ToulouseElitepolizisten erschießen Mohamed M.

Der Verdächtige von Toulouse ist bei einem Feuergefecht mit der Polizei umgekommen. Elitepolizisten waren zuvor in das Versteck des Mannes vorgerückt. von afp, dpa und reuters

Polizisten am Einsatzort in Toulouse

Polizisten am Einsatzort in Toulouse  |  © Pascal Pavani/AFP/Getty Images

Der Mann, der in Toulouse und Montauban sieben Menschen getötet haben soll, ist tot. Ein Scharfschütze der französischen Polizei habe Mohamed M. bei einem Sprung aus dem Fenster am Donnerstag per Kopfschuss getötet, sagte der zuständige Staatsanwalt.

Zuvor habe es eine etwa fünf Minuten dauernde Schießerei gegeben, bei der auch zwei Polizisten Verletzungen erlitten, sagte Innenminister Claude Guéant. Der Verdächtige habe etwa 30 Schüsse abgegeben, teilte der Staatsanwalt mit. Neben seiner Leiche sei ein großkalibriger Colt entdeckt worden, der 23-Jährige habe eine schusssichere Weste getragen. 

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Auf einer der Al-Kaida nahestehenden Islamisten-Website tauchte ein Bekennerschreiben auf, mit dem eine Gruppe mit dem Namen "Soldaten des Kalifats" für die Morde die Verantwortung übernahm. M. selbst hatte sich als Einzeltäter bezeichnet, aber auch deutlich gemacht, dass er sich als Teil des Al-Kaida-Netzwerks verstehe.

Der mutmaßliche Serienmörder habe alle seine Taten gefilmt. Sie seien auf den entdeckten Videofilmen erschreckend deutlich zu erkennen, sagte der Staatsanwalt. Beim tödlichen Kopfschuss auf sein erstes Opfer, einen Soldaten, habe er gesagt: "Du tötest meine Brüder, und ich töte dich." Polizisten habe er gesagt: "Wenn ich sterbe, gehe ich ins Paradies – wenn ihr sterbt, Pech für euch!".

Unterdessen werden Details aus dem Leben von Mohamed M. bekannt: Er saß knapp zwei Jahre wegen kleinerer Delikte im Gefängnis. In dieser Zeit begann nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft seine islamische Radikalisierung.

Plötzlich stürmte M. aus dem Badezimmer

Die Stürmung der Wohnung, bei der M. starb, begann am späten Donnerstagvormittag. Elitepolizisten drangen in die Wohnung im Stadtviertel Côte Pavée in Toulouse ein, in der sich der Verdächtige versteckte. Sie traten Fenster und Türen ein, nachdem sie die Lage von außen bestmöglich aufgeklärt hatten, schilderte Innenminister Guéant den Verlauf. Mit Video-Robotern hätten sie das Innere erforscht. In der Wohnung tasteten sich die Polizisten der Spezialeinheit Raid Schritt für Schritt voran, weil die Räume hätten vermint sein können. Sie setzten offenbar Gas ein, um den Täter bewegungsunfähig zu machen.

Plötzlich sei der Verdächtige aus dem Badezimmer gestürmt und habe mit mehreren Waffen auf die Beamten geschossen. "Es waren häufige Schuss-Salven, ziemlich schwer. Ein Mitglied des Einsatzkommandos sagte mir, dass er noch nie zuvor ein Feuer von einer derartigen Intensität erlebt hat", sagte Guéant.

Die Elite-Polizisten hätten zurückgeschossen. Nach einem mehrminütigen Schusswechsel sei der Mann dann aus dem Fenster gesprungen und habe mit der Waffe in der Hand weiter gefeuert. "Er wurde tot auf dem Boden gefunden", sagte Guéant. Nach Information des TV-Nachrichtensenders BFM wurden am Tatort mehr als 300 Patronen verschossen.

Seit mehr als 32 Stunden belagert

Die Beamten hatten seit Mittwochabend keinen Kontakt zu Mohamed M. mehr gehabt. Guéant vermutete deshalb, der 23-Jährige lebe womöglich nicht mehr. M. habe vorher gesagt, er wolle mit der Waffe in der Hand sterben. Guéant sprach davon, es seien zwei Schüsse zu hören gewesen. Es sei aber unklar gewesen, woher sie kamen.

