Ein neues psychologisches Gutachten hält den norwegischen Attentäter Anders Behring Breivik doch für zurechnungsfähig. Behring Breivik sei geistig gesund, heißt es in der Untersuchung, die vor Gericht vorgelegt wurde. Im November war Breivik noch "paranoide Schizophrenie" attestiert worden . Die endgültige Entscheidung über die Zurechnungsfähigkeit trifft das zuständige Gericht.

Breivik selbst hat stets bestritten, geistesgestört zu sein, und stattdessen betont, er übernehme die Verantwortung für seine Taten. Er sieht sich als politischen Aktivisten. Allerdings hält er sich für nicht schuldig. Auch Experten hatten das erste Gutachten angezweifelt.

Der Prozess gegen Breivik soll am 16. April beginnen. Bei einer Gerichtsentscheidung auf Zurechnungsfähigkeit droht ihm die Höchststrafe für Mord, die in Norwegen 21 Jahre beträgt. Breivik kann bei einer Verurteilung auch für immer hinter Gittern bleiben. Schon beim Urteilsspruch kann das Gericht die sogenannte Verwahrung ( forvaring ) verhängen, deren Ende ungewiss ist. Sollte Breivik für nicht zurechnungsfähig erklärt werden, kann das Gericht ihn zwangsweise in eine geschlossene Psychiatrie einweisen. Die Einweisung müsste alle drei Jahre überprüft werden.

Taten als "grausam, aber notwendig" bezeichnet

Breivik hatte am 22. Juli 2011 bei einem Bombenanschlag im Regierungsviertel von Oslo und bei einem anschließenden Massaker auf der Insel Utøya insgesamt 77 Menschen getötet. Die meisten Opfer waren Jugendliche im Alter zwischen 14 und 19 Jahren, die auf Utøya an einem Sommerlager der norwegischen Jungsozialisten teilnahmen.

Die zuvor im etwa 40 Kilometer entfernten Oslo gezündete selbstgebaute Autobombe sollte die Polizei vor den geplanten Morden auf der Ferieninsel ablenken. Hier wurden acht Menschen durch die Wucht der Detonation und Trümmer getötet. Die Explosion verwandelte Teile der Innenstadt in eine Trümmerlandschaft. Auch das Büro von Ministerpräsident Jens Stoltenberg wurde völlig verwüstet.

Breivik hat die Taten zugegeben. In seinem Geständnis bezeichnete der 32-Jährige die Morde als "grausam, aber notwendig". Als Tatmotiv gab der rechtsradikale Attentäter Hass auf den Islam und die in Norwegen regierenden Sozialdemokraten an. Seine Tat plante er nach eigenen Angaben neun Jahre lang. Vor dem Massaker stellte er ein 1.500-seitiges Manifest ins Internet, das sich unter anderem gegen "Kulturmarxismus" und die Einwanderung von Muslimen richtet.