Toulouse : Elitepolizisten erschießen Mohamed M.

Der Verdächtige von Toulouse ist bei einem Feuergefecht mit der Polizei umgekommen. Elitepolizisten waren zuvor in das Versteck des Mannes vorgerückt.
Polizisten am Einsatzort in Toulouse © Pascal Pavani/AFP/Getty Images

Der Mann, der in Toulouse und Montauban sieben Menschen getötet haben soll, ist tot. Ein Scharfschütze der französischen Polizei habe Mohamed M. bei einem Sprung aus dem Fenster am Donnerstag per Kopfschuss getötet, sagte der zuständige Staatsanwalt.

Zuvor habe es eine etwa fünf Minuten dauernde Schießerei gegeben, bei der auch zwei Polizisten Verletzungen erlitten, sagte Innenminister Claude Guéant. Der Verdächtige habe etwa 30 Schüsse abgegeben, teilte der Staatsanwalt mit. Neben seiner Leiche sei ein großkalibriger Colt entdeckt worden, der 23-Jährige habe eine schusssichere Weste getragen. 

Auf einer der Al-Kaida nahestehenden Islamisten-Website tauchte ein Bekennerschreiben auf, mit dem eine Gruppe mit dem Namen "Soldaten des Kalifats" für die Morde die Verantwortung übernahm. M. selbst hatte sich als Einzeltäter bezeichnet, aber auch deutlich gemacht, dass er sich als Teil des Al-Kaida-Netzwerks verstehe.

Der mutmaßliche Serienmörder habe alle seine Taten gefilmt. Sie seien auf den entdeckten Videofilmen erschreckend deutlich zu erkennen, sagte der Staatsanwalt. Beim tödlichen Kopfschuss auf sein erstes Opfer, einen Soldaten, habe er gesagt: "Du tötest meine Brüder, und ich töte dich." Polizisten habe er gesagt: "Wenn ich sterbe, gehe ich ins Paradies – wenn ihr sterbt, Pech für euch!".

Unterdessen werden Details aus dem Leben von Mohamed M. bekannt: Er saß knapp zwei Jahre wegen kleinerer Delikte im Gefängnis. In dieser Zeit begann nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft seine islamische Radikalisierung.

Plötzlich stürmte M. aus dem Badezimmer

Die Stürmung der Wohnung, bei der M. starb, begann am späten Donnerstagvormittag. Elitepolizisten drangen in die Wohnung im Stadtviertel Côte Pavée in Toulouse ein, in der sich der Verdächtige versteckte. Sie traten Fenster und Türen ein, nachdem sie die Lage von außen bestmöglich aufgeklärt hatten, schilderte Innenminister Guéant den Verlauf. Mit Video-Robotern hätten sie das Innere erforscht. In der Wohnung tasteten sich die Polizisten der Spezialeinheit Raid Schritt für Schritt voran, weil die Räume hätten vermint sein können. Sie setzten offenbar Gas ein, um den Täter bewegungsunfähig zu machen.

Plötzlich sei der Verdächtige aus dem Badezimmer gestürmt und habe mit mehreren Waffen auf die Beamten geschossen. "Es waren häufige Schuss-Salven, ziemlich schwer. Ein Mitglied des Einsatzkommandos sagte mir, dass er noch nie zuvor ein Feuer von einer derartigen Intensität erlebt hat", sagte Guéant.

Die Elite-Polizisten hätten zurückgeschossen. Nach einem mehrminütigen Schusswechsel sei der Mann dann aus dem Fenster gesprungen und habe mit der Waffe in der Hand weiter gefeuert. "Er wurde tot auf dem Boden gefunden", sagte Guéant. Nach Information des TV-Nachrichtensenders BFM wurden am Tatort mehr als 300 Patronen verschossen.

Seit mehr als 32 Stunden belagert

Die Beamten hatten seit Mittwochabend keinen Kontakt zu Mohamed M. mehr gehabt. Guéant vermutete deshalb, der 23-Jährige lebe womöglich nicht mehr. M. habe vorher gesagt, er wolle mit der Waffe in der Hand sterben. Guéant sprach davon, es seien zwei Schüsse zu hören gewesen. Es sei aber unklar gewesen, woher sie kamen.

Mehr als 32 Stunden lang hatten Hunderte schwer bewaffnete Polizisten das Haus belagert. Sie drehten Strom und das Gas ab. Außerdem zündete die Polizei in der Nacht mehrere Sprengsätze in der Nähe, offenbar um den Verdächtigen einzuschüchtern. Am Vormittag schilderten Augenzeugen, es habe in einer Minute drei weitere Explosionen gegeben. Kurz darauf begann die Erstürmung.

Insgesamt sieben Menschen getötet

Verteidigungsminister Gérard Longuet hatte am Mittwochabend dem TV-Sender TF1 gesagt, man wolle den mutmaßlichen Attentäter lebend ergreifen, um ihn vor Gericht stellen zu können. "Wir wollen seine Beweggründe erfahren und hoffentlich herausbekommen, wer seine Komplizen sind, falls es welche gibt." Das gelang nicht.