Mehr als 32 Stunden lang hatten Hunderte schwer bewaffnete Polizisten das Haus belagert. Sie drehten Strom und das Gas ab. Außerdem zündete die Polizei in der Nacht mehrere Sprengsätze in der Nähe, offenbar um den Verdächtigen einzuschüchtern. Am Vormittag schilderten Augenzeugen, es habe in einer Minute drei weitere Explosionen gegeben. Kurz darauf begann die Erstürmung.

Insgesamt sieben Menschen getötet

Verteidigungsminister Gérard Longuet hatte am Mittwochabend dem TV-Sender TF1 gesagt, man wolle den mutmaßlichen Attentäter lebend ergreifen, um ihn vor Gericht stellen zu können. "Wir wollen seine Beweggründe erfahren und hoffentlich herausbekommen, wer seine Komplizen sind, falls es welche gibt." Das gelang nicht.

Der Franzose algerischer Herkunft soll bei insgesamt drei Mordanschlägen sieben Menschen getötet haben , darunter Angehörige einer jüdischen Schule in Toulouse sowie drei aus Nordafrika stammende Fallschirmjäger.


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Zu Beginn des Einsatzes am gestrigen Mittwoch hatte der Mann mit automatischen Waffen auf Polizisten gefeuert, die sich der Wohnung näherten, und mindestens zwei von ihnen verletzt.

Kamera gefunden

Mohamed M. hatte die Taten bereits indirekt zugegeben, wie Guéant am Mittwoch sagte. Als Motiv nannte er Rache für palästinensische Kinder. Er habe im Gespräch mit der Polizei bedauert, dass er nicht mehr Menschen getötet habe, sagte der zuständige leitende Staatsanwalt François Molins. Für Mittwoch habe er den nächsten Mord geplant gehabt.

Den Ermittlern zufolge hatte die Polizei zuvor den Motorroller gefunden, mit dem der Verdächtige wohl zu den Orten seiner Verbrechen fuhr, sowie eine Kamera, mit der er seine Taten möglicherweise filmte. Noch gesucht werde ein Auto, in dem Waffen und Sprengstoff vermutet werden.

Die Elitepolizisten hatten am Mittwoch mehrere Male vergeblich versucht, in M.s Wohnung in einem Mehrfamilienhaus einzudringen. Jedes Mal drängte er sie mit Schüssen aus schweren Waffen zurück.

Leserkommentare
  1. ... und der Verdächtige hört bestimmt - Batteriebetrieben - Radio, und erfährt aus der Presse das es nur Einschüchterungsversuche sind. Irgendwie nicht so schlau darüber zu berichten.

    Eine Leserempfehlung
  2. Auf dem ersten Video, dass ich von Herrn Mehra gesehen habe, sieht er aus wie ein Skinhead:
    http://www.lemonde.fr/soc...

    Auch wenn man sich die Lebensgeschichte des jungen Mannes durchliest, inklusive des Versuches, bei der franzoesischen Fremdenlegion Fuss zu fassen, fuehlt man sich eher an das Schicksal eines jungen Rechtsradikalen erinnert, als an einen Glaeubigen einer grossen Weltreligion.

    Dass Rechtsradikale, Antisemiten etc. eben nicht nur einen christlichen oder atheistischen Hintergrund haben muessen, sondern dass sie durchaus auch Muslime sein koennen, damit muss man sich auseinandersetzen.

    11 Leserempfehlungen
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    Der Fall erinnert an Robert B. ein deutscher Konvertit der vor kurzem in London zu einer Haftstrafe verurteilt wurde wegen Anleitungen zum Bombenbau auf seinem Laptop.

    "Roberts Leben vor dem Islam sei nicht einfach gewesen, sagt seine Mutter. Der Vater verstarb nur drei Tage vor dem 13. Geburtstag seines Sohnes an Lungenkrebs. In der Schule sei Robert viel gehänselt worden, galt eher als Außenseiter. Er brach die Schule nach der neunten Klasse ab und ging als 17-Jähriger – mit Einwilligung der Mutter – zur Bundeswehr.

