Roman: Muttersein ist nicht nur kuschelig
In ihrem Roman beschreibt Helen Walsh eine junge Mutter, die eine postnatale Depression fast in den Selbstmord treibt. Im Interview erzählt sie, wie es ihr selbst erging.
© Kiepenheuer & Witsch

Die britische Autorin Helen Walsh
Helen Walsh hat in Großbritannien eine Lawine losgetreten. Nach der Veröffentlichung ihres autobiografischen Romans "Ich will schlafen!" bekam sie Tausende E-Mails von Müttern aus der ganzen Welt, die sich bisher nicht getraut hatten, über ihre negativen Erfahrungen zu sprechen. Walshs Romanheldin Rachel ist eine alleinerziehende Mutter, die an einer postnatalen Depression und an Schlafmangel leidet. Der Sohn der Autorin litt an der sogenannten Refluxkrankheit, was jedoch erst nach Monaten diagnostiziert wurde. Bis dahin spuckte er die Milch immer wieder aus, wurde nicht richtig satt und schlief deswegen kaum. Inzwischen ist er vier Jahre alt und geheilt.
ZEIT ONLINE: Frau Walsh, Ihre Schilderungen von Rachels Leben nach der Geburt Ihres Sohnes gleichen einem Alptraum und widersprechen unsere Wunschvorstellungen vom Mutterglück. War das Ihre Absicht?
Helen Walsh: Ich wusste, dass das Muttersein anstrengend wird. Ich war zu dem Zeitpunkt auch ganz und gar dazu bereit. Aber ich hatte nicht erwartet, dass der Schlafentzug und die Depression mich so hart treffen würden. Daher war der Roman für mich kathartisch. Ich schrieb ihn, weil dachte, dass ich das tun muss, um all den Frauen, die Ähnliches durchgemacht haben, eine Stimme zu geben.
ZEIT ONLINE: Haben Sie solche Frauen kennengelernt?

Die deutsche Version von Helen Walshs Buch "Ich will schlafen" ist bei Kiepenheuer und Witsch erschienen.
Walsh: Als ich damals in Geburtsnachbereitungskurse ging, fand ich es sehr eigenartig, dass keine der anderen Frauen diese Kämpfe durchmachte, Schwierigkeiten mit ihrem Baby hatte oder depressiv war. Heute weiß ich, dass Frauen diese Gefühle einfach verstecken und nicht darüber reden wollen, weil sie Angst haben, verurteilt zu werden. Doch ich hoffe sehr, dass Ich will schlafen für Frauen Schleusen öffnet, um zugeben zu können: Ja, das ist meine Geschichte, mein Erlebnis des Mutterdaseins. Es ist nicht immer kuschelig, leicht und schön. Viele von uns verlieben sich auch nicht Hals über Kopf in ihr Baby, sondern brauchen Zeit dafür. Oder die Liebe ist zwar schon da, sie wird aber überschattet vom Schlafentzug, von der Hormonumstellung, einer Depression oder anderen Faktoren.
ZEIT ONLINE: Haben die Frauen vielleicht auch Versagensängste, weil unser Mutterideal so überzogen ist?
Walsh: Ja, es ist ein komplett unrealistisches Ideal, nach dem wir streben. Von (jungen) Müttern und auch von Vätern wird erwartet, dass sie grundsätzlich glücklich und zufrieden sind. Wenn du sagst: Ich bin aber nicht glücklich, wirst du sofort stigmatisiert. Welches Recht hast du denn, nicht glücklich zu sein, wenn du ein gesundes Kind zur Welt gebracht hast? Meine Mutter, die aus Malaysia stammt, glaubt, dass ich dort nicht depressiv geworden wäre. Es gebe dort nämlich nicht diesen Druck auf Mütter, permanent Glück vorzutäuschen.