Der Franzose algerischer Herkunft soll bei insgesamt drei Mordanschlägen sieben Menschen getötet haben , darunter Angehörige einer jüdischen Schule in Toulouse sowie drei aus Nordafrika stammende Fallschirmjäger.

Zu Beginn des Einsatzes am gestrigen Mittwoch hatte der Mann mit automatischen Waffen auf Polizisten gefeuert, die sich der Wohnung näherten, und mindestens zwei von ihnen verletzt.

Kamera gefunden

Mohamed M. hatte die Taten bereits indirekt zugegeben, wie Guéant am Mittwoch sagte. Als Motiv nannte er Rache für palästinensische Kinder. Er habe im Gespräch mit der Polizei bedauert, dass er nicht mehr Menschen getötet habe, sagte der zuständige leitende Staatsanwalt François Molins. Für Mittwoch habe er den nächsten Mord geplant gehabt.

Den Ermittlern zufolge hatte die Polizei zuvor den Motorroller gefunden, mit dem der Verdächtige wohl zu den Orten seiner Verbrechen fuhr, sowie eine Kamera, mit der er seine Taten möglicherweise filmte. Noch gesucht werde ein Auto, in dem Waffen und Sprengstoff vermutet werden.

Die Elitepolizisten hatten am Mittwoch mehrere Male vergeblich versucht, in M.s Wohnung in einem Mehrfamilienhaus einzudringen. Jedes Mal drängte er sie mit Schüssen aus schweren Waffen zurück.

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Kommentare

220 Kommentare Seite 1 von 18 Kommentieren

Ein islamistischer Skinhead?

Auf dem ersten Video, dass ich von Herrn Mehra gesehen habe, sieht er aus wie ein Skinhead:
http://www.lemonde.fr/soc...

Auch wenn man sich die Lebensgeschichte des jungen Mannes durchliest, inklusive des Versuches, bei der franzoesischen Fremdenlegion Fuss zu fassen, fuehlt man sich eher an das Schicksal eines jungen Rechtsradikalen erinnert, als an einen Glaeubigen einer grossen Weltreligion.

Dass Rechtsradikale, Antisemiten etc. eben nicht nur einen christlichen oder atheistischen Hintergrund haben muessen, sondern dass sie durchaus auch Muslime sein koennen, damit muss man sich auseinandersetzen.

Sie haben Recht

Der Fall erinnert an Robert B. ein deutscher Konvertit der vor kurzem in London zu einer Haftstrafe verurteilt wurde wegen Anleitungen zum Bombenbau auf seinem Laptop.

"Roberts Leben vor dem Islam sei nicht einfach gewesen, sagt seine Mutter. Der Vater verstarb nur drei Tage vor dem 13. Geburtstag seines Sohnes an Lungenkrebs. In der Schule sei Robert viel gehänselt worden, galt eher als Außenseiter. Er brach die Schule nach der neunten Klasse ab und ging als 17-Jähriger – mit Einwilligung der Mutter – zur Bundeswehr.

Sein Traum war es, sich verpflichten zu lassen, Panzer zu fahren, auch in den Afghanistan-Einsatz zu gehen. Doch innerhalb der Truppe wies man Robert einen tristen Bürojob zu. Vielleicht aus Langeweile, vielleicht durch den Einfluss von Kameraden driftete er in die rechte Gesinnung ab.

Die Bundeswehr musste er deshalb verlassen." Quelle:die Welt

Rechtsradikal?

- "Dass Rechtsradikale, Antisemiten etc. eben nicht nur einen christlichen oder atheistischen Hintergrund haben muessen, sondern dass sie durchaus auch Muslime sein koennen, damit muss man sich auseinandersetzen."

Dass Antisemiten "durchaus auch Muslime sein können", ist nicht neu. Ich begrüße Ihren Vorschlag sich damit auseinanderzusetzen.

Was hingegen krampfhaft erscheint, ist der Versuch, den Täter (mit einem Hinweis auf seinen früheren Haarschnitt?) in die rechtsradikale Ecke stellen zu wollen. Was auch immer der Lebensweg des Täters gewesen sein mag, seine heutigen Taten hat er im Namen seiner Religion verübt. Auch damit muss man sich auseinandersetzten.

Rechtsradkale Elemente wie aus dem Bilderbuch

Ich bin der Ansicht dass das kategorische Sortieren von Gewalttaetern in Schubladen, wie es in Deutshcland oft geschieht, der Komplexitaet des menschlichen Denkens keine Gerechtigkeit tut. Keine Glaubensrichtung schuetzt 100% vor Radikalitaet. Natuerlich koennen auch Muselmanen Rechtsradikale sein. Das haben sogar die echten Nazis gewusst, und unterhielten mehrere muslimische Grossverbaende in speziellen SS-Abteilungen, von deren ueberlebenden Angehoerigen bekannt ist dass sie zum Teil noch nach dem Krieg jahrzehntelang radikal agitierten, in Arabien und anderswo.

