NorwegenDer Vertreter des Todes
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Dunkle Tempelritter

Alles soll im Jahr 2001 begonnen haben, als Breivik zufällig über das Internet in Kontakt mit Gleichgesinnten gekommen sei. Im April des folgenden Jahres reiste er nach Liberia , angeblich um dort einen serbischen Kriegsverbrecher zu treffen. Danach flog Breivik weiter nach London , wo er nach eigenen Angaben zusammen mit drei anderen militanten Nationalisten am Gründungstreffen der Knights Templar teilnahm.

Die Staatsanwälte schenken Breiviks Erklärungen über ein angebliches Netzwerk allerdings keinen Glauben. Zwar war Breivik wirklich in Liberia. Der eigentliche Grund hierfür war aber der Kauf von Blutdiamanten, meinen sie. Ein Handel, der damit endete, dass Breivik um viele Zehntausend Kronen betrogen wurde. Und das einzige, was Breivik in London sah, behauptet der Staatsanwalt, sei der Flughafen auf der Zwischenstopp nach Hause gewesen.

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Wenig weist auf eine Existenz der Knights Templar außerhalb von Breiviks Fantasie hin, meint der Terrorforscher Anders Romarheim vom Institut für Verteidigungsstudien (IFS) in Oslo. "Was haben diese Menschen in den letzten zehn Jahren getan? Das Netzwerk ist nachweislich nicht sonderlich aktiv", sagt er. 

Zurück zur Wannsee-Konferenz

Die Staatsanwaltschaft will Breiviks Befragung am Mittwoch abschließen. Damit wird die mehr als einwöchige Erklärung Breiviks beendet, die für die anwesenden Opfer und Hinterbliebenen ebenso wie für die Journalisten und Experten sehr schwer zu ertragen war.

Breivik wirkte, als hätte er sich gefreut, als er über die Terrorangriffe dozieren durfte. Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück, sein Gesicht hellte sich auf, seine Sprache wurde bildreich und brutal. Er beschrieb detailliert die technischen Schwierigkeiten des Bombenbaus und die wilden Schießereien im Blutrausch.

Der Massenmörder hat während seiner Erklärung keinerlei Anzeichen von Reue oder Mitgefühl gezeigt. "Es war nicht das Ziel, 69 Menschen auf Utøya zu töten", hat er viele Male gesagt. "Das Ziel war, alle zu töten." Es war grauenvoll, ihm zuzuhören, sagt Gule: "Es war, als wäre man eine Fliege an der Wand während der Wannsee-Konferenz, oder als höre man den Ingenieuren zu, wie sie über Gaskammern und die Kapazität von Krematoriumsöfen diskutierten."

Aus dem Norwegischen übersetzt von Susanne Hegenscheidt

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Leserkommentare
    • msch
    • 23. April 2012 15:29 Uhr

    Ich hoffe die Briefeschreiber werden fortan zu unser aller Sicherheit vom Verfassungsschutz beobachtet.

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    Der Verfassungsschutz gehört zu den schnellst wachsenden Geheimdiensten Deutschlands.
    Er beobachtet Rechte,Linke, Islamisten [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Spekulationen und argumentieren Sie sachlich. Danke, die Redaktion/lv

  1. mehr ist zu Breivik nicht zu schreiben.

    Alleine seine Tat und die daraus resultierende Medienberichterstattung machen aus dieser Nullnummer einen Star.

    Das Traurige ist, wir müssen damit leben, dass es solche Menschen gibt, und sie uns trotz aller Sicherheitsmaßnahmen gerade dort treffen, wo wir uns am sichersten wähnen.

    Was wir aber nicht müssen, ist uns mit ihrer kranken Ideologie auseinanderzusetzen und ihnen ein internationales Podium zu bieten.

    Auf die entsprechende Berichterstattung könnte ich gut verzichten!

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    ...die Berichte zu lesen. Warum tun Sie sich das an, wenn es Sie doch überhaupt nicht interessiert oder vielmehr, wenn Sie nichts davon hören wollen?
    Ich vermute, dass es Sie doch interessiert, genauso wie mich. Daher sollten Sie sich nicht darüber beschweren, dass berichtet wird, umso mehr, da der Artikel hier ziemlich gut die Person Breiviks mit sachlichen Informationen umreisst.

  2. Soll er seinen Ruhm doch genießen und sich in der Aufmerksamkeit aalen. Es wird das letzte Mal sein, bevor sich die Stahltür hinter ihm schließt. Vielleicht hat er noch fünfzig Lebensjahre vor sich. Eine Zeit, in der er nie wieder einen Sommertag am See verbringen, nie mehr ein Konzert besuchen und nie wieder die Hände auf die Hüften einer Frau legen wird. Gebt ihm einen Fernseher, damit er sehen kann, was wir hier draußen in der Freiheit alles tun, während er langsam in seiner Zelle vergammelt.
    Sein Name wird aus dem Gedächtnis der Menschen verschwinden und ersetzt werden durch das Synonym "Das damals in Norwegen". Hoffen wir dass das passiert, bevor er alt geworden ist. Das Leben kann die grausamste Strafe sein.

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  3. Können die deutschen Medien bitte damit aufhören, diesen Fall medial zu missbrauchen? Eine Tragödie ist geschehen und Menschen sind verletzt und ermordet worden. Ist es denn nicht unverschämt, wenn man dieses Ereignis ausnutzt, um politische Ziele zu erreichen und die Denkweise der Medienkonsumenten in eine bestimmte Richtung zu führen?

