Gedenken an die Opfer Breiviks nahe des Osloer Gerichts © Daniel Sannum Lauten/AFP/Getty Images

Der des Massenmords angeklagte Anders Behring Breivik hat sich zum Auftakt der zweiten Prozesswoche in Oslo bei einem Teil seiner Opfer entschuldigt. Seine Entschuldigung gelte den Verletzten und Toten des Bombenanschlags in Oslo, die keine politischen Aufgaben wahrnahmen, sagte Breivik vor Gericht.

Als die Staatsanwaltschaft nachfragte, ob er die Entschuldigung auch auf die Toten in den Regierungsgebäuden in Oslo und auf der Insel Utøya beziehe, verneinte der 33-Jährige. Diese Taten seien "grausam, aber notwendig" gewesen, wiederholte er eine frühere Formulierung.

Breivik sagte, er habe bei seinem Mordlauf auf der Insel Utøya eine Auswahl seiner Opfer getroffen. "Manche Menschen sehen linker aus als andere", sagte er. Er habe "Marxisten" herausgesucht. Er sei an einem jungen Mann vorbeigegangen, der konservativ ausgesehen habe. "Dieser Mann schien rechts zu sein. Das ist der Grund, warum ich nicht auf ihn geschossen habe."

Bei den Mordanschlägen am 22. Juli 2011 hatte Breivik im Regierungsviertel von Oslo und auf der Insel Utøya insgesamt 77 Menschen getötet. Auf der Insel erschoss der Rechtsextremist 69 meist jugendliche Teilnehmer eines Jugendlagers der regierenden Arbeiterpartei.

Als Motiv hatte er den Kampf gegen die multikulturelle Gesellschaft genannt. Gleichzeitig äußerte er im Prozess mehrfach Sympathie für Al-Kaida , obwohl das Terrornetzwerk nicht seinem Kulturkreis zugeordnet werden kann.

In der vergangenen Woche hatte Breivik ausgesagt, er habe eigentlich alle 569 Teilnehmer des Jugendlagers töten wollen. Der Prozess in Oslo ist auf zehn Wochen angesetzt. Der Geisteszustand des Attentäters, der sich als Verteidiger des norwegischen Volkes im Kampf gegen den Islam sieht, ist unter Experten umstritten. Es gab zwei sich diametral widersprechende psychiatrische Gutachten über seine Schuldfähigkeit.