KältewelleHunderte Menschen erfrieren in Europa

Schneefall und Kälte machen das Leben in Europa schwer: Schiffe sind festgefroren, zahlreiche Flüge wurden gestrichen. Die Zahl der Kältetoten stieg auf 300 Menschen. von afp, dpa und reuters

Ein Obdachloser liegt auf einer Matratze in München unter der Wittelsbacher Brücke.

Ein Obdachloser liegt auf einer Matratze in München unter der Wittelsbacher Brücke.  |  © Felix Hörhager/dpa

Eine Woche nach dem Frosteinbruch machen Schneemassen, Blitzeis und extreme Kälte das Leben in Europa schwer . Offiziellen Angaben zufolge sind durch die Frostwelle bis Sonntag europaweit rund 300 Menschen gestorben.

Besonders in der Ukraine und in Polen stieg die Zahl der Toten . Die ukrainischen Behörden verzeichnen mittlerweile 131 Todesopfer. Darunter sind mehr als 30 Menschen, die in ihrer Wohnung oder ihrem Haus erfroren. Etwa 2.000 Menschen mussten wegen Erfrierungen im Krankenhaus behandelt werden. Landesweit wurden 3.170 Rettungsposten eingerichtet, an denen sich Bedürftige aufwärmen und etwas Warmes essen können. Die Temperaturen lagen zwischenzeitlich tagsüber bei minus 21 Grad und nachts bei minus 30 Grad.

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In Polen erhöhte sich die Zahl der Toten auf 53. Bei den Opfern handelt es sich überwiegend um Obdachlose, die häufig alkoholisiert waren. Die Obdachlosenheime beschlossen deswegen, ausnahmsweise auch Betrunkene aufzunehmen.

Serbien ruft Ausnahmezustand aus

In Serbien war am Sonntag von neun Kältetoten und einem Vermissten die Rede. Wegen einer zwei Meter hohen Schneedecke galt in fast 30 Gemeinden der Ausnahmezustand. Grund- und Mittelschulen sowie Kindergärten sollen diese Woche geschlossen bleiben. In Rumänien starben 34, in Bulgarien mindestens 16 Menschen an der Kälte, darunter vor allem Dorfbewohner, die sich zuvor am Straßenrand oder in ihren ungeheizten Wohnungen aufhielten.

Heathrow streicht über 600 Flüge

In Teilen Bulgariens und Rumäniens waren praktisch nur die Hauptstraßen befahrbar. In zwei Gemeinden im Süden des Landes wurde nach intensiven Regenfällen der Notstand ausgerufen.

Europas größter Flughafen London-Heathrow strich wegen des Schnees mehr als 600 Flüge und damit die Hälfte aller Starts und Landungen für Sonntag. Transportministerin Justine Greening sagte, rechtzeitige Streichungen seien besser, als Passagiere im Flughafen endlos warten zu lassen.

Heathrow war bereits im vergangenen Winter in die Kritik geraten, nachdem der Flughafen wegen weniger als zehn Zentimeter Schnees für Tage lahmgelegt und der gesamte europäische Flugverkehr beeinträchtigt wurde. In der Folge wurden elf Millionen Pfund in neue Schneeräumtechnik und Enteisungsanlagen investiert. "Diese Entscheidung bedeutet, dass die größte Zahl der Passagiere fliegen kann und die Ausfälle auf einem Minimum bleiben", sagte Flughafenchef Normand Boivin.

Schiffe frieren fest

Die Kälte lähmt zudem den Schiffsverkehr. Auf der Elbe bildete sich so viel Eis, dass der Fluss von Magdeburg bis Hamburg unbefahrbar war, wie die Wasserschutzpolizei am Sonntag mitteilte. Auch der Elbe-Havel-Kanal und mehr als 70 Kilometer des Main-Donau-Kanals sind zugefroren.

In Italien rammte ein Fährschiff in Civitavecchia nordwestlich von Rom im Schneesturm einen Hafendamm und wurde dabei schwer beschädigt. Das Schiff mit mehr als 300 Passagieren und Besatzung an Bord wurde evakuiert.