Wenn Sie sich das Video des Herrn Mehri anschauen, zu dem ich verlinkt hatte, dann stellen Sie sich diesen Menschen mal mit Springerstiefeln und Bomberjacke vor. Mit Schwarz-Weiss-Roter Fahne. Er wuerde bestens hineinpassen in die Szene der Rechtsradikalen.

Fuer die These der rechtsradikalen Motivation spricht auch der Einzeltaeter- oder Kleingruppenstatus, seine vielfachen Versuche, beim franzoesischen Militaer unterzukommen, und die Weltanschauung, Gewalt zu verherrlichen und Probleme mit Gewalt loesen zu wollen. Dafuer spricht auch die Auswahl der Opfer: integrierte Muslims und unschuldige Menschen juedischen Glaubens.

Ich bleibe dabei, der Tater war ein rechtsradikaler Islamist. Denn nicht jeder Islamist wird zum politischen Gewalttaeter, wie beispielsweise die islamistische, aber friedliche Regierungspartei AKP in der Tuerkei zeigt.

Bilderbücher den Kindern, Fachbücher für Foristen

Ich kenne ja nun Ihr Bilderbuch nicht. Aber in der Sache hilft auch eher ein Blick ins Fachbuch. Da finden sich folgende sechs Kategorien, die gleichermaßen zutreffen müssen, damit man jemanden als Rechtsextrem qualifiziert:
Chauvinismus, Rassismus, Befürworten einer Rechtsautoritären Diktatur, Verharmlosung des Nationalsozialismus, Antisemitismus und Sozialdarwinismus. Wenn jemand ALLE diese Einstellungen teilt, dann kann man von Rechtsextremismus sprechen.

Haben Sie Belege dafür, dass das auf diesen Täter zutrifft?

Verharmlosung

Ihre Forderung, nach der jemand alle Kriterien erfuellen muesste, um als Rechtsradikaler zu gelten, trifft ja nicht mal fuer zahlreiche original Nazis zu, koennen Sie z.B. 'Sozialdarwinismus' doch bei weitem nicht allen Nazis nachweisen. Derartige Argumentation ist voellig verharmlosend und gefaehrlich, wuerde sie doch sogar Teile des Dritten Reiches von der Schuld absolvieren, weil vom Vorwurf des Rechtsextremismus freigesprochen. Den Tater von Toulouse wuerde dies sowieso absolvieren.

Den Verdaechtigen kann man nun leider nicht mehr verhoeren, aber die Vielzahl der Parallelen zu Radikalen aus der Skinhead-Szene deutet auf mehr als nur Zufaelligkeit hin. Inklusive des langen Strafregisters, der Ablehnung der Mehrheitsgesellschaft, der Poebeleien gegen Andersdenkende etc.

das ist ja nun naheliegend, dass ...........

.......Islamisten gleichzeitig Rechtsextremisten sind. Sie sind vollkommen identisch mit den säkulären Rechtsextremisten.
Beide haben fast die gleichen "Feinde". Ausser, dass sie sich gegenseitig spinnefeind sind. Aber auch das liegt in der Natur rechtsextremer Gesinnung. Nationalistische Extremisten "lieben" nur "ihre" Nation, die religiösen Rechtsextremisten "lieben" nur "ihre" Religion, der Islam in diesem Falle steht für eine Nation. Aber beide Extremisten sind Brüder in der Gesinnung.

Beide Richtungen finden auch Sympathisanten, die solche "Kämpfer" als Helden ansehen und verherrlichen.

Keine Couchtischdefinition

Lieber Friedensfürst, bitte nehmen Sie einfach zur Kenntnis, dass die von mir zitierten sechs Kriterien einen unter Mühen und professioneller Anstrengung erzielten Konsens unter deutschen Rechtsextremismusforschern darstellen. Stand der Fachdebatte.

Den Mörder hier "absolviert" das gar nicht. Ich weiß schlicht nicht, ob die Kriterien auf ihn zugetroffen haben. Sollte das nicht der Fall sein, so macht das diesen Mörder keinen Deut besser. Nur rechtsextrem wäre er nicht gewesen.

Das halte ich auch aus moralischer Sicht für entbehrlich. Denn widerwärtig war er sowieso.

Wo ist das Problem?

Es ist ja ganz passabel, wie Sie Friedensfürts Argumentationsschwäche benennen.

Wollen Sie aber die Tatsache bestreiten, dass es Rechtsextremismus gibt? Oder passt Ihnen der Begriff nicht? Welcher gefällt Ihnen besser? Oder ist der Inhalt nicht recht? Wie würden Sie das Phänomen definieren?

Und: Was hat das mit "politisch Korrekt" zu tun? Genauer: warum kritisieren Sie gerade hier das Bemühen von Menschen auf maximale Distanz zu allen Kriterien zu gehen, die einem Rechtsextremen braun und teuer sind?

Die Wahl der Opfer verraet die Motivation

Lieber Mitforist,

welche Rolle spielt es eigentlich, wenn irgendein Armsesseltheoretiker, oder eine Gruppe derselben, eine Definition vereinbart, die praktisch keinerlei Bedeutung hat?

