SomaliaMutmaßlicher Pirat gesteht Überfall auf deutschen Frachter

Es ist der erste Prozess gegen somalische Piraten, nun gibt es das erste Geständnis. Ein Angeklagter beschuldigte seine Mitangeklagten, das Gericht belogen zu haben.

Im bundesweit ersten Piraten-Prozess hat ein Somalier nach 15 Monaten überraschend ein umfassendes Geständnis abgelegt. Seine Mitangeklagten bezichtigte der Mann der Lüge. Vor dem Landgericht in Hamburg seien "sehr viele Märchen" erzählt worden, sagte der Angeklagte.

"Es wurde so viel gelogen hier, man hat das Gericht in die Irre geführt." Alle zehn Angeklagten hätten bei dem Überfall auf den Hamburger Frachter Taipan freiwillig mitgemacht, sagte der Mann. Sie seien nicht, wie von manchen vor Gericht behauptet, dazu gezwungen worden.

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Die zehn angeklagten Somalier sollen das Schiff am Ostermontag 2010 vor der Küste Somalias beschossen und gekapert haben. Die 15-köpfige Besatzung verschanzte sich in einem Sicherheitsraum und wurde Stunden später von einem niederländischen Marinekommando befreit. Neun der zehn Angeklagten haben bisher vor Gericht ihre Beteiligung an dem Überfall eingeräumt. Einige erklärten jedoch, sie seien unter Zwang oder Täuschung dazu gebracht worden.

Bewaffnet mit Panzerfaust und Maschinengewehr

Der Angeklagte – er wurde vermutlich 1983 geboren, das genaue Alter ist jedoch strittig – stellte den Überfall nun aber als gut organisierte Tat dar. Alle hätten Verträge unterzeichnet, in denen etwa festgelegt gewesen sei, wie das erhoffte Lösegeld aufgeteilt wird und wie die Geiseln zu behandeln sind. "Jeder hat unterschrieben", sagte der Mann. "Es war alles ganz klar vorbereitet."

Allen seien bestimmte Aufgaben zugeteilt worden, sagte der Somalier und wies auf die Mitangeklagten: Dieser sei Steuermann gewesen, jener sei mit einer Panzerfaust bewaffnet gewesen, ein anderer habe ein Maschinengewehr gehabt. Der älteste Angeklagte habe den Angriff begonnen, "er war an vorderster Front". Seine eigene Aufgabe sei es gewesen, zu dolmetschen. "Jeder wusste, was er zu tun hatte." Er nannte auch den Namen ihres angeblichen Anführers in Somalia und berichtete von weiteren Hintermännern.

Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer für den Mann acht Jahre Haft gefordert – weniger als bei manchen Mitangeklagten, weil er den Niederländern Informationen über die Piraterie in Somalia gegeben hatte. Dass er erst nach 15 Monaten Prozessdauer am 78. Verhandlungstag so umfassend aussage, liege daran, dass er die ganzen Lügen nicht mehr ertragen könne, sagte der Angeklagte. "Die Wahrheit muss auf den Tisch. (...) Vor Gericht hat man uns korrekt und fair behandelt, und ich möchte Ihnen wirklich die Wahrheit sagen." An diesem Donnerstag soll der Angeklagte voraussichtlich zu seinem Geständnis befragt werden.

 
Leserkommentare
    • snm81
    • 29.02.2012 um 19:53 Uhr
    1. ironie

    vielleicht hat man ihm für seine aussage angeboten sein leben lang in einem europäischen gefängnis bleiben zu dürfen...
    ironie aus

    ich kann mich nicht dazu durchringen diese piraten moralisch allzu sehr zu verurteilen, weiss auch nicht warum...

    • strlcp
    • 29.02.2012 um 22:24 Uhr

    Nachdem der Pirat nun alle Mitangeklagten und die Hintermänner an Land verraten hat, wird er nichtmehr nach Somalia zurück können.
    Die werden Ihn töten.

    Also acht Jahre mit anschliesendem Asyl in Deutschland.

