Der als Massenmörder angeklagte Anders Behring Breivik hat vor Gericht über seine geistige Vorbereitung auf die Mordanschläge in Oslo und auf der norwegischen Insel Utøya ausgesagt. Um die Taten durchzustehen, habe er sich emotional total abgekapselt, sagte er. 2006 habe er seine sozialen Kontakte abgebrochen und durch Meditation seine Emotionen zu kontrollieren geübt.

Er habe sich über mehrere Jahre "entmenschlicht", da er sonst nicht hätte so handeln können. Jahrelang habe er an seiner Psyche arbeiten müssen, um die "grausamen, barbarischen Taten" begehen zu können.

Al-Kaida habe ihn inspiriert , sagte er wie schon in vergangenen Tagen vor dem Gericht in Oslo. Entsetzen bewirkte er mit seiner Einschätzung, das Netzwerk sei so erfolgreich, weil es Selbstmordattentäter einsetze. Das Problem mit militanten Islamisten sei aber, dass sie zu sehr auf Sprengstoff und nicht auf Amokläufe mit Schusswaffen setzten. Dennoch habe er die Organisation mehrere hundert Stunden lang in Internet und Filmen studiert und eine Art "Al-Kaida für Christen" schaffen wollen.

Er habe auch andere Terrororganisationen verglichen, sagte er und nannte die Eta . Deren Schwäche sei,  dass ihre Mitglieder den Tod fürchteten.

Danach schilderte Breivik  seinen Amoklauf . Er beschrieb, in welcher Reihenfolge er seine Opfer tötete. Er selbst sei in einen Schockzustand gefallen und erinnere sich an wenig. Er habe Angst gehabt, sagte Breivik. Wenn eine Gruppe versucht hätte, Widerstand zu leisten, "hätte sie das einfach geschafft", sagte er. Eigentlich habe er so wenig wie möglich schießen wollen, sondern die Jugendlichen ins Wasser scheuchen, wo sie ertrinken sollten. Zweimal habe er gerufen: "Ihr werdet heute sterben, Marxisten."

Er habe sich telefonisch ergeben wollen, sei bei der Polizei aber erst nicht durchgekommen. Bei einem zweiten Anruf habe er sich nicht ernst genommen gefühlt. Daher habe er weiter gemordet. Viele Angehörige der Opfer blieben trotz der Schilderungen im Gerichtssaal, um Breivik weiter anzuhören. Nach Angaben des britischen Guardian kämpften viele der Angehörigen während des Verhörs mit den Tränen oder hielten einander im Arm. Menschen sollen nach dem Verhör spontan Blumen vor dem Gerichtsgebäude niedergelegt haben.