Wenn ein hasserfuellter Skinhead seine Gewaltphantasien auslebt, indem er heimtueckisch juedische Kinder ermordet, und auch gut-integrierten Moslems gezielt Kugeln in den Kopf jagt, dann ist das ein Rechtsextremer, der unsere Werte, Toleranz und andersartige Menschen ablehnt. Wenn Sie nun in einem Textbuch kramen und schreiben, Kollege soundso sagt, der Taeter koenne kein Rechtsextremer sein, weil er nur 5 von 6 Kriterien erfuellt, dann machen sie sich unglaubwuerdig.

In der Realitaet geht niemand mit Frageboegen durch die Reihen der Rechtsextremen und versucht diese einzuteilen in echte und falsche Rechtsextreme. Oft genuegt ein Bild mit der richtigen Ueberschrift, um alle Fragen zu klaeren.

Es spielt keine Rolle welche Hautfarbe oder Herkunft der Taeter haben mag. Auch sein Islamismus kann nur am Rande erklaeren warum er ausgerechnet diejenigen Menschen als Opfer auswaehlte, die er massakrierte. Ein religioes motivierter Islamist haette vermutlich einen Politiker ermordet oder eine Kirche angesteckt.

Es badarf eines rechtsradikalen Islamisten, um unschuldige kleine Kinder zu ermorden.

Beliebigkeit zerstört den Diskurs

Das Problem ist, dass Sie mal eben für sich definieren, was Rechts"radikal" ist. Dann kommt der nächste und stellt sich was anderes drunter vor und die dritte Person wieder was anderes. Damit lösen Sie Begriffe auf und produzieren eine geschwätzige Sprachlosigkeit.

Ich kann Sie glücklicherweise an diesem Unfug nicht hindern. Nutzlos bleibt es allemal.

Traegt die Gesellschaft Mitverantwortung?

Sie wollen doch nicht allen Ernstes den modernen Rechtsradikalen, und insebsondere Moerdern wie Herrn Meha, abverlangen, erst einmal ein Textbuch durchzulesen, um ihr Verhalten dann so anzupassen, dass sie die Kriterien fuer Rechtsradikalismus auch fuer Buchwurmtheoretiker erfuellen.
Wie auch fuer alle andern Dinge gilt auch hier: Das echte Leben bestimmt die Regeln und nicht die Lektuere eines dicken Buches. So wie Herr Meha gehoert heutzutage die grosse Mehrheit der gewalttaetigen Rechtsextremen bildungsfernen Schichten an.

Auch die Bilder des Wohnnhauses des Herrn Meha haben mich sofort an Rostock-Lichtenhagen erinnert. Wer in einer solchen Brutstaette des Hasses aufwaechst, der scheint besonders empfaenglich zu sein fuer Radikalitaet und Gewaltphantasien. Insofern ist die Geschichte des Herrn Meha eigentlich typisch fuer junge europaeische Rechtsradikale, auch wenn sie natuerlich islamistisch angehaucht ist. Bildungsfern, im Elendsviertel und mit Hass auf die Gesellschaft und Andersartige grossgeworden, enttaeuscht und verbittert ueber fehlende soziale Aufstiegschancen.

Spaetstens an diesem Punkt stellt sich dann die Frage nach der Mitverantworung der europaeischen Gesellschaft. Kann durch Eingliederung und verbesserte soziale Transparenz eine Radikalisierung von Jugendlichen verhindert werden? Meiner Meinung nach ja. Waere Herr Meha beim Abrutschen in die Radikalitaet von sozialen Wattekissen aufgefangen worden, dann waeren die Morde von Toulouse niemals passiert.

Mitverantwortung

trägt die Gesellschaft - unsere Gesellschaft - insofern, dass sie die demokratischen Werte in Europa hochhält und das bedeutet auch und vor allem eine strikte Trennung von Kirche und Staat! Damit meine ich jedwede Religion!
Radikalen Elementen in den Religionsgemeinschaften wird es doch noch viel zu leicht gemacht, den Hass gegen Andersdenkende zu schüren - wie gesagt, das gilt für alle Religionsgemeinschaften. Glauben ist Privatsache und sobald dieser mit Politik vermischt wird oder sogar zur Staatsdoktrin wird, ist der Samen gelegt, aus dem vielfältige Konflikte erwachsen, einschließlich Krieg.

Der Segen von sozialen Wattekissen

"Meiner Meinung nach ja. Waere Herr Meha beim Abrutschen in die Radikalitaet von sozialen Wattekissen aufgefangen worden, dann waeren die Morde von Toulouse niemals passiert." -

Wenn er sich aber von den sozialen Wattekissen eine SAT- Schüssel anschafft und Al Aqsa- TV als seinen Lieblingssender einprogrammiert
oder
von seinem sozialen Wattekissen Flugtickets nach Pakistan in Camps zum Studium des authentischen Koran finanziert

dann wäre es doch derselbe Mohammed Mehar, wie heute gestoppt.
nur die Sozialausgaben wären passè.
Macht nichts?

