"Wenn Sie meine Person beurteilen wollen, müssen Sie mich als Verkäufer betrachten." So erklärt Anders Behring Breivik , warum er am 22. Juli vorigen Jahres erst eine Kunstdüngerbombe in Oslo gezündet hat und danach zum Sommerlager des AUF (sozialdemokratische Jugendorganisation Arbeidernes Ungdomsfylkning) auf Utøya gefahren ist und dort kaltblütig wehrlose Jugendliche ermordet hat. "Ich verkaufe eine Botschaft, eine Ideologie, eine Weltsicht."

Die Terrorangriffe waren ein "Feuerwerk", sagt Breivik. Es wurde entzündet, "um Aufmerksamkeit für eine wichtige Sache zu schaffen, für eine unhaltbare Ungerechtigkeit." Er gibt zu, dass die Angriffe barbarisch waren, findet sie trotz allem aber notwendig. "Wenn man etwas erreichen will, nicht nur in Norwegen , sondern in Europa , braucht man leider eine sehr blutige Aktion mit größtmöglichem Schockeffekt."

Breiviks Botschaft ist klar. Norweger und Europäer müssen gegen den Islam zu den Waffen greifen, konstatiert er. Aber wen erreicht Breivik damit?

In seiner Gefängniszelle hat Breivik haufenweise Briefe von Unterstützern gesammelt. Laut dem zweiten rechtspsychiatrischen Gutachten, das über den 33-Jährigen angefertigt wurde, hat er viele Hundert Briefe aus verschiedenen Ländern bekommen.

"Das sind Briefe, deren Verfasser Breivik eindeutig ihre Unterstützung bekunden, mit den gleichen politischen Ansichten wie der Begutachtete. Sie wurden von politischen Mitverschwörern geschrieben. Sie benutzen die gleiche Sprache und Terminologie wie er. Manche von ihnen sagen, sie seien von ihm inspiriert worden und als Folge von Breiviks Taten noch extremer geworden," sagt der Psychiater Terje Tørrissen in dem Bericht.

Die norwegische Zeitung VG schreibt, Breivik habe außerdem Heiratsanträge von einigen Frauen bekommen, und Briefe von religiösen Menschen, die ihn bekehren wollten. 

Diese Leute sind jedoch die Ausnahme, stellt der Forscher Lars Gule von der Hochschule in Oslo und Akershus klar. Gule zufolge lassen sich nicht viele zum bewaffneten Kampf inspirieren. "Er muss schon das Unterste zu oberst kehren, um jemanden zu finden, den er zum Mitstreiter ernennen kann," meint der Forscher.