Na, gehört der Islam nun zu Deutschland? Oder nur die Muslime, ohne ihren Islam? Unionsfraktionschef Volker Kauder musste zum Start der diesjährigen Islamkonferenz unbedingt noch mal in der Wunde kratzen, die Innenminister Hans-Peter Friedrich aufgerissen hatte. Aber ganz ehrlich: Wollen wir das wirklich schon wieder diskutieren? Allein daran erkennt man: Die Islamkonferenz hat sich erledigt. Sie ist kein Forum mehr für offene Diskussionen, sondern eines für Misstrauen und Kleinkrämerei. Übrigens auf beiden Seiten – bei den deutschen Politikern und den Vertretern der Muslime.

Sie war aber deshalb nicht sinnlos. Innenminister Wolfgang Schäuble hat sie im Jahr 2006 gegründet, um ins Gespräch zu kommen mit den deutschen Muslimen. Dieses Signal war überfällig. Das Ziel: Menschen in Deutschland sollten gut miteinander leben, einander besser verstehen, unabhängig davon, welchen Glauben sie haben. Thomas de Maizière hat versucht, den Dialog weiterzuführen. 15 Vertreter von Bund, Ländern und Kommunen sowie 15 Muslime – Vertreter der Verbände ebenso wie Einzelpersonen – nahmen teil.

Streit gab es gleich auf der zweiten Konferenz, und der riss auch nicht mehr ab. Diese Rangeleien wurden oft beleidigt und kleinkrämerisch geführt, haben aber durchaus einen Zweck erfüllt. Denn endlich wurde auch der Öffentlichkeit klar, dass es die Muslime mit einer zentralen Vertretung nicht gibt. Konservative Verbände, die auf Kopftücher und getrenntem Sportunterricht für Mädchen und Jungen bestanden, saßen neben liberalen Muslimen und Islamkritikern, die die Verbände – und auch den neu gegründeten Koordinationsrat der Muslime – nicht als ihre Vertreter anerkannten.

Außerdem ist viel passiert infolge der Islamkonferenzen. Ganz Konkretes: In manchen Bundesländern wird Islamunterricht eingeführt. Und eher Hintergründiges: Durch diverse Studien wissen wir mehr über das Leben der Muslime in Deutschland.

Der falsche Ort für Terrorprävention

Aber die Islamkonferenz war immer eine Veranstaltung des Innenministeriums und deshalb auch mit einem zweiten klaren Ziel verknüpft: dem der inneren Sicherheit. Das heißt, Muslime wurden immer gleichzeitig unter dem Terrorverdacht betrachtet. Dieser Zwiespalt der Ziele, innere Sicherheit und offener Dialog, wurde durch die Persönlichkeiten von Schäuble und de Maizière gemildert, die ehrlich den Dialog suchten. Doch seit im Jahr 2010 der neue Innenminister Hans-Peter Friedrich den Vorsitz übernommen hat, hat sich der Tenor geändert. Friedrichs Hauptinteresse wurde neulich wieder deutlich, als er eine Studie zu den Lebenswelten muslimischer Jugendlicher mit reißerischer Überschrift exklusiv der Bild -Zeitung übergab . Ihm geht es vor allem um die Terrorprävention. Dazu braucht er diese Konferenz nicht. Auch nicht, um die Salafisten im Blick zu behalten.

Die Themen der Islamkonferenzen aber sind nicht überflüssig geworden. Aktuell geht es darum, was Gleichberechtigung für muslimische Frauen und Mädchen bedeutet. Aber manche Fragen dazu werden viel zu eng gestellt, wenn sie nur im Rahmen des Islam diskutiert werden. Wenn es beispielsweise darum geht, in welchen Fällen und von wem muslimische Mädchen daran gehindert werden, an Schulausflügen oder am Schwimmunterricht teilzunehmen, dann ist das wahrscheinlich nur am Rande ein Problem des Glaubens.

Das Thema passt besser zum ebenfalls 2006 gegründeten Integrationsgipfel von Angela Merkel oder in die Hände der Spezialisten des Bundesamtes für Migration. Denn dort kann man jenseits der Religion fragen nach Familienstrukturen, nach Erziehungsstilen und Bildung. Auch der Integrationsgipfel wird immer wieder als überflüssig gerügt, unter anderem weil er strittige Themen wie die doppelte Staatsbürgerschaft nicht offen zur Diskussion stellt. Aber er hat zuletzt immerhin einen recht konkreten Aktionsplan veröffentlicht, an dem er gemessen werden kann. Er kann viel konkretere Ziele setzen, auch wenn am Ende die Länder den schwarzen Peter haben, mit ihrem Budget nur Teile davon umsetzen zu können.

Es wäre jedenfalls schön, wenn wir uns im kommenden Jahr nicht schon wieder mit der Frage plagen müssten, ob der Islam denn nun zu Deutschland gehört.