Ich fürchte nein

"Waere Herr Meha beim Abrutschen in die Radikalitaet von sozialen Wattekissen aufgefangen worden, dann waeren die Morde von Toulouse niemals passiert."

Mich erinnert das an Anders Breivik. Das sind in gewisser Weise verlorene Seelen (mir fällt kein besserer Ausdruck ein), die vielleicht durch eine intensive Therapie aus ihrem Wahn geholt werden können. Aber ein soziales Wattekissen tut es nicht.

Menschenhass statt Naechstenliebe

Geld wird niemals menschliche Anteilnahme ersetzen koennen, und mit 'sozialen Wattekissen' habe ich auch keine Koffer voller Euroscheine oder einen Sack voller Goldmuenzen gemeint, sondern Massnahmen, die geeignet waeren, Jugendliche vor den Einfluessen radikaler Rattenfaenger zu bewahren: Sportclubs, Fussballvereine, Kulturvereine, Sprachkurse, berufliche Ausbildung, Familie, Hobbies.

Herr Meha, so scheint es, hat in Frankreich vergeblich um Zuwendung und Anteilnahme gesucht, bei der Armee, bei der Fremdenlegion. Vielleicht hat er sie am Ende bei den Falschen gefunden, bei denen, die ihm Menschenhass statt Naechstenliebe beibrachten.

Entwirrungsversuch

"Buchwurmtheoretiker" sind Ihnen suspekt. Der von mir vorgestellte Rechtsextremismusbegriff wurde von Empirikern entwickelt. Das sind solche Wissenschaftler, die sich von den Theoretikern insofern unterscheiden, als sie sich intensiv mit der Realität im jeweiligen Forschungsfeld auseinander setzen. Die befragen und beobachten Menschen, die sich in einem bestimmten Milieu, hier dem rechten, jenseits des demokratischen Spektrums, bewegen, und erfassen, was dieses Milieu in seinem Kern zusammen hält. Praktischer geht Wissenschaft nicht.
Sie verwerfen die Ergebnisse von deren Mühen mal eben und stellen eigene Erkenntnisse an den Platz wissenschaftlicher Erkenntnisse. Ihre Begründung, warum es sich um einen Rechts"radikalen" handele, basiert nicht unwesentlich auf dessen Frisur und der Architektur des Hauses in dem er wohnt. Das halten Sie allen Ernstes für den belastbareren Ansatz.
Das ist, mit Verlaub, eine sehr bildungsferne Argumentation. Sollten Sie zudem raspelkurze Haare haben und in der Platte wohnen, dann müssten Sie sich selbst verdächtigen.
Dafür wären dann aber nicht die politischen Wissenschaften zuständig.

Ferndiagnose

Bemerken Sie eigentlich, wie sicher Sie Ihrer Diagnosen sind, hinsichtlich einer Person, deren Bild wir uns nur allmählich aus einer Vielzahl von teilweise einander widersprechenden Tatsachen und Gerüchte machen können? Der Mann ist tot und viele Fragen werden offen bleiben. Näherungen können wir allenfalls von Fachleuten aus Frankreich erwarten, die darin ausgebildet sind, dergleichen zu untersuchen.

Oder braucht es all diese Leute nicht, weil wir ja in einem Forum in Deutschland begnadete Ferndiagnostiker haben, die bereits vollumfänglich im Bilde sind?

Und schließlich: Auf der Suche nach den Verantwortung für die Mordtaten kommt bei Ihnen nur Einer nicht vor - der Mörder. Das ist mir sehr unappetitlich.

Die Welt ist rund - und sieht ueberall anders aus

Sie sind ein lustiger Kerl, da muss ich Ihnen lassen. Sogar bei diesem traurigem Thema bringen Sie mich zum schmunzeln.

Moderne Wissenschaften haben es so an sich, dass spaetenstens alle paar Jahre fast alles (oder sehr viel)revidiert wird. Einstmals neue Erkenntnisse gelten dann als falsch und ueberholt, und das wird sicher auch auf Ihren heutigen Kenntnisstand bezueglich politisch radikaler Elemente in Europa zutreffen.

Ich gebe Ihnen soviel, da ich inzwischen ueber Ihren Kommentar nachgedacht habe: Es macht Sinn, einer rigiden Definition des Begriffes 'Extremismus' anzuhaengen, um uns einander vor Veraechtlichmachung und falscher Verdaechtigung zu schuetzen. Vielerorts wird 'Extremist' tatsaechlich als Schimpfwort gebraucht, und mittels einer klaren Definition kann ein so falsch Beschuldigter sich immerhin juristisch wehren - und ein Gericht kann anhand vorhandener Definitionen pruefen, ob es sich um Beleidigung oder Tatsachenfeststellung handelt.

