MedienWarum wir über Breivik berichten

Machen sich Medien durch ihre Berichterstattung zu Breiviks Erfüllungsgehilfen? Nein, eine Beschäftigung mit seiner Ideologie ist wichtig, kommentiert M. Horeld. von 

Breivik im Gerichtssaal

Breivik im Gerichtssaal  |  © Lise Aserud/Pool/Reuters

Zu spüren waren die Bedenken schon vergangene Woche. ZEIT ONLINE hatte gerade mit der Berichterstattung über den bevorstehenden Prozess gegen Anders Behring Breivik begonnen, als einige Leser kritisch anmerkten , man solle dem Massenmörder keine mediale Bühne bieten. Es waren vereinzelte Stimmen. Das hat sich inzwischen geändert. Seitdem am Montag in Oslo der Prozess begonnen hat, wird die Berichterstattung der Medien über den Fall, auch unsere, infrage gestellt . Wir müssen zugeben: Das Ausmaß der Kritik hat uns überrascht.

Viele Leser werfen uns vor, wir würden uns zu Erfüllungsgehilfen von Breivik machen. Indem wir (zu) ausführlich über den Prozess berichten und Bilder von ihm zeigen, würden wir seinen Plan unterstützen, seine menschenverachtende Ideologie verbreiten. Dies könne ähnlich denkende Menschen gefährlich beeinflussen.

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Warum also berichten wir über Breivik und seinen Prozess? Das Gerichtsverfahren gegen den 77-fachen Mörder ist ein Nachrichtenereignis, dem sich ein Nachrichtenportal wie ZEIT ONLINE widmen muss. Nachrichtenmedien können manche Themen weglassen; auch ZEIT ONLINE tut das immer wieder, wenn eine Information nicht relevant genug ist. In diesem Fall aber ist Weglassen keine Option. Der Prozess ist eine relevante Nachricht.

Breivik ist kein einsamer Irrer

Wir halten es für notwendig, Breiviks verzerrtes Weltbild zu thematisieren. Dieser Mensch ist kein einsamer Irrer, auch wenn Boulevardmedien ihn gerne so darstellen. Breivik hat seine Taten akribisch geplant und ausgeführt – und zwar auf Basis einer Ideologie, die keineswegs er erfunden hat. Er musste nicht lange suchen, um Material für sein "Manifest" einzusammeln. In ganz Europa sind Rassisten und Rechtspopulisten aktiv, in manchen Ländern haben sie bemerkenswerte Wahlergebnisse erzielt. In Deutschland ist ihnen das noch nicht gelungen, doch aktiv sind sie auch hier. Sie zu ignorieren, wäre ebenso gefährlich wie wenn man beschlösse, nicht mehr über Neonazis, die NPD oder die Hasspropaganda der NSU-Terroristen zu schreiben. Menschenverachtende Ideologien verschwinden nicht, indem man sie totschweigt.

Anders Behring Breivik ist kein typischer Attentäter. Er tötete sich nach seiner Tat nicht selbst. Er ließ sich festnehmen, weil er noch etwas vorhatte. Alles, was seither geschieht – die Auswertung seines "Manifests" , seine Auftritte vor Gericht, seine Aussagen dort, seine obskure Zeugenliste – all das ist Teil seines Planes. Gerade deshalb ist es Aufgabe der Medien, über Breivik und seine gefährlichen Motive aufzuklären – so wie es Aufgabe des Rechtsstaates ist, einen fairen Prozess zu garantieren.

Leserkommentare
  1. Ich glaube eher, das würde B. beflügeln.

    Mutter hat wissentlich sein zu Unrecht erworbenes Geld gewaschen.

    Vater war Diplomat. Vater und Sohn hatten seit 1995 keinen Kontakt. Ist es Zufall, dass B. in dieser Operettenuniform posiert?

    Antwort auf "Seine Familie"
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    Ich wußte nicht dass die Mutter für ihn Geld gewaschen hat, habe mir aber gedacht, dass es ihr nicht entgangen sein kann, was er plant.

    Ich bin davon überzeugt, dass Breivik einige Mitwisser und -helfer hatte.

    Ich weiß nicht, wie er reagieren würde, wenn er seine Eltern im Gerichtssaal wüßte, aber ich denke, es würde Dinge zeigen, die sonst verdeckt bleiben.

  2. zu "verharmlosen" - auch Hitler, Stalin und Mao waren Psychopathen.

    Aber nehmen wir die heutige Berichterstattung im Öffentlich-Rechtlichen: Synchron zur Islamkonferenz werden uns die Salafisten um die Ohren gehauen(mit Hass-Videos), nach meiner Information eine Splittergruppe von 0,2% aller Muslime in Deutschland. Volker Kauder("In Europa wird wieder deutsch gesprochen, meine Damen und Herren!") wird wiederholt zitiert mit: "Der Islam gehört nicht zu Deutschland". Immerhin darf eine Teilnehmerin der Konferenz fragen, ob nun alle Muslime katholisch werden sollen.

