DDR-VergangenheitEgon Bahr für Schließung der Stasi-Unterlagen-Behörde

SPD-Veteran Egon Bahr sieht die Jahn-Behörde als Ursache der mentalen Spaltung der Deutschen und will sie abschaffen. In der Ost-CDU regt sich Widerstand.

Säckeweise Akten in der Stasi-Unterlagenbehörde in Berlin

Säckeweise Akten in der Stasi-Unterlagenbehörde in Berlin

Der SPD-Politiker Egon Bahr hat sich für die baldige Schließung der Stasi-Unterlagenbehörde ausgesprochen. Das, was die Behörde in 20 Jahren für die Aufklärung des DDR-Systems habe leisten können, sei inzwischen geschehen, sagte er der Berliner Zeitung. Darüber hinaus vertiefe die Behörde die mentale Spaltung der Deutschen, solange die Aufarbeitung nur für die ehemalige DDR betrieben werde.

"Das proklamierte Ziel der Inneren Einheit ist verfehlt worden, wenn sich nach 20 Jahren unsere Menschen noch immer als Ossis und Wessis empfinden", sagte Bahr. Deshalb solle jetzt ein Zeitpunkt festgelegt werden, an dem die Behörde geschlossen wird und ihre Akten an die dafür zuständigen Archive übergeben werden. Dort müssten aber selbstverständlich alle Menschen ihre Akten weiter einsehen können, fügte der 89-Jährige hinzu.

Anzeige

"Herr Bahr war von Anfang an dagegen"

Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Arnold Vaatz, wies Bahrs Forderung scharf zurück. "Herr Bahr war von Anfang an dagegen", sagte er der Mitteldeutschen Zeitung. "Es gibt kaum einen, der den Opfern der Stasi größeren Schmerz zugefügt hat als Egon Bahr." Die Behörde werde mindestens bis 2019 gebraucht, denn so lange gebe es die Regelüberprüfung im öffentlichen Dienst.

Fotostrecke Stasiakten
Um die Fotostrecke zu sehen, klicken Sie bitte auf das Bild

Um die Fotostrecke zu sehen, klicken Sie bitte auf das Bild

Seit März vergangenen Jahres leitet Roland Jahn die Stasi-Unterlagenbehörde. Auf seine Initiative hin novellierte der Bundestag im November das Gesetz, das die Grundlage für die Arbeit der Behörde vorgibt. Darin ist auch festgelegt, dass Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes noch bis 2019 mit Stasi-Überprüfungen rechnen müssen.

Bahr war einer der Architekten der Ostpolitik in den siebziger Jahren und damit auch der deutsch-deutschen Annäherung. Als Bundesminister handelte er mehrere Verträge mit der DDR aus.

 
Leserkommentare
    • I M W
    • 11.02.2012 um 19:40 Uhr

    Das Grundgesetz ist die Verfassung der BRD *augenroll*.

    Ein Text wird nicht zur Verfassung, weil da das Wort "Verfassung" drüber steht. Dass man so etwas noch klarstellen muss.

    Antwort auf "Kleiner Hinweis:"
    • I M W
    • 11.02.2012 um 19:51 Uhr

    Wissen Sie, BerndL, hätten doch mehr wie Sie gedacht und die DDR hätte als eigenständiger Staat weitergemacht.

    Ossis wie Sie, die stehen mir so nah wie Österreicher und Deutsch-Schweizer. Es gibt eine "gemeinsame" Sprache, mehr aber nicht.

    Man, wäre das schön gewesen. Ich hätte keinen Soli bezahlen müssen und Sie hätten ja nur das Grenzregime der SED fortsetzen müssen.

    Oder hätten Sie erwartet, dass wir Wessis mal zur Abwechslung auf Grenzverletzer schießen, damit die Menschen in Ihrem neuen gelobten Land bleiben?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Hallo IMW,
    .
    Zitat: Ossis wie Sie, die stehen mir so nah wie Österreicher und Deutsch-Schweizer. Es gibt eine "gemeinsame" Sprache, mehr aber nicht.
    .
    Noch ein Zitat, diesmal aus dem Artikel:
    "Das proklamierte Ziel der Inneren Einheit ist verfehlt worden, wenn sich nach 20 Jahren unsere Menschen noch immer als Ossis und Wessis empfinden", sagte Bahr.

    Hallo IMW,
    .
    Zitat: Ossis wie Sie, die stehen mir so nah wie Österreicher und Deutsch-Schweizer. Es gibt eine "gemeinsame" Sprache, mehr aber nicht.
    .
    Noch ein Zitat, diesmal aus dem Artikel:
    "Das proklamierte Ziel der Inneren Einheit ist verfehlt worden, wenn sich nach 20 Jahren unsere Menschen noch immer als Ossis und Wessis empfinden", sagte Bahr.