Allerdings, wie schon gesagt, es wird immer mehr als einen Blickwinkel geben. Im Dritten Reich, in Westdeutschland 1950 und auch in der DDR wurde ein 'Rechtsradikaler' natuerlich anders definiert als im vereinten Deutschland. Und im Jargon der Strasse kennt man sowieso keine von Buchwuermern erfundenen Definitionen. Fahren sie mal nach Kreuzberg und anschliessend dorthin, wo die Leute einen NPD Buergermeister waehlen. Fragen Sie, was ein 'Rechtsradikaler' ist. Glauben Sie, die Antwort wird die gleiche sein? Ich nicht.

Tote reden nicht

Mord ist unappetitlich, ganz recht. Und die Motive des mutmasslichen Taeters hat dieser wohl mit ins Grab genommen. Was also, ausser einer Ferndiagnose, inklusive Raetselraten und zusammensetzen der Puzzleteile, bleibt uns uebrig? Die Alternative waere ja Desinteresse und Ignoranz.

Verantwortung fuer seine Taten kann unter Umstaenden auch ein psychisch kranker Tater haben, aber das muss nicht so sein. Und Strafe fuer die Symptome einer schweren Krankheit hat eigentlich niemand verdient. Die von Ihnen erwaehnten Fachleute, Psychologen, Forensiker etc., haben leider keine Moeglichkeit, dass Vorhandensein einer psychischen Erkrankung bei Herrn Meha zweifelsfrei festzustellen oder auszuschliessen - schliesslich ist er ja tot!

Im Uebrigen halte ich von der in diesem Forum versammelten Menschen ausgesprochen viel. Auch von Ihnen uebrigens. Ihre Kommentare sind schoen zu lesen und sehr anregend. Vielen Dank dafuer!

Entwicklung eines Begriffs

Und genau deshalb, weil Straßendefinitionen in ihrer Unterschiedlichkeit beliebig würden, deshalb braucht es eine wissenschaftliche Definition, die sich übrigens von der amtlichen unterscheidet. Das mag für Behörden nützlich sein, was die da treiben, für das Begreifen der Erscheinungsformen ist es das weniger. Ihr Vorbehalt hinsichtlich NS oder DDR trifft eben die amtliche Ebene, nicht die wissenschaftliche.
Die Handvoll Wissenschaftler, die sich in der DDR mit dem Thema unter einer Käseglocke beschäftigt haben - das war meist inoffiziell - haben sich nicht auf die offizielle Linie des Staates bezogen und haben sich in ihrer Definitionen nicht entscheidend von den Arbeiten im Westen unterschieden. Und in der Geschichte der BRD gibt es auch keine wesentlichen Veränderungen in dem, was Sozialwissenschaftler als Rechtsextremismus definieren. Das ist einerseits erstaunlich, in der Tat, spricht aber andererseits entschieden dafür, sich den Begriff zu eigen zu machen. Die heutigen Kriterien Antisemitismus, Chauvinisms, Sozialdarwinismus, Rassismus, Anstreben einer rechtsautoritären Diktatur und Verharmlosung des NS gehörten übrigens immer zu jeder Definition; andere sind hier nicht mehr aufgenommen worden, um sicher zu sein, wer diese Kriterien erfüllt, ist jedenfalls rechtsextrem.

Herr Friedensfürst, meine ersten beiden Antworten

wurden hier gelöscht
die Raffung können Sie vielleicht noch lesen in 197/ 198

ich ging dabei ein wenig auf die Sozialisation von Muslimen in Frankreich ein, wo ich mir einbilde, über Jahre hinweg im direkten Zusammenleben mit französischen Muslimen auf engstem Raum und in problematischen quartiers einen Einblick gewonnen habe

in der Art, wie hier Berliner Mitforisten über ihr Zusammenleben mit Muslimen in Berlin jubilieren können, ohne
belangt zu werden.
Nur: Berlin hat mit Frankreich
und die hier geschehenen Morde geschahen in Frankreich
und der Mörder kommt genau aus solch einem quartier, wo ich mit Muslimen zusammengelebt habe.

Fällt Ihnen in Ihrem post nicht auf:
So wie Breivik
der kein speziell islamisches Ziel gewählt hatte, kein speziell muslimisches Opfer feige ermordet hat
und dann trotzdem herangezogen wurde um aufzuzeigen die große Gefahr für Muslime und Islam in Europa
sein terroristisches Ziel war die offene und tolerante Gesellschaft, der freiheitlich und tolerant ausgerichtete politische Nachwuchs in Norwegen

so ziehen Sie hier falsche Zusammenhänge:
Mohammed M. hat sich nicht gegen die französische Gesellschaft gewandt

er hat sich Soldaten aus einer Kaserne herausgepickt, die gegen Muslime im islamischen Land gekämpft hatten

und er hat Juden gezielt herausgepickt und feige gemordet.

Der Mann ist ideologisch aufgeputscht gegen Ziele, die der Islam ihm vorgab
nicht gegen die französische Gesellschaft.