Es wird noch kälter

In Deutschland ist die extreme Kälte noch nicht vorüber. "Am Dienstag wird es noch frostiger", sagte Meteorologe Christoph Hartmann vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Die bislang tiefste Temperatur war in der Nacht zum Sonntag mit minus 28 Grad in Oberstdorf gemessen worden. Von Mittwoch an sollen die Werte dann deutlich steigen. Die Temperaturen machen dann einen Sprung um bis zu zehn Grad. Zugleich soll es vor allem im Südosten kräftig zu schneien beginnen.

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Leserkommentare
  1. "Auch ist ihr DVD-Player leichter zu ersetzen"
    Aha, so handelt es sich Ihrer Ansicht also bei Obdachlosen um schwerst Süchtige und notorische Diebe? Welche Aufgaben sehen Sie denn überhaupt in der Kirche, Moschee oder Synagoge?

    Antwort auf "Mitgefühl!"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    zu Moscheen müßte jemand antworten, der sich in dem Bereich auskennt:

    Ich würde zu Kirchen und Synagogen anmerken, dass es Gebäude sind, die dem Gottesdienst und Treffen der Gläubigen zu rituellen Handlungen dienen.

    Es sind weder Aufenthaltsräume, die beim Warten auf den Bus die Zeit im Kreis von Freunden überbrücken lassen noch Imbissverzehrstationen oder Räume, in denen man laut oder auffällig ist.

    Sie sind Orte der Stille, der Andacht, der Kommunikation mit Gott.

    Wenn man sie so sieht, wie ich das hier angerissen habe, ist jede Nutzung als Wärmestube einfach nur indiskutabel.

    Und wie bereits erwähnt, gibt es dafür bessere Orte.

    Und zum Thema Kältetod, der weitestgehend die Ukraine und Polen betrifft. Soweit mir bekannt, sind Kirchen dort nicht so häufig anzutreffen wie in Westdeutschen Großstädten und deshalb ist es wohl müßig, deren Öffnung zu fordern. Wobei ich nicht einmal weiß, ob dort die Kirchen nicht sogar geöffnet sind und wenn je, was das für Gebäude sind.

    Von hohen Steuereinnahmen ist in der Ukraine aber vermutlich nicht zu reden...

    Natürlich kann man auch Gutes tun, ohne an Gott oder Allah zu glauben. Fakt ist aber, dass es kaum soziale Einrichtungen gibt, die vom Engagement von Atheisten getragen werden.

    Es ist natürlich sehr moralisch, darauf hinzuweisen, dass man nicht alle Obdachlosen als notorische Diebe abstempeln kann. Fakt ist aber auch, dass viele Obdachlose Notübernachtungen genau deshalb so lange wie möglich meiden, weil sie Angst haben beklaut zu werden.

    Diesen Einblick kann man übrigens in einer kirchlichen Notübernachtung bekommen. Dass ich nur von christlicher Seite her argumentiere, liegt daran, dass ich über muslimisches soziales Engagement zu wenig weiß. Hier aber sei wenigstens der Hinweis erlaubt, dass die Muslim-Brüder in Ägypten ihren Wahlerfolg vor allem auch darauf zurückführen können, dass sie die soziale Not der Menschen zu lindern versucht haben.

  2. gehen damit zu tun, ob sie nun die Kirchen öffnen.

    Bei uns sind die Kirchen (evang. und kath.) an der Hilfe für Alte, Kranke, Behinderte und Obdachlose beteiligt. Ausserdem betreiben sie Schulen und Kitas.

    Bei uns ist es auch so, dass sie Wärmestuben und Suppenküchen geöffnet halten und damit mehr tun, als wenn sie einen Sakralbau zur Lagerstatt für Menschen machen, denen mit anderen Orten mehr gedient ist.

    Die Forderung nach Unterbringung in Kirchen erscheint mir sehr unbedacht und unsinnig.

