USARussischer Waffenhändler Bout muss 25 Jahre ins Gefängnis

Ein US-Gericht hat Viktor Bout, den "Händler des Todes", zu 25 Jahren Haft verurteilt. Während der Urteilsverkündigung kam es zu skurrilen Szenen im Gerichtssaal. von afp, dpa und reuters

Der russische Waffenhändler Viktor Bout am New Yorker Flughafen (Archiv)

Der russische Waffenhändler Viktor Bout am New Yorker Flughafen (Archiv)  |  © Handout/getty images

Der russische Waffenhändler Viktor Bout muss 25 Jahre in Haft. Ein US-Bundesgericht in New York verkündete die Mindeststrafe für den als "Händler des Todes" bekannten früheren Sowjetoffizier. Die Staatsanwaltschaft hatte lebenslange Haft gefordert. Zudem muss Bout 15 Millionen Dollar zahlen. Er galt als einer der meistgesuchten Waffenhändler der Welt.

Der 45-Jährige war schon im November schuldig gesprochen worden . Der wichtigste Vorwurf war, dass er Rebellen Boden-Luft-Raketen verkaufen wollte, mit denen amerikanische Flugzeuge abgeschossen werden können. Dafür sieht das Gesetz mindestens 25 Jahre Haft vor. Für drei andere Delikte, darunter die Verschwörung zur Tötung von Amerikanern, bekam er jeweils 15 Jahre. Die Strafen addieren sich allerdings nicht, Bout bekam die niedrigst mögliche Strafe für seine Vergehen. Sein Verteidiger kündigte Berufung an.

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Bevor er abgeführt wurde, drehte Bout sich noch einmal zu seiner Familie um und rief: "Ich liebe Euch. Auch wenn wir untergehen – ein Krieger gibt nicht auf", ein Spruch der russischen Marine aus dem Krieg gegen Japan 1905. Als ihm vor der Verkündung des Strafmaßes das letzte Wort erteilt wurde, sagte er: "Ich bin nicht schuldig. Ich hatte nie vor, jemanden zu töten oder Waffen zu verkaufen." Als der Staatsanwalt sein Schlussplädoyer vortrug, brüllte Bout: "Das ist eine Lüge!"

Ein angeblicher Multimillionendeal wurde Bout zum Verhängnis

Das sahen die Vereinten Nationen anders, die ihn in UN-Resolutionen namentlich verurteilt hatten . Auch internationale Polizeieinheiten jagten den Mann, der Grundlage für den Hollywoodfilm "Lord of War – Händler des Todes" war. "Sie waren ein weltbekannter Waffenhändler, der die schlimmsten Regime der Welt versorgt hat", sagte Richterin Shira Scheindlin bei der Urteilsbegründung. Die blutigen Konflikte im Kongo , in Ruanda , Sierra Leone , Angola und anderen Ländern habe er mit Waffen versorgt. Die Kontakte in die Region hatte der frühere Sowjetoffizier während seiner Dienstzeit in Afrika geknüpft.

Allerdings unterscheide sich der Fall Bout von anderen Terrorprozessen. "Es ging Herrn Bout ja nicht primär darum, Menschen zu töten. Es ging ihm ums Geld. Die Menschen waren ihm einfach egal. Er war skrupellos."

Bout hatte sich eigentlich schon zur Ruhe gesetzt. Ein Deal über mehrere Millionen Dollar lockte ihn aber noch einmal aus seiner Villa in der Nähe von Moskau . Seine Kunden, angebliche kolumbianische Rebellen, waren allerdings amerikanische Bundesagenten. Diese Männer saßen während der Urteilsverkündigung im Publikum, nur Meter von Bouts Frau entfernt. Bout drehte sich zu den Agenten um, zeigte mit dem Finger auf sie und rief: "Gott weiß, dass ich Recht habe. Sie müssen mit dieser Wahrheit leben. Mag Gott Ihnen verzeihen!"

Bouts Frau bezeichnete das Urteil als Sieg für ihren Mann. Es sei eine Bankrotterklärung der Anklage, dass er lediglich zur Mindeststrafe verurteilt worden sei, sagte Alla Bout nach Angaben russischer Medien. Sie forderte Russland auf, ihren Mann mit allen Mitteln in die Heimat zu holen. Der Verteidiger des früheren Sowjetoffiziers kündigte Berufung an.

In Russland stieß das Urteil auf Kritik. Moskau nannte es "unbegründet und parteiisch". Die US-Justiz habe einen klaren politischen Auftrag gehabt und sei voreingenommen gegen Bout gewesen. Das teilte das Außenministerium in Moskau mit. Russland werde mit allen legalen Mitteln versuchen, Bout in die Heimat zu holen.

Das Urteil könne sich negativ auf die Beziehungen zwischen Russland und den USA auswirken, warnte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses der Staatsduma in Moskau, Alexej Puschkow.

