MedienWarum wir über Breivik berichten

Machen sich Medien durch ihre Berichterstattung zu Breiviks Erfüllungsgehilfen? Nein, eine Beschäftigung mit seiner Ideologie ist wichtig, kommentiert M. Horeld.

Breivik im Gerichtssaal

Breivik im Gerichtssaal

Zu spüren waren die Bedenken schon vergangene Woche. ZEIT ONLINE hatte gerade mit der Berichterstattung über den bevorstehenden Prozess gegen Anders Behring Breivik begonnen, als einige Leser kritisch anmerkten, man solle dem Massenmörder keine mediale Bühne bieten. Es waren vereinzelte Stimmen. Das hat sich inzwischen geändert. Seitdem am Montag in Oslo der Prozess begonnen hat, wird die Berichterstattung der Medien über den Fall, auch unsere, infrage gestellt. Wir müssen zugeben: Das Ausmaß der Kritik hat uns überrascht.

Viele Leser werfen uns vor, wir würden uns zu Erfüllungsgehilfen von Breivik machen. Indem wir (zu) ausführlich über den Prozess berichten und Bilder von ihm zeigen, würden wir seinen Plan unterstützen, seine menschenverachtende Ideologie verbreiten. Dies könne ähnlich denkende Menschen gefährlich beeinflussen.

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Warum also berichten wir über Breivik und seinen Prozess? Das Gerichtsverfahren gegen den 77-fachen Mörder ist ein Nachrichtenereignis, dem sich ein Nachrichtenportal wie ZEIT ONLINE widmen muss. Nachrichtenmedien können manche Themen weglassen; auch ZEIT ONLINE tut das immer wieder, wenn eine Information nicht relevant genug ist. In diesem Fall aber ist Weglassen keine Option. Der Prozess ist eine relevante Nachricht.

Breivik ist kein einsamer Irrer

Wir halten es für notwendig, Breiviks verzerrtes Weltbild zu thematisieren. Dieser Mensch ist kein einsamer Irrer, auch wenn Boulevardmedien ihn gerne so darstellen. Breivik hat seine Taten akribisch geplant und ausgeführt – und zwar auf Basis einer Ideologie, die keineswegs er erfunden hat. Er musste nicht lange suchen, um Material für sein "Manifest" einzusammeln. In ganz Europa sind Rassisten und Rechtspopulisten aktiv, in manchen Ländern haben sie bemerkenswerte Wahlergebnisse erzielt. In Deutschland ist ihnen das noch nicht gelungen, doch aktiv sind sie auch hier. Sie zu ignorieren, wäre ebenso gefährlich wie wenn man beschlösse, nicht mehr über Neonazis, die NPD oder die Hasspropaganda der NSU-Terroristen zu schreiben. Menschenverachtende Ideologien verschwinden nicht, indem man sie totschweigt.

Anders Behring Breivik ist kein typischer Attentäter. Er tötete sich nach seiner Tat nicht selbst. Er ließ sich festnehmen, weil er noch etwas vorhatte. Alles, was seither geschieht – die Auswertung seines "Manifests", seine Auftritte vor Gericht, seine Aussagen dort, seine obskure Zeugenliste – all das ist Teil seines Planes. Gerade deshalb ist es Aufgabe der Medien, über Breivik und seine gefährlichen Motive aufzuklären – so wie es Aufgabe des Rechtsstaates ist, einen fairen Prozess zu garantieren.

Leserkommentare
  1. "Anders Behring Breivik ist kein typischer Attentäter. Er tötete sich nach seiner Tat nicht selbst. Er ließ sich festnehmen, weil er noch etwas vorhatte. "

    Genau, das was die Medien grade machen, hatte er noch vor. Ich brauche diese Berichterstattung nicht. Ich bin froh, wenn ich seine Visage nicht mehr sehen muß.

