Polizisten sperren den Bereich vor dem Südflügel des Bahnhofs in Stuttgart ab. © Franziska Kraufmann/dpa/lsw

Ohne größere Zwischenfälle haben fast 2.000 Polizisten den Weg frei geräumt für den nächsten Bauabschnitt des Bahnprojekts Stuttgart 21 . Mehrere Hundert Demonstranten hatten seit Donnerstagabend friedlich gegen den geplanten Abriss des Südflügels am Stuttgarter Hauptbahnhof protestiert. Die Polizei löste am Morgen die Sitzblockaden und Barrikaden auf und sperrte das Gelände mit Gittern ab.

Die Bahn will den Gebäudeteil in den kommenden Tagen entkernen und abreißen lassen, um die Bauarbeiten für Stuttgart 21 voranzutreiben. Die südliche Umfassung kollidiert mit den Plänen für den geplanten Tiefbahnhof. Der Nordflügel war bereits 2010 abgetragen worden.

Nach Polizeiangaben hatten sich noch etwa 600 Demonstranten vor dem Südflügel versammelt. Die Initiative Parkschützer sprach von etwa 1.000 Teilnehmern. Die Einsatzkräfte mussten Barrikaden aus Holz, Pappe und Möbeln wegräumen, um das Gelände mit Gittern absperren zu können. Zwei Projektgegner wurden wegen Besitzes von Pfefferspray und einer Beleidigung festgenommen. Gegnerinitiativen sahen keinen Anlass für Kritik am Einsatz.

"Kretschmann weg"

Die Demonstranten hatten Botschaften wie "Oben bleiben!", "Schämt euch!" und " Kretschmann weg!" gerufen. Von dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann ( Grüne ) hatten sie trotz der verlorenen Volksabstimmung mehr Engagement gegen das auf 4,1 Milliarden Euro veranschlagte Projekt erwartet.

"Die Polizei hat die Lage im Griff", sagte Stuttgarts Polizeipräsident Thomas Züfle. "Die Lage ist ruhig." Die Polizei hatte sich bemüht, eine Eskalation wie bei den Baumfällarbeiten am 30. September 2010 zu vermeiden. Damals hatten die Einsätze eines Wasserwerfers und von Pfefferspray mehr als 100 Menschen verletzt. Der Polizei war damals eine Eskalationsstrategie vorgeworfen worden.

Um Kritik vorzubeugen und mehr Transparenz zu bieten, hatte die Polizei Journalisten angeboten, die Einsatzkräfte zu begleiten und etwa auch in abgesperrten Bereichen der Baustelle dabei sein zu können.