Ich denke auch, dass die Errungenschaften des Feminismus für uns ein zweischneidiges Schwert sind. Einerseits sind wir unendlich froh darüber, was unsere Mütter und Großmütter für uns durchgefochten haben. Wir sind finanziell und emotional unabhängig. Andererseits empfinden wir es als Schwäche oder gar als Niederlage, wenn wir mit der Mutterschaft nicht klar kommen. Denn wir haben ja ein so viel besseres Leben als unsere Mütter und Großmütter.
ZEIT ONLINE: Konnten Sie denn mit niemandem über Ihre Situation sprechen?
Walsh: Nein, obwohl mein Partner mich sehr unterstützt hat und ich eine wunderbare Mutter habe, die mir sehr nahe steht. Aber ich konnte in der Tat mit niemandem sprechen. Ich schämte mich und fühlte mich schuldig. Ich hatte diesen hübschen Sohn und empfand in den ersten sechs oder sieben Wochen überhaupt nichts für ihn. Ich wurde depressiv und dachte schließlich auch an Selbstmord. Heute weiß ich, dass das in erster Linie am Schlafmangel, aber auch an der Hormonumstellung lag. In Großbritannien nehmen wir das allerdings nicht so ernst. Dabei wird Schlafentzug immer noch als Foltermethode bei Kriegsgefangenen eingesetzt. Die werden damit fertig gemacht. Die Weltgesundheitsorganisation bestätigt, dass es einen erwiesenen Zusammenhang zwischen Schlafentzug und Selbstmord-Impulsen gibt. Als die Selbstmordgedanken bei mir auftraten, wusste ich, dass ich mit jemandem sprechen musste, da ich auch Angst um meinen Sohn bekam. Angst, auch ihm etwas anzutun.
ZEIT ONLINE: Wie fanden Sie da schließlich heraus?
Walsh: Ich ging zu einem Arzt und sprach über meine Ängste. Es ist erwiesen, dass sich die Gewaltfantasien von Frauen ihren Kindern gegenüber verschlimmern, wenn sie diese zu unterdrücken versuchen. In dem Moment, in dem man diese Gefühle jedoch ausspricht, beginnen sie zu verschwinden. Als mein Sohn dann nach rund 20 Monaten und der richtigen Diagnose endlich schlief, und daraufhin auch ich Schlaf fand, lichtete sich die Depression nach und nach. Aber selbst in meiner dunkelsten Phase gab es immer wieder auch wunderbare und magische Momente mit meinem Sohn und ich ahnte, wie es laufen könnte, wenn ich es nur irgendwie schaffen würde. Wenn ich endlich die Mutter sein könnte, die ich sein wollte.
ZEIT ONLINE: Welches Verhältnis haben Sie heute zu Ihrem Sohn?
Walsh: Ich denke, dass Mütter, die nicht sofort eine natürliche Bindung zu ihrem Baby entwickeln, daran härter arbeiten. Mir hat das geholfen, eine dynamischere und intensivere Beziehung zu meinem Kind zu finden als andere. Ich habe eine sehr besondere Verbindung mit meinem kleinen Sohn. Wir sind unzertrennlich. Er ist die Liebe meines Lebens.





Schon in den 80er Jahren wurde dieses Thema des mütterlichen Schlafentugs mit nachfolgender Depression in einer Frauenzeitschrift aufgegriffen und stieß auf sehr grosse Resonanz. Viele Mütter erkannten sich wieder und waren geradezu erleichtert, ihre Situation mal im gedruckten Wort zu sehen. Scheinbar haben sich die Erwartungen, die Mütter an sich selbst und auch andere an sie stellen aber seither um keinen Deut geändert, was schade ist.
Aus eigener Erfahrung, mit einem "Schreibaby" das monatelang nachts durchbrüllt, ist man nicht konstant glücklich, wie auch? Und Ratschläge, die dann noch der "übernervösen" Mutter die Schuld an der Situation geben, helfen auch niemandem weiter.
... auch für alle anderen Arten von Problemen wird heute gerne den Eltern die Schuld zugewiesen. Wer sein Kind richtig erzieht, der wird auch keine Probleme damit haben, so die herrschende Meinung. Beweis gebraucht? Mein Kind ist perfekt, weil ich so perfekt bin.