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    • ribera
    • 17.04.2012 um 18:21 Uhr

    Und hinzu kommt, dass der Mörder nichts weiter als ein geistig verquerter Spinner ist, der sich "seine Welt" zurechtgelegt hat.
    Die Tatsache, dass er ein Einzeltäter ist und nicht für eine Gruppe oder Bewegung handelte, spricht gegen eine Ideologie.
    Der Versuch, den Mörder in eine "Ideologiekiste" zu stecken stellt für mich lediglich einen Aufhänger, eine Rechtfertigung der Medien dar, weiter zu berichten.

    • gorgo
    • 17.04.2012 um 18:48 Uhr

    Anders als im Eichmannprozess und anderen Prozessen ist die Berichterstattung zur Tat m.E. nicht bloß Teil des Plans wie es hier heißt, sondern
    TEIL DER TAT
    Dass die Presse diese Offensichtlichkeit nicht diskutiert, finde ich erschreckend.
    Es gibt sicher keine einfache Lösung für dieses Problem, aber der Vergleich mit dem Eichmannprozess und anderen ähnlichen Dingen zeigt, dass hier etwas falsch einsortiert und das Problem eben nicht erkannt oder aufgelöst wird

    • joG
    • 17.04.2012 um 19:01 Uhr

    ....und zu anderen Grundlagen der Demokratie offenbar dringend nötig. Sicher ist ein Teil der Berichterstattung zu Dingen, die Ihnen irrelevant oder sonstwas vorkommen. Das ist völlig legitim. Nur, warum sollte Ihre Meinung besser sein als die irgend eines Anderen? Also lesen Sie gerne auch nicht. Jammern Sie aber nicht herum. Da werden Meinungen dargestellt und das ist Grundlage der Demokratie. Wer das nicht will und versucht freie Meinungsäußerungen zu unterdrücken und ist Teil eines gefährlichen Problems, das dieses Land hat.

    • joG
    • 17.04.2012 um 20:25 Uhr

    ...ist es gut, dass die Medien berichten, wir verstehen, wie die Faktoren und Umstände sind, die zu Gewalt gegen die Gesellschaft führen und versuchen zu lernen, was das für uns bedeutet oder bedeuten sollte.

    ... die Hassparolen und bereits im Mainstream publizierenden Hetzer aus deren Gedankengut sich Breivik speiste und daran aufputschte, werden auch bei einem Totschweigen der Einzelperson Breivik nicht aus der Welt verschwinden und immer wieder neue Breiviks produzieren, deren Visagen und hässliche Fratzen, aber vor allem deren Opfer, Sie dann wieder und wieder erleben und gerne wieder und wieder totschweigen wollen/wünschen können.

    Die einzige Chance "Breiviks" oder "NSU", etc. zu ächten liegt in der schonungslosen Offenlegung derartiger Geisteshaltungen und dem gedanklichen Dreck, aus dem diese sich speisen und einer eventuell für einige Zeitgenossen auch schmerzhaften Auseinandersetzung mit der Saat welche sie effektheischerisch legen und welche derartige Verrottung als Folge trägt.

    Das tut weh. Und ich habe das Gefühl, dass jeder, der Breivik nicht sehen will, ein Stück in einen Spiegel schaut und vor sich selbst erschreckt. Er will Breivik nicht sehen, weil er sich selbst sieht.

    (ich nehme ausdrücklich die Angehörigen der getöteten Opfer und die überlebenden Opfer der Tat an sich aus. Diese haben andere Gründe.)

    Wir müssen uns mit Breivik auseinandersetzen. Nur dann kann jeder einzelne sensibilisiert werden und gewappnet werden gegen solch brutale Dummheit und das Gegenüber beim Übertreten zu derartigen geistigen Vorbereitungen Einhalt gebieten - zumindest erbitten. Zumindest nicht schweigen.

    Der Mensch ist nicht frei. Wieviele denkunkräftige Neurotiker und Fanatiker fühlen sich angesprochen und angeregt durch diesen Amoklauf und der anschließenden, vermeintlich populistischen Rechtfertigung im Gerichtssaal.
    Die Verantwortung für eine derartige Berichterstattung könnte ich nicht übernehmen.