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Leserkommentare
    • JUKOS
    • 06. April 2012 9:42 Uhr

    Welches Verbrechen hat er denn beganen? Hat er etwa keine Steuerin in dern USA gezahlt? Wenn dioe USA Leute wie Osama Bin Laden mit Waffen ausruesten und ausbilden ist nichts verwerfliches dran. Wenn er Waffen verkauft, dann soll es ein Verbrechen sein? Waffen toeten keine Menschen! Menschen toeten Menschen. Das Zitat stammt aus dem Film "Lord Of War". Den haben die Richter und Klaeger wahrscheinich zu oft gesehen!

  1. 'Bouts Flugzeuge haben allerdings nicht nur "illegale" Waffen transportiert. Für das britische Militär durfte eine seiner Fluglinien ganz offiziell Soldaten und Material ins Kosovo transportieren, und der amerikanische Militärdienstleister KBR, bis 2007 ein Tochterunternehmen von Halliburton, war in den Jahren 2004 bis 2005 sogar ein Großkunde Bouts. In den ersten Monaten nach dem militärischen Sieg über die irakischen Truppen war eine Landung auf dem Flughafen Bagdad ein Glücksspiel. Unzählige Boden-Luft-Raketen und sogar Flak-Einheiten waren noch im Besitz der Aufständischen. Den meisten westlichen Fluglinien war das Risiko zu groß und tote amerikanische Piloten und Crew-Mitglieder hätten auch keine gute Presse abgegeben. Da kamen Bouts russische Flughasardeure, die ihre Antonovs auch schon unter Beschuss auf afrikanischen Buckelpisten landeten, gerade recht.
    In wahrscheinlich über 1.000 Flügen brachten Bouts Transportflugzeuge Material für die amerikanischen und irakischen Truppen nach Bagdad. Dass zeitgleich Sanktionen des Finanzministeriums gegen Bout bestanden, störte weder das Verteidigungsministerium noch KBR oder Halliburton. Im Gegenteil – 2004 strengte die Regierung Bush sogar an, Bout von den UN-Sanktionen auszunehmen, was allerdings am Widerstand Frankreichs scheiterte.' http://www.heise.de/tp/ar...

    Im Kasten noch mehr 'skurrile Szenen' http://www.handelsblatt.c...

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    das klingt ganz nach Entsorgung lästiger Mitwisser!

    MfG Karl Müller

  2. 3. Tja...

    "Sie waren ein weltbekannter Waffenhändler, der die schlimmsten Regime der Welt versorgt hat"

    Er hat den Fehler gemacht, privat das zu tun, worauf sich westliche Regierungen das Privileg vorbehalten.

    "Es ging ihm ums Geld. Die Menschen waren ihm einfach egal. Er war skrupellos."

    Wie gesagt...

    • wAltz
    • 06. April 2012 10:46 Uhr
    4. Bigott

    Da sollte man doch gleich die Verantwortlichen Vertreter der "Westlichen Wertegemeinschaft" dazusperren, die Kernwaffenträgerfähige U-Boote an illegale Atommächte liefern, Streubomben, Landminen ...

    • albirk
    • 06. April 2012 10:51 Uhr

    Ein erbärmliches Urteil eines nur noch erbärmlichen Imperiums, welches Recht und Gerechtigkeit nach dem Gusto seiner Führungselite mal so und mal anderes definiert. Sogar das römische Imperium war gerechter.
    Bleibt nur zu hoffen, dass dieses Imperium sehr schnell seinen Abgrund finden wird.

    • Zack34
    • 06. April 2012 11:11 Uhr
  3. 'Auch internationale Polizeieinheiten jagten den Mann, der Grundlage für den Hollywoodfilm "Lord of War – Händler des Todes" war.'

    tja im film kommt er am ende frei. :)
    auch sehr aufschlussreich ist das making of von dem film. der musste nämlich ohne die unterstützung des us militärs statt finden welches normalerweise bei kriegsfilmen immer einspringt. aber die usa kommt nicht gut weg in dem film, also keine hilfe. die haben sich dann die sachen bei einem waffenhändler geliehen. die welt ist echt grotesk.

  4. Wow, sie haben eine kleine Kanaille verurteilt - was für eine Leistung! Aber was ist denn mit den großen Firmen die dahinter stehen auch in den USA? So etwa Colt Defense LLC, Heckler&Koch oder ganze Regierungen die ihre Waffen und Panzer an Verbrecher im nahen Osten verkauen?
    Oder bestimmte U-Boote die zu einem Spottpreis an eine bestimmte Regierung geliefert werden als "Reparation" für den Holocaust...

    Es treibt schon extrem seltsame Blüten. Der eine wird verurteilt, in den anderen Fällen geht es nur um reine "Selbstverteidigung" und in noch anderen Fällen wie etwa bei dem lieben Herrn Schäuble und seinem "Schreiber" werden die Täter nicht einmal entdeckt!

    Aber hauptsache man kann ein Bauernopfer ans Messer liefern...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters
  • Schlagworte Vereinte Nationen | Hollywoodfilm | Russland | Agent | Angola | Heimat
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