Saarland: Bergbau, Hightech, Abwanderung
Der saarländischen Wirtschaft geht es gut. Der Strukturwandel weg von der Kohle hin zu IT ist gelungen. Und doch gibt es viele Probleme an der Saar.
Sie waren mal über 60.000, stolze Arbeiter, in den Dörfern geachtet: Jede zweite Familie habe früher vom Bergbau gelebt, erzählt man sich an der Saar. Das ist lange vorbei: Im Juni wird die einzig aktiv verbliebene Grube Saarlouis-Ensdorf ihren Betrieb einstellen. Die letzten Bergleute haben sich noch nicht von dem Schock erholt: Die Steinkohleförderung, die das Land so geprägt hat, ist Vergangenheit.
"Früher hieß es: Geh auf die Grube, das ist ein sicherer Job", erzählt Bergmann Markus Scheuer resigniert: "Und jetzt das." Das Bergbauende kam nun früher als geplant: 2008 bebte die Erde in dem kleinen Bundesland, eine Folge des jahrzehntelangen Abbaus unter Tage. Häuser und Autos wurden beschädigt, von einem Kircheneingang fielen Ornamente herab. "Wir wussten alle, das wars", sagt Scheuers Kollege Jörg Maurer. In den Dörfern schrien vom Erdbeben betroffene Anwohner die Bergleute an. Der wegen hoher Subventionen sowieso schon lange umstrittene Bergbau war politisch untragbar geworden.
Nie etwas anderes gelernt
Das Ende wurde beschlossen, jetzt greift der Sozialplan, den Maurer für seine Kollegen erstellt hat: Jeder kann seinen Job behalten, aber er muss dafür ins 500 Kilometer entfernte Ibbenbüren ziehen. In Nordrhein-Westfalen brauchen sie noch Bergleute. Für die heimatverbundenen Saarländer ist das sehr schwer: "Ich habe gebaut und ein 20 Monate altes Kind zu Hause", sagt der 43 Jahre alte Christian Meiser. Bald wird er seine Familie nur noch am Wochenende sehen.
Doch eine Alternative gebe es nicht, betont Meiser. Einige Bergmänner haben von der harten Arbeit unter Tage gesundheitliche Probleme, außerdem haben sie nie etwas anderes gelernt. Dass die Politiker im aktuellen Landtagswahlkampf betonen, künftig vor allem auf Forschung und Technologie setzen zu wollen, irritiert die Bergleute: Es brauche doch auch die Schwerindustrie. Die habe doch Tradition in der Region.
Niedrigste Arbeitslosigkeit seit Langem
Tatsächlich gibt es weiterhin erfolgreiche Stahlhütten im Saarland. Rund 10.000 Menschen haben hier Arbeit in der Metallerzeugung. Auch die Automobilbranche ist nach wie vor wichtig für die Region: Ford ist mit 6.500 Arbeitsplätzen einer der größten Arbeitgeber, in Saarlouis wird das Modell "Focus" gebaut. Der boomende Automobilzulieferer ZF hat 7.000 Angestellte an der Saar, für 2012 wurden nach Angaben des Unternehmens 800 neue Stellen ausgeschrieben.

Die offiziellen Kennzahlen sind ebenfalls gut und kontrastieren mit dem Bild einer strukturschwachen Region, das viele Deutsche haben: Das Saarland verzeichnete im ersten Halbjahr 2011 das zweithöchste Wirtschaftswachstum (BIP) aller Bundesländer und eine Rekordzahl an sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten. Die Arbeitslosenquote ist mit aktuell 6,8 Prozent so niedrig wie seit 30 Jahren nicht mehr. "Wir lassen uns nicht einreden, wir seien ein Sanierungsfall", ruft Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) daher gerne im Wahlkampf.
Das größte Wirtschaftszentrum ist die Landeshauptstadt. "Hier werden 30 Prozent der Wirtschaftskraft des Landes erbracht", sagt SPD-Oberbürgermeisterin Charlotte Britz. 9.000 Franzosen pendeln ihr zufolge täglich zum Arbeiten nach Saarbrücken, viele kommen aus den Dörfern hinter der Grenze außerdem zum Einkaufen nach Deutschland. In der Saarbrücker Altstadt haben sich auch viele hochpreisige Geschäfte angesiedelt.