Dass ein Kind von Anfang an ein Mensch mit guten und schlechten Eigenschaften ist; und dass man schlichtweg nicht wissen kann, wie man die guten Eigenschaften wirksam fördern und den schlechten wirksam entgegenwirken kann; dass man in vielen Fällen auch nicht objektiv sagen kann, ob eine bestimmte Eigenschaft überhaupt gut oder schlecht ist, dass wird nicht so gerne gehört.
Heute hat ein Kind
- ruhig zu sein
- brav zu sein
- Leistung zu bringen
- zu funktionieren
- sportlich zu sein
- gesellig zu sein
- dabei aber ernsthaft zu sein
- und möglichst nicht allzu phantasievoll
Ein kleiner Investmentbanker halt. Oder Anwalt für internationales Wirtschaftsrecht. Oder FDP-Politiker.
... auch für alle anderen Arten von Problemen wird heute gerne den Eltern die Schuld zugewiesen. Wer sein Kind richtig erzieht, der wird auch keine Probleme damit haben, so die herrschende Meinung. Beweis gebraucht? Mein Kind ist perfekt, weil ich so perfekt bin.
Dass ein Kind von Anfang an ein Mensch mit guten und schlechten Eigenschaften ist; und dass man schlichtweg nicht wissen kann, wie man die guten Eigenschaften wirksam fördern und den schlechten wirksam entgegenwirken kann; dass man in vielen Fällen auch nicht objektiv sagen kann, ob eine bestimmte Eigenschaft überhaupt gut oder schlecht ist, dass wird nicht so gerne gehört.
Heute hat ein Kind
- ruhig zu sein
- brav zu sein
- Leistung zu bringen
- zu funktionieren
- sportlich zu sein
- gesellig zu sein
- dabei aber ernsthaft zu sein
- und möglichst nicht allzu phantasievoll
Ein kleiner Investmentbanker halt. Oder Anwalt für internationales Wirtschaftsrecht. Oder FDP-Politiker.
Darüber, dass man mit Teenagern nicht gut klar kommt wird offen geredet.. das ist halt einfach normal.
Dass aber so etwas hilfloses und niedliches wie ein frisch geborenes Kindlein einer Mutter so viel abverlangen kann, dass diese verzweifelt und es zu hassen beginnt ( in manchen Momenten) das darf eine Frau einfach nicht zugeben. Vor allem jungen Müttern mit dem ersten Kind wird daraus nämlich ganz schnell ein Strick gedreht: du bist unfähig du hast versagt du machst dein Kind zum unglücklichen Menschen, ein Kind braucht ununterbrochene Liebe. Ein Teufelskreis entsteht. Hatte kein "Schreibaby" aber es war trotzdem nicht immer rosig! In allen Alternsstufen, wohlgemerkt.
Unsere Gesellschaft hält sich damit das Problem vom Leib sich damit auseinander setzen zu müssen, dass unsere Kultur insgesamt nicht sehr mütterfreundlich ist. Sie sitzen, überspitzt gesagt hinter Gittern im eingezäunten Spielplatz und sind sonst damit beschäftigt Unterbringungsmöglichkeiten für Ihre KLeinen zu finden, falls sie vorhaben am gesellschaftlichen Leben noch teilzuhaben.
Das betrifft mich zum Glück nicht! Mir würde das nicht passieren...wie langweilig...
So wird sich nie was ändern! Schade.
geht auch so manche Partner/Elternschaft in die Brüche.
"obwohl mein Partner mich sehr unterstützt hat und ich eine wunderbare Mutter habe, die mir sehr nahe steht. Aber ich konnte in der Tat mit niemandem sprechen. Ich schämte mich und fühlte mich schuldig"
Was soll man als Partner und Vater in so einer Situation machen, wo ja nicht nur die Mutter sondern auch die Frau sich in Schuld und Scham vergräbt und damit völlig unzugänglich macht?