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    Sie sollten nicht über Asylbewerber spotten. Die Einhaltung der Menschenrechte gebietet uns, Menschen auf der Flucht vor Terror und akuter Bedrohung Schutz zu gewähren. Das ist für mich ein selbstverständlicher Grundsatz der Bundesrepublik, einem Land, das sozial stabil ist, in Überfluss und Reichtum prosperiert und global zu den zehn einflussreichsten Industrienationen zählt. Da ist das Asyl das mindeste, was man anbieten sollte.

    Sie sollten nicht über Asylbewerber spotten. Die Einhaltung der Menschenrechte gebietet uns, Menschen auf der Flucht vor Terror und akuter Bedrohung Schutz zu gewähren. Das ist für mich ein selbstverständlicher Grundsatz der Bundesrepublik, einem Land, das sozial stabil ist, in Überfluss und Reichtum prosperiert und global zu den zehn einflussreichsten Industrienationen zählt. Da ist das Asyl das mindeste, was man anbieten sollte.

  1. mit dem ewigen hin und her und den widerspruechlichen Aussagen das deutsche Rechtssystem ausgehebelt, weil ihm die Basis fuer solche Faelle fehlt. Es ist total ueberfordert. Wenn die Somalier wollen, koennen sie das Spiel unbegrenzt weiterfuehren. Kein Richter wird jemals in der Lage sein, ein Urteil zu faellen. Mein Vorschlag: 10 Jahre fuer alle wegen Kaperung eines fremden Schiffes. Das sollte Grund genug sein. Und keine weitern irrelevanten Diskussionen, wer nun vorne im Schnellbot sass und wer hinten.

    Eine Leserempfehlung
  2. Alle nach Somalia abschieben, und gut. Wem ist damit gedient, wenn wir die hier einsperren? Was soll mit ihnen passieren, wenn sie rauskommen? Lebenslänglich Somalia ist als Strafe auch nicht schlecht.

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    Somalia? Das ist doch die Gegend wo grade die Costa Allegra in Seenot geriet und ganz schnell von 2 französischen Fischtrawlern Hilfe erhielt. Wir sollten als EU erstmal damit aufhören der hungernden somalischen Bevölkerung den Fisch weg zu fangen damit wir hier billige Fischstäbchen essen können, bevor wir uns das Maul um die Piraten zerreissen.
    Hören wir auf der dortigen Bevölkerung die Lebensgrundlage zu rauben, dann erledigt sich das Piratenproblem von alleine.

    Somalia? Das ist doch die Gegend wo grade die Costa Allegra in Seenot geriet und ganz schnell von 2 französischen Fischtrawlern Hilfe erhielt. Wir sollten als EU erstmal damit aufhören der hungernden somalischen Bevölkerung den Fisch weg zu fangen damit wir hier billige Fischstäbchen essen können, bevor wir uns das Maul um die Piraten zerreissen.
    Hören wir auf der dortigen Bevölkerung die Lebensgrundlage zu rauben, dann erledigt sich das Piratenproblem von alleine.

  3. Somalia? Das ist doch die Gegend wo grade die Costa Allegra in Seenot geriet und ganz schnell von 2 französischen Fischtrawlern Hilfe erhielt. Wir sollten als EU erstmal damit aufhören der hungernden somalischen Bevölkerung den Fisch weg zu fangen damit wir hier billige Fischstäbchen essen können, bevor wir uns das Maul um die Piraten zerreissen.
    Hören wir auf der dortigen Bevölkerung die Lebensgrundlage zu rauben, dann erledigt sich das Piratenproblem von alleine.

    6 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Absurdes Theater"
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    Klar, egal welches Problem sich auf der Welt auftut, unsere Selbsthasser suchen immer die Ursache im Westen.

