Eine Woche nach dem Frosteinbruch machen Schneemassen, Blitzeis und extreme Kälte das Leben in Europa schwer . Offiziellen Angaben zufolge sind durch die Frostwelle bis Sonntag europaweit rund 300 Menschen gestorben.

Besonders in der Ukraine und in Polen stieg die Zahl der Toten . Die ukrainischen Behörden verzeichnen mittlerweile 131 Todesopfer. Darunter sind mehr als 30 Menschen, die in ihrer Wohnung oder ihrem Haus erfroren. Etwa 2.000 Menschen mussten wegen Erfrierungen im Krankenhaus behandelt werden. Landesweit wurden 3.170 Rettungsposten eingerichtet, an denen sich Bedürftige aufwärmen und etwas Warmes essen können. Die Temperaturen lagen zwischenzeitlich tagsüber bei minus 21 Grad und nachts bei minus 30 Grad.

In Polen erhöhte sich die Zahl der Toten auf 53. Bei den Opfern handelt es sich überwiegend um Obdachlose, die häufig alkoholisiert waren. Die Obdachlosenheime beschlossen deswegen, ausnahmsweise auch Betrunkene aufzunehmen.

Serbien ruft Ausnahmezustand aus

In Serbien war am Sonntag von neun Kältetoten und einem Vermissten die Rede. Wegen einer zwei Meter hohen Schneedecke galt in fast 30 Gemeinden der Ausnahmezustand. Grund- und Mittelschulen sowie Kindergärten sollen diese Woche geschlossen bleiben. In Rumänien starben 34, in Bulgarien mindestens 16 Menschen an der Kälte, darunter vor allem Dorfbewohner, die sich zuvor am Straßenrand oder in ihren ungeheizten Wohnungen aufhielten.

Heathrow streicht über 600 Flüge

In Teilen Bulgariens und Rumäniens waren praktisch nur die Hauptstraßen befahrbar. In zwei Gemeinden im Süden des Landes wurde nach intensiven Regenfällen der Notstand ausgerufen.

Europas größter Flughafen London-Heathrow strich wegen des Schnees mehr als 600 Flüge und damit die Hälfte aller Starts und Landungen für Sonntag. Transportministerin Justine Greening sagte, rechtzeitige Streichungen seien besser, als Passagiere im Flughafen endlos warten zu lassen.

Heathrow war bereits im vergangenen Winter in die Kritik geraten, nachdem der Flughafen wegen weniger als zehn Zentimeter Schnees für Tage lahmgelegt und der gesamte europäische Flugverkehr beeinträchtigt wurde. In der Folge wurden elf Millionen Pfund in neue Schneeräumtechnik und Enteisungsanlagen investiert. "Diese Entscheidung bedeutet, dass die größte Zahl der Passagiere fliegen kann und die Ausfälle auf einem Minimum bleiben", sagte Flughafenchef Normand Boivin.

Schiffe frieren fest

Die Kälte lähmt zudem den Schiffsverkehr. Auf der Elbe bildete sich so viel Eis, dass der Fluss von Magdeburg bis Hamburg unbefahrbar war, wie die Wasserschutzpolizei am Sonntag mitteilte. Auch der Elbe-Havel-Kanal und mehr als 70 Kilometer des Main-Donau-Kanals sind zugefroren.

In Italien rammte ein Fährschiff in Civitavecchia nordwestlich von Rom im Schneesturm einen Hafendamm und wurde dabei schwer beschädigt. Das Schiff mit mehr als 300 Passagieren und Besatzung an Bord wurde evakuiert.

Es wird noch kälter

In Deutschland ist die extreme Kälte noch nicht vorüber. "Am Dienstag wird es noch frostiger", sagte Meteorologe Christoph Hartmann vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Die bislang tiefste Temperatur war in der Nacht zum Sonntag mit minus 28 Grad in Oberstdorf gemessen worden. Von Mittwoch an sollen die Werte dann deutlich steigen. Die Temperaturen machen dann einen Sprung um bis zu zehn Grad. Zugleich soll es vor allem im Südosten kräftig zu schneien beginnen.