Was ist denn das für eine Beziehungsebene, wo erst beim Seelenklempner die grassierenden Ängste besprochen werden?
Das Tabu scheint mir dann doch eher darin zu bestehen, den Partner nicht zu belasten, ihn nicht über die eigene psychische Befindlichkeit aufzuklären, ihm nicht zu vertrauen bzw. ihm nicht zuzutrauen, daß er damit umgehen könnte usw.
Denn würde sie das tun, sie wäre in der Elternschaft nicht mehr das Zentrum, da der Vater unter diesen Umständen gefordert wäre sich mehr um´s Kind zu kümmern und dadurch in den Mittelpunkt des kindlichen Gesichtsfeldes zu treten, so er denn bereit und in der Lage dazu ist - der Umgang mit einem Säugling lässt sich ja lernen und wird ggf. von der Hebamme begleitet, würde Mutter sich krank schreiben lassen.
Aber nein, selbst in der bedrückendsten Not, muß Mutterschaft i.d. Partner/Elternschaft als Alleingang oder zumindest unter ihrem Führungsanspruch durchgezogen werden, bloß nicht den Vater zum Zuge kommen lassen...
So wird der Sohn, nicht der Mann&Vater, ihre
"Liebe meines Lebens"^^
I.
Man glaubt ja meist, an der hohen Kriminalität der Männer liese sich das 'Böse' einzig und allein als männliches Problem vom Frauenbild wegschieben.
Dass dieser Kriminalität eine eindeutig-moralische-gesellschftliche Bewertung und Verurteilung vorausging, und(!) dass das Männerbild dieser Verurteilung und Bewertung zugänglich war, wird gerne übersehen.
Das Männerbild 'steht seinen Mann' und verschiebt die Verantwortung nicht auf die Gesellscahft und betont einzig und allen deren VErantwortung, sondern gewährt höchtens Strafmilderung, aber es ist klar, dass der Mann für die Verantwortung gerade zu stehen hat.
Und wie natürlich erscheint uns dies. Vor allem bei den Fällen der Kriminalität. Aber eben nicht, weil die Taten als solche so klar wären, sondern weil es vom 'Männerbild' zugelassen wurde.
Das glaubt man ja erst nicht. Aber hier haben wir so einen Fall:
"Ich denke auch, dass die Errungenschaften des Feminismus für uns ein zweischneidiges Schwert sind. Einerseits sind wir unendlich froh darüber, was unsere Mütter und Großmütter für uns durchgefochten haben. Wir sind finanziell und" --> " emotional unabhängig"
"Ich habe eine sehr besondere Verbindung mit meinem kleinen Sohn." --> "Wir sind unzertrennlich."
==> "Er ist die Liebe meines Lebens."
Während man bei Männern gesellschaftlich überhaupt kein Problem hat pädophile Neigungen und alle anderen Spielarten (Kinder) emotional überlastender und dadurch missbräuchlicher Beziehungen zu verurteilen, und auch Verantwortung der Männer per Gesetz einzufordern, ohne diese Verantwortung von vornherein durch irgendwelceh äußere Umstände und Nöte abzuweisen, fällt es hier niemanden ein, nachzufragen, was denn damit gemeint sei, mit der Unzertrennlichen, wahren Liebe.
Und keiner frägt, was denn da dem Kind an emotionaler Überfrachtung aufgeladen wird.
Man frägt auch nicht, ob die Depression nicht auch daher kommt, dass das Kind nicht von anfang fähig ist, diese Glücks- Liebesgefühle auszulösen.
Man frägt nicht miehr, ob die Sicht der Mutter, die wahr ist, oder ob da etwas nicht stimmen kann.
Und tatsächlich stimmt da auch etwas nicht:
Wie will man sich emotional unabhängig dem Mann gegenüber präsentieren und sich unabhängig wähnen, weil man alles andere als Schwäche im Weltbild ideologischen Feminismus deuten muss, und gleichzeitig die "Liebe des Lebens" (eine eindeutiger Sprachgebrauch, und zwar nicht aus der mütterlich-füsorglichen Welt, sondern der 'reifen'-romantischen Liebe unter Erwachsenen), nein, auch noch die unzertrennliche Liebe des Lebens beschwören? - bei einem Kind???