    • I M W
    • 11.02.2012 um 19:55 Uhr

    Ich suche schon die ganze Zeit nach Mitmenschen, die das Loblied der SED ähm, Der Linken auf die Mauer mitsingen.

    Danke für Ihre Meldung, BaltasarGracian.

  1. Hallo IMW,
    .
    Zitat: Ossis wie Sie, die stehen mir so nah wie Österreicher und Deutsch-Schweizer. Es gibt eine "gemeinsame" Sprache, mehr aber nicht.
    .
    Noch ein Zitat, diesmal aus dem Artikel:
    "Das proklamierte Ziel der Inneren Einheit ist verfehlt worden, wenn sich nach 20 Jahren unsere Menschen noch immer als Ossis und Wessis empfinden", sagte Bahr.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • I M W
    • 12.02.2012 um 19:43 Uhr

    dass Sie da nachdenklich werden, Spitzbube.

    Mir liegt gar nichts daran die Spaltung zu überwinden, wenn ich dazu meine Meinung über IMs, SED-Kader und Links-Partei-Anhänger ändern müsste.

    • I M W
    • 12.02.2012 um 19:43 Uhr

    dass Sie da nachdenklich werden, Spitzbube.

    Mir liegt gar nichts daran die Spaltung zu überwinden, wenn ich dazu meine Meinung über IMs, SED-Kader und Links-Partei-Anhänger ändern müsste.

    • gn42
    • 11.02.2012 um 22:03 Uhr

    Die Stasi-Leute haben den historischen Fehler begangen, auf der falschen Seite, in der falschen Partei gewesen zu sein.
    In der BRD wäre ihnen als ehemaligen Nazis nichts passiert, sie hätten in der Justiz, im Beamtenapparat als Pensionäre mit ihrem braunen Gedankengut weiter wirken können.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Hallo gn42 ,
    .
    das Deutschland der Fünfziger- und Sechzigerjahre, wo Altnazis tatsächlich im Amt bleiben konnten, unterscheidet sich gründlich vom Deutschland der Neunziger. Man wollte eben den gleichen Fehler nicht ein zweites Mal machen. Auch die Politiker, die entschieden haben, dass Stasileute von bestimmten Ämtern auszuschließen sind, waren nicht dieselben wie 1960.
    .
    In den 1990-er Jahren konnten auch keine Nazis mehr Lehrer oder Richter werden. Ihre Behauptung, hier sei mit zweierlei Maß gemessen worden, ist bloße Propaganda, ein Täuschungsversuch.

    Hallo gn42 ,
    .
    das Deutschland der Fünfziger- und Sechzigerjahre, wo Altnazis tatsächlich im Amt bleiben konnten, unterscheidet sich gründlich vom Deutschland der Neunziger. Man wollte eben den gleichen Fehler nicht ein zweites Mal machen. Auch die Politiker, die entschieden haben, dass Stasileute von bestimmten Ämtern auszuschließen sind, waren nicht dieselben wie 1960.
    .
    In den 1990-er Jahren konnten auch keine Nazis mehr Lehrer oder Richter werden. Ihre Behauptung, hier sei mit zweierlei Maß gemessen worden, ist bloße Propaganda, ein Täuschungsversuch.

  2. habe ich so meine Probleme. Wenn Sie damit meinen, so "schnell" wie möglich das Sowjetsystem auf deutschem Boden verschwinden zu lassen kann ich dem nur zustimmen. Wenn Sie aber meinen, durch den Kampf wäre erst das System zusammengebrochen, muss ich als zwangsweise in dem System ausharrend Gehabter sagen: Hier wird irgendwelcher Kampf überschätzt.
    Das System wäre über kurz oder lang an seiner wirtschaftlichen Unfähigkeit auf jeden Fall auch ohne grösseren Kampf zusammengefallen.
    Die wirtschaftlichen Probleme für die Deutschen wären dann aber offensichtlich noch viel grösser geworden als so schon.
    Das manche Leute in der SPD Verständnisprobleme mit dem Zusammenbruch des Sowjetsystems in Deutschland hatten und noch haben ist einfach bedauernswert. Da sind die verqueren Äußerungen des gealterten Herrn Bahr noch harmlos gegen die vom ehemaligen SPD-Genossen Lafontaine vor dem damals anstehenden Neuanschluss Ost-Deutschlands an die Bundesrepublik.