    Der Mensch ist nicht frei. Wieviele denkunkräftige Neurotiker und Fanatiker fühlen sich angesprochen und angeregt durch diesen Amoklauf und der anschließenden, vermeintlich populistischen Rechtfertigung im Gerichtssaal.
    Die Verantwortung für eine derartige Berichterstattung könnte ich nicht übernehmen.

    • ribera
    • 17.04.2012 um 18:21 Uhr

    Und hinzu kommt, dass der Mörder nichts weiter als ein geistig verquerter Spinner ist, der sich "seine Welt" zurechtgelegt hat.
    Die Tatsache, dass er ein Einzeltäter ist und nicht für eine Gruppe oder Bewegung handelte, spricht gegen eine Ideologie.
    Der Versuch, den Mörder in eine "Ideologiekiste" zu stecken stellt für mich lediglich einen Aufhänger, eine Rechtfertigung der Medien dar, weiter zu berichten.

    • gorgo
    • 17.04.2012 um 18:48 Uhr

    Anders als im Eichmannprozess und anderen Prozessen ist die Berichterstattung zur Tat m.E. nicht bloß Teil des Plans wie es hier heißt, sondern
    TEIL DER TAT
    Dass die Presse diese Offensichtlichkeit nicht diskutiert, finde ich erschreckend.
    Es gibt sicher keine einfache Lösung für dieses Problem, aber der Vergleich mit dem Eichmannprozess und anderen ähnlichen Dingen zeigt, dass hier etwas falsch einsortiert und das Problem eben nicht erkannt oder aufgelöst wird

    • joG
    • 17.04.2012 um 19:01 Uhr

    ....und zu anderen Grundlagen der Demokratie offenbar dringend nötig. Sicher ist ein Teil der Berichterstattung zu Dingen, die Ihnen irrelevant oder sonstwas vorkommen. Das ist völlig legitim. Nur, warum sollte Ihre Meinung besser sein als die irgend eines Anderen? Also lesen Sie gerne auch nicht. Jammern Sie aber nicht herum. Da werden Meinungen dargestellt und das ist Grundlage der Demokratie. Wer das nicht will und versucht freie Meinungsäußerungen zu unterdrücken und ist Teil eines gefährlichen Problems, das dieses Land hat.

    • joG
    • 17.04.2012 um 20:25 Uhr

    ...ist es gut, dass die Medien berichten, wir verstehen, wie die Faktoren und Umstände sind, die zu Gewalt gegen die Gesellschaft führen und versuchen zu lernen, was das für uns bedeutet oder bedeuten sollte.

    ... die Hassparolen und bereits im Mainstream publizierenden Hetzer aus deren Gedankengut sich Breivik speiste und daran aufputschte, werden auch bei einem Totschweigen der Einzelperson Breivik nicht aus der Welt verschwinden und immer wieder neue Breiviks produzieren, deren Visagen und hässliche Fratzen, aber vor allem deren Opfer, Sie dann wieder und wieder erleben und gerne wieder und wieder totschweigen wollen/wünschen können.

    Die einzige Chance "Breiviks" oder "NSU", etc. zu ächten liegt in der schonungslosen Offenlegung derartiger Geisteshaltungen und dem gedanklichen Dreck, aus dem diese sich speisen und einer eventuell für einige Zeitgenossen auch schmerzhaften Auseinandersetzung mit der Saat welche sie effektheischerisch legen und welche derartige Verrottung als Folge trägt.

    Das tut weh. Und ich habe das Gefühl, dass jeder, der Breivik nicht sehen will, ein Stück in einen Spiegel schaut und vor sich selbst erschreckt. Er will Breivik nicht sehen, weil er sich selbst sieht.

    (ich nehme ausdrücklich die Angehörigen der getöteten Opfer und die überlebenden Opfer der Tat an sich aus. Diese haben andere Gründe.)

    Wir müssen uns mit Breivik auseinandersetzen. Nur dann kann jeder einzelne sensibilisiert werden und gewappnet werden gegen solch brutale Dummheit und das Gegenüber beim Übertreten zu derartigen geistigen Vorbereitungen Einhalt gebieten - zumindest erbitten. Zumindest nicht schweigen.