Verwechslung

Nationalsozialisten hassten und hassen nicht Ausländer im Allgemeinen. Sie propagier(t)en eine Rassenwahn, dem die Nationen nachrangig sind. Auch ist der NS keine Religion; mithin hassen Nazis auch nicht andersgläubige. Viel schlimmer: Sie griffen begierig eine behumste "Theorie" auf, nach der das Judentum nicht primär eine Religion sondern eine Rasse sei. Damit gab es dann auch für die Juden kein entkommen via Taufe mehr.
Islamisten sind auch antisemitisch, zugegeben. Und sie hassen tatsächlich aus ihrer Sicht Ungläubige. Mit Ausländern haben sie aber kein Problem, wer sich zu ihrer kruden Koraninterpretation bekennt ist willkommen.
Man merkt also nicht langsam sondern verwechselt mal schnell Äpfel mit Birnen

da ist es

Was ich kritisierte, ist der Gebrauch eines bewußt vage definierten Begriffs als Totschlagmetapher. Eine Site, auf die die "zeit" lieber keine Verlinkungen zuläßt, hat das kürzlich scharfsinnig analysiert: "Rechtsextremismus" geht häufig, aber nicht immer. Im Zweifelsfall muss es dann die "gefährliche Nähe zu..." bzw. das "ungekärte Verhältnis zu..." sein. Eine simpel gestrickte Doppelstrategie, die dazu dient, Andersdenkende mundtot zu machen und sich selbst zugleich moralisch zu überhöhen. Kleiner Denkanstoß: wie häufig wird hier irgendjemandem die gefährliche Nähe zum Linksextremismus vorgehalten? Na? Wer bei der Verurteilung von Gewalt und Intoleranz inkonsequent wird, macht sich schon von selbst verdächtig; da braucht es keine Hypothesen.

"Mit Ausländern haben [Islamisten] aber kein Problem..."

Auch das gilt für den (historischen) Nationalsozialismus ganz analog. Die ganze strategische "Achse" stand im völligen Widerspruch zur Rassenlehre: mit Italien und Japan gegen die britischen und skandinavischen "Arier"! Selbst in der SS gab es im Kriegsverlauf - wenn auch notgedrungen und misstrauisch beäugt - Hilfsverbände aus verschiedenen Vasallenstaaten. Das alles könnten Sie unschwer recherchiert haben, falls Ihr Geschichtslehrer andere Schwerpunkte gesetzt haben sollte. Als Abgrenzungsmerkmal zum Islamismus taugt also auch der Klassiker Ausländerfeindlichkeit nicht.

Dogmatiker versus Pragmatiker

Wenn Sie sich die Dogmatiker unter den Nationalsozialisten und Islamisten herausgreifen, dann mag die klare Trennung gut funktionieren, aber bei den kreidefressenden Pragmatikern gibt es durchaus Ueberlappungen:

1. Man mag an den Freundschaftspakt der Nazis mit der von ihnen verhassten Sowjetunion denken, den die Nazis dann nutzten, um ihre neuen Freunde moerderisch und hinterlistig zu ueberfallen, um vorher jedoch die mit Deutschland befreundeten Baltenstaaten an diese auszuliefern. Eine klare Linie oder gar Aufrichtigkeit laesst sich in dieser Politik nicht erkennen. Nur Zick-Zack.

Auch die Islamisten arbeiteten zunaechst mit dem Westen gegen die Sowjetunion und andere saekulaere Maechte Hand in Hand, vor allem in Afghanistan, aber auch in Tschtschenien und anderswo.

Und am Ende hatten die Nazis eine Armee und Anhaenger, die man durchaus als multikulturell bezeichnen kann, inklusive Turkmenen, Araber, Albaner, Bosniaken, Russen, Tartaren, Inder. Die allerletzten Getreuen des Herrn Hitler waren Franzosen, Spanier und Kosacken.

2. Sind sowohl Islamismus als auch Nationalsozialismus durchaus heterogene Bewegungen. Es gibt schiitische und sunnitische Islamisten, Salafisten und unzaehlige Splittergruppen.

Bis zur 'Nacht der langen Messer' gab es auch bei den Nazis durchaus Diversitaet. Es gab sogar sozialistische Elemente, wie die Strasser Brueder, bei denen ich nicht weiss, ob man ihnen Sozialdarwinismus vorwerfen kann, wie Sie fuer alle Rechtsextremen fordern.

Warum so spät der Fahndungserfolg über die IP-Adresse?

Momentan sind noch etliche Unklarheiten im Raum. Hoffentlich bekommen sie den Mörder lebend und können den Hintergrund des Verbrechens besser durchleuchten.

Artikel: "Auf die Spur gekommen war die Polizei dem Verdächtigen durch den von ihm genutzten Computer, über den er mit einem seiner späteren Mordopfer ein Treffen vereinbarte."

Was mir momentan absolut unklar ist: Der erste Mord geschah am 11. März. Der Treffpunkt zwischen Mörder und Opfer wurde per eMail abgemacht. Warum mussten noch sechs weitere Menschen sterben, bevor man mittels der IP auf den Verdächtigen kam?