    Sein Traum war es, sich verpflichten zu lassen, Panzer zu fahren, auch in den Afghanistan-Einsatz zu gehen. Doch innerhalb der Truppe wies man Robert einen tristen Bürojob zu. Vielleicht aus Langeweile, vielleicht durch den Einfluss von Kameraden driftete er in die rechte Gesinnung ab.

    Die Bundeswehr musste er deshalb verlassen." Quelle:die Welt

    ... dass manche sich den Hintergrund des Täters genau so hinbiegen werden, um ja nicht zugeben zu müssen, dass sie sich vorgestern schon zu früh über eine bestimmte Auflösung gefreut haben, die weitere Respressionen "gegen Rechts" gerechtfertigt hätte (und damit waren nicht Islamisten gemeint).

    • Ffm74
    • 22. März 2012 11:15 Uhr

    Tut mir leid Ihnen mitteilen zu müssen, dass es auch unter vielen moslemischen Gruppen üblich ist, sich den Kopf zu rasieren und das ganz ohne Bezug zu rechten Skinheads. Mir drängt sich hier der Verdacht auf, dass Sie etwas zu linkslastig denken, um wirklich objektiv sein zu können.

    - "Dass Rechtsradikale, Antisemiten etc. eben nicht nur einen christlichen oder atheistischen Hintergrund haben muessen, sondern dass sie durchaus auch Muslime sein koennen, damit muss man sich auseinandersetzen."

    Dass Antisemiten "durchaus auch Muslime sein können", ist nicht neu. Ich begrüße Ihren Vorschlag sich damit auseinanderzusetzen.

    Was hingegen krampfhaft erscheint, ist der Versuch, den Täter (mit einem Hinweis auf seinen früheren Haarschnitt?) in die rechtsradikale Ecke stellen zu wollen. Was auch immer der Lebensweg des Täters gewesen sein mag, seine heutigen Taten hat er im Namen seiner Religion verübt. Auch damit muss man sich auseinandersetzten.

    Jetzt machen sie Muslime schon zu Rechtsradikalen.

    Dieser Täter war ein radikaler Moslem, nicht mehr und nicht weniger.

    • kimiko
    • 22. März 2012 13:47 Uhr

    Rechtsradikales Gedankengut findet sich natürlich bei vielen Islamisten wieder, z.B. Frauenfeindlichkeit, Homophobie. Das ist allerdings bei allen fundamentalistischen Strömungen in den Religionen so.

    er hat doch jüdische Menschen ermordet. Man muß jetzt prüfen, ob er Verbindungen zur Neonazi-Szene in Ostdeutschland hatte.

    • dacapo
    • 22. März 2012 17:33 Uhr

    .......Islamisten gleichzeitig Rechtsextremisten sind. Sie sind vollkommen identisch mit den säkulären Rechtsextremisten.
    Beide haben fast die gleichen "Feinde". Ausser, dass sie sich gegenseitig spinnefeind sind. Aber auch das liegt in der Natur rechtsextremer Gesinnung. Nationalistische Extremisten "lieben" nur "ihre" Nation, die religiösen Rechtsextremisten "lieben" nur "ihre" Religion, der Islam in diesem Falle steht für eine Nation. Aber beide Extremisten sind Brüder in der Gesinnung.

    Beide Richtungen finden auch Sympathisanten, die solche "Kämpfer" als Helden ansehen und verherrlichen.

    • bugme
    • 22. März 2012 19:18 Uhr

    Egal ob Fanatischer Muslim, Links- oder Rechtsextrem - alle haben Sie einen Mangel an Resprekt für fremdes Leben und hassen Israel sowie die USA so sehr, dass sie alle Weltprobleme diesen beiden Ländern anhängen wollen (Wobei es nicht verboten ist an diesen Ländern konstruktive Kritik zu üben).

    Schöne, daß man so langsam merkt, daß Islamisten im Grunde genommen nichts anderes als rechtsradikale Nationalsozialisten sind: Sie hassen Juden, Ausländer und aus ihrer Sicht Ungläubige.

  3. Ist es eigentlich normal direkt die ganze Familie festzunehmen? Was wird denn zum Beispiel den beiden Schwestern vorgeworfen?

