USAIndianer verklagen Brauereien

Oglala-Sioux-Indianer in South Dakota geben Brauereien eine Mitschuld für den Alkoholismus in ihrem Reservat. Vier von fünf Familien sind betroffen. von dpa

Ein Mitglied der Oglala-Sioux in London (Archiv)

Ein Mitglied der Oglala-Sioux in London (Archiv)  |  © Johnny Eggitt/AFP/Getty Images

Im US-Bundesstaat South Dakota verklagt ein Indianerstamm mehrere Bierbrauereien und Spirituosenhändler. Die Ogala-Sioux werfen den Unternehmen vor, wissentlich zum Alkoholkonsum und seinen Folgen im Reservat Pine Ridge beigetragen zu haben. Der Präsident der Oglala-Sioux, John Yellow Bird Steele, sagte: "Wir sind ein souveräner Staat und handeln wie die US-Regierung in ihren verschiedenen Klagen gegen die Tabakkonzerne."

Die Indianer leiden darunter, dass viele Stammesmitglieder chronisch alkoholabhängig sind . Zwar ist der Verkauf und Konsum von Alkohol in dem Reservat seit 1832 verboten. Doch wer trinken will, muss nur die nahe Grenze nach Nebraska überqueren: Dort finden sich im winzigen Dorf Whiteclay vier Getränkeläden. Die Händler hätten allein 2010 zusammen fast fünf Millionen Dosen Bier verkauft, also mehr als 13.000 pro Tag, sagte der Anwalt des Stammes, Tom White. Der Großteil davon gelange ins Indianerreservat.

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Nun fordern die Indiander von den Brauereien 500 Millionen Dollar (etwa 380 Millionen Euro) Kompensation für Gesundheitsschäden und andere Folgen. "Der Alkohol zerstört unsere Gemeinschaft", sagte Steele. In vier von fünf Familien gibt es laut der Klageschrift Alkoholiker.

Spätfolgen des Alkoholkonsums

Die Lebenserwartung liege in der Stammesgemeinschaft "zwischen 45 und 52 Jahren", heißt es in der Klageschrift. Das wäre weit unter dem US-Durchschnitt von 77,5 Jahren. Jedes vierte Kind leide an Spätfolgen, weil Mütter während der Schwangerschaft Alkohol getrunken hätten.

Die Indianer hätten bereits versucht, anders gegen den Alkoholschmuggel vorzugehen. "Ich habe den Gouverneur und die Abgeordneten Nebraskas getroffen, doch die sind alle machtlos", sagte Stammespräsident Steele. Es bleibe ihnen nur der Weg über die Justiz. Die Bierbrauer und Händler täten nichts, um den Alkoholschmuggel zu unterbinden. White wirft den Brauereien vor: "Sie wissen genau, welche Konsequenzen ihre Profitmacherei für die Gemeinschaft hat."

Die verklagten Unternehmen und Ladenbesitzer haben zu den Vorwürfen bisher keine Stellung genommen. Betroffen sind die Unternehmen SAB Miller, Anheuser-Busch, Molson Coors, Miller Coors und Pabst Brewing Company.

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Leserkommentare
  1. Wenn es um Schusswaffen geht, ist von National Rifle Association immer zu lesen, dass nicht die Waffen töten sondern Menschen töten und das gleiche dürfte beim Alkohol kommen: nicht der Alkohol macht abhängig sondern Menschen machen sich abhängig...

    oder gilt im Land der Prohibition nun doch etwas anderes?

    Und wenn die Brauereien verurteilt werden, müssen sie amerika-typische, sehr hohe Zahlungen von 500 Mio Dollar leisten. Gibt es eine Sicherheit, dass die Begünstigten diese Summen nicht in Alkohol umsetzen?

  2. Liebe Indiander, schon mal was von der Native American Church und Peyote gehört? Keine zwingt Euch Alkohol zu trinken. Mal lieber dem großen Geist huldigen, als Brauereien zu verklagen, die nur die Nachfrage bedienen.

