Die Behörden haben nach den Attentaten an einer jüdischen Schule in Toulouse sowie auf französische Soldaten in Montauban noch keine Spur zum Täter. "Wir wissen bis heute nicht, wer er ist, so weit sind wir noch nicht", sagte Innenminister Claude Guéant. Die Behörden gehen von einem rassistischen Motiv aus.

Der Innenminister bestätigte Zeugenaussagen, nach denen der Täter die Morde mit einer am Hals befestigten Videokamera gefilmt hat. Das habe die Auswertung der Überwachungskameras ergeben. Der Täter sei kaltblütig und zielstrebig vorgegangen und habe sich mit großer Präzision bewegt. Er sei besonders grausam, sagte der Guéant. Der Pariser Staatsanwalt bestätigte noch nicht, dass der Täter eine Mini-Kamera dabei hatte.

Der Täter hatte am Montag drei Kinder und einen Lehrer in Toulouse erschossen sowie einen weiteren Menschen schwer verletzt. Der Täter soll auch für die Tötung von drei Fallschirmjägern ausländischer Abstammung vor wenigen Tagen verantwortlich sein: Guéant zufolge verwendete er bei allen Anschlägen einen gestohlenen Motorroller und dieselbe Handfeuerwaffe .

Terrorwarnung in der Region auf höchster Stufe

Anfangs hatte die französische Polizei den Täter in der Armee vermutet. Noch am Morgen hatte Guéant bei der Tätersuche von entlassenen Soldaten mit Neonazi-Ansichten gesprochen, "die Rachegedanken haben könnten". Das Magazin Le Point berichtete , der Täter könne einer von drei Soldaten sein, die im Jahr 2008 wegen Neonazi-Umtrieben aus der Armee entlassen worden waren. Nun steht diese Spur Polizeikreisen zufolge nicht mehr im Vordergrund. Eine Identifizierung ist bislang nicht möglich, weil das Gesicht des Täters bei der Tat in Toulouse von einem Motorradhelm verdeckt wurde.

Die französische Justiz hat die Anschläge inzwischen als terroristische Taten eingestuft. Der zuständige Staatsanwalt François Molins begründete das mit der rassistischen und auch antisemitischen Natur der Taten sowie der Entschlossenheit des Täters. Eine Wiederholungstat sei nicht auszuschließen, sagte er. Es handele sich um einen "extrem entschlossenen" und "kaltblütigen" Täter. Alle sieben Opfer an den drei Tatorten seien mit einem "aufgesetzten Kopfschuss" getötet worden.

Aus Furcht vor weiteren Anschlägen wurde die Terrorwarnung in der Region auf die höchste Stufe angehoben. Vor religiösen Einrichtungen wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft.

Schweigeminute in Frankreich

Den vier Todesopfern des Anschlages in Toulouse wurde mit einer Schweigeminute an Schulen in ganz Frankreich gedacht. Eine Sprecherin des Zentralrats der Juden in Frankreich sagte, dass die Leichen der vier Opfer am Abend nach Israel geflogen werden sollen. Dort sollen sie beigesetzt werden.

Wegen der Anschläge will Präsident Nicolas Sarkozy seinen Wahlkampf bis Mittwoch aussetzen. Auch sein sozialistischer Herausforderer François Hollande und die Rechtsextremistin Marine Le Pen kündigten an, den Wahlkampf ruhen zu lassen. Beobachter gehen davon aus, dass sich der bislang aggressive und populistische Tonfall im Wahlkampf nun ändern wird. Sarkozy hatte versucht, mit ausländerkritischen Botschaften Stimmen am rechten Rand zu gewinnen.