Aserbaidschan: Tausende fordern in Baku demokratische Reformen
Nur wenige Wochen vor dem Eurovision Song Contest haben 3.000 Oppositionelle in Baku für mehr Demokratie protestiert. Sie werfen der Regierung Unterdrückung vor.
Im autoritär regierten Aserbaidschan haben etwa 3.000 Demonstranten die Freilassung politischer Häftlinge gefordert. Die Oppositionsanhänger machten sich außerdem für demokratische Reformen stark. Diese seien dringend notwendig.
Der Chef der oppositionellen Partei Musavat, Isa Gambar, sagte, sollte der umstrittene Staatschef Ilcham Alijew diese Reformen nicht bald einleiten, würden Hunderttausende auf die Straße gehen.
Die genehmigte Kundgebung in Aserbaidschans Hauptstadt Baku sei ohne Zwischenfälle verlaufen, berichteten örtliche Medien. Im Mai findet dort der Eurovision Song Contest statt. Daher bekommt das Land momentan besondere Aufmerksamkeit. Internationale Menschenrechtler werfen der Regierung in Baku die Unterdrückung Andersdenkender vor.
Aserbaidschan strategisch wichtig
Der Vorsitzende der Oppositionspartei Volksfront, Ali Kerimli, sprach von der ersten genehmigten Demonstration von Regierungsgegnern seit sieben Jahren. Dies ist in seinen Augen erst ein kleiner Anfang: Die Führung des Landes müsse für die dringend nötigende Modernisierung viel mehr tun.
Aserbaidschan ist für den Westen auch aus politischen Gründen ein strategisch wichtiges Land. Es soll die Europäische Union über die geplante Nabucco-Pipeline mit Gas versorgen und Brückenkopf für den Zugang zu den Energievorkommen in Zentralasien sein. Sorge bereitet hingegen der Konflikt mit dem Nachbarland Armenien um die abtrünnige Region Berg-Karabach.








Ohne den Eurovision Song Contest wäre diese Demonstration wohl kaum genehmigt worden. Allein das zeigt schon, wie daneben die Kriik an der Austragung des Song Contest in Baku ist.
Da forderten Journalisten, die ohne Song Contest nie auch nur ein Wort über die Menschenrechtssituation dort geschrieben hätten, den Boykott, völlig ignorierend, dass die dortigen Oppositionellen gegen einen Boykott sind und im ESC und der
internationalen Aufmerksamkeit eine Chance sehen.
Noch nie gab es so viel internationale Aufmerksamkeit für die
Menschenrechtssituation dort. Es wäre zu hoffen, dass auch die Journalisten, die sich über den ESC empören, nach dem
ESC noch über Azerbaidschan berichten. Leider ist das Gegenteil zu befürchten.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren