In der Affäre um illegale Sex-Partys hat die französische Justiz ein förmliches Ermittlungsverfahren gegen Dominique Strauss-Kahn eingeleitet. Die Vorwürfe lauten auf "organisierte Zuhälterei". Dies teilte die Staatsanwaltschaft in Lille mit. Die zuständigen Ermittlungsrichter hätten eine ursprünglich für Mittwoch geplante Vernehmung vorgezogen.

Strauß-Kahns Anwälte erklärten, er habe alle Vorwürfe "mit größter Entschiedenheit" zurückgewiesen. Strauss-Kahn sei nun gegen Zahlung von 100.000 Euro unter Auflagen auf freien Fuß gesetzt worden. Er dürfe aber nicht mit den weiteren Verdächtigen Kontakt aufnehmen.

Strauss-Kahn war bereits vor einem Monat befragt worden. In der Affäre geht es vor allem um die Frage, ob Strauss-Kahn bei seiner Teilnahme an gesponserten Partys wusste, dass die Teilnehmerinnen Prostituierte waren. Sollten die Ermittler Hinweise darauf finden, droht ihm eine Anklage wegen Beihilfe zur Zuhälterei. Darauf stehen in Frankreich bis zu 20 Jahre Haft.

Die zweite Frage im Zentrum der Vernehmungen ist die Finanzierung der Partys. Sie wurden von zwei Bekannten Strauss-Kahns organisiert, einer von ihnen rechnete sie über seine Firma ab. Sollte Strauss-Kahn über die betrügerischen Machenschaften informiert gewesen sein und gegebenenfalls auch illegale Gegengeschäfte in Aussicht gestellt haben, droht ihm eine Anklage wegen Veruntreuung von Firmengeldern und bis zu fünf Jahre Gefängnis.

Im vergangenen Jahr hatte Strauß-Kahn nach Vergewaltigungsvorwürfen eines New Yorker Zimmermädchens seinen Posten als IWF-Chef aufgegeben. Die US-Justiz stellte das strafrechtliche Verfahren zwar wegen Zweifeln an der Glaubwürdigkeit der Frau ein, eine zivilrechtliche Klage ist aber noch anhängig.