Man stelle fest: Kein Aufschrei von Müttern, Frauen, Gesellschaft, obwohl Sprachgebrauch, Ambivalenz etc. deutlich auf emotionalen Missbrauch hindeuten.
Man könnte hier einen Roman darüber schreiben, was solche überfrachtenden Gefühle bewirken können.
Emotionaler Missbrauch!
Aber 'Emotion' ist so sehr naiv-schön-gut assoziiert, dass das gar nicht schlecht, oder so schlimm wirken kann! Da stört auch nicht, dass dies in vielen Therapien bearbetiet werden muss, weil oft andere Missbräuche nur Randerscheinungen der emotionalen Missbrauches sind.
Das kann man dann mit Slogans wie, 'ausreichend gute Mutter' etc., wegwischen und jeglichen Versuch verantwortliches Handeln einzufordern zunichte machen.
Ein interessantes Phänomen.
Lieber wird der Druck auf die Mütter nicht in den eigenen Hoffnungen und Bedürfnissen, die man als Mutter selbst mit dem Kind verknüpft, verortet, sondern - immerhin steht man dann edler und reiner da - als Druck, den dei Gesellscahft an die Mütter stellt.
Dabei halte ich das für eine Selbstlüge.
Ich denke, der Druck, ist vielmehr eine Erwartungshaltung, die Mütter selbst an ihre 'Frucht' stellen, und nicht die Gesellschaft an die Mütter.
Und ich glaube auch nicht, dass die Mütter so sehr 'gute' Mütter sein wollen (wer will das erst mal nicht?), sondern dass darüberhinaus vielmehr der Druck gemeint ist, dass das Kind etwas bewirken soll, hier nämlich die Liebe des Lebens erwecken zu können.
In Wirklichkeit stand die Depression der erwarteteten Wirkung entgegen, darum der Hass/Aggression auf das Kind, und nach der Depression das wirklich gewollte: Nicht die 'gute' Mutter, sondern die Liebe des Lebens.
Man glaubt ja meist, an der hohen Kriminalität der Männer liese sich das 'Böse' einzig und allein als männliches Problem vom Frauenbild wegschieben.
Dass dieser Kriminalität eine eindeutig-moralische-gesellschftliche Bewertung und Verurteilung vorausging, und(!) dass das Männerbild dieser Verurteilung und Bewertung zugänglich war, wird gerne übersehen.
Das Männerbild 'steht seinen Mann' und verschiebt die Verantwortung nicht auf die Gesellscahft und betont einzig und allen deren VErantwortung, sondern gewährt höchtens Strafmilderung, aber es ist klar, dass der Mann für die Verantwortung gerade zu stehen hat.
Und wie natürlich erscheint uns dies. Vor allem bei den Fällen der Kriminalität. Aber eben nicht, weil die Taten als solche so klar wären, sondern weil es vom 'Männerbild' zugelassen wurde.
Das glaubt man ja erst nicht. Aber hier haben wir so einen Fall:
"Ich denke auch, dass die Errungenschaften des Feminismus für uns ein zweischneidiges Schwert sind. Einerseits sind wir unendlich froh darüber, was unsere Mütter und Großmütter für uns durchgefochten haben. Wir sind finanziell und" --> " emotional unabhängig"
"Ich habe eine sehr besondere Verbindung mit meinem kleinen Sohn." --> "Wir sind unzertrennlich."
==> "Er ist die Liebe meines Lebens."
Während man bei Männern gesellschaftlich überhaupt kein Problem hat pädophile Neigungen und alle anderen Spielarten (Kinder) emotional überlastender und dadurch missbräuchlicher Beziehungen zu verurteilen, und auch Verantwortung der Männer per Gesetz einzufordern, ohne diese Verantwortung von vornherein durch irgendwelceh äußere Umstände und Nöte abzuweisen, fällt es hier niemanden ein, nachzufragen, was denn damit gemeint sei, mit der Unzertrennlichen, wahren Liebe.