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  3. ...und danach verklage ich McDonald's weil es mich fett gemacht hat und die Fernsehsender, weil ich meinen Arsch jeden Tag nicht vom Sofa bekomme...

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    Derartige Klagen gab es schon mal...

    Ich empfehle da den Film "Super Size me"

  4. gefallen mir die bisherigen Kommentare nicht.

    Ich maße es mir nicht an, darüber zu urteilen, warum so viele Indianer (und Angehöriger anderer eingeborener Völker in anderen Ländern) alkoholabhängig sind. Ich sehe aber durchaus, dass es sich um Völker handelt, die in trostlosen Gegenden und in trostlosen Verhältnissen leben, und das seit vielen Generationen. Warum sie sich aus diesem Elend, das sicher nur zum kleineren Teil auf Mangel an Geld zurückzuführen ist, nicht befreien können, weiß ich nicht. Eine solche Klage halte ich auch für unsinnig. Aber man muss nicht unbedingt so herzlos über Leute urteilen, die man nicht kennt, wie das hier getan wird.

    6 Leserempfehlungen
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    • evwe
    • 26. März 2012 17:25 Uhr

    Das Elend ist leider zum größeren Teil auf den Mangel an Geld zurückzuführen. Ein Artikel in der Zeit - kann mich leider an den Titel nicht erinnern - hat das vor einigen Wochen deutlich gemacht. Eine der Ursachen der Armut ist die hohe Arbeitslosigkeit, die wahrscheinlich wiederum daher rührt, dass die traditionelle Lebensweise der Stämme zerstört wurde und ich könnte mir auch gut vorstellen, dass Indianer heute immer noch diskriminiert werden. Und dann ist es leider so, dass Armut sich fortsetzt, heute mehr als früher, weil Bildung und ein entsprechendes Auftreten für die Berufslaufbahn so entscheidend geworden sind.
    Und da stellt sich, so sehr eine solche Klage dem liberalen, freiheitlichen Denken auch widersprechen mag, doch die Frage, bei wem die Verantwortung liegt. Wenn ich jemandem seinen Lebensraum wegnehme, ihn aus der Gemeinschaft ausschließe, ihm keine Arbeit gebe und ihm als "Ersatz" eine ordentliche Ration Drogen verabreiche, wundere ich mich dann ernsthaft darüber, dass er zugreift? Und muss ich mich, wenn erst einmal sämtliche soziale Strukturen zerstört sind, ernsthaft darüber wundern, dass die Leute arm bleiben und leider nicht so einfach vom Alkohol loskommen?
    Die Brauereien sind sicher die falsche Adresse, da müsste schon die Politik ran, aber den Indianern zu empfehlen, sich auf ihre Spiritualität zu besinnen, ist wohl auch nicht der richtige Ansatz...

    • scg
    • 26. März 2012 17:28 Uhr

    Dass die Rate von Alkoholkranken bei den native americans so hoch ist, ist nur ein Symptom der besch* Lage in der sie leben. Sie sind von der Gesellschaft größtenteils ausgegrenzt und haben keine Chance. Die Reservate wirken mehr wie ein großer Zoo, wo der Besucher die Einwohner beobachten kann, die dort in ihren Klamotten sitzen und einen Hauch vom Glanz der Vergangenheit vermitteln-in der es die heutigen Amerikaner noch nicht gab, von denen sie heute an den Rand gedrückt werden. Vor Jahren war ich einmal in Cherokee, in einem Reservat der Cherokee Indianer. Es hatte etwas demütigendes wie da ein Mann als Häuptling verkleidet saß und man für 5 Dollar ein Foto von ihm machen durfte...Wen wundert es da, wenn die Leute sich in den Suff stürzen?