    Unsere Synagoge wird ständig polizeilich bewacht, was vermutlich kein Obdachlosenmagnet ausmacht und ich kenne es auch so, dass die Synagoge als heiliger Ort mit dem Aufbewahrungsraum für die Thora nicht mal eben so zum Camping genutzt werken kann.

    Mir Moscheen kenne ich mich nicht aus, gehe aber davon aus, dass keiner sich danach sehnt, dass die zum Gebet genutzten Teppiche als Schlafraum umgewidmet werden.

    Ich verstehe allerdings Sinn und Zweck der Forderung auch gar nicht.

    Antwort auf "Kältetod."
  3. zu Moscheen müßte jemand antworten, der sich in dem Bereich auskennt:

    Ich würde zu Kirchen und Synagogen anmerken, dass es Gebäude sind, die dem Gottesdienst und Treffen der Gläubigen zu rituellen Handlungen dienen.

    Es sind weder Aufenthaltsräume, die beim Warten auf den Bus die Zeit im Kreis von Freunden überbrücken lassen noch Imbissverzehrstationen oder Räume, in denen man laut oder auffällig ist.

    Sie sind Orte der Stille, der Andacht, der Kommunikation mit Gott.

    Wenn man sie so sieht, wie ich das hier angerissen habe, ist jede Nutzung als Wärmestube einfach nur indiskutabel.

    Und wie bereits erwähnt, gibt es dafür bessere Orte.

    Und zum Thema Kältetod, der weitestgehend die Ukraine und Polen betrifft. Soweit mir bekannt, sind Kirchen dort nicht so häufig anzutreffen wie in Westdeutschen Großstädten und deshalb ist es wohl müßig, deren Öffnung zu fordern. Wobei ich nicht einmal weiß, ob dort die Kirchen nicht sogar geöffnet sind und wenn je, was das für Gebäude sind.

    Von hohen Steuereinnahmen ist in der Ukraine aber vermutlich nicht zu reden...

    Antwort auf "Kältetod."
  4. Natürlich kann man auch Gutes tun, ohne an Gott oder Allah zu glauben. Fakt ist aber, dass es kaum soziale Einrichtungen gibt, die vom Engagement von Atheisten getragen werden.

    Es ist natürlich sehr moralisch, darauf hinzuweisen, dass man nicht alle Obdachlosen als notorische Diebe abstempeln kann. Fakt ist aber auch, dass viele Obdachlose Notübernachtungen genau deshalb so lange wie möglich meiden, weil sie Angst haben beklaut zu werden.

    Diesen Einblick kann man übrigens in einer kirchlichen Notübernachtung bekommen. Dass ich nur von christlicher Seite her argumentiere, liegt daran, dass ich über muslimisches soziales Engagement zu wenig weiß. Hier aber sei wenigstens der Hinweis erlaubt, dass die Muslim-Brüder in Ägypten ihren Wahlerfolg vor allem auch darauf zurückführen können, dass sie die soziale Not der Menschen zu lindern versucht haben.

    Antwort auf "Kältetod."
  5. Das ist diese Globale Erwärmungssache

    • IzZo
    • 07. Februar 2012 13:48 Uhr

    hat gemerkt, dass es im Winter kalt ist... TOLL!

  6. Na bitte, geht doch:
    http://www.focus.de/panor...

  7. den Kältetod ohne Mitgefühl sterben.

    Ich nehme, wenn irgend möglich Menschen mit im Auto, ja wenn jemand schellen würde, könnte ich ihn nicht abweisen. Ich verrammel nicht meine Türen! Und wenn ich jemanden in der Kälte auf der Strasse sehe, spreche ich ihn an. Ich könnte nicht an kranken und Obdachlosen einfach vorbeigehen! Wir leben hier auf dem Land, vielleicht geht s hier ja noch etwas anders zu!

    Antwort auf "Mitgefühl!"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, Reuters
  • Schlagworte Ausnahmezustand | Christoph Hartmann | Flughafen | Flugverkehr | Obdachlose | Schiff
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