Projekt Zeitungszeugen : "Mein Kampf" bleibt verboten

Verleger McGee hat vor Gericht eine Niederlage erlitten: Ein Abdruck von Hitlers Machwerk in seiner Wochenzeitung "Zeitungszeugen" wäre illegal, entschieden die Richter.
Verschiedene Überestzungen von Hitlers "Mein Kampf" im Deutschen Historischen Museum Berlin

Das Landgericht München hat die Veröffentlichung von Auszügen aus Hitlers Mein Kampf in der Wochenzeitung Zeitungszeugen untersagt. Die Richter entschieden, das Zitierrecht decke den geplanten Abdruck in diesem Fall nicht. Der Vorsitzende Richter Peter Guntz sagte, Verleger Peter McGee habe für seine Publikation die Hetzschrift "sehr weitgehend genutzt". Es seien etwa 20 bis 25 Seiten des Originals in langen Abschnitten nachgedruckt worden. Daneben hätten Anmerkungen von Wissenschaftlern gestanden. Der Leser könne den Originaltext aber völlig unabhängig von den Erläuterungen aufnehmen.

Das Gericht hielt dem Verlag vor, vor allem aus Hitlers Hetzschrift zitieren zu wollen und nur einen kleinen Teil für ergänzende Kommentare vorgesehen zu haben. Damit würde die Veröffentlichung dem Werk Adolf Hitlers dienen. Nach dem Zitatrecht zulässig wäre aber nur, wenn die Zitate aus Hitlers Buch einem neuen Werk dienen würden.

Der Verleger Peter McGee wollte seiner Publikation bereits im Januar ein Heft mit kommentierten Mein Kampf- Ausschnitten beilegen. Dagegen erwirkte das bayerische Finanzministerium , das die Urheberrechte an Mein Kampf als Rechtenachfolger des Eher-Verlags der Nationalsozialisten geerbt hat, eine Einstweilige Verfügung (Az: 7 O 1533/12).

Der Verlag hatte die Zitate in der erschienenen Ausgabe damals vorsorglich gepixelt , um eine Eskalation des Streits zu verhindern, den Beziehern der Schrift aber angeboten, gegen Rückumschlag ein Exemplar mit lesbaren Zitaten zu erhalten. Nach der Einstweiligen Verfügung nahm er dieses Angebot zurück.

Hitler hatte nach seinem erfolglosen Putsch während einer Festungshaft 1924 mit der Arbeit an Mein Kampf begonnen und das Buch nach seiner Freilassung beendet. Die Hetzschrift erreichte eine Millionenauflage; auch, weil sie nach der Machtergreifung Hitlers jedem Brautpaar statt der Bibel auf dem Standesamt geschenkt wurde. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs fielen die Rechte an dem Buch an Bayern, das seither einen Nachdruck in Deutschland verhindert.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, es sind Rechtsmittel beim Oberlandesgericht zulässig.

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Kommentare

50 Kommentare Seite 1 von 9 Kommentieren

Verbot

Und wie genau Hilft das Verbot da jetzt?
Durch dieses Verbot wird das Buch ja erst hervorgehoben.
An dem was da steht, muss ja irgend etwas besonderes sein, dass es so gefährlich macht. Man kann es in seinem Nazi-Zirkel tauschen oder sich toll fühlen, dass man es im Internet gefunden hat.
Eine Veröffentlichung hingegen würde das Buch entzaubern.
Faschismus ist ja keine Krankheit, die durch Lesen verbreitet wird, sondern durch Ignoranz.

Wer die Grundlagen der NS-Ideologie verstehen will...

...der sollte eher den "Mythus des 20. Jahrhunderts" des NS-Chefideologen Alfred Rosenberg lesen. Aber Vorsicht! Dieses Buch ist weitaus gefährlicher, als Hitlers "Mein Kampf".

Hitler erweist sich in seinen Memoiren - mehr ist "Mein Kampf" nicht - als ein beleidigter, verbitterter und sehr stark von Lenin beeinflusster Schwätzer, der von der Verlogenheit der verrottenden k.u.k. Monarchie des Kaiser Franz-Josefs von Alt-Österreichs geprägt war.

Sehe ich genauso

Ich werde das Gefühl nicht los dass die Verbotsmanie mit jeglichem Material, das mit dem Nationalsozialismus in Verbindung gebracht wird, in Wirklichkeit nur dem Nationalsozialismus dient.
Mehr noch, es ist wie eine Konservierung für eine Zeit in der die Wiedererstarkung des dritten Reiches.

Wenn man Verschwörungstheorethiker ist, könnte man auf die Idee kommen, hinter dem Verbotstheater stecken Alt- sowie Neonazis, die die - ihn ihren Augen - ach so tolle Nazikultur in ihrer vergangenen Form erhalten wollen.

Man stelle sich nur mal vor, wie sich die Gruppenidentifikation in Neonazigruppen ändern würde, wenn es in jedem Spielzeugladen "Hitler-Action-Figuren" zu kaufen gäbe. Oder Eva Braun-Barbiepuppen.

Es geht hier eben nicht um Barbie oder Ken!