  5. Derartige Klagen gab es schon mal...

    Ich empfehle da den Film "Super Size me"

    Antwort auf "unglaublich"
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    • asx
    • 26. März 2012 17:17 Uhr

    das erinnert stark an die Behauptung, eine aufreizend gekleidete Frau würde Männer zur sexuellen Belästigung auffordern. Völliger Unfug!

    Eine Leserempfehlung
    • evwe
    • 26. März 2012 17:25 Uhr
    7. Armut

    Das Elend ist leider zum größeren Teil auf den Mangel an Geld zurückzuführen. Ein Artikel in der Zeit - kann mich leider an den Titel nicht erinnern - hat das vor einigen Wochen deutlich gemacht. Eine der Ursachen der Armut ist die hohe Arbeitslosigkeit, die wahrscheinlich wiederum daher rührt, dass die traditionelle Lebensweise der Stämme zerstört wurde und ich könnte mir auch gut vorstellen, dass Indianer heute immer noch diskriminiert werden. Und dann ist es leider so, dass Armut sich fortsetzt, heute mehr als früher, weil Bildung und ein entsprechendes Auftreten für die Berufslaufbahn so entscheidend geworden sind.
    Und da stellt sich, so sehr eine solche Klage dem liberalen, freiheitlichen Denken auch widersprechen mag, doch die Frage, bei wem die Verantwortung liegt. Wenn ich jemandem seinen Lebensraum wegnehme, ihn aus der Gemeinschaft ausschließe, ihm keine Arbeit gebe und ihm als "Ersatz" eine ordentliche Ration Drogen verabreiche, wundere ich mich dann ernsthaft darüber, dass er zugreift? Und muss ich mich, wenn erst einmal sämtliche soziale Strukturen zerstört sind, ernsthaft darüber wundern, dass die Leute arm bleiben und leider nicht so einfach vom Alkohol loskommen?
    Die Brauereien sind sicher die falsche Adresse, da müsste schon die Politik ran, aber den Indianern zu empfehlen, sich auf ihre Spiritualität zu besinnen, ist wohl auch nicht der richtige Ansatz...

    2 Leserempfehlungen
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    ... ist eine Folge, nicht die Ursache. Da bin ich, zugegebenermaßen ohne nähere Ortskenntnisse, sicher. Mangel an Geld hat viele negative Auswirkungen. Massenhafter Alkoholismus gehört aber nicht dazu.

    Die Indianer in anderen Teilen Amerikas sind auch arm und marginalisiert, aber Alkoholismus ist durchaus nicht überall ein so großes Problem. Da muss also noch einiges hinzukommen.

    • Ffm74
    • 26. März 2012 17:27 Uhr

    Ist es nicht möglich, dass die staatliche Souveränität der Indianerstämme eine Mitursache dieser Probleme ist? Sollte ein eigenständiger Staat nicht mehr können, als nur Traditionen zu pflegen?

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    • evwe
    • 26. März 2012 17:38 Uhr

    Auf Wikipedia ist zu lesen, dass Reservate erstens keine souveränen Staaten, sondern selbstverwaltete Gebiete mit mehr oder minder eingeschränkten Kompetenzen sind, die natürlich letztlich zu einem großen Teil dem US-Recht unterstehen, und zweitens:
    "Noch immer stehen viele Reservate unter der Verwaltung oder unter der Aufsicht des BIA (Bureau of Indian Affairs, untersteht dem amerikanischen Innenministerium (!)), das oft gegen die Interessen der Indianer handelt, obwohl seine Leitung seit 1965 in indianischer Hand ist. Traditionell gesinnte Indianer interessieren sich kaum für eine Stelle beim BIA und so sind die zentralen Positionen beim BIA häufig durch progressive “Halbblute” besetzt, die mitunter wenig Verständnis für das indianische Kollektiv zeigen."

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Alkohol | Alkoholkonsum | Brauerei | Indianer | Justiz | Konsum
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