    Der Mensch ist nicht frei. Wieviele denkunkräftige Neurotiker und Fanatiker fühlen sich angesprochen und angeregt durch diesen Amoklauf und der anschließenden, vermeintlich populistischen Rechtfertigung im Gerichtssaal.
    Die Verantwortung für eine derartige Berichterstattung könnte ich nicht übernehmen.

    Der Mensch ist nicht frei. Wieviele denkunkräftige Neurotiker und Fanatiker fühlen sich angesprochen und angeregt durch diesen Amoklauf und der anschließenden, vermeintlich populistischen Rechtfertigung im Gerichtssaal.
    Die Verantwortung für eine derartige Berichterstattung könnte ich nicht übernehmen.

  2. er kann fest damit rechnen daß berichtet wird. Er kann es aber nicht berechnen wie berichtet wird.
    Daß er sich aus Schlagzeilen eine Krone formt wäre ihm ein Fest, wenn es nicht so käme wäre juristisch nicht relevant, aber moralisch um so wichtiger.
    Ich wünsche mir daß sich die Medien dessen bewusst sind.

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    • sfgrw
    • 18.04.2012 um 7:49 Uhr

    wird des Täters Kleingeistigkeit offensichtlcih werden lassen.
    Das Hirngespinst einer europäischen Tempelritterbewegung wird sich Stuss entlarvt werden und am Ende wird dort ein durchgeknallter Fanatiker als solcher wahrgenommen werden, dessen Ansichten auch weiterhin nicht gesellschaftsfähig sind.
    Genau dafür brauchen wir die Berichterstattung.

    • sfgrw
    • 18.04.2012 um 7:49 Uhr

    wird des Täters Kleingeistigkeit offensichtlcih werden lassen.
    Das Hirngespinst einer europäischen Tempelritterbewegung wird sich Stuss entlarvt werden und am Ende wird dort ein durchgeknallter Fanatiker als solcher wahrgenommen werden, dessen Ansichten auch weiterhin nicht gesellschaftsfähig sind.
    Genau dafür brauchen wir die Berichterstattung.

  3. geht doch viel weiter. Sie bot auch den Nährboten für eben diese Ideologie und die Rechtspopulisten in Europa. Zeigt mehr wild fuchtelnde islamische Wutbürger. Zeigt mehr Männer-Po's (Zitat Zeit) die sich beim Gebet in die Höhe recken und Moscheen die in Dtl. erbaut werden. Die Rolle der Medien wird VIEL zu wenig hinterfragt. Dabei ist die Zeit noch eine der neutraleren (bei Spiegel Stern und Co hörts schon auf). Mediale Spiralen sollte man nicht unterschätzen.

    Zu Breivik: sein Gebahren muss (leider) eine offene Gesellschaft aushalten. Er zeigt den auch für ihn geltenden Menschrechten den Stinkefinger. Aber hier können wir Stärke und Größe zeigen. Den Angehörigen wird das leider nicht gelingen.

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  4. ...schon einmal etwas vom Werther-Effekt gehört?

    Mit solidarischen Grüßen,
    besorgter_mitbuerger

    14 Leserempfehlungen
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    Redaktion

    Ja. Aber was hat das mit Islamophobie und Rassismus zu tun?

    Ich halte ihre Angst und Sorge über einen Werther-Effekt und der Nachahmung von Breiviks Taten für absurd.

    Zum einen werden Sie doch bitte nicht so naiv sein und glauben, dass "Jünger" dieser Ideologie erst jetzt Wind von der Denkweise, der Planung, dem Menschenbild, der Ideologie und der Strategie des Angeklagten bekommen: Wer sich der rechten politischen Seite zugehörig fühlt hat weit bessere Quellen um sich der Ideologie seines Idols zu nähern als es deutsche Medien darstellen.

