Birma Die Underground-Punker von Rangun

Tagsüber Buchhalter, nachts Punker: Im Polizeistaat Birma ist der Punk auch ein Zeichen des politischen Protests. Cigdem Akyol hat sich in Rangun mit einigen getroffen.

Punker in Rangun

Punker in Rangun

Kyaw Kyaw schreit auf der Bühne seine Wut hinaus. Der schwitzende Sänger der Rebel Riots wirft das Mikrofon in die Luft, springt umher, reißt sich sein T-Shirt vom dünnen Körper. "Wir müssen zusammenhalten, um gegen die Unterdrückung anzukommen", brüllte er heiser in den Saal. Hinter ihm drischt der Schlagzeuger los, der Gitarrist rammt seine Akkorde dazwischen.

Die Fans jubeln, viele haben grellbunte Haare, und Männer wie Frauen tragen ihre Oberteile so eng, als seien sie eingelaufen. Die Röcke sind sehr kurz, die Hosen haben Löcher, Flaschen werden umhergeschmissen. Die Fans sind gut drauf, reißen die Arme in die Luft, und Kyaw Kyaw mit seinem Irokesenschnitt springt in die Menge. "Jetzt kommt unser letzter Song, yeaaaah!" An der Seite der Bühne stehen stramm Polizisten und achten darauf, dass der Sänger nichts Regimekritisches sagt. Der Staat hört mit, denn das südasiatische Birma ist ein Polizeistaat. Kyaw Kyaw ist ein Punker und das ist in Birma etwas Besonderes. Das Land ist streng abgeschlossen und hat erst in den vergangenen Wochen begonnen, sich langsam zu öffnen.

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Der 25-Jährige lebt und musiziert in Rangun, der ehemaligen Hauptstadt Birmas. Hier können kritische Worte Gefängnis oder Arbeitslager bedeuten. Deswegen mag er seinen richtigen Namen nicht veröffentlicht sehen, denn trotz der Reformen will er sich in Acht nehmen. "Ich hasse unsere Regierung", sagt Kyaw Kyaw, er redet langsam und leise. Der Staat sei "scheiße", "verlogen" und überhaupt sei vieles "fucking shit". Häufig spricht er von der "Chancenlosigkeit in unserem Land", der "Korruption der Politiker" und der "Ungerechtigkeiten", mit denen er sich tagtäglich konfrontiert sieht. Wer hier arm auf die Welt kommt, bleibt meist arm. Junge Menschen wie Kyaw Kyaw wissen von ihrer Perspektivlosigkeit. "Im Kopf sind wir frei – aber nur da", kritisiert er.

200 Punks leben in Rangun

Der junge Mann mit den weichen Gesichtszügen gehört zum sozialen Mittelfeld. Tagsüber stylt er seine schulterlangen, schwarzen Haare mit einem Haarreifen nach hinten, er trägt Markenjeans und karierte Hemden, hat seine Ohrläppchen auf die Größe einer Euro-Münze gedehnt. Er arbeitet in der Buchhaltung einer Fabrik und wohnt mit seinen Eltern in einem Zimmer. Abends zieht er enge Hosen und zerfetzte Shirts an, schnürt seine Doc Martens, schnallt sich einen Nietengürtel um, sprayt seine Haare aufwendig zur Irokesen-Form und trifft sich mit Gleichgesinnten. Es gibt hier eine Enklave der Anarchisten, etwa 200 Punks leben in Rangun, schätzt Kyaw Kyaw.

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In der Nacht erwacht ihre Szene zum Leben. Dann treffen sie sich bei Freunden, die ein wenig Platz haben und deren Familien sie dulden. Sie hören Musik, rauchen und trinken Bier. Wer es sich leisten kann, kauft bei Ko Nyan seine Accessoires. Der 42-Jährige betreibt einen kleinen Stand, an dem er selbstgemachte Fanzine-Artikel und gebrauchte Doc Martens verkauft. Weil es vor allem an Geld fehlt, müssen die meisten Punks aber improvisieren, viele schneidern sich ihre Outfits selbst. "Wir können nicht den ganzen Tag Punk sein, weil wir unseren Lebensunterhalt verdienen müssen", sagt Kyaw Kyaw. "Wer hier Punk ist, der ist es aus Überzeugung gegen den beschissenen Polizeistaat. Für uns ist Punk keine Spaßgesellschaft."

Vor fünf Jahren gründete er seine Band, die  Rebel Riots. Er ist der Sänger und Songwriter, die anderen Mitglieder wechseln. Manche haben einfach keine Zeit mehr neben dem täglichen Überlebenskampf, andere sorgen sich um ihre Familien und steigen deswegen aus. Die Instrumente leihen sie sich, einmal im Monat leisten sie sich einen Proberaum. Trotz der Unbeständigkeit gelang es den Rebel Riots einmal, in einem Underground-Club ein Konzert zu geben.

Leser-Kommentare
  1. Das ist der wahre punk.Ähnlich gefährlich hatten es ja auch die "Ost"Punks zu DDR Zeiten.Ich selbst war nur westlicher....

