Costa ConcordiaRettungsarbeiten am Kreuzfahrtschiff unterbrochen

Das havarierte Kreuzfahrtschiff hat sich bewegt und droht zu sinken. 20 Menschen werden noch vermisst, nach ihnen kann vorerst nicht weitergesucht werden. von afp, dpa und reuters

Passagiere schauen vom Land auf die havarierte "Costa Concordia".

Passagiere schauen vom Land auf die havarierte "Costa Concordia".  |  © Vincenzo Pinto/AFP/Getty Images

Fünf Tage nach dem Kreuzfahrtunglück vor der italienischen Küste ist die Suche nach den noch etwa 20 Vermissten aus Sicherheitsgründen abgebrochen worden. Suchtrupps mussten die Costa Concordia am Morgen verlassen, weil das Schiff abrutschte.

Messungen zufolge habe sich das havarierte Kreuzfahrtschiff bewegt, erklärte Feuerwehrsprecher Luca Cari. Es müsse geprüft werden, ob das Schiff weiter Halt habe und die Sucharbeiten fortgesetzt werden könnten. Derzeit sei es zu gefährlich, sich dem Wrack "auch nur zu nähern". Die Rettungskräfte befürchten, dass das Schiff von den Felsen rutschen könnte, auf denen es derzeit ruht. Dann könnte es vollständig sinken.

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Zuvor hatten Rettungskräfte die ganze Nacht hindurch in dem Wrack nach möglichen weiteren Überlebenden oder Toten gesucht. Die Erkundung des noch über der Wasseroberfläche liegenden Schiffsteils sei praktisch abgeschlossen, sagte Cari. Ein großer Teil des Schiffs liegt jedoch unter Wasser.

Die Costa Concordia hatte am Freitagabend mit mehr als 4.200 Menschen an Bord vor der Küste der Toskana Felsen gerammt und war havariert . Bislang wurden elf Todesopfer geborgen, von denen erst fünf identifiziert sind. Unter den 20 vermissten Menschen sollen mindestens zwölf Deutsche sein. Die Ermittler und die Reederei machen den Kapitän für das Unglück verantwortlich.

Der von italienischen Zeitungen "meistgehasster Mann Italiens " genannte Kapitän Schettino wurde in der Nacht aus der Untersuchungshaft entlassen und in seiner Wohnung in Meta di Sorrento an der Amalfiküste unter Hausarrest gestellt ; ein Untersuchungsrichter hatte geurteilt, es bestehe keine Fluchtgefahr. Der ermittelnde Staatsanwalt in Grosseto, Francesco Verusio, äußerte Unverständnis über die Entscheidung. Gegen den Kapitän wird wegen fahrlässiger Tötung und vorzeitigen Verlassens des havarierten Schiffs ermittelt .

Treibstoff kann noch nicht abgepumpt werden

Wegen der instabilen Lage des Schiffs konnte die niederländische Spezialfirma Smit zunächst nicht damit beginnen, die rund 2.400 Tonnen Treibstoff aus den Tanks abzupumpen. Alles hänge vom Wetter ab, sagte ein Sprecher der Küstenwache. Meteorologen sagten für die Region um die Unglücksstelle für Donnerstag einen Sturm voraus. Sollte Treibstoff aus dem Wrack austreten, droht eine Umweltkatastrophe in dem Meeresschutzgebiet um Giglio.

Den weltgrößten Rückversicherer Münchener Rück wird die Havarie des Kreuzfahrtschiffs nach eigenen Schätzungen etwa 50 Millionen Euro kosten. "Neben den Kosten für das Schiff aus der Kaskoversicherung können weitere Belastungen aus Haftpflichtansprüchen der Passagiere, Bergung des Wracks sowie aus möglichen Umwelthaftpflichtansprüchen entstehen", etwa wenn Öl aus dem Wrack austrete, teilte der Versicherer mit.

Nach Schätzungen von Experten könnte das Schiffsunglück der größte Versicherungsschaden in der Geschichte der Seefahrt werden. Grobe Schätzungen laufen auf einen Schaden zwischen 500 Millionen Euro und einer Milliarde Euro hinaus. Als Versicherer ist auch die Allianz betroffen.

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Leserkommentare
  1. wenn tatsächlich über 2000 Tonnen Treibstoff abgepumpt werden. Wird die gleiche Menge durch Wasser ersetzt?
    Oder wird es nur leichter?
    Und wenn das Schiff Auftrieb erhält, ist es dann sicherer, oder besteht die Gefahr des Abrutschens noch mehr?
    Ich denke, auch bei so einem riesen Pott sind 2000 Tonne mehr oder weniger zu merken.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • hardius
    • 18. Januar 2012 16:50 Uhr

    Aber denkbar wäre doch auch ein Zuschweißen des Lecks mit starken Stahlplatten. Man kann doch heute auch unter Wasser schweißen und der Riß ist offensichtlich zugänglich. Anschließend auspumpen und das Schiff steht wieder.
    Nee Quatsch, es werden Leute vorort sein die Ahnung haben.

    • Afa81
    • 18. Januar 2012 16:53 Uhr

    Hallo.

    Im Stern berichten sie darüber, wie das Wrack abgepumpt und sogar wieder schwimmfähig gemacht werden soll:
    http://www.stern.de/panorama/bergung-der-costa-concordia-wie-das-wrack-w...

    Hier wird auch berichtet, dass das Öl durch Wasser ersetzt wird, um das Gewicht konstant zu halten.

    • hardius
    • 18. Januar 2012 16:50 Uhr

    Aber denkbar wäre doch auch ein Zuschweißen des Lecks mit starken Stahlplatten. Man kann doch heute auch unter Wasser schweißen und der Riß ist offensichtlich zugänglich. Anschließend auspumpen und das Schiff steht wieder.
    Nee Quatsch, es werden Leute vorort sein die Ahnung haben.

    Antwort auf "Wie ist das,"
    • Afa81
    • 18. Januar 2012 16:53 Uhr

    Hallo.

    Im Stern berichten sie darüber, wie das Wrack abgepumpt und sogar wieder schwimmfähig gemacht werden soll:
    http://www.stern.de/panorama/bergung-der-costa-concordia-wie-das-wrack-w...

    Hier wird auch berichtet, dass das Öl durch Wasser ersetzt wird, um das Gewicht konstant zu halten.

    Antwort auf "Wie ist das,"
    • garage
    • 18. Januar 2012 17:37 Uhr

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich und diskutieren das Thema des Artikels. Danke, die Redaktion/se

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, Reuters, dpa
  • Schlagworte Allianz | Costa Concordia | Euro | Schiff | Italien | Toskana
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