  3. SPD-Veteran Egon Bahr sieht die Jahn-Behörde als Ursache der mentalen Spaltung der Deutschen und will sie abschaffen.

    Mit dieser Absicht schließt er die Spaltung nicht, er zementiert sie. Viele der ewig-gestrigen "Verlierer" der Wende oder "Übernahme durch die BRD" haben doch diese Spaltung in den Köpfen schön brav festgeschrieben und propagieren sie mit Förderung durch die Nachfolger der ehemaligen staatstragenden Partei (Art. 1 der Verfassunf der DDR von 1974: "„(1) Die Deutsche Demokratische Republik ist ein sozialistischer Staat der Arbeiter und Bauern. Sie ist die politische Organisation der Werktätigen in Stadt und Land unter Führung der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei. ".

    Ich empfehle doch mal, ganz einfach hier nachzulesen:
    http://www.grh-ev.org/
    http://www.gbmev.de/ insbesondere:
    http://www.gbmev.de/erkla...
    http://www.isor-sozialver...
    http://grenztruppen-der-d...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ihre Verweise erinnern mich daran,dass es diese Hilfsorganisationen auch früher schon gegebn hat.
    Die bekannteste war wohl die HIAG (Hilfsorganisation für die Angehörigen der Waffen- SS).
    Natürlich haben auch diese Leute nur nach (damals geltendem) Recht und Gesetz gehandelt.

    Ihre Verweise erinnern mich daran,dass es diese Hilfsorganisationen auch früher schon gegebn hat.
    Die bekannteste war wohl die HIAG (Hilfsorganisation für die Angehörigen der Waffen- SS).
    Natürlich haben auch diese Leute nur nach (damals geltendem) Recht und Gesetz gehandelt.

  4. ... das behauptet ja Frau Lötsch immer noch mit empörtem Nachdruck.

    Nur:
    Warum wurden dann so viele in der DDR wegen politische Unzuverlässigkeit (eigener oder der der Eltern) nicht zur von ihnen gewünschten Berufsausbildung zugelassen?

    Warum wurden so viele, die einen Ausreiseantrag gestellt hatten, sofort von ihrer Arbeitsstelle entfernt, warum mussten viele in diesem Fall ihren Wohnraum gegen minderwertigen eintauschen?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Warum gibt man jetzt denen die Schuld die damals genau das ändern wollen, die genau wegen solcher Kritik in die SED gingen UND an den Demos teilnahmen? Warum wirft der Wessi alles in einen Topf? Warum wird ein Beamter, nach dem er 20 Jahre bei der Aufklärung der Stasiarbeit half, plötzlich versetzt? Warum urteilen wir, über vergangenes, was wir heute kaum anders machen? Sind wir heute besser? [...] Zahlen wir Diktatoren kein Geld damit sie die Ausreise nach Europa verhindern? Doch das alles tun wir und es wird kaum diskutiert. Stattdessen gibt es alle zwei Wochen ne Stasi-Debatte.

    Diese Behörde hat eines geschafft: Absolute Abneigung oder vielleicht sogar Hass auf alle Menschen der selben Behörde zu lenken. Früher waren es nur die Inoffiziellen Mitarbeiter, die man für unmoralisch und vielleicht in teilen Kriminell hielt. Aber je weiter wir in der "Aufklärung" voranschreiten erheben wir uns auch über Verwaltungsangestellte und sogar SED-Mitglieder.

    SED-Mitglieder sind überall. Wussten Sie dass Maybrit Illner in der SED war?

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Die Redaktion/vn

    Warum gibt man jetzt denen die Schuld die damals genau das ändern wollen, die genau wegen solcher Kritik in die SED gingen UND an den Demos teilnahmen? Warum wirft der Wessi alles in einen Topf? Warum wird ein Beamter, nach dem er 20 Jahre bei der Aufklärung der Stasiarbeit half, plötzlich versetzt? Warum urteilen wir, über vergangenes, was wir heute kaum anders machen? Sind wir heute besser? [...] Zahlen wir Diktatoren kein Geld damit sie die Ausreise nach Europa verhindern? Doch das alles tun wir und es wird kaum diskutiert. Stattdessen gibt es alle zwei Wochen ne Stasi-Debatte.

    Diese Behörde hat eines geschafft: Absolute Abneigung oder vielleicht sogar Hass auf alle Menschen der selben Behörde zu lenken. Früher waren es nur die Inoffiziellen Mitarbeiter, die man für unmoralisch und vielleicht in teilen Kriminell hielt. Aber je weiter wir in der "Aufklärung" voranschreiten erheben wir uns auch über Verwaltungsangestellte und sogar SED-Mitglieder.

    SED-Mitglieder sind überall. Wussten Sie dass Maybrit Illner in der SED war?

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Die Redaktion/vn

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Kommentare 63
  • Versenden E-Mail verschicken
  • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Schlagworte Egon Bahr | CDU | Architekt | Archiv | Arnold Vaatz | Aufklärung
  • Artikel-Tools präsentiert von:

Service