    Zum zweiten sollten sie sehr genau darauf achten, welches Weltbild Breivik in den bisherigen Tagen und den kommenden geschildert hat und schildern wird, weil es eine sehr aufschlussreiche und höchst wichtige sowie informative Quelle für das Verständnis unserer Welt ist. Denn diese Ideologie kommt nicht aus völliger, psychischer Verrücktheit sondern ist - auch wenn wir es nicht unmittelbar wahrhaben wollen - zu einem wie auch immer gearteten Teil ein Ergebnis der globalisierten Welt. Ich bin weiß Gott nicht rechts angesiedelt und bin gegen jegliche Diskriminierung, aber was wir im Kabarett als witzige Aufmachung der Globalisierung sehen wenn Asamoah auf Khedira passt, dieser auf Özil und El Sharrawy ein Tor für die deutsche Nationalmannschaft erzielt ist aus der anderen, sehr negativen Sichtweise natürlich auch eine Vermengung von Religion, Kultur und Weltanschauung die einem mit einem unguten Gefühl aufstoßen kann. Das rechtfertigt nicht diese Tat, sollte man aber mal überdenken.

    Der Werther-Effekt bezieht sich ausschließlich auf Suizidal-Nachahmer; sie meinen sog. Trittbrettfahrer, die durch übertriebene Berichterstattung der Medien zu Nachahmungstaten angeregt werden könnten!

    • Elite7
    • 18.04.2012 um 16:06 Uhr

    auch ohne Berichterstattung. Auch über 9/11 wurde seeeehr stark berichtet und man müsste mit Nachahmern rechnen. Der Werther-Effekt bezieht sich nur auf den nachgeahmten Suizid und ist auch statistisch belegt.
    Aber in der Berichterstattung wird stark vor Breiviks Ideologien gewarnt, er wird in das ihm zustehende schwarze Licht gerückt, nicht verherrlicht, sondern verurteilt. Es wird über die Traur und den Schmerz berichtet, den er gebracht hat, darüber, wie gefährlich solche Menschen sind und dass wir aufmerksam sein müssen. Einen Suizidenten dagegen kann man nicht verurteilen. Nichts Schlechtes über Tote, die es im Leben wahrscheinlich nicht leicht hatten. Es ist schwierig über so etwas wertfrei zu berichten und bereits angeschlagene Personen werden dann schnell zu Nachahmern. Allerdings ist das auch von der Prominenz und Beliebtheit der suizidalen Person abhängig.

    Redaktion

    Ja. Aber was hat das mit Islamophobie und Rassismus zu tun?

    Ich halte ihre Angst und Sorge über einen Werther-Effekt und der Nachahmung von Breiviks Taten für absurd.

    Zum einen werden Sie doch bitte nicht so naiv sein und glauben, dass "Jünger" dieser Ideologie erst jetzt Wind von der Denkweise, der Planung, dem Menschenbild, der Ideologie und der Strategie des Angeklagten bekommen: Wer sich der rechten politischen Seite zugehörig fühlt hat weit bessere Quellen um sich der Ideologie seines Idols zu nähern als es deutsche Medien darstellen.

    Zum zweiten sollten sie sehr genau darauf achten, welches Weltbild Breivik in den bisherigen Tagen und den kommenden geschildert hat und schildern wird, weil es eine sehr aufschlussreiche und höchst wichtige sowie informative Quelle für das Verständnis unserer Welt ist. Denn diese Ideologie kommt nicht aus völliger, psychischer Verrücktheit sondern ist - auch wenn wir es nicht unmittelbar wahrhaben wollen - zu einem wie auch immer gearteten Teil ein Ergebnis der globalisierten Welt. Ich bin weiß Gott nicht rechts angesiedelt und bin gegen jegliche Diskriminierung, aber was wir im Kabarett als witzige Aufmachung der Globalisierung sehen wenn Asamoah auf Khedira passt, dieser auf Özil und El Sharrawy ein Tor für die deutsche Nationalmannschaft erzielt ist aus der anderen, sehr negativen Sichtweise natürlich auch eine Vermengung von Religion, Kultur und Weltanschauung die einem mit einem unguten Gefühl aufstoßen kann. Das rechtfertigt nicht diese Tat, sollte man aber mal überdenken.