meint Samstag 07 Jan. 2012 13.12 Marketingmanager
im Focus-Kommentar
Habe, ohne davon zu wissen, ganz ähnliches hier schon gepostet,
als Reverenz wörtlich:
"Die Saarländer hätten sichere Arbeitsplätze, Steuervorteile, günstige Benzinpreise und eine sichere Rente. Die Luxemburger hätten ihre Immobilienexpansionsprobleme und den Mangel an qualifizierten Arbeitskräften gelöst. Und Frau Merkel würde die 12,4 Milliarden Euro Schulden des Saarlandes in der Staatskasse in Berlin gut gebrauchen können. Nach der Eingliederung 1957 erfolgt 55 Jahre später die Ausgliederung. Was spricht dagegen? Wenn also Premier Juncker bei Herrn Finanzminister Schäuble mit einem Koffer Bargeld auftaucht, geht es demnächst allen Saarländern besser!"
Wäre doch 'ne Idee den Reichsdeutschen die lange Nase zu zeigen!
Und ich würde mir gleich einen saarländischen Paß holen und wäre Ausländer in Deutschland, graadselääds.
Harald Artur Irmer
Einer der vielen (Arbeits-)Exilanten, z.Z. Karlsruhe
Das ist ja ganz schön, dass es im Saarland so viele Stellen in der Forschung und diese Forschungsinstitute gibt, diese sind aber alle durch den Bund finanziert oder querfinanziert. Nebenbei erhält das kleinste Flächenländchen der Republik immer noch Zuschüsse aus dem Länderfinanzausgleich.
Die Stahlindustrie im Saarland hat stark von der dort geförderten und subventionierten Kohle profitiert. Das fällt aber jetzt weg. Das Ford-Werk in Saarlouis rückt regelmäßig in den Fokus, wenn es um Standortverlagerungen und Personalabbau bei Ford geht. Sollte das Werk mal geschlossen werden, dann dürften dort auch die Zulieferer abwandern. Also so rosig finde ich die Gemengelage jetzt nicht.
@Mathematiker
"Forschungsinstitute [...] sind aber alle durch den Bund finanziert oder querfinanziert"
Also, ich sehe kein Alleinstellungsmerkmal; Es gibt überall z.B. Drittmittel von der DFG und der EU. Eher sehe ich das Problem, dass noch nicht alles Nötige in der Nachbarschaft vorhanden ist und vllt. auch diese "kritische Masse" der kurzen Wege, die weitere Forschungsinstitute und moderne Industrien anzieht, niemals erreicht sein wird.
@Mathematiker
"Forschungsinstitute [...] sind aber alle durch den Bund finanziert oder querfinanziert"
Also, ich sehe kein Alleinstellungsmerkmal; Es gibt überall z.B. Drittmittel von der DFG und der EU. Eher sehe ich das Problem, dass noch nicht alles Nötige in der Nachbarschaft vorhanden ist und vllt. auch diese "kritische Masse" der kurzen Wege, die weitere Forschungsinstitute und moderne Industrien anzieht, niemals erreicht sein wird.
@Mathematiker
"Forschungsinstitute [...] sind aber alle durch den Bund finanziert oder querfinanziert"
Also, ich sehe kein Alleinstellungsmerkmal; Es gibt überall z.B. Drittmittel von der DFG und der EU. Eher sehe ich das Problem, dass noch nicht alles Nötige in der Nachbarschaft vorhanden ist und vllt. auch diese "kritische Masse" der kurzen Wege, die weitere Forschungsinstitute und moderne Industrien anzieht, niemals erreicht sein wird.
Das "Niederschreiben" des Saarlands zur Wirtschafts- und Finanzwüste ist genauso wenig angebracht, wie das Hochjubeln von "kleinsten Pflänzchen" als Vorboten eines wirtschaftlich wichtigen Regenwaldes. Die Wahrheit dürfte in der Mitte liegen.
Zu dieser Wahrheit zählt auch, dass dieses Bundesland immer von gerne genommenen Subventionen gelebt hat und dazu noch Schulden in fast nicht abzahlbarer Höhe angehäuft hat. Hier ist die Verantwortung klar bei den SPD-, bzw. CDU Landesregierungen zu suchen. Die sich selbst ständig überbewertenden Lafontaines und Müllers haben letztendlich auf Kosten der Republik -vorsichtig formuliert- jahrelang "Bundesland gespielt".
