Tausende Polizisten braucht es im Inselstaat Indonesien, damit die Mittelstufenschüler ihr landesweites Examen ablegen können. So geschehen zuletzt vergangene Woche, als allein in der Hauptstadt Jakarta 1.335 Polizisten die Prüfungen bewachten. Doch nicht, weil man Sorge hätte, die Schüler könnten randalieren – die Polizisten waren dort, damit die Lehrer die Ergebnisse nicht verkaufen. Lehrer werden in Indonesien schlecht ausgebildet und schlecht bezahlt, sodass sie aus der Not heraus Zensuren und Prüfungsergebnisse verkaufen.

Doch hängt die Misere der öffentlichen Schulen nicht allein an den Lehrern: Die Kinder Indonesiens schätzen sich schon glücklich, wenn sie überhaupt zur Schule gehen dürfen, denn viele staatliche Schulen sind nicht wirklich kostenlos und oft überfüllt. Das Schulsystem ist korrumpiert: Es gibt Sitzplatzgebühren, obligatorische Geburtstagsgeschenke für die Lehrer und andere "Spenden".

Rund 140.000 Klassenräume in Indonesien müssten erneuert werden, das Geld ist da – doch dank allgegenwärtiger Korruption versickert es meist in irgendeiner Provinzbehörde. Mit fatalen Folgen: Regelmäßig brechen beispielsweise Schuldächer ein, werden Kinder schwer verletzt oder kommen bei solchen Unfällen gar ums Leben. Im Übrigen ist es gar nicht mal teuer, eine einklassige Dorfschule mit Bambuswänden zu bauen, 2.000 Euro kostet das etwa.

"Danke, wenn sie nicht extra bezahlen"

Die Korruption beginnt früh im Leben der Indonesier: Schon für die Geburtsurkunde werden gern irgendwelche Extragebühren erhoben. Viele Eltern sparen sich die Ausgaben, doch eine nachträgliche Geburtsurkunde kostet dann schon 30 Euro. Das ist ein Viertel eines Lehrermonatsgehaltes oder ein Drittel eines Arbeiterlohnes – kurzum, für viele kaum erschwinglich, besonders wenn man viele Kinder hat.

Richtig teuer wird es, wenn man legal in einer Stadt leben will. Ohne Geburtsurkunde gibt es keinen anerkannten Schulabschluss, keinen Personalausweis, keinen Führerschein und kein öffentliches Amt. Doch kann man das alles ziemlich teuer auch einzeln "kaufen" – falls man es sich leisten kann. "Danke, wenn sie nicht extra bezahlen", steht auf einem riesigen Schild über der Passbehörde. Doch wer sich daran hält, kann nicht sicher sein, ob er den Pass noch vor der geplanten Abreise erhält. Fast jeder in Indonesien, der irgendeine Funktion hat, mit der man Geld verdienen kann, kassiert zusätzlich.