LokaljournalistenLieber nicht über Neonazis schreiben

Lokaljournalisten haben mehr mit Rechtsextremisten zu tun als andere. Doch Angst, Kostendruck oder Desinteresse können gute Berichterstattung verhindern. von 

Ein Medienvertreter wird während einer NPD-Demonstration von Rechtsextremisten angegriffen (Archivbild, 1.5.2008, Hamburg)

Ein Medienvertreter wird während einer NPD-Demonstration von Rechtsextremisten angegriffen (Archivbild, 1.5.2008, Hamburg)  |  © Roland Geisheimer/attenzione

Der Redaktionsleiter meldet sich telefonisch, er will das Treffen nicht in der Redaktion, sondern auf dem Marktplatz von Anklam, direkt nebenan. Nach wenigen Minuten erscheint Jürgen Mladek, Leiter der Regionalausgabe Südvorpommern des Nordkuriers . "Lassen Sie uns ein paar Schritte gehen." Mladek – Jeans, Anglerweste, Dreitagebart – beginnt, über den Rechtsextremismus in seiner Stadt zu reden. Über das Warum. Und über das Ob.

Neue deutsche Nazis

Deutschland hat ein Neonaziproblem. In den vergangenen zwanzig Jahren sind Zonen entstanden, in denen sie faktisch das Sagen haben. Und sie dringen zunehmend in soziale Milieus der Mitte ein, zu denen sie früher kaum Zugang hatten.

Dies ist kein Zufall, sondern Ergebnis einer Strategie. ZEIT ONLINE zeigt in der Serie "Neue deutsche Nazis", wie moderner Rechtsextremismus funktioniert und wo die Grenzen zwischen Demokratie und Rechtsextremismus aufweichen. Wir zeigen, wie jene Angst-Räume entstehen, in denen auch die Zwickauer Terroristen zu ihren brutalen Entschlüssen gelangten.

Die moderne deutsche Neonazi-Szene ist dynamisch, vernetzt, vielfältig und einflussreich. Wir sind sicher: Das Problem Rechtsextremismus wird sich nicht von selbst lösen.

Die Serie

Bisher erschienen:

Neue deutsche Nazis: Wie Rechtsextreme mit Geschick und Geduld neue Milieus und Regionen erobern.

No-Go-Area im Landtag: Wie die NPD das sächsische Parlament nutzt.

Frauensache Volksgemeinschaft: Frauen spielen in der rechtsextremen Szene eine Schlüsselrolle.

Flashmobs gegen die Demokratie: Wie Neonazis neue Medien und linke Symbole nutzen.

Wie Neonazis ihre Gegner bedrohen: Rechtsextreme schüchtern Demokratie-Aktivisten ein – professionell und präzise.

Warum es Neonazis nach Dortmund zieht: Dortmund ist ein Hot-Spot der Szene. Wie kam es dazu?

Spuren der Dortmunder Neonazis: Eine Fotostrecke aus der westdeutschen Rechtsextremismus-Hochburg

Vati ist ein guter Nazi: Die Generation der Nachwende-Neonazis wird zur Elterngeneration.

Spiel nicht mit den Ausländerkindern: Was die rechtsextreme Erziehung bei Kindern anrichtet.

Der Extreme unter den Rechtsextremen: Im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern kämpft NPD-Fraktionschef Pastörs gegen die Verweichlichung seiner Partei.

Lieber nicht über Neonazis schreiben: Warum Angst, Kostendruck oder Desinteresse lokale Berichterstattung verhindern.

Gute Mitte, böse Nazis: Warum es nicht reicht, nur auf die Rechtsextremisten zu schauen.

Kein Kampf gegen Neonazis ohne die Mitte: Eine Bilanz der Rechtsextremismus-Serie

ALS E-BOOK

Die Serie Neue deutsche Nazis gibt es auch als E-Book. Erfahren Sie wie Rechtsextremismus die Mitte der Gesellschaft erobert - in dieser für Ihren eReader hochwertig aufbereiteten Fassung. Unser E-Book steht Ihnen dabei als EPUB-Version für Ihren eReader, sowie als MOBI-Version für Ihr Kindle Lesegerät von Amazon zur Verfügung.

Entdecken Sie auch weitere E-Books von ZEIT ONLINE unter www.zeit.de/ebooks.

Anklam, eine ostvorpommerische Kleinstadt nahe der polnischen Grenze: Marktplatz, Kirche, Rathaus, 13.000 Einwohner, letzte Station vor Usedom . Die Stadt gehört zu einem Biotop für Rechtsextreme, wie es bundesweit nur wenige gibt. Hier können Neonazis eine "nationale Bibliothek" im Stadtzentrum errichten , hier bezeichnet mehr als ein Drittel der Bürger die NPD als eine ganz normale Partei . In Anklam droht kein Neonazi-Umsturz, auch hier gibt es Initiativen und Engagierte gegen den Rechtsextremismus. Doch sie stehen einer äußerst gut organisierten Szene gegenüber.

