KältewelleTäglich neue Todesopfer durch Kälte in Europa

Die Minustemperaturen werden europaweit zur tödlichen Gefahr. Auch in Deutschland sind bereits Menschen erfroren. Die Kirchen mahnen zu mehr Solidarität mit Obdachlosen. von afp, dpa und reuters

Durch die extreme Kälte sind europaweit bislang weit über hundert Menschen erfroren, allein 101 Menschen starben in der Ukraine . Bei Temperaturen von stellenweise minus 33 Grad Celsius ist die Lage dort besonders ernst. Nach Angaben des Zivilschutzministeriums werden mehr als 1.200 Menschen wegen Erfrierungen und Unterkühlungen in Krankenhäusern behandelt.

Beobachter vermuten, dass es tatsächlich noch weit mehr Opfer gibt. Wegen der Kälte hat die ukrainische Regierung die Zahl der Wärmestuben auf fast 3.000 erhöht. Die meisten Kälteopfer waren Obdachlose.

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Russland nannte unterdessen erstmals offizielle Zahlen zu den Kälteopfern: Demnach erfroren im Januar insgesamt 64 Menschen. In Rumänien wurden bislang mindestens 22, in Bulgarien zehn Tote gezählt. 29 Menschen erfroren nach Angaben des Innenministeriums in Polen , in Italien waren es drei. In Tschechien kostete die Kälte seit Wochenbeginn mindestens sieben Menschen das Leben. In Österreich stürzte eine 83-Jährige beim Spaziergehen und erfror.

Auch in Deutschland sind zwei weitere Menschen erfroren. In Niedersachsen starb ein gehbehinderter Rentner auf einem Feldweg zwischen Harderode und Bremke. Ein Spaziergänger habe die Leiche des 69-Jährigen am Donnerstag entdeckt, teilte die Polizei mit. Es spreche alles dafür, dass der Mann in der Nacht an Unterkühlung gestorben sei.

In Magdeburg starb ein 55 Jahre alter Mann. Eine Passantin hatte den Obdachlosen auf einer Bank vor einem Geschäft entdeckt.

Kirchen fordern Menschen auf, Obdachlosen zu helfen

Die evangelische und die katholische Kirchen mahnten zu mehr Aufmerksamkeit im Umgang mit Wohnungslosen. "Keiner soll den Kältetod sterben", sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider. Gerd Landsberg vom Deutschen Städte- und Gemeindebund sagte: "Wir dürfen nicht wegsehen." Obdachlose anzusprechen und ihnen Hilfe zu vermitteln, sei "ein Gebot menschlicher Vernunft".

Die Nacht vom Donnerstag auf Freitag war die bislang kälteste Nacht dieses Winters. In Teilen Thüringens und Sachsens gab es Temperaturen von minus 22 Grad. Ein Ende der Kältewelle ist nicht in Sicht. "Das eisige Winterwetter bleibt uns auch in den nächsten Tagen erhalten", sagte Hans-Werner Voß vom Deutschen Wetterdienst. Nachts könne es in Deutschland bis zu minus 20 Grad kalt werden. Zudem werde noch ein wenig Schnee fallen.

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Leserkommentare
    • V2000
    • 03. Februar 2012 7:40 Uhr

    Nett, daß die Kirche sich so für die Obdachlosen einsetzt.
    Tut sie dies ausreichend handelnd oder nur verbal?
    Wenn sie solche Menschenfreunde in dieser eisigen Zeit sind, dann mögen sie doch bitte sofort Gottes- und Gemeindehäuser kräftig heizen, Küchen und Schlafmöglichkeiten einrichten und die Nichtseßhaften herzlich und christlich willkommen heißen.
    Amen!

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    • kai_83
    • 03. Februar 2012 9:06 Uhr

    In allen Städten, in denen ich bisher gelebt habe, gab es katholische Obdachlosenhilfen, Heime für Nichtsesshafte und Suppenküchen. Diese helfen m.W. ganzjährig, nicht nur wenn auch andere Menschen die Kälte spüren.