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    es ist völlig nachvollziehbar, wenn

    -der Netzzugang von der Mutter stammt

    - das Kfz des Bruders eine verdächtige Spurenlage bietet

    MfG Karl Müller

  4. es ist völlig nachvollziehbar, wenn

    -der Netzzugang von der Mutter stammt

    - das Kfz des Bruders eine verdächtige Spurenlage bietet

    MfG Karl Müller

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    Antwort auf "Sippenhaft?"
  5. Momentan sind noch etliche Unklarheiten im Raum. Hoffentlich bekommen sie den Mörder lebend und können den Hintergrund des Verbrechens besser durchleuchten.

    Artikel: "Auf die Spur gekommen war die Polizei dem Verdächtigen durch den von ihm genutzten Computer, über den er mit einem seiner späteren Mordopfer ein Treffen vereinbarte."

    Was mir momentan absolut unklar ist: Der erste Mord geschah am 11. März. Der Treffpunkt zwischen Mörder und Opfer wurde per eMail abgemacht. Warum mussten noch sechs weitere Menschen sterben, bevor man mittels der IP auf den Verdächtigen kam?

    Nach dem ersten Mord werden die Ermittler sich doch dafür interessiert haben, wie,wann,wo sich Mörder und Opfer getroffen haben. Dazu sind Notizen in jeder Form wichtig, natürlich und gerade PCs. Und so eine IP ist doch sowas wie eine Absendeadresse auf einem Brief eines Mörders an sein Opfer. Da denkt man nicht mal nach und macht sich sofort auf den Weg zu dieser Adresse um mehr herauszufinden.

    Aber erst mussten noch einmal zwei Soldaten sterben. Und erst als noch ein Lehrer und drei Kinder ermordet wurden, war innerhalb kürzester Zeit die IP da und zu welchem PC sie gehört.

    Sowas hätte doch gleich am 11. März passieren müssen. Sehr seltsam das. Wahrscheinlich wird die Zukunft mehr Informationen dazu an den Tag bringen.

    Auf SPON wurden zwei Ermittlungsmethoden verbreitet. Die IP-Sache und/oder Roller-Verkäufer haben zum Fahndungserfolg beigetragen, also mit einer sehr klassischen Methode.

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    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich nur, wenn Sie einen konstruktiven Beitrag zur Diskussion leisten möchten. Danke, die Redaktion/mo

    Widerlicher Weise wird natürlich wegen der IP sofort wieder für Vorratsdatenspeicherung getrommelt. Die IP ist aber entweder direkt in der Mail enthalten (steht im header) oder falls ein Webmail-Anbieter benutzt wurde, hat der die IP in seinen Logs.
    Das in diesem Fall keinerlei Vorratsdatenspeicherung notwendig war, dürfte jedem Kriminalisten bekannt sein. Trotzdem wird jetzt wieder auf einen großen Verhandungserfolg dank der Vorratsdatenspeicherung hingewiesen. Das ist eine pure Verdrehung der Tatsachen. Die Polizei hatte einfach Glück, dass der Täter doof genug war nicht seine IP zu verschleiern.

    Der Attentäter hatte auch einen Motorroller, der auch in Frankreich zugelassen werden muss und ein Nummernschild hat.

    Wenn ein Bösewicht ein bisschen mitdenkt, klaut er sich einen Motorroller und das Händie, mit dem er evtl. Kontakt aufnimmt.

    Dann hilft nur noch jede Straßenkreuzung mit Kameras auszustatten bzw. noch zuverlässiger, alle Menschen mit RF-IDs zu taggen und an Straßenecken zu registrieren. Wer seinen implantierten RF-IDs zerstört, wird sowieso verhaftet.

    Schöne neue, computerkontrollierte Welt.

    Aber das ist noch nicht das Ende. Computer interpretieren Bewegungsmuster und leiten dadurch zukünftige Kriminalität ab. Das ist der Eintritt ins Precrime-Zeitalter. Die Forschungen dazu laufen schon seit einigen Jahren unter anderem beim Fraunhofer-Institut unter dem Titel "Technologien und Konzepte für die präventive Sicherheit".