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    • Bolle3
    • 24. April 2012 9:43 Uhr

    Hallo, Zeit TEAM
    ich verfolge das bei euch und in anderen Medien.
    Irgendwie kann ich das nachvollziehen das ihr darüber berichtet, ihr lehnt es aber ab als Erfüllungsgehilfen dieses Mannes zu fungieren, ABER ihr tut es!
    Wie kann dies geändert werden??
    Der Täter hats ja zugegeben, und aus meiner sicht ist die Bezeichnung für diesen TÄTER nicht angebracht sowie "Mann" oder halt den Namen, ich möcht bestimmt nicht so heißen und bedauere die Menschen die den gleichen Namen haben.
    ES reicht vollkommen aus Ihn als "TÄTER " oder das Datum des schrecklichen Ergeiniss zu geben.Der Täter bekommt ja zwar immer noch Aufmerksamkeit, was er ja auch bewzecken wollte aber nicht als Mensch.BITTE Zeit TEAM, im gegenzug, berichtet doch mal so jeden Tag von einem Opfer, wer es war usw. damit dem Opfer gewürdigt werden kann und auch das gewicht des Drama klar wird, und wir uns der Liebe widmen können,anstatt irgendwas mit dem Kopf zu machen, was eh nix bringt die TAT ist getan, und WIR alle können was tuen das es weniger wird.
    Und mein Vorschlag täglich außführlich über ein Opfer zu berichten bringt mehr für uns alle.
    Der Täter hat es nicht verdient Namentlich genannt zu werden, auch auf die Bilder von Ihm, sind nicht nötig.

    3 Leserempfehlungen
  4. Anstatt den Mörder schnell zu verurteilen, wird unterhalb der Erdoberfläche gegraben, in die Seelen eingedrungen, bis ins kleinste Detail geforscht, verwissenschaftlicht, diskutiert, debattiert. Berichterstatter, Medien und globale Übertragungen sorgen für die Fütterung der Massen mit neuesten Nachrichten. Psychologen, Rechtsanwälte, Richter und Ankläger inszinieren sich ein Stückweit selbst, all das auf Kosten der Hinterbliebenen, die das Trauma noch einmal erleben müssen. Der Mann hat 77 Menschen ermordert, er hat gestanden. Die Schwachstellen der Demokratie verleiten Monster wieder, wie man sieht, durch Respektlosigkeit vor der Gesellschaft Greultaten aus zu üben, mit denen sich die Gesellschaft ausseinander setzen muss zum einen und zum anderen geben sie der zur Schausstellung der Greultaten die Bühne frei, mit Wirkung einer Kollektivqual wie sie an Diktaturen erinnert. Kann man denn von der Demokratie nicht auch Mal menschlich logische Entscheidungen erwarten? Sperrt ihn weg und fertig.
    Ein Prozesstag reicht doch wohl aus.

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    Kann Ihnen leider überhaupt nicht zustimmen. Denn man kann nicht einfach so tun, als wäre die Tat von Breivik ein Mord, den man mal so schnell aburteilt und zu den Akten legt.
    Vielmehr ist es extrem wichtig zu zeigen, wie nichtig die Vorwände von ihm sind, die er angibt, weswegen er aus seiner Sicht "nicht anders handeln konnte".
    Es sind diesselben Vorwände, welche auch Amokläufer benutzen, die sich langsam in ihre Scheinwelt hineinmanövrieren und wenn sie in dieser komplett abgekapselt sind, fordern sie viele Opfer die nichts anderes taten als zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein.
    Durch eine Analyse dieser absurden Denkweise und ein sachliches Widerlegen der Scheinargumente, wie es die Staatsanwältin hier wohl ziemlich effektiv tut, kann nicht nur der Täter hier effektiver bestraft werden, sondern es kann auch eventuell dazu dienen, so manch einen verwirrten Zeitgenossen, der ähnliche Denkansätze wie Breivik pflegt, wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen.
    Daher ist der Prozess wichtig und man muss sich die wirren Aussagen des Mörders leider anhören. Denn sonst wird er nie mit sich selbst konfrontiert, weil niemand weiss, was ihm widerlegt werden kann und muss.

    • fse69
    • 23. April 2012 17:17 Uhr

    ... genug berichten. Auch oder gerade weil sich der eine oder andere hier oder andernorts insgeheim in etlichen seiner Statements wiedererkennt und deswegen gerne das verschämte (oder auch nur taktische) Mäntelchen des Schweigens über der Angelegenheit ausbreiten würde ...

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    • H.v.T.
    • 23. April 2012 18:39 Uhr

    Zugang zu mir. Es wird ihm nicht gelingen, mich auf seine Seite zu ziehen, da bin ich mir ganz sicher.

    Ich kenne auch keinen, der ihm folgen wird, auch da bin ich mir ganz sicher.

    Weshalb also sollte nicht über ihn berichtet werden ?

    Sind sich die Leute nicht ihrer selbst sicher ?

    Oder weil Breivik Sympathisanten ansprechen könnte ?

    Die aber haben sich schon längst dieser kruden Ideologie verschrieben, dazu braucht es keines Medienenthalts, es gibt das Internet.

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    Die Gefahr ist doch nicht seine krude Ideologie. Niemand liest dieses 1500seitige Pamphlet. Das gefährliche ist seine millionenfach abgelichtete Heldenpose. Der Mann kriegt Heiratsanträge! Eine Aufforderung an jeden suizidalen Loser es ihm gleichzutun. Einmal im Rampenlicht stehen, dafür töten Leute. Beispiele haben wir genug. Auch die Amokläufer in Deutschland haben ihre amerikanischen Vorbilder von der Columbine High genau studiert.

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  • Schlagworte Blutdiamant | Brief | Liberia | Norwegen | Rhetorik | Europa
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