Und keiner frägt, was denn da dem Kind an emotionaler Überfrachtung aufgeladen wird.
Man frägt auch nicht, ob die Depression nicht auch daher kommt, dass das Kind nicht von anfang fähig ist, diese Glücks- Liebesgefühle auszulösen.
Man frägt nicht miehr, ob die Sicht der Mutter, die wahr ist, oder ob da etwas nicht stimmen kann.
Und tatsächlich stimmt da auch etwas nicht:
Wie will man sich emotional unabhängig dem Mann gegenüber präsentieren und sich unabhängig wähnen, weil man alles andere als Schwäche im Weltbild ideologischen Feminismus deuten muss, und gleichzeitig die "Liebe des Lebens" (eine eindeutiger Sprachgebrauch, und zwar nicht aus der mütterlich-füsorglichen Welt, sondern der 'reifen'-romantischen Liebe unter Erwachsenen), nein, auch noch die unzertrennliche Liebe des Lebens beschwören? - bei einem Kind???
Man stelle fest: Kein Aufschrei von Müttern, Frauen, Gesellschaft, obwohl Sprachgebrauch, Ambivalenz etc. deutlich auf emotionalen Missbrauch hindeuten.
Man könnte hier einen Roman darüber schreiben, was solche überfrachtenden Gefühle bewirken können.
Emotionaler Missbrauch!
Aber 'Emotion' ist so sehr naiv-schön-gut assoziiert, dass das gar nicht schlecht, oder so schlimm wirken kann! Da stört auch nicht, dass dies in vielen Therapien bearbetiet werden muss, weil oft andere Missbräuche nur Randerscheinungen der emotionalen Missbrauches sind.
Das kann man dann mit Slogans wie, 'ausreichend gute Mutter' etc., wegwischen und jeglichen Versuch verantwortliches Handeln einzufordern zunichte machen.
Ein interessantes Phänomen.
Lieber wird der Druck auf die Mütter nicht in den eigenen Hoffnungen und Bedürfnissen, die man als Mutter selbst mit dem Kind verknüpft, verortet, sondern - immerhin steht man dann edler und reiner da - als Druck, den dei Gesellscahft an die Mütter stellt.
Dabei halte ich das für eine Selbstlüge.
Ich denke, der Druck, ist vielmehr eine Erwartungshaltung, die Mütter selbst an ihre 'Frucht' stellen, und nicht die Gesellschaft an die Mütter.
Und ich glaube auch nicht, dass die Mütter so sehr 'gute' Mütter sein wollen (wer will das erst mal nicht?), sondern dass darüberhinaus vielmehr der Druck gemeint ist, dass das Kind etwas bewirken soll, hier nämlich die Liebe des Lebens erwecken zu können.
In Wirklichkeit stand die Depression der erwarteteten Wirkung entgegen, darum der Hass/Aggression auf das Kind, und nach der Depression das wirklich gewollte: Nicht die 'gute' Mutter, sondern die Liebe des Lebens.
...indem sie völlig falsche Prioritäten setzen. Wer darum kämpft, dass das Baby im eigenen Bett oder gar im eigenen Zimmer schläft, zwischen den Mahlzeiten mehrere Stunden Pause hat, der Haushalt immer ordentlich und die Wäsche gebügelt ist, jeden Tag ein aufwändig gekochtes Essen für den Mann auf dem Tisch steht u.s.w., kann sehr leicht in die totale Verzweiflung geraten.
Dem Baby einfach zu geben, was es verlangt, auch wenn das bei manchen Kindern pro Tag 24 Stunden Körperkontakt und die hälfte davon an Mamas Brust bedeutet, und sich sonst jeden nicht unbedingt notwendigen Handgriff zu ersparen (auch mal guten Gewissens Tiefkühlpizza von Papptellern essen, ungebügelte Kleidung tragen, das Fensterputzen für einige Monate einfach sein lassen u.s.w.) könnte manche Mutter-Kind-Beziehung sehr entspannen.