    Der Werther-Effekt bezieht sich ausschließlich auf Suizidal-Nachahmer; sie meinen sog. Trittbrettfahrer, die durch übertriebene Berichterstattung der Medien zu Nachahmungstaten angeregt werden könnten!

    • Elite7
    • 18.04.2012 um 16:06 Uhr

    auch ohne Berichterstattung. Auch über 9/11 wurde seeeehr stark berichtet und man müsste mit Nachahmern rechnen. Der Werther-Effekt bezieht sich nur auf den nachgeahmten Suizid und ist auch statistisch belegt.
    Aber in der Berichterstattung wird stark vor Breiviks Ideologien gewarnt, er wird in das ihm zustehende schwarze Licht gerückt, nicht verherrlicht, sondern verurteilt. Es wird über die Traur und den Schmerz berichtet, den er gebracht hat, darüber, wie gefährlich solche Menschen sind und dass wir aufmerksam sein müssen. Einen Suizidenten dagegen kann man nicht verurteilen. Nichts Schlechtes über Tote, die es im Leben wahrscheinlich nicht leicht hatten. Es ist schwierig über so etwas wertfrei zu berichten und bereits angeschlagene Personen werden dann schnell zu Nachahmern. Allerdings ist das auch von der Prominenz und Beliebtheit der suizidalen Person abhängig.

  5. seine Ideologie zu entlarven und ihm gleichzeitig keine Bühne zu bieten.
    Es ist wichtig zu berichten, daß rechtsstaatliche Grundsätze funktionieren, daß demokratische Spielregeln eingehalten werden, daß befangene Schöffen ausgewechselt werden, daß Richter sich alle Parteien anhören.
    Nur so kann die Überlegenheit eines freiheitlichen, demokratischen und toleranten Rechtsstaates bewiesen werden. Und das wäre die die beste Argumentation gegen die Thesen Breiviks und seinesgleichen.

    kassandra

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  6. Einfach mal zur Kenntnis nehmen, daß Tat und Aufarbeitung in ihrem kausalen Zusammenhang eine Einheit sind, dann offenbart sich die Absurdität der Kritik an der Berichterstattung.

    Die Größe der Bühne beschreibt nicht die Größe des Täters, sondern den Stellenwert der Aufarbeitung.

    5 Leserempfehlungen
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    "Die Größe der Bühne beschreibt nicht die Größe des Täters, sondern den Stellenwert der Aufarbeitung."

    Ob diese Wahrnehmung auch potentielle Nachahmer teilen?
    Ob die Angehörigen der Opfer wohl diese ausführliche Form der "Aufarbeitung" brauchen? Oder die Gesellschaft?

    Die Taten sind erwiesen, der Typ geständig. Aus welchem Hirnsch... heraus er das genau getan hat, geht vor allem die Betroffenen etwas an. Verurteilen, wegsperren.

    • tinic
    • 18.04.2012 um 5:09 Uhr

    wozu denn? familien brauchen was anderes. rest ist nur "show"

    "Die Größe der Bühne beschreibt nicht die Größe des Täters, sondern den Stellenwert der Aufarbeitung."

    Ob diese Wahrnehmung auch potentielle Nachahmer teilen?
    Ob die Angehörigen der Opfer wohl diese ausführliche Form der "Aufarbeitung" brauchen? Oder die Gesellschaft?

    Die Taten sind erwiesen, der Typ geständig. Aus welchem Hirnsch... heraus er das genau getan hat, geht vor allem die Betroffenen etwas an. Verurteilen, wegsperren.

    • tinic
    • 18.04.2012 um 5:09 Uhr

    wozu denn? familien brauchen was anderes. rest ist nur "show"

  7. Ihre grundsätzliche Ansicht teile ich vollständig.

    Doch es geht um das "Wie".