    Präventive Sicherheit! Ich frage Sie: Was können wir noch mehr wollen?

    • jayw
    • 22. März 2012 7:48 Uhr

    "Am Donnerstagmittag hatte er laut Innenminister Guéant angekündigt, aufgeben zu wollen, was er dann nicht tat."

    Sollte es Mittwochmittag heißen?

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    Redaktion

    Vielen Dank, jayw, für den Hinweis. Da waren wir einen Tag zu weit. Wir haben den Fehler korrigiert.

    Viele Grüße, Tilman Steffen, Nachrichtenredaktion

  6. 7. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich nur, wenn Sie einen konstruktiven Beitrag zur Diskussion leisten möchten. Danke, die Redaktion/mo

    Eine Leserempfehlung
  7. Widerlicher Weise wird natürlich wegen der IP sofort wieder für Vorratsdatenspeicherung getrommelt. Die IP ist aber entweder direkt in der Mail enthalten (steht im header) oder falls ein Webmail-Anbieter benutzt wurde, hat der die IP in seinen Logs.
    Das in diesem Fall keinerlei Vorratsdatenspeicherung notwendig war, dürfte jedem Kriminalisten bekannt sein. Trotzdem wird jetzt wieder auf einen großen Verhandungserfolg dank der Vorratsdatenspeicherung hingewiesen. Das ist eine pure Verdrehung der Tatsachen. Die Polizei hatte einfach Glück, dass der Täter doof genug war nicht seine IP zu verschleiern.

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    "Die Polizei hatte einfach Glück, dass der Täter doof genug war nicht seine IP zu verschleiern."
    Alle können nur froh sein, dass diese Hirnlosen so doof sind, denn wenn nicht, wären sie noch gefährlicher. Früher sagte man, reisen bildet, aber wenn das Reiseziel nicht stimmt, geht es wohl doch mehr in Richtung Verblödung.

    Ich muss sie da korrigieren, sie irren nämlich.

    Wenn die IP Adresse bekannt ist, sei es aus einem Mailheader oder den Logs eines Webservices, kann man zunächst nur den Eigentümer dieser IP Adresse ermitteln.

    Eigentümer sind i.d.R. große Firmen/Institute (die ihr Netz selbst verwalten), oder eben die Provider.

    Die Provider wiederum vergeben die IP Adressen an ihre Kunden, i.d.R. kleine Firmen, Privatpersonen. Diese Vergabe kann statisch (meist bei Firmen) oder dynamisch (bei ISDN/DSL/UMTS Anschlüssen von Privatpersonen) erfolgen, wobei dynamisch heisst dass spätestens alle 24h eine Neuvergabe erfolgt.

    Hat man nun eine IP Adresse mit der eine verdächtige Email, ein verdächtiger Foreneintrag verfasst wurde oder mit der ein Hetzvideo hochgeladen wurde, kann man damit also nur den Provider ermitteln.

    Den Zusammenhang IP Adresse - Kunde (reale Person) kennt nur der Provider! Und auch nur für die aktuelle, aktive Verbindung. Was gestern war oder vor drei Wochen ist für den Provider irrelevant und wird "vergessen" (gelöscht), schon aus Kostengründen.

    Somit kann mit Kenntnis einer dynamisch vergebenen IP Adresse NICHT auf den Anschlussinhaber (Kunden des Providers) geschlossen werden.

    Und genau hier setzt die Vorratsdatenspeicherung an. Diese verpflichtet nämlich die Provider, die Verknüpfung IP Adresse / Kunde auch für vergangene Verbindungen aufzubewahren, also auf Vorrat (damit sie verfügbar ist, falls man auf Verdächtiges stösst) zu speichern. Daher der Name: Vorratsdatenspeicherung.

    Wenn also mit einer IP Adresse aus einer vor Wochen verschickten Email der Attentäter ermittelt werden konnte, ist das sehr wohl ein Argument PRO Vorratsdatenspeicherung.

    Ich bin auch kein Freund der Vorratsdatenspeicherung. Hier aber scheint sie tatsächlich Erfolg gehabt zu haben.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, AFP
  • Schlagworte Toulouse | Gas | Innenminister | Nordafrika | Polizei | TV-Sender
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