Anzeige

Er teile den Pessimismus der "hauptamtlichen Demokratievermittler"nicht, sagt Mladek. Es sei nur eine Minderheit, die den Rechtsextremen anhänge. Er schaut sich in der menschenarmen Straße um: "Haben Sie hier irgendwo Neonazis gesehen?", fragt er. Als könnte man die noch am Äußeren erkennen.  

Kleinstädte bedeutend für Neonazis

Journalisten in Kleinstädten haben mehr mit Neonazis zu tun als die meisten anderen. Kleinstädte und Dörfer – besonders in strukturschwachen Regionen – sind die vielleicht entscheidenden Orte der rechtsextremen Bedrohung. Hier, nicht in den Großstädten, versuchen sie zuerst, sich in die gesellschaftliche Mitte einzuschleichen.

Manchmal gelingt es ihnen. In Dessau organisierten Neonazis einen Marsch gegen Gewalt, an dem auch viele Normalbürger teilnahmen . Im Stendaler Ortsteil Insel schlossen sie sich den Protesten gegen zwei ehemalige Sexualstraftäter an und wurden geduldet . Oft stehen dann die Bürgermeister in der Kritik, auch Polizei und Gerichte müssen sich häufig Gleichmut oder Ignoranz vorwerfen lassen. Selten aber fragt jemand nach der Rolle des Lokalblattes, das die Bürger jeden Tag begleitet. Das Maß und Mitte einer Stadt mitdefiniert. Oder auch nicht.

Christian Bangel
Christian Bangel

Christian Bangel ist Chef vom Dienst bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Mehrmals schon waren Lokalzeitungen an rechtsextremen Brennpunkten überfordert. Die Torgauer Zeitung etwa druckte vor Jahren eine NPD-Pressemitteilung unverändert ab . In Magdeburg wussten zunächst nur Augenzeugen von den rechtsextremen Randalen nach dem WM-Halbfinale Deutschland gegen Spanien . Die Lokalausgabe der Mitteldeutschen Zeitung deutete einen Aufmarsch unter rechtsextremer Beteiligung als Demonstration friedlicher Bürger . Nicht messbar ist die Berichterstattung, die deswegen keinen Anstoß erregt, weil sie fehlt.

Anklams Kränkungen

Lokaljournalisten sprechen nicht gern über das Thema. Ein Redakteur, der sonst über Planfeststellungsbeschlüsse oder Haushaltsberatungen im Stadtrat berichtet, ist auch nicht immer Experte für die Pläne einer halbkonspirativen, bundesweit vernetzten Bewegung.

Mladek aber redet. Der westdeutsche Journalist – zuvor war er beim Boulevardblatt Berliner Kurier – spricht viel über das Befinden in der Stadt: Der Verfall seit der Wende sei eine Kränkung für die Anklamer gewesen. Auch das habe den Rechtsextremismus hier möglich gemacht. Eine neue Kränkung wäre es, den Bürgern nun pauschal Sympathie für Neonazis vorzuwerfen.

Das Problem der Provinz

Lokalredakteure haben ein Problem, das andere nicht haben. Sie leben mit den Objekten ihrer Berichterstattung Tür an Tür. Es ist einfach, Angela Merkel wegen ihrer Europapolitik zu kritisieren. Viel komplizierter ist es, den Bürgermeister einer Kleinstadt anzugreifen, weil er zu wenig gegen den Rechtsextremismus tut. Wem vorgeworfen wird, er vergraule Investoren mit Gruselgeschichten, der steht gerade in den Problemzonen des Ostens schnell im Abseits. Oft heißt es dann, er werte die Neonazis mit Berichten auf.

Mladek sagt so etwas nicht. Er sagt: Wir müssen über die rechtsextreme Minderheit berichten, ohne die Mehrheit damit zu nerven. Und: Demokratielehrer zu sein ist nicht unsere Aufgabe.

Der Nestbeschmutzer-Vorwurf gegen Journalisten tauche inzwischen seltener auf als früher, sagt Hubertus Buchstein, Rechtsextremismusexperte an der Uni Greifswald. Ostdeutsche Lokaleliten, Bürgermeister und Unternehmer wehrten sich mittlerweile gegen die NPD. "Viele Honoratioren nehmen den Ernst der Lage inzwischen wahr", sagt auch Benjamin Fischer, der das Thema als Redakteur für die Ostseezeitung begleitet. Er erwähnt auch Anklams Bürgermeister Michael Galander, dessen anfängliches Desinteresse an dem Thema im Amt in Engagement umgeschlagen sei.

Leserkommentare
  1. Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    die Ursache der meisten menschlichen Konflikte und von Hass. Und bringt niemanden auch nur einen Deut weiter.

