Seit über einem Monat bin ich in Israel und arbeite für eine christliche Einrichtung, die Kindern aus dem Gazastreifen zu überlebenswichtigen Herzoperationen verhilft. Die Organisation heißt "Shevet Achim". Der Name bedeutet "einträchtig beieinander leben".

Wir sind ein Team von amerikanischen, arabischen und jüdischen Mitarbeitern. Die Transportfahrten innerhalb Israels sind meine tägliche Aufgabe. Im Regelfall ist es kein Problem, dass kranke palästinensische Kinder für Operationen über die Gazagrenze dürfen. In einem Haus in Jerusalem kommen sie mit ihren Müttern zeitweise unter. Ich fahre sie zu Untersuchungen und Operationen in die Krankenhäuser nach Tel Aviv. Zwei davon geben uns Vergünstigungen von fünfzig Prozent – bis zu 8.000 US-Dollar.

Dienstags ist Gazatag. Dann fahre ich mit einem arabisch sprechenden Mitarbeiter an den Grenzpunkt Eres, um Familien abzuholen und sie nach Tel Aviv zu bringen. Dort werden diejenigen aufgenommen, die für eine Operation bleiben müssen. Die Kinder, die nur Vor- oder Nachuntersuchungen haben oder die entlassen wurden, fahren wir abends wieder an den Grenzübergang. Freitags stehen immer spezielle Besucherfahrten in die Krankenhäuser an. Die Familien aus Gaza dürfen aus Sicherheitsgründen das Krankenhaus nicht verlassen.

Die Resonanz auf unsere Arbeit ist erstaunlich. Eines Nachmittags fuhren wir mit einem arabischen Taxifahrer durch die Stadt. Wir erzählten ihm von unserer Arbeit und für wen die riesige Menge an gekauften Lebensmitteln bestimmt ist – daraufhin fuhr er uns umsonst nach Hause.

Bei einer Essenseinladung traf ich einige Israelis. Ich erfuhr, wie viele aktive und hilfsbereite Menschen hier leben und wie viele sich freiwillig engagieren. Das Interesse an unserer Arbeit war unerwartet groß. Wie der Zustand der Hamaskinder sei und ob es ihnen auch gut gehe nach den Operationen, fragte ein Regierungsbeamter. Die militante Gruppe der Hamas beschießt immer wieder sein Land. Trotzdem sorgte er sich um das Wohlergehen der Kinder, was mich sehr berührte. Am Ende bedankten sich alle sehr herzlich bei uns.

Mein Kollege und Chef Jonathan hat mich einmal zu einer Grenzkontrolle mitgenommen. Viele Leute am Grenzübergang kennt er bereits persönlich. Kein Wunder, denn seit ungefähr acht Jahren muss er dort alle zwei bis drei Wochen passieren. Jonathan erzählte mir, wie er mit dem Van einmal mit palästinensischen Kindern und Müttern kurz vor der Schließung den Kontrollpunkt passieren wollte. Ein israelischen Grenzbeamten hielt ihn an und fragte: "Do you know these moms?" - "Yes" - "Ok, we trust you." Er durfte weiter.

Jonathan erzählte mir auch, dass mit der Sperre nach Gaza viele Menschen dort arbeitslos wurden. Früher arbeiteten sie auf israelischen Farmen. Die Palästinenser, die ich auf meinen Fahrten treffe, sagen, dass sie für den Frieden mit Israel sind. Frieden bringe in fast jeder Hinsicht Vorteile.

Verzweifelt kehren die palästinensischen Familien nach den Krankenhausbesuchen in ihre engbesiedelte Heimat zurück. Mir wird immer klarer, dass militante Gruppierungen in der Minderheit sind und in der Bevölkerung kein gutes Ansehen genießen.

Die Termine und die Erlaubnis für die Gazakinder, nach Israel zu kommen, können sich über Nacht ändern. Abends studiere ich immer den Zeit- und Aufgabenplan für den nächsten Tag – doch am nächsten Tag kommt wieder alles komplett anders. Ich sehe das als Herausforderung an, auch wenn es anstrengend ist. Ich mache kaum Sightseeing, am Sabbat steht bei mir meist nur Erholung auf dem Programm.

Ich empfinde es als Bereicherung, die Leute in diesem Land kennenzulernen, zu sehen, wie den Kindern geholfen wird. Und zu erleben, dass Nationalität und Glauben hier kein Hindernis für humanitäre Hilfe sind.