... auch für alle anderen Arten von Problemen wird heute gerne den Eltern die Schuld zugewiesen. Wer sein Kind richtig erzieht, der wird auch keine Probleme damit haben, so die herrschende Meinung. Beweis gebraucht? Mein Kind ist perfekt, weil ich so perfekt bin.
Dass ein Kind von Anfang an ein Mensch mit guten und schlechten Eigenschaften ist; und dass man schlichtweg nicht wissen kann, wie man die guten Eigenschaften wirksam fördern und den schlechten wirksam entgegenwirken kann; dass man in vielen Fällen auch nicht objektiv sagen kann, ob eine bestimmte Eigenschaft überhaupt gut oder schlecht ist, dass wird nicht so gerne gehört.
Heute hat ein Kind
- ruhig zu sein
- brav zu sein
- Leistung zu bringen
- zu funktionieren
- sportlich zu sein
- gesellig zu sein
- dabei aber ernsthaft zu sein
- und möglichst nicht allzu phantasievoll
Ein kleiner Investmentbanker halt. Oder Anwalt für internationales Wirtschaftsrecht. Oder FDP-Politiker.
Nach der Geburt ihrer heute zweijährigen Tochter stürzte Brooke Shields in die größte Krise ihres Lebens. Postnatale Depression lautete die Diagnose - in einem Buch erzählt die Schauspielerin nun, wie das ist: eine Frau zu sein, die ihr Kind nicht lieben kann.
"Das Baby liegt friedlich an der Brust der Mutter, deren Haar sich sanft über die Schultern wellt" - so hatte sich Brooke Shields ihr neues Dasein vorgestellt. Mutter, Vater, Kind - eine perfekte Idylle. Doch nichts davon traf auf sie zu. Ganz egal, wie lange sie ihrem Baby in die Augen sah: Es blieb ein fremdes Wesen. Schon bald konnte sie es nicht mehr ertragen, mit ihrer Tochter allein zu sein.
Es gab schon eine Stimme vor der Stimme von Helen Walsh.
Das Problem fängt bereits mit der Vorbereitung an. Kaum eine Hebamme o. ein Vorbereitungskurs spricht Klartext. Es gibt viel Zeit für Gehechel u.co. nicht dafür, die Frauen bei Seite zu nehmen und zu sagen "Die erste Zeit kann richtig hart werden u. wenn es nicht mehr geht, keine Sorge. Das geht vielen so. Hol dir Hilfe u.du wirst sehen, die schlimmen ersten Wochen sind schnell vergessen!"
Früher übernahm wahrscheinlich die eigene Mutter diesen Part. Heute hat jede Schwangere so viel Theorie inhaliert und im Internet recherchiert, dass sie eh alles besser weiß.
Und wenn man glaubt sich gut vorbereitet zu haben, trifft es einen natürlich besonders hinterhältig. Die Illusion Familienglück und Harmonie zerbricht an einer scheinbar so selbstverständlichen Sache wie Schlaf bzw. Schlaflosigkeit.
Das nagt am Selbstbewußtsein, am Mutterbewußtsein und nicht zuletzt an der Mutterliebe.
Die erste Zeit mit dem Baby ist so sehr von äußeren Einflüssen geprägt; dazu zählt auch das Baby selbst, dass sich dieser Kreis aus Erschöpfung, Frustration und Aggression selten vermeiden lässt. Aber die betroffenen Mütter müssen diese Situation als solche erkennen können und dürfen sich nicht Schuldig fühlen.
Dass die Gesellschaft dieses Thema zum Tabu macht, verhindert einen natürlichen Umgang u.wenn dies zu einer dauerhaften Störung zwischen Mutter und Kind führt, ist es um so trauriger. Das Wissen um die Normalität dieser Empfindungen würde einen unverkrampften, offeneren Austausch ermöglichen.
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