    Sie wissen doch, wie der gemeine Rezipient tickt. In bester journalistischer Absicht präsentieren Sie ein Foto, welches den eitlen, selbstgefälligen, überheblichen Mörder zeigt, der sich bewusst ist, dass die Medien für eine ganze Zeitlang nun ihm gehören - pfui, soll der Rezipient jetzt sagen, aber: Das tut er nicht. Eben nicht.

    Auch wenn die ZEIT das eigentlich insgesamt ganz gut macht, aber hinterfragen Sie vielleicht noch stärker jede einzelne Überschrift, jedes einzelne Foto, bevor Sie es ins Blatt heben.

    Nicht dass die Leute in dieser Katastrophe noch "Dschungelcamp" schmecken.

    So sehr ich für einen plastischen und farbigen Journalismus plädiere, in dem Fall wäre noch mehr als Sie es aus Ihren Redaktionsbesprechungen berichten der monotone Grauton angebracht.

    Womit ich Ihren Anspruch, diesen Täter, seine Wurzeln, seine Wirkung, möglichst in den Köpfen der Menschen unschädlich zu machen, indem Sie ihn analysierend entlarven, nicht in geringster Weise infrage stellen will.

    8 Leserempfehlungen
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    Redaktion

    "Auch wenn die ZEIT das eigentlich insgesamt ganz gut macht, aber hinterfragen Sie vielleicht noch stärker jede einzelne Überschrift, jedes einzelne Foto, bevor Sie es ins Blatt heben."

    Ich verspreche Ihnen, dass wir mit diesem Thema sorgsam umgehen werden. Auch mit der Bilder-Auswahl. Das Foto, das unsere Bildredaktion für diesen Text ausgesucht hat, finde ich beispielsweise sehr angemessen.

    Denn wenn auch unbestritten ist, dass über Breiviks Prozess berichtet werden muss, so denke ich dass das Zitieren aus seinem Büchlein und seinen Medienaufmerksamkeit heischenden Textchen beim Prozess ganz klar nicht zur Informationspflicht der Medien gehört; Breivik liefert den Medien genau die Schlagwörter und Schlagzeilen, auf die die Medien geil sind und gross abdrucken. Gründlichere Recherchen und andere Blickwinkel als Breiviks sind da leider viel zu selten

    Redaktion

    "Auch wenn die ZEIT das eigentlich insgesamt ganz gut macht, aber hinterfragen Sie vielleicht noch stärker jede einzelne Überschrift, jedes einzelne Foto, bevor Sie es ins Blatt heben."

    Ich verspreche Ihnen, dass wir mit diesem Thema sorgsam umgehen werden. Auch mit der Bilder-Auswahl. Das Foto, das unsere Bildredaktion für diesen Text ausgesucht hat, finde ich beispielsweise sehr angemessen.

    Denn wenn auch unbestritten ist, dass über Breiviks Prozess berichtet werden muss, so denke ich dass das Zitieren aus seinem Büchlein und seinen Medienaufmerksamkeit heischenden Textchen beim Prozess ganz klar nicht zur Informationspflicht der Medien gehört; Breivik liefert den Medien genau die Schlagwörter und Schlagzeilen, auf die die Medien geil sind und gross abdrucken. Gründlichere Recherchen und andere Blickwinkel als Breiviks sind da leider viel zu selten

  8. Aber warum immer prominent mit Namen und Foto? Da draußen gibt es noch mehr junge Männer, die depressiv, aggressiv und isoliert sind. Die auch gerne, wenn sie gehen, die Tür mit einem gewaltigen Knall zuschlagen würden. Die sich der Welt gern als schreckenerregende Killerbestie zeigen würden, statt als als kleinen, einsamen Verlierer. Die Medien sollten nicht an diesem Nimbus stricken. Ideologien, die aus dem pubertären Herostraten einen Mann mit einer Mission machen, gibt es genug. Die Berichterstattung könnte einiges entschärfen, indem sie das kleine Würstchen zeigt. Dabei geht es nicht um eine Entschuldigung des Täters. Auch kleine Würstchen können so gefährlich sein, daß man sie wegsperren muß.

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