Wir haben es hier mit einem Massenmörder zu tun und mit der Tatsache das sein Gedankengut bis heute zum Tod von Menschen führt. Natürlich wäre ich auch dafür das Kinderpornographie und gewaltverherrlichende Filme und Musik auch aus anderen Bereichen einem Verbot unterliegen würden. Wie löcherig dieses Verbot auch in seiner Durchführung anfänglich sein würde. Eine politische Entscheidung hin zu einer konsequenten Durchführung dieser Verbote und der Verfolgung von Gewaltverherrlichung in jeder Form ist unbedingt notwendig. Die Morde nicht nur des Zwickauer Trios sondern auch in Norwegen haben uns doch deutlich genug vor Augen geführt, wie menschenverachtend die rechte Ideologie ist. Wir bekommen sie nur eingeschränkt, wenn die Gesellschaft mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln und auf allen Ebenen und in allen Bereichen konsequente Aufklärung und Wiederstand gegen diese Ideologie als abslut notwendig setzt.

Nachdruck in Deutschland

Wieso erlauben Sie nicht den Nachdruck in Deutschland und nutzen das eingenommene Geld, als Fond für die Opfergruppen der Nazi-Diktatur, die noch nicht entschädigt wurden. Ich glaube einen härteren Schlag kann man diesem Werk und dem Geist aus dem es entstanden ist nicht versetzen. Natürlich sollte der Nachdruck kommentiert sein. Aber das Risiko wird sowieso überschätzt. Das Werk ist überall im Internet kostenlos erhältlich.

Im DLF...

...wurde es weniger zweideutig erklärt. Ein geschütztes Werk, darf nur zitiert werden, wenn ausreichend eigene Schöpfungshöhe (oder so ähnlich) dahinter steht. Die wenigen und spärlichen Kommentare waren den Richtern offenbar nicht genug.

In diesem Fall sogar nachvollziehbar (wenn man die abstruse Dauer des Urheberrechtes mal ignoriert), es soll halt vermieden werden, dass ein Werk einfach mit einigen Randbemerkungen versehen und dadurch quasi fremdverlegt wird.

Das Zitaterecht insgesamt ist ein besonders absurder Auswuchs des Urheberrechtes. So sind z.B. reine Zitatesammlungen verboten und werden von einigen Rechteinhabern auch gnadenlos abgemahnt. Insgesamt ist es immer eine Gratwanderung zu zitieren, probier mal hier im Forum ein Zitat ohne Kommentar zu bringen, das wird sofort wegzensiert, selbst wenn es Sinn macht. Einmal wurde ich sogar Zeuge, wie ein Bibelzitat verschwand, wenn die Schere im Kopf erstmal aktiv ist...

"Mein Kampf" ist nicht verboten

Die Überschrift Ihres Artikels <<"Mein Kampf" bleibt verboten>> suggeriert die weit verbreitete Fehlvorstellung, dass Adolf Hitlers "Mein Kampf" in Deutschland als solches verboten sei. Dies ist jedoch falsch! Wie aus dem weiteren Verlauf des Artikels deutlich wird, ist ein Nachdruck nur aufgrund des Urheberrechtsschutzes ungesetzlich, nicht aber wegen seines Inhaltes.
Interessant ist es hierbei Anzumerken, dass das Urheberrecht 70 Jahre nach dem Tod des Autors erlischt. Im Jahre 2015 wird sich also die Frage stellen, ob ein Nachdruck auch weiterhin z.B. aus inhaltlichen Gründen untersagt bleibt.

auch viele Filme werden bald 'gemeinfrei'

die Filme, die heute als 'verboten' gelten sind nicht erhältlich, weil die Murnau-Stiftung das Urheberrecht daran hat und keine Vervielfältigungs- und Aufführungslizenzen erteilt. Auch für diese Filme läuft eines Tages der Urheberschutz ab, dann lässt sich nur noch über 'Jugendgefährdung' argumentieren. Erhältlich sind die Filme dann aber doch, nur eben gegen Altersnachweis, beispielsweise in der Porno-Videothek oder beim rechtsradikalen Versandhandel.
Sehr interessant in dem Zusammenhang ist die Artikelreihe 'Das dritte Riech im Selbstversuch' auf Telepolis [1]. Der Autor schaut und beschreibt indizierte Nazi-Filme und legt da wie primitiv und durchsichtig das heute wirkt. Und bezweifelt, dass heute jemand durch ansehen der damaligen Propagandafilme vom Nazivirus infiziert wird.

[1] http://www.heise.de/tp/ar...

die Rechte gingen an die Murnau-Stiftung

Viele braune Werke gingen rechtlich an die Murnau-Stiftung [1]. Was zugänglich ist und was nicht bestimmt einzig der Rechteinhaber. Es gibt keine vollständige Liste der dort verwalteten Filme. Über den Umweg der Suchfunktion [2] und einzelner Jahreszahlen 1933 - 1945 lässt sich jedoch die Filmliste erstellen.

Sie werden viel geistigen Durchfall finden, der zum Glück heute niemanden mehr beeindrucken würde. Aus heutige Sicht ist vieles primitiv, durchschaubar und billig.

[1] http://www.murnau-stiftun...
[2] http://www.murnau-stiftun...

Außer...

"Im Jahre 2015 wird sich also die Frage stellen, ob ein Nachdruck auch weiterhin z.B. aus inhaltlichen Gründen untersagt bleibt."

...die Rechtemafia erwirkt bei unseren repräsentativen Vertretern mal wieder eine Verlängerung, wie in den USA, bei der die Disney-Erben das seit Jahrzehnten schaffen:
http://www.faz.net/aktuel...

Noch 70 Jahre nach dem Tod des Künstlers (in den USA 95?), unglaublich, einfach unglaublich.