Der Verteidiger des mutmaßlichen Massenmörders Anders Behring Breivik hat das "fundamentale Recht" seines Mandanten auf eine Aussage betont. Breivik müsse angehört werden, seine Worte seien "das wichtigste Beweismittel", sagte Anwalt Geir Lippestad am Ende des ersten Verhandlungstages in Oslo .

Kritiker des Verfahrensablaufs hatten beanstandet, dass der geständige Attentäter fünf Tage lang aussagen soll. Es wird erwartet, dass er die Zeit nutzen wird, um seine ausländerfeindliche Ideologie zu verbreiten. Anwalt Lippestad hält die lange Aussage für notwendig, weil Breivik damit seine Straffähigkeit beweisen könne. "Er hat den Wunsch, als zurechnungsfähig verurteilt zu werden", sagte Lippestad.

Zwei psychiatrische Gutachten waren zu unterschiedlichen Schlüssen gelangt, ob Breivik straffähig ist oder nicht. Der Angeklagte nutzte den Beginn des Strafprozesses zu einer Selbstinszenierung. Der 33-Jährige erklärte sich für nicht schuldig und berief sich auf Notwehr. Er argumentierte, mit seinem Vorgehen habe er Norwegen vor der Einwanderung von Muslimen bewahren wollen.

Staatsanwältin verlas Anklagepunkte jedes Mordes

"Ich gestehe die Taten, aber nicht die strafrechtliche Schuld." Breivik hatte durch einen Bombenanschlag im Osloer Regierungsviertel und seine Jagd auf Jugendliche in einem Ferienlager der regierenden Arbeiterpartei im vergangenen Sommer 77 Menschen getötet. Im Zentrum des mit großem Interesse verfolgten Prozesses steht vor allem die Frage nach seiner Schuldfähigkeit.

Als während der Verhandlung ein von Breivik produzierter Kurzfilm eingespielt wurde, wischte er sich Tränen aus den Augen. Anwalt Lippestad sagte dazu, die Gefühlsregung sei "zum Teil" damit zu begründen, dass er seine Taten begangen habe, "um Europa von einem anhaltenden Krieg gegen die muslimische Invasion zu erlösen".

Zum Prozessauftakt verlas die Staatsanwältin die Anklagepunkte jedes einzelnen Mordes. Sie schilderte die Panik und Todesangst der Jugendlichen, die Breivik auf der Ferieninsel Utøya gejagt und niedergeschossen hatte. Einige Details waren so drastisch, dass das norwegische Fernsehen die entsprechenden Worte ausblendete.