    @V2000: wieviele Menschen haben Sie eigentlich zuhause aufgenommen? Oder ging es Ihnen nur um pauschale Kirchenkritik, weils ja so schon einfach und en vogue ist?

    €V2000, Ihr Gedanke, daß die Kirchen etwas tun anstelle nur appellieren sollen, kam mir bei der Überschrift "Kirchen rufen auf" auch sofort.
    Aber vielleicht liegt's auch an der Neben-Überschrift? Dort hätte ja auch stehen können, daß sich die Kirche vermehrt um die Obdachlosen kümmert, und wie sie das macht.

    Und wenn sie schon zur Hilfe aufruft, wäre es sehr konstruktiv, wenn sie dazu auch gleich Tipps gibt, wie. Hoffentlich nicht nur, einen bei sich aufzunehmen.. dazu fehlt mir offengestanden der Mut. Vielleicht Sachspenden? Essen, alte Decken? Oder (nur für die Zeit der Extremkälte) ehrenamtliche Hilfe?

  1. Warum in die Ferne schauen,auch bei uns gehen die Menschen in die Wälder um Brennstoff für die Öfen zu besorgen. War doch alles schon einmal da, oder etwa nicht? Heizöl und Russland - Gas kann sich doch eh keiner mehr leisten, also müssen Holz und die gute alte Braunkohle wieder herhalten. Wer sich den Liter Heizöl mit 95 Cent nicht mehr leisten will oder auch nicht kann, der wird nach dem guten alten Stubenofen Ausschau halten. Wie wird doch von unseren Regierenden immer behauptet, der freie Markt wird es schon richten. Grüße an den Bundesfinanzminister, er verdient sich bei so viel Kälte und soviel Steuern warme Hände, Obdachlose und Rentner gehen in die Wärmeküchen, dank "Cooper".

  2. Ich frage mich immer, warum Menschen obdachlos sein können. Haben wir nicht ein ausreichend großes soziales "Fangnetz", welches Menschen ermöglicht, auch ohne Job eine Wohnung zu bewohnen? Hartz IV, Wohnungszuschüsse etc. Dann kann es sich nur um Leute handeln, die sich nicht helfen lassen wollen oder so große Probleme mit sich selbst haben, dass sie in Behandlung gehören.

    Finde übrigens den Kommentar von V2000 super. Mit dem Finger auf andere zeigen kann jeder, aber auch selbst mal helfen... So würde sich die Kirche mal wieder ins richtige Licht rücken.

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    • kimiko
    • 03. Februar 2012 9:01 Uhr

    Alkoholabhängig. Es stimmt schon, dass niemand in Deutschland obdachlos sein muss.

    kann man nicht erzwingen. Und auch wenn es aufgrund einer psychischen Krankheit geschieht, gibt es keinen Zwang, solange wirklich keine akute Fremd- oder Eigengefährdung besteht. Leider kürzlich erst im Freundeskreis erlebt.

    Gehen Sie ab und zu mal auf die Straße oder in eine der vielen Wärmestuben oder Suppenküchen dieser Republik. Sie können dort live die Menschen antreffen, die trotz sozialer Netzwerke kein Wohnraum bekommen haben und mit Frostbeulen an den Fingern ihren Kaffee schlürfen. Alles Schönreden hilft denen am wenigsten, die gar nichts mehr haben. Sie schreiben Ihren Kommentar sicherlich aus einer warmen Stube heraus, an alle die,die krank, zu feige oder zu faul sind. Ihre Anteilnahme ist vorurteilsfrei und grenzenlos.

    • noitom
    • 03. Februar 2012 9:38 Uhr

    Vielleicht sollten Sie sich nicht nur selbst fragen, wie das nur sein kann.
    Fragen Sie doch mal die Betroffenen.

    Es ist nicht sonderlich schwer Probleme mit sich selbst zu bekommen, aber sehr schwer sich durch den Sumpf von Obdachlosenunterkünften, Sozialämtern, Behörden, Wohnungsbaugesellschaften, Jobsuche durchzukämpfen. Und das vielleicht schon zum wiederholten Male.

    Es ist ganz einfach der falsche Ansatz dabei die Frage nach dem "Verschulden" in den Mittelpunkt zu rücken. Armutsbekämpfung ist eine Querschnittsaufgabe der Gesellschaft und der Politik.