  2. wurde das Wort "punk" eingeführt. Es ist bisher so gewesen, dass sich "die Guten" schlechte Namen gaben, während sich "die Schlechten" schmeichelhafte Namen gaben. Die punks sind die, die sich am radikalsten ausgeklingt haben und sich die schlechtesten Namen gaben. Man denke nur an Jonny Rotten oder Sid Vicious von den Sex Pistols.

    Sie waren die, die nicht von Kriminellen regiert werden wollten und dafür immer kriminalisiert wurden.

    Sie waren die Randfiguren und Außenseiter, die im Thomasevangelium selig genannt werden.

    Und sie waren die, die am energischsten für Gerechtigkeit eingetreten sind und mit den Ungerechtigkeiten in wohl allen heutigen Gesellschaften nichts zu tun haben wollten. Sie waren eigentlich das schlechte Gewissen der Gesellschaften.

    Viele von ihnen sind heilige und viele Liedtexte stärken den Glauben und sind prophetisch. Sie sind die eigentlichen Gerechten gewesen. Und diese werden bald überall an die Macht kommen, wenn die Welt geläutert ist. Die bunten Haare und das provokante Auftreten braucht es dann nicht mehr und sie werden wieder Teil der Gesellschaft sein, weil die Gesellschaften zur Gerechtigkeit zurückkehren. Es wird Gerechtigkeit regnen und die Gerechten werden regieren.

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    never
    wenn es irgendein ausschlusskriterium giebt
    irgendeinen mitgliedsausweis den man, brav in der schlange vorm jüngsten gericht angestellt, beim schalterpetrus vorlegen muss
    währe das grund genug nicht mitzumachen

    never
    wenn es irgendein ausschlusskriterium giebt
    irgendeinen mitgliedsausweis den man, brav in der schlange vorm jüngsten gericht angestellt, beim schalterpetrus vorlegen muss
    währe das grund genug nicht mitzumachen

  3. 54 - Selig die Armen ...(54) Jesus sprach: Selig die Armen! Denn euch gehört das Königreich der Himmel.

    Es ist das große Versprechen auf das Millionen über Millionen Menschen bauen, obwohl es sich keiner erklären kann, wie dies funktionieren könnte. Alle wollen in den Himmel die Armen, wie die Reichen. Was ist das Kriterium für Arm oder Reich? Es gibt Menschen die waren arm und wurden reich, geändert haben sie sich dadurch nicht. Im Gegenteil, mit wachsenden Reichtum haben sie sich oft noch als die größeren Ausbeuter ihrer Mitmenschen erwiesen als die von Geburt auf reich waren. Wie wird die Herrschaft der Reichen im Königreich verhindert? Es ist nicht vorstellbar, dass dies durch Gewalt erfolgen könnte. In einem Universum, in dem als einziges Gesetzt gültig ist: "Du sollst Gott und deinen Nächsten lieben wie dich selbst", wäre eine solche Lösung völlig absurd. Reiche sollten erkennen, dass sie mit ihrem Reichtum Verantwortung auferlegt erhielten. Sie müssen sich dieser Verantwortung stellen und für sich klären, wie sie dem Ordnungsprinzip der Nächstenliebe folgen wollen. Auf welche Art und Weise der scheitert, der sich diesem Gesetz widersetzt, wird sich zeigen.
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  4. Die sind ja bis hin zum Stinkefinger durch gestylt. Modefreaks im Punklook. Fürchterlicher als echte. – Witzig.

  5. is furchtbarer als,durch gestylt dank Geldmangel und eigener Kreativität.

    Es war immer schwer in einem repressiven Regime, für das einzustehen, an was man glaubt, Vorallendingen wenn das, an was an was man glaubt, nicht konträr mit dem ist, was das Regime vertritt, da ist es, egal ob man Punk, Menschenrechtler oder sonstiger Aktivist ist.

    Respekt an solch mutige Menschen, die allein durch ihr "MODEFREAK" darein schon ihren politischen Protest ausdrücken,
    die Regierung in Birma wird sich Regierung der gleichen Methoden der Diffamierung bedienen wie unsere westliche Wertegemeinschaft, indem die leitungsträger diese Menschen als asoziale besoffene Nichtsnutze darstellt, die in einer ökonomischen Gesellschaftsordnung aller unterster Wertigkeit besitzen.

    "Niemand ist so hoffnungslos versklavt, wie diejenigen, die fälschlicherweise glauben frei zu sein." Johann Wolfgang von Goethe.

    In diesem Sinne Wünsche ich den Punks von Birma noch sehr viele ausschweifende Konzerte und anderen die Einsicht, dass man Berichte auch durchlesen sollte, bevor man dazu Kommentare ablässt.

  6. never
    wenn es irgendein ausschlusskriterium giebt
    irgendeinen mitgliedsausweis den man, brav in der schlange vorm jüngsten gericht angestellt, beim schalterpetrus vorlegen muss
    währe das grund genug nicht mitzumachen

    Antwort auf "Von Shakespeare"

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