Der ehemalige Chef des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn , steht erneut als Verdächtiger im Visier der Justiz. Nach einer Vorladung der französischen Ermittlungsbehörde begab sich der 62-Jährige im nordfranzösischen Lille in Polizeigewahrsam, um eine Aussage in der sogenannten Callgirl-Affäre zu machen. Er werde zum Vorwurf einer möglichen Beteiligung an "bandenmäßiger Zuhälterei" und Beihilfe zur Veruntreuung von Firmengeldern verhört, hieß es bei der Staatsanwaltschaft. Strauss-Kahn fuhr in einem Wagen mit getönten Scheiben vor und wurde von einem Anwalt begleitet.

In Affäre geht es vor allem um die Frage, ob Strauss-Kahn bei seiner Teilnahme an gesponserten Partys wusste, dass die Teilnehmerinnen Prostituierte waren. Sollten die Ermittler Hinweise darauf finden, droht ihm eine Anklage wegen Beihilfe zur Zuhälterei.

Die zweite Frage im Zentrum der Vernehmungen ist die Finanzierung der Partys. Sie wurden von zwei Bekannten Strauss-Kahns organisiert, einer von ihnen rechnete sie über seine Firma ab. Sollte Strauss-Kahn über die betrügerischen Machenschaften informiert gewesen sein und gegebenenfalls auch illegale Gegengeschäfte in Aussicht gestellt haben, droht ihm eine Anklage wegen Veruntreuung. Den Prostituierten waren nach Medienberichten 500 bis 1.600 Euro für Partys in Paris , Brüssel und New York gezahlt worden.

Strauss-Kahn hatte selbst auf sein Verhör gedrängt

Der Polizeigewahrsam könnte nach Angaben aus Justizkreisen theoretisch bis zu 96 Stunden dauern, dürfte den Angaben zufolge aber nicht länger als 48 Stunden angeordnet werden. Strauss-Kahn hatte seit vergangenem Herbst selbst darauf gedrängt, zu dem Fall verhört zu werden.

Strauss-Kahn musste im vergangenen Jahr von seinem Posten als Chef des Internationalen Währungsfonds ( IWF ) zurücktreten, nachdem ihm versuchte Vergewaltigung eines Zimmermädchens in einem New Yorker Hotel vorgeworfen worden war. Das Strafverfahren in den USA wurde später wegen Zweifeln an der Glaubwürdigkeit des Zimmermädchens eingestellt . Durch die Vorwürfe war auch Strauss-Kahns politische Karriere in Frankreich ins Straucheln geraten – lange hatte er bei den Sozialisten als aussichtsreicher Herausforderer von Nicolas Sarkozy bei den Präsidentenwahlen in diesem Jahr gegolten.