Die Zeiten dieser Herren sind -gottseidank- vorbei und die aktuelle Führung muss sich nun auf diesem Scherbenhaufen massiv um die Sanierung aller Bereiche kümmern. Klar ist, dass die Geberländer des Länderfinanzausgleichs manchen "Operetten-Bundesländern" den Geldhahn langsam zudrehen werden. Nur so werden sich Länder wie das Saarland auf ihre vorhandenen Kräfte und überschaubaren Möglichkeiten besinnen müssen.
Wie das Image des Saarlandes -in Bezug auf die Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte- gehoben werden kann, ist umstritten. Daß immer mehr gut ausgebildete Saarländer das Land verlassen -also das Vertrauen verloren haben- wird ausländische Fachkräfte nicht gerade "ermutigen".
Da helfen auch die vom Bund finanzierten Forschungseinrichtungen wenig. Es gilt, die jungen "Saarländer" auszubilden und im Land zu halten.
Die Schlagworte „Nie etwas anderes gelernt“ hören sich an, als währen die Bergleute nur angelernt und unflexibel. Wir haben ebenfalls eine mehrjährige Ausbildung und mussten oft den Arbeitsplatz von einer Grube zur anderen wechseln, weil ein Bergwerk nach dem anderen geschlossen wurde. Außerdem haben schon viele ehemalige Bergarbeiter jetzt einen Beruf als Alten- oder Krankenpfleger, Baumaschinenführer, Berufskraftfahrer, IT- Programmierer usw.
Es wird immer nur von den Subventionen für den Bergbau gesprochen. Was ist denn mit den Subventionen für den Flugzeug- und Schiffsbau, Geflügel- und Schweinemastanlagen, Zuckerhersteller, und Landwirte, ganz zu schweigen von den Rüstungskonzernen oder der Atomindustrie!
Deutschland vergibt im Jahr über 160 Milliarden Euro an Subventionen. Für den Steinkohlebergbau werden gerade mal 1,4 Mrd. investiert. Der reine Markterlös der Kohle erzielt schon 2 Mrd. €. Davon zahlt die RAG 0,8 Mrd. € an Steuern und Sozialabgaben zurück. Die Löhne der Beschäftigten entsprechen einer Kaufkraft von 0,8 Mrd. Für 1,6 Mrd. € werden Aufträge an Zulieferbetrieben und Dienstleister vergeben. Von alle dem profitiert auch das Saarland in nicht unerheblichem Maße.
Wer also als Saarländer aus rein wirtschaftlicher Sicht gegen den Bergbau ist, der kann 1+1 nicht zusammenzählen.
Auch die Politiker sollten sich mal überlegen wer ihre unmoralischen Gehälter bezahlt.
Ich bin es leid, dass der einst stolze Bergmann, nun der Schuldenbock der Nation sein soll!!
M.S
"Was ist denn mit den Subventionen für den Flugzeug- und Schiffsbau, Geflügel- und Schweinemastanlagen, Zuckerhersteller, und Landwirte, ganz zu schweigen von den Rüstungskonzernen oder der Atomindustrie!"
Das ist sichere CDU-Wählerklientel... Eingeleitet wurde der Steinkohleausstieg übrigens von Konrad Adenauer Ende der 1950er, Anfang der 1960er Jahre: zum einen durch die DM-Aufwertung, zum anderen durch die Beschlüsse der Montanunion.
120325so1303
...katholischem" Niederrhein, in Mönchengladbach, vegetierender Evangele aus Marburg mit entscheidender Berliner Sozialisation - ich ging da 1967 als Achtzehnjähriger dahin -
also, ich werde mich als solcher hüten, mich in die "inneren Angelegenheiten" der "Ich weiß nitt so genau, wohin ich gehöre-Menschen" einzumischen.
Also, ich halte ES da mit Jorge Semprun
"Ich bin da zuhause, wo 'man' mich versteht."
Es sind schon en paar, die mich verstehen
Aber - es werden mehr
Mit freundlichem Gruß
Ihr Mit- und Neben-Mensch, vor allem Mensch, nicht mehr aber auch nicht weniger
Klaus K. Wagner
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