In Stuttgart hat der Abriss des Südflügels des Bahnhofs begonnen. Begleitet von friedlichen Protesten einiger Dutzend Gegner des Bahnprojekts Stuttgart 21 begannen die Bagger damit, das Gebäude einzureißen. Der knapp 280 Meter lange Bahnhofsteil soll nun geschossweise von oben nach unten abgetragen werden. "Um 15.07 Uhr erfolgte der Baggerbiss in das denkmalgeschützte Gebäude", schrieb die Stuttgarter Zeitung . Die Arbeiten werden mehrere Wochen dauern.

Der alte Kopfbahnhof muss dem geplanten Tiefbahnhof Stuttgart 21 weichen: Bis Ende 2019 soll der 16-gleisige Kopfbahnhof für mehr als 4,1 Milliarden Euro in einen unterirdischen Durchgangsbahnhof mit kilometerlangen Tunnelanfahrten umgebaut werden. Der Nordteil des Bahnhofs wurde bereits abgerissen, das Hauptgebäude mitsamt dem Bahnhofsturm soll erhalten bleiben.

Zeltdorf muss aufgelöst werden

Kurz vor Beginn der Arbeiten am Südflügel hatte der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg den Eilantrag eines Erben des Bahnhofsarchitekten Paul Bonatz gegen den Abriss abgelehnt. Zudem hatte die Polizei am Morgen 35 Demonstranten aus dem abgesperrten Bereich vor dem Südflügel weggetragen oder weggeführt. Insgesamt waren etwa 125 Gegner des Bahnprojekts in dem von der Polizei gesperrten Bereich gewesen, teilte die Polizei mit. Die meisten Demonstranten hätten das Gelände aber freiwillig verlassen.

In Kürze sollen auch die besonders umstrittenen Baumfällungen im Schlossgarten der Stadt Stuttgart beginnen. Der Bahnsprecher bestätigte, dass nach dem 6. Februar 108 von 176 Bäumen gefällt oder versetzt werden sollen. Dabei müsse auch ein Zeltdorf mit Gegnern des Bahnprojekts geräumt werden.

Das Eisenbahnbundesamt hatte der Deutschen Bahn am vergangenen Donnerstag nach wochenlangen Prüfungen Erlaubnis für die Baumfällungen gegeben . Bereits am Mittwoch hatte das Verwaltungsgericht Stuttgart Eilanträge von Projektgegnern abgelehnt.

Der Streit um Stuttgart 21 war Ende November mit einer Volksabstimmung in Baden-Württemberg entscheiden worden, bei dem sich eine Mehrheit der Bürger für den Bau ausgesprochen hatten. Die grün-rote Landesregierung sicherte daraufhin die Umsetzung des Projekts zu. Ungeachtet davon gibt es weiter Proteste gegen das Bahnhofsprojekt.