    Das offizielle Europa erkennt sich selbst nicht, sondern braucht weiter Feindbilder, ohne zu hinterfragen, ob nicht etwa ein Sarrazin oder Kauder den Salafisten Zulauf beschert.

    Wo bleibt die klare Positionierung der Bundeskanzlerin?
    Sie scheint mir zu selbstverliebt in ihrer unverbindlichen, leider erfolgreichen Charmierung ihrer Person zu sein.
    Zitat:"Ich kann nur von Schritt zu Schritt denken."
    Das ist zu wenig für eine Selbsterkenntnis und öffnet Tür und Tor für perverse Phantasien eines B.
    Noch sind wir allzusehr autoritätsfixiert, aber das wird sich bald digital ändern - hoffentlich.

    • Pinto
    • 20. April 2012 10:18 Uhr

    Die Faschismusforschung befindet sich noch in den Anfängen, ebenso ist eine generelle Diskussion über Kapital eingeschlafen oder quasi isoliert.

    Private Diskussionen darüber enden häufig in bestimmten Punkten.
    Z.B. wie konnte das Kapital auf eine Personengruppe als Feindbild übertragen werden und es gab kaum Gegenstimmen. (Hartz4!)
    Nach vielen weiteren Diskussionen kam subjektiv folgendes heraus, die anderen wurden aus gesellschaftlichen Prozessen der Meinungs-Bildung ausgeklammert, der deutschen Bürgerbräukeller verwiesen und physisch angegangen.
    Die Meinungs- und Deutungshoheit war einseitig, jeder der anderer Inhalte war, wurde vereinzelt, isoliert.

    Sofern meine recherchierten Informationen stimmen, folgendes.
    Ein Fotograf, Journalist, Harald Haack berichtete über die braunen Sümpfe Europas -Schweden. Ihm wurde seitens Polizei eine Straftat unterschoben die nur mühsam mittels Gutachter vor Gericht ausgeräumt werden konnte.
    Das ganze hat ein heftiges Geschmäckle Richtung Christliche Parteien mit amerikanischer Anbindung. Gerade in der Stadt, in der widerstandslos little DDR, die US Botschaft, erweitert wurde.
    Ebenso stehen merkwürdige Parallelen zu den NSU Inhalten, deren vermutliche Deckung bestimmter Kreise, im Raum. Die Reisekostenabrechnung dt. Geheimdienste würde ich mir vornehmen.

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    • Pinto
    • 20. April 2012 10:20 Uhr

    Gesellschaftliche Prozesse der fundamentalistischen Polarisierung, ob mit oder ohne Feindbild, finden fast im Untergrund/Geheimen statt.
    Andere Gruppen leben ganz gut mit der Polarisierung.
    Das Prinzip existiert seit sehr langer Zeit und funktioniert, leider. Ein Schmierstoff der Inhalte ist Kapital.
    Mit Kapital ist Schmierstoff mit Reichweite.
    Siehe auch die Bücher "Der Schattenmann" oder "Die vierte Moschee" oder auch das Script Wie Deutschland den Dschihad erfand. Ebenso Bücher von Norman G. Finkelstein z.B. "Die Holocaust-Industrie."

    Ein Jahr ist vergangen, die ersten Babys mit Trisomie 21 müssten in Japan geboren sein. Ob eine Berichterstattung seitens IAEO und der militärischen Medienbetriebe zugelassen wird?

    Die Karlsbader Beschlüsse werden/wurden gerade umgesetzt. Von wem wohl!

    • Pinto
    • 20. April 2012 10:20 Uhr

    Gesellschaftliche Prozesse der fundamentalistischen Polarisierung, ob mit oder ohne Feindbild, finden fast im Untergrund/Geheimen statt.
    Andere Gruppen leben ganz gut mit der Polarisierung.
    Das Prinzip existiert seit sehr langer Zeit und funktioniert, leider. Ein Schmierstoff der Inhalte ist Kapital.
    Mit Kapital ist Schmierstoff mit Reichweite.
    Siehe auch die Bücher "Der Schattenmann" oder "Die vierte Moschee" oder auch das Script Wie Deutschland den Dschihad erfand. Ebenso Bücher von Norman G. Finkelstein z.B. "Die Holocaust-Industrie."

    Ein Jahr ist vergangen, die ersten Babys mit Trisomie 21 müssten in Japan geboren sein. Ob eine Berichterstattung seitens IAEO und der militärischen Medienbetriebe zugelassen wird?

    Die Karlsbader Beschlüsse werden/wurden gerade umgesetzt. Von wem wohl!

    • Elite7
    • 20. April 2012 23:16 Uhr

    Gerade in der Naturwissenschaft wird viel mit Stochastig gearbeitet, weil sich viele Vorgänge nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit abspielen (bestes Beispiel: Quantenmechanik). In sofern bleibt natürlich immer noch ein Restrisiko bei der psychiatrischen Begutachtung. Dieses ist allerdings unwahrscheinlicher, als die richtige Diagnose. Und in dem Fall geht es ja auch nur darum, ob er in eine Psychiatrie eingewisen wird oder im Gefängnis landet, was für uns eigentlich dasselbe bedeutet.

