migranten und Flüchtlinge, die auf lecken Kaehnen übers Mittelmeer schiffen, erhalten?
ist hier exemplarisch zu beobachten. ICH wäre nach einem Schiffsunfall ja durchaus zufrieden, wenn man mir Auslagen, verlorenes Gepäck (und den Restwert der Reise) ohne Kleinlichkeit ersetzt. Und dafür sind 14.000 Eur absolut okay. Wetten, dass im konkreten Fall mindestens einige hundert der 3.000 Passagiere über die amerikanischen Rechtsanwälte klagen werden? Und dann wundern wir uns alle über die angeblich so einzigartige Gier der Banker. Halt - ich nicht. Ich kenne mich und meine Mitmenschen.
Diese Beträge halte ich für die Vielzahl der Betroffenen für äußerst angemessen!
Möglich, dass eine Batterie fachlich spezialisierter Anwälte mehr heraus holen würden, wobei ein ordentlicher Anteil dieses Mehr in die Taschen der Winkeladvokaten fließen würde...
Höhere Schäden mögen Fahrgäste geltend machen, welche Stunden bis zu den Knien im Wasser verharren mußten oder Verletzungen erlitten haben. Ansonsten würde ich sagen: annehmen und seinem Schicksal danken. Für den Ersatz des Bordgepäcks und eine neue Kreuzfahr reicht es allemal.
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