Der Verein Glasbrechen, in dem sich Opfer sexueller Gewalt an der Odenwaldschule zusammengeschlossen haben, zahlt an jeden Antragsteller 7.000 Euro "Schmerzensgeld" aus. Das Geld sei als "erste, spürbare Zahlung an Betroffene" gedacht, sagte Vereinsvorstand Adrian Koerfer. Zudem sollen für jeden Betroffenen 2.000 Euro in einen Fonds für erforderliche Soforthilfe eingezahlt werden.

Bislang hat die Odenwaldschule 60.000 Euro "für sämtliche Nachteilsausgleiche" bereitgestellt. Diese reichen aber - laut Glasbrechen - nicht aus. Der Verein fordert von der Schule eine weitere Zahlung von 200.000 Euro.

Die von der Odenwaldschule eingesetzte Stiftung Brücken bauen hatte im Dezember angekündigt, jedem Betroffenen 1.000 Euro pauschal auszuzahlen. Die Opfer sehen sich dadurch "zu Fürsorgeempfängern herabgewürdigt", hatte Glasbrechen daraufhin erklärt. Die Schule und die Stiftung hätten nicht erkannt, "mit welchen Verwüstungen sie zu tun haben und was die Bedürfnisse der Betroffenen sind".

Um an das Geld der Stiftung Brücken bauen zu kommen, müssen Betroffene einen Antrag stellen, in dem sie Anwälte, Opferverbände oder Vereine, mit denen sie in Zusammenhang mit dem sexuellen Missbrauch zu tun hatten, von der Schweigepflicht entbinden.

Glasbrechen sichert allen Antragstellern "absolute Verschwiegenheit" zu und stellt klar, dass der Verein weder die Namen der Betroffenen noch die Zahl der Anträge gegenüber der Odenwaldschule offenlegen wird.

Die Zahlung der 7.000 Euro werde allerdings "lange noch nicht das Ende unserer Bestrebungen darstellen", sagte Koerfer. Ziel sei weiterhin eine "vernunftsbezogene, gleichzeitig mitfühlende Aussöhnung der Odenwaldschule mit ihren Opfern".

Nach offiziellen Angaben der Schule liegt die Zahl der Betroffenen bei 132. Der Opferverein geht von etwa 500 aus.