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    • Pinto
    • 21. April 2012 11:27 Uhr

    Wissenschaft hat auch nettes.
    Unterhalten sie sich mal mit Physiker, Mathematiker, Quantenmechaniker, Chemiker etc. und stellen die Frage, warum das massenlose Licht, mit Lichtgeschwindigkwit, durch Masse/Gravitation abgelenkt wird. Z.B. durch eine Sonnenfinsternis.
    Ich versichere, es wird ein bunt, vektoriell, lustig spannender Abend.

    Das die Armageddon Industrie, Cern instrumentalisiert, am liebsten ein partiell schwarzes Loch gerne als Waffe hätten, ist das eine.

    Der USA, NRA dürfte niemals weitere Waffengattungen in die Hände fallen. Nie, nie, niemals sollten Psychoten Waffen haben.
    Wer auf Bäumen lebt, sollte solange deren Ethik, Intelligenz auf der Ebene/Höhe ist, da bleiben.
    Genau vor dieser Diskussion scheut sich der instrumentalisierte Elfenbeinturm, der nichts sehnlicher wünscht, als eine exotherme Auszeichnung, der Deutschen Bank. Alfred Nobel hat sein Nachlass in deren Hände gegeben und ein SPD Steinbrück erfreut sich daran. Aber auch Biedenkopf, F. Ries und andere.

    Zynische Geschichte, im Abstand von ca. 100 Jahren explodierte Krümmel zwei mal.

    USA und zivilisiert, entsprechend nur der Armageddon Industrie.
    Jeder noch so gut gemeinte Richtung wird negativ umgelenkt.

    Japan, sofern sie den Hiroshima Ein-/Ausfluss, analog Argentinien, entfernen, können kulturell neue Wege gehen.
    Die pseudo zivilisierte Welt lebt auf Bäumen.
    Du machst keinen Sinn, erweitert, nur Geld und Waffen.
    Um die Inhalte dreht sich die Welt.
    Hatte Breivik zu viel Geld?

    • Pinto
    • 21. April 2012 11:27 Uhr
    302. Lernen ?

    Wissenschaft hat auch nettes.
    Unterhalten sie sich mal mit Physiker, Mathematiker, Quantenmechaniker, Chemiker etc. und stellen die Frage, warum das massenlose Licht, mit Lichtgeschwindigkwit, durch Masse/Gravitation abgelenkt wird. Z.B. durch eine Sonnenfinsternis.
    Ich versichere, es wird ein bunt, vektoriell, lustig spannender Abend.

    Das die Armageddon Industrie, Cern instrumentalisiert, am liebsten ein partiell schwarzes Loch gerne als Waffe hätten, ist das eine.

    Der USA, NRA dürfte niemals weitere Waffengattungen in die Hände fallen. Nie, nie, niemals sollten Psychoten Waffen haben.
    Wer auf Bäumen lebt, sollte solange deren Ethik, Intelligenz auf der Ebene/Höhe ist, da bleiben.
    Genau vor dieser Diskussion scheut sich der instrumentalisierte Elfenbeinturm, der nichts sehnlicher wünscht, als eine exotherme Auszeichnung, der Deutschen Bank. Alfred Nobel hat sein Nachlass in deren Hände gegeben und ein SPD Steinbrück erfreut sich daran. Aber auch Biedenkopf, F. Ries und andere.

    Zynische Geschichte, im Abstand von ca. 100 Jahren explodierte Krümmel zwei mal.

    USA und zivilisiert, entsprechend nur der Armageddon Industrie.
    Jeder noch so gut gemeinte Richtung wird negativ umgelenkt.

    Japan, sofern sie den Hiroshima Ein-/Ausfluss, analog Argentinien, entfernen, können kulturell neue Wege gehen.
    Die pseudo zivilisierte Welt lebt auf Bäumen.
    Du machst keinen Sinn, erweitert, nur Geld und Waffen.
    Um die Inhalte dreht sich die Welt.
    Hatte Breivik zu viel Geld?

  3. Ich wußte nicht dass die Mutter für ihn Geld gewaschen hat, habe mir aber gedacht, dass es ihr nicht entgangen sein kann, was er plant.

    Ich bin davon überzeugt, dass Breivik einige Mitwisser und -helfer hatte.

    Ich weiß nicht, wie er reagieren würde, wenn er seine Eltern im Gerichtssaal wüßte, aber ich denke, es würde Dinge zeigen, die sonst verdeckt bleiben.

  4. Im Vordergrund der Berichterstattung sollte die Finanz- und Schulden-Krise in Ursache und Auswirkung für die Beschäftigten und Rentner, vor allem im Fernsehen stehen. Wie wird sich der Geldwert verändern? Wo bleiben endlich die Taten der zurechtweisenden Politik? An in epischer Breite gebotener Darstellung des Massenmörders im hiesigen TV (und den Zeitungen)bin ich überhaupt nicht interessiert.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte NPD | Medien | Adolf Eichmann | Berichterstattung | Ideologie | Prozess
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