Attenat von Toulouse : Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Bruder des Attentäters

Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen den Bruder des Attentäters von Toulouse aufgenommen. Die Polizei wirft ihm vor, seinen Bruder indoktriniert zu haben.
Polizisten vor dem Gebäude des französischen Verfasssungsschutzes in Levallois-Perret © Gonzalo Fuentes/Reuters

Die französische Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt auch gegen Abdelkader Merah, den älteren Bruder des Attentäters von Toulouse . Die Staatsanwaltschaft teilte mit, dass der Verdacht auf Beihilfe zum Mord an sieben Menschen und Verschwörung zur Vorbereitung von Terrorakten lautet. Merah wurde am Sonntag einem Richter vorgeführt.

Abdelkader Merah und seine Lebensgefährtin waren am Mittwoch in ihrem Haus südlich von Toulouse festgenommen worden. Seine Freundin und seine Mutter wurden am Wochenende aus dem Polizeigewahrsam entlassen.
Wie aus Polizeikreisen verlautete, zeigte sich Abdelkader Merah bei der Vernehmung "stolz" angesichts der Taten seines Bruders Mohammed Merah . Er gab an, nichts von den Plänen des 23-Jährigen gewusst zu haben, der insgesamt sieben Menschen erschossen haben soll. Merah hatte vor seinem Tod behauptet, allein für die Taten verantwortlich zu sein und hatte sich zur Terrororganisation Al-Kaida bekannt.

Die Polizei vermutet, dass der ältere Merah-Bruder, ein islamischer Fundamentalist, Mohammed Merah indoktriniert haben könnte. Auch ist offen wie sich Mohammed Merah ein so großes Waffenarsenal anschaffen konnte.

Laut Medienberichten soll das Mobiltelefon des älteren Bruders in der Nähe der jüdischen Schule gefunden worden, wo Merah einen Lehrer und drei Schüler erschossen hatte. Zudem war der ältere Bruder zugegen, als Merah den bei den Attentaten verwendeten Motorroller stahl. Die Polizei habe am Mittwoch ein verdächtiges Pulver im Auto von Abdelkader Merah gefunden, hieß es weiter. Spekulationen, wonach es sich um Sprengstoff handelte, wurden von den Behörden nicht bestätigt.

Mohammed Merah soll zwischen dem 11. und dem 19. März in Toulouse und Montauban drei Soldaten sowie vor einer jüdischen Schule einen Erwachsenen und drei Kinder erschossen haben. Er wurde am Donnerstag nach 32-stündiger Belagerung seiner Wohnung von der Polizei getötet.
 

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Kommentare

11 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

"Der Bruder des Attentäters von Toulouse soll laut ....

.... Medienberichten angeklagt werden. Die Polizei verdächtigt ihn, seinen Bruder indoktriniert und unterstützt zu haben."

Wegen Indoktrination anklagen? Wegen Unterstützung? Ja, auf jeden Fall. Aber wegen einer Meinungsäußerung verklagen? Das ist schon etwas, das man sich überlegen sollte in Gesellschaften, die retroaktiv (wie bspw im Falle der griechischen Staatsanleihen) die Gesetze ändern und Regierende kaum für ihre Handlungen haften. Will man wirklich einen Staatsapparat, der nur sich selbst kontrolliert, der dann aus Meinungsgründen Bürger verhaften darf und kann? Mir scheinen die Meinungen in unserer relativistischen Kultur etwas zu sehr und rasch veränderlich. Da begeben wir uns aus sehr dünnes Eis.

"Der französische Verfassungsschutz"

In Levallois-Perret findet man den Inlands-Geheimdienst (DCRI, was soviel heisst wie Direktion für Nachrichtenbeschaffung im Innland). Die Verfassung in Frankreich ist eine Sache für sich.

Aber wenn die Redaktion meint, durch Paris flösse die französische Spree, ja dann ...

approximativ

@Varec: Mal abgesehen davon, dass es generell schwierig ist Institutionen zu vergleichen, ohne ihren jeweiligen rechtlichen Rahmen zu erwähnen, sind die Aufgabenbereiche des Verfassungsschutzes und der DCRI ziemlich ähnlich. Jedenfalls kann ich ihre Bemerkung nicht nachvolziehen. Oder was verstehen Sie unter dem "Verfassungsschutz"?
Tatsache ist, dass durch die deutschen Medien ziemlich viele, sehr approximative Informationen gehen. Das liegt aber zum Teil auch an den französischen Medien - das heißt an den Medien allgemein. Da die Medien jetzt ihr Programm rund um die Uhr füllen "müssen", wird halt einfach weitergeplappert, wenn es keine wirklichen Informationen gibt. Das gehört inzwischen anscheinend zur Grundausbildung eines jeden Journalisten. Aber auch die sognennanten Experten verlieren jegliche Reserve, wenn sie erst einmal vor der Kamera stehen.