    Andere Regionen der Erde haben mit ähnlichen Problemen wie Somalia zu kämpfen und haben es dennoch geschafft auf andere Einnahmequellen wie Tourismus, Aquafarming usw. umzusteigen.
    Oder liegt es Ihrer Meinung nach an deren Kultur, dass Somalier angeblich nur die Option "Piraterie" haben?

    zu, daß ein Teil des Problems hausgemacht ist - in der ZEIT war vor längerem ein guter Artikel über die Überfischung der Meere vor der Küste von Somalia, wo detailliert beschrieben wurde, daß die somalischen Fischer keine Möglichkeit mehr haben, auf Fischfang zu gehen und daß die Überfischung durch Großschiffe seitens der Industrienationen dazu geführt hat, daß dieser Wirtschaftszweig in Somalia heute faktisch stillliegt - aber man sollte nicht vereinfachen. Somalia hat keine staatliche Struktur mehr, das führt dazu, daß faktisch verschiedene Warlords das Land regieren und dabei nur ihre eigenen finanziellen Interessen im Auge haben. Selbst wenn man die Großfischerei abstellen würde, würde nicht automatisch die Piraterie beendet.

    Klar, egal welches Problem sich auf der Welt auftut, unsere Selbsthasser suchen immer die Ursache im Westen.

    Andere Regionen der Erde haben mit ähnlichen Problemen wie Somalia zu kämpfen und haben es dennoch geschafft auf andere Einnahmequellen wie Tourismus, Aquafarming usw. umzusteigen.
    Oder liegt es Ihrer Meinung nach an deren Kultur, dass Somalier angeblich nur die Option "Piraterie" haben?

    zu, daß ein Teil des Problems hausgemacht ist - in der ZEIT war vor längerem ein guter Artikel über die Überfischung der Meere vor der Küste von Somalia, wo detailliert beschrieben wurde, daß die somalischen Fischer keine Möglichkeit mehr haben, auf Fischfang zu gehen und daß die Überfischung durch Großschiffe seitens der Industrienationen dazu geführt hat, daß dieser Wirtschaftszweig in Somalia heute faktisch stillliegt - aber man sollte nicht vereinfachen. Somalia hat keine staatliche Struktur mehr, das führt dazu, daß faktisch verschiedene Warlords das Land regieren und dabei nur ihre eigenen finanziellen Interessen im Auge haben. Selbst wenn man die Großfischerei abstellen würde, würde nicht automatisch die Piraterie beendet.

  4. 6. Re. 5

    Klar, egal welches Problem sich auf der Welt auftut, unsere Selbsthasser suchen immer die Ursache im Westen.

    Andere Regionen der Erde haben mit ähnlichen Problemen wie Somalia zu kämpfen und haben es dennoch geschafft auf andere Einnahmequellen wie Tourismus, Aquafarming usw. umzusteigen.
    Oder liegt es Ihrer Meinung nach an deren Kultur, dass Somalier angeblich nur die Option "Piraterie" haben?

    3 Leserempfehlungen
  5. 7. Re. 5

    Völlig richtig, so hat die Piraterie in der Region begonnen. Sie vergessen aber noch den Müll, den die halbe Welt aus Kostengründen in den Gewässern ablässt. Unschuldslämmer - wie der Kommentator 6 - sind sich natürlich keiner Schuld bewusst. Ist ja auch alles ganz weit weg, dafür tragen wir keine Verantwortung. Hauptsache, es gibt günstigen Fisch bei Aldi und es kommen nicht zu viele Afrikaner in die EU. Uns geht es gut :-)

    Eine Leserempfehlung
  6. zu, daß ein Teil des Problems hausgemacht ist - in der ZEIT war vor längerem ein guter Artikel über die Überfischung der Meere vor der Küste von Somalia, wo detailliert beschrieben wurde, daß die somalischen Fischer keine Möglichkeit mehr haben, auf Fischfang zu gehen und daß die Überfischung durch Großschiffe seitens der Industrienationen dazu geführt hat, daß dieser Wirtschaftszweig in Somalia heute faktisch stillliegt - aber man sollte nicht vereinfachen. Somalia hat keine staatliche Struktur mehr, das führt dazu, daß faktisch verschiedene Warlords das Land regieren und dabei nur ihre eigenen finanziellen Interessen im Auge haben. Selbst wenn man die Großfischerei abstellen würde, würde nicht automatisch die Piraterie beendet.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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  • Schlagworte Somalia | Alter | Besatzung | Gericht | Information | Landgericht
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