    Neben Obdachlosigkeit gibt es ca. 8 Millionen Menschen in Deutschland mit behandlungsbedürftigen psychischen Störungen. Das wird sich nicht nur mit ein paar bunten Pillen der Pharmaindustrie beheben lassen.

    Wenn wir eine Gesellschaft wollen, in der die Schwächeren nicht so leicht auf der Strecke bleiben, liegt es auch an jedem Einzelnen dazu beizutragen, interessiert und solidarisch zu sein.

    um von dieser Gesellschaft Hilfe erwarten zu können.

    Hier dringt ja auch schon aus der Mehrzahl der Kommentare das selbst Schuld sein durch.

    Und hey, so einen toten Obdachlosen, denn kann man auch mal wunderbar als Vehikel für die Probleme mit den Kirchen, also eigentlich nur der katholischen, denn die evangelischen Christen, die glänzen ja weit in die Vergangenheit hinein, benutzen.
    Sind ja meist eh arbeitslos und ....los.

    Ein Erfrohrener eignet sich übrigens auch hervorragend als Schlitten, wie in der Simpsonsfolge um Menschlichkeit, also nutzet die Möglichkeiten!

    Sie schreiben:
    "3. In Deutschland muss niemand frieren.
    Ich frage mich immer, warum Menschen obdachlos sein können. Haben wir nicht ein ausreichend großes soziales "Fangnetz", welches Menschen ermöglicht, auch ohne Job eine Wohnung zu bewohnen? Hartz IV, Wohnungszuschüsse etc. "

    Wäre das alte Bundessozialhifegesetz noch gültig, dann hätten Sie vielleicht Recht, denn da galt die Abwendung von Obdachlosigkeit als vorrangiges Prinzip.

    Seit der Schröderschen Agenda ist die Androhung von Obdachlosigkeit durch gnadenlose Sanktionen in Form von Kürzungen und Streichungen von Hartz4 zum "Erziehungsmittel" der Jobcenter geworden.

    Und nicht nur die Menschen, die draußen leben, sind vom Kältetod bedroht bei minus 25 Grad, sondern auch die vielen Menschen, die ihre Wohnung nicht mehr heizen können, weil die Energieversorger ihnen Strom und Gas gesperrt haben.

    Sie wissen vielleicht nicht, dass zwar die Kosten für Heizung, aber nicht die für Warmwasser übernommen werden.

    Zahlt ein ALG2-Empfänger vielleicht 50 Euro Gaskosten für Heizung und Warmwasser, so werden davon vielleicht 25 Euro übernommen. Steigt dieser Betrag bei außergewöhnlicher Kälte auf 100 Euro, so werden nicht 75 Euro für Heizung übernommen, sondern nur 50.

    Der Appel, Hilfe zu leisten, sollte auch an die Energieversorger gehen, bei Extremkälte von der Praxis abzusehen, den Strom abzustellen oder andere Energieversorgung einzustellen.

    • Craight
    • 03. Februar 2012 13:01 Uhr

    meist haben Obdachlose noch mehr Probleme als nur kein Geld,
    viele haben einen psychischen Knacks, können schlecht Lesen/Schreiben. Daher haben es viele schwer überhaupt Anträge zu stellen, sich Hilfe zu suchen (Angst) oder wollen schlicht keine Hilfe.

    • kimiko
    • 03. Februar 2012 9:01 Uhr

    Alkoholabhängig. Es stimmt schon, dass niemand in Deutschland obdachlos sein muss.

  3. 5. Hilfe

    kann man nicht erzwingen. Und auch wenn es aufgrund einer psychischen Krankheit geschieht, gibt es keinen Zwang, solange wirklich keine akute Fremd- oder Eigengefährdung besteht. Leider kürzlich erst im Freundeskreis erlebt.

  4. schnacken nur. Wer kümmert sich um Aidskranke in Afrika? Um vergewaltigte Kinder in kirchlicher Obhut? Diese Doppelzüngigkeit ist widerlich.