Nach dem ersten Mord werden die Ermittler sich doch dafür interessiert haben, wie,wann,wo sich Mörder und Opfer getroffen haben. Dazu sind Notizen in jeder Form wichtig, natürlich und gerade PCs. Und so eine IP ist doch sowas wie eine Absendeadresse auf einem Brief eines Mörders an sein Opfer. Da denkt man nicht mal nach und macht sich sofort auf den Weg zu dieser Adresse um mehr herauszufinden.

Aber erst mussten noch einmal zwei Soldaten sterben. Und erst als noch ein Lehrer und drei Kinder ermordet wurden, war innerhalb kürzester Zeit die IP da und zu welchem PC sie gehört.

Sowas hätte doch gleich am 11. März passieren müssen. Sehr seltsam das. Wahrscheinlich wird die Zukunft mehr Informationen dazu an den Tag bringen.

Auf SPON wurden zwei Ermittlungsmethoden verbreitet. Die IP-Sache und/oder Roller-Verkäufer haben zum Fahndungserfolg beigetragen, also mit einer sehr klassischen Methode.

Die IP hatten sie sowieso

Widerlicher Weise wird natürlich wegen der IP sofort wieder für Vorratsdatenspeicherung getrommelt. Die IP ist aber entweder direkt in der Mail enthalten (steht im header) oder falls ein Webmail-Anbieter benutzt wurde, hat der die IP in seinen Logs.
Das in diesem Fall keinerlei Vorratsdatenspeicherung notwendig war, dürfte jedem Kriminalisten bekannt sein. Trotzdem wird jetzt wieder auf einen großen Verhandungserfolg dank der Vorratsdatenspeicherung hingewiesen. Das ist eine pure Verdrehung der Tatsachen. Die Polizei hatte einfach Glück, dass der Täter doof genug war nicht seine IP zu verschleiern.

"Warum so spät?"

Der Attentäter hatte auch einen Motorroller, der auch in Frankreich zugelassen werden muss und ein Nummernschild hat.

Wenn ein Bösewicht ein bisschen mitdenkt, klaut er sich einen Motorroller und das Händie, mit dem er evtl. Kontakt aufnimmt.

Dann hilft nur noch jede Straßenkreuzung mit Kameras auszustatten bzw. noch zuverlässiger, alle Menschen mit RF-IDs zu taggen und an Straßenecken zu registrieren. Wer seinen implantierten RF-IDs zerstört, wird sowieso verhaftet.

Schöne neue, computerkontrollierte Welt.

Aber das ist noch nicht das Ende. Computer interpretieren Bewegungsmuster und leiten dadurch zukünftige Kriminalität ab. Das ist der Eintritt ins Precrime-Zeitalter. Die Forschungen dazu laufen schon seit einigen Jahren unter anderem beim Fraunhofer-Institut unter dem Titel "Technologien und Konzepte für die präventive Sicherheit".

Präventive Sicherheit! Ich frage Sie: Was können wir noch mehr wollen?

"Die IP hatten sie sowieso" Antwort Teil 1

Ich muss sie da korrigieren, sie irren nämlich.

Wenn die IP Adresse bekannt ist, sei es aus einem Mailheader oder den Logs eines Webservices, kann man zunächst nur den Eigentümer dieser IP Adresse ermitteln.

Eigentümer sind i.d.R. große Firmen/Institute (die ihr Netz selbst verwalten), oder eben die Provider.

Die Provider wiederum vergeben die IP Adressen an ihre Kunden, i.d.R. kleine Firmen, Privatpersonen. Diese Vergabe kann statisch (meist bei Firmen) oder dynamisch (bei ISDN/DSL/UMTS Anschlüssen von Privatpersonen) erfolgen, wobei dynamisch heisst dass spätestens alle 24h eine Neuvergabe erfolgt.

Hat man nun eine IP Adresse mit der eine verdächtige Email, ein verdächtiger Foreneintrag verfasst wurde oder mit der ein Hetzvideo hochgeladen wurde, kann man damit also nur den Provider ermitteln.

Den Zusammenhang IP Adresse - Kunde (reale Person) kennt nur der Provider! Und auch nur für die aktuelle, aktive Verbindung. Was gestern war oder vor drei Wochen ist für den Provider irrelevant und wird "vergessen" (gelöscht), schon aus Kostengründen.

Somit kann mit Kenntnis einer dynamisch vergebenen IP Adresse NICHT auf den Anschlussinhaber (Kunden des Providers) geschlossen werden.

"Die IP hatten sie sowieso" Antwort Teil 2

Und genau hier setzt die Vorratsdatenspeicherung an. Diese verpflichtet nämlich die Provider, die Verknüpfung IP Adresse / Kunde auch für vergangene Verbindungen aufzubewahren, also auf Vorrat (damit sie verfügbar ist, falls man auf Verdächtiges stösst) zu speichern. Daher der Name: Vorratsdatenspeicherung.

Wenn also mit einer IP Adresse aus einer vor Wochen verschickten Email der Attentäter ermittelt werden konnte, ist das sehr wohl ein Argument PRO Vorratsdatenspeicherung.

Ich bin auch kein Freund der Vorratsdatenspeicherung. Hier aber scheint sie tatsächlich Erfolg gehabt zu haben.