    Es ist übrigens wirklich ARSCHKALT. Aber ich find's sehr schön, so weiß man, dass man noch lebt :)

    Dass Menschen, grade solche ohne Obdach, erfrieren, muss dennoch nicht sein. Allerdings gibts auch Obdachlose, die wollen garnicht anders (als draußen zu bleiben, erfrieren möchte wohl niemand).

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    • outis
    • 03. Februar 2012 11:48 Uhr

    Das Engagement der Kirchen ist vorbildlich. Sie tun, was sie können, um Obdachlosen in ihrer schwierigen sozialen Situation zu helfen. Widerlich ist es lediglich, dieses Engagement beiseite zu wischen und allfällige Kritik zu äußern, die mit diesem Thema nichts zu tun hat.

    • kai_83
    • 03. Februar 2012 9:06 Uhr

    In allen Städten, in denen ich bisher gelebt habe, gab es katholische Obdachlosenhilfen, Heime für Nichtsesshafte und Suppenküchen. Diese helfen m.W. ganzjährig, nicht nur wenn auch andere Menschen die Kälte spüren.

    @V2000: wieviele Menschen haben Sie eigentlich zuhause aufgenommen? Oder ging es Ihnen nur um pauschale Kirchenkritik, weils ja so schon einfach und en vogue ist?

    Antwort auf "Gehet voran!"
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    Ich finde es schlimm, wenn Menschen an allem herumkritisieren. Die Kirche hilft vielfältig. Ohne die ständig Arbeit sowohl der kirchlichen als auch sonstiger Organisationen und freiwilliger Helfer, würde die Situation nicht nur der Obdachlosen viel tragischer sein und mit Sicherheit die Zahl der Kälteopfer beträchtlich ansteigen. Aber alle Organisationen, die Kirche eingeschlossen, können nicht die gesamte Breite der Notwendigkeiten abdecken. Und was tun sie? Sie ermahnen die Gesellschaft nicht wegzusehen, sich nicht umzudrehen, sich mitverantwortlich zu fühlen! Und das finden einige Menschen schlimm? Warum eigentlich? Gerade Menschen mit psychischen Problemen, vielleicht als Folge einer Langzeitobdachlosigkeit?, sollten im Mittelpunkt des Interesses stehen. Natürlich erwartet niemand das wir nun alle Obdachlosen mit zu uns nach Hause nehmen. Aber man kann die Hilfsorganisationen, die Polizei, das Rote Kreuz etc. informieren, wenn man in einer bitterkalten Nacht noch irgendwo Obdachlose sieht, die nicht in eine der Unterkünfte gegangen sind. Und es kostet uns auch nichts, wenn wir die Angelegenheit so lange beobachten, bis Hilfe eintrifft. Ob man selbst mit Obdachlosen spricht über ihre Lage und Lösungsvorschläge macht, muss jeder entscheiden. Nicht alle Menschen können sich in einer solchen Situation angemessen verhalten. Aber ein Handy haben inzwischen die meisten und ein paar Einheiten für einen Anruf sollte uns das Leben eines Menschen schon wert sein.

  5. Ich engagiere mich ehrenamtlich für Obdachlose und Bedürftige. Leider stellen wir immer wieder fest, dass die Hilfe, die von vielen guten Organisationen (kommunal und kirchlich) angeboten wird, aus den verschiedensten Gründen nicht angenommen wird. In unserer Gemeinde muss niemand obdachlos sein - wer es trotzdem ist, will sich nicht helfen lassen. So traurig das ist....

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    . . .neoliberalen Zeiten, d.h. ideologisch ich muß es aus eigener Kraft schaffen. Das diese Einstellung ganze Kausalitäten ignoriert, nun ja, das ist mit Ideologien halt so.
    Die "andere Seite", die Menschen die Hilfe organisieren, nun ja, auch ohne Absicht zeigen sie dem Hilfe"bedürftigen" seinen Looserstatus ohne Perspektive auf.
    Der Mensch strebt nach Unabhängigkeit und dann nach Gemeinschaft, nun, das Erstere fehlt leider.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters
  • Schlagworte Europa | Krankenhaus | Obdachlose | Vernunft | Winter | Italien
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