  2. "Anklam, eine ostvorpommerische Kleinstadt nahe der polnischen Grenze: Marktplatz, Kirche, Rathaus, 13.000 Einwohner, letzte Station vor Usedom. Die Stadt gehört zu einem Biotop für Rechtsextreme, wie es bundesweit nur wenige gibt. Hier können Neonazis eine "nationale Bibliothek" im Stadtzentrum errichten, hier bezeichnet mehr als ein Drittel der Bürger die NPD als eine ganz normale Partei. In Anklam droht kein Neonazi-Umsturz, auch hier gibt es Initiativen und Engagierte gegen den Rechtsextremismus. Doch sie stehen einer äußerst gut organisierten Szene gegenüber.

    Er teile den Pessimismus der "hauptamtlichen Demokratievermittler" nicht, sagt Mladek. Es sei nur eine Minderheit, die den Rechtsextremen anhänge. Er schaut sich in der menschenarmen Straße um: "Haben Sie hier irgendwo Neonazis gesehen?", fragt er."

    Warum können Sie nicht einfach die Realität zur Kenntnis nehmen, die Ihnen Leute vor Ort beschreiben wie Mladek, die das am besten wissen müßten, Herr Bangel? Oder geht es Ihnen gegen den Strich, daß die Wirklichkeit so gar nicht zum Szenario einer rechtsextremen Bedrohung passen will, die Sie gern imaginieren und das zur Rechtfertigung dieses permanenten Ausnahmezustandes namens Kampf-gegen-Rechts herhalten muß?

    "Als könnte man die noch am Äußeren erkennen."

    Verstehe. Die haben sich inzwischen verkappt und hinter der Maske des Normalbürgers getarnt. Natürlich ist gerade das der schlagende Beweis für die besondere Gefährlichkeit der Neonazis in Deutschland.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Redaktion

    Lieber Oback_Barama,

    wissen Sie denn, ob Herr Mladek richtig liegt? Leben Sie in Anklam? Kennen Sie die Stadt?

    Ich habe mich eine Weile mit Ihr beschäftigt. Und dass wissenschaftliche Studien genauso wie der Chefredakteur des Nordkurier das Thema für sehr wichtig halten, hat mich in meinem Eindruck bestärkt.

    Anders herum: Was bringt Sie zu der Ansicht, alle Akteure in diesem Text außer Mladek lägen falsch?

    Bestes,

    Christian Bangel

    ...ein Klick auf den Benutzernamen genügt, um sich einen Überblick über die Gesinnung des Users Oback_Barama zu verschaffen.

    Vielleicht sollte man mal einen Artikel darüber schreiben, wie das braune Pack versucht, die Diskussion online zu beeinflussen...

    "Als könnte man die noch am Äußeren erkennen."
    Genau hier habe ich aufgehört weiterzulesen. Hätten sie auch tun sollen.
    Mittlerweile werden ja sogar Linke als Nazis Diffamiert.^^

    Das ist genau wie vor ein paar Wochen mit, Nazis bringen ihren Kindern kranke ideale bei.
    Zitat: "Einigkeit herrscht fast durchweg darüber, dass Kinder frühzeitig Gehorsam und Pflichtbewusstsein lernen sollen."
    Skandal. Da sollte der Staat einschreiten!!!

    Ich weis das es viele förmlich genießen sich der Angst hinzugeben die solche Artikel erzeugen. Alle Schreinen nach Verbot, Strafen, Entmündigung.
    Das man diesen Leuten so nicht beikommt will keiner hören. Und wenn doch. Ja dann haben sie gewonnen denn in einem Demokratischen Rechtsstaat geht das nicht.

    "Verstehe. Die haben sich inzwischen verkappt und hinter der Maske des Normalbürgers getarnt."

    Nein natürlich nicht. Jedes Kind weiß, dass Neo-Nazis immer Springerstiefel und Bomberjacken tragen, außerdem kahlrasiert sind. Wie die NPD-Leute in den diversen Landtagen zum Beispiel. Da erkennt man doch auf einen Blick, woran man ist, nicht wahr?

    Schön wärs doch, wenn man im echten Leben, wie im Film, die Gesinnung gleich am Äußeren erkennen würde - da könnten wir uns so manche Fehleinschätzung eines Menschen sparen. Würde man Sie als weltfremd bezeichnen, so wäre das noch das positivere Urteil. Aber ich fürchte, die anderen Kommentatoren, die sich diesbezüglich geäußert haben, liegen dichter dran...

    • gorgo
    • 25. April 2012 18:09 Uhr

    User "Oback_Barama" tut sich darin hervor, Rechtsextremismus systematisch zu verharmlosen und Rechtsextremes Gedankengut zu verbreiten - man sehe sich mal seine Beiträge an.

    Warum gibt die Zeit solchen Leuten immer wieder ein Forum?

    Sicher gibt es keine Patentrezepte - aber der Autor des Artikels scheint selbst nicht zu erkennen, mit wem er es hier zu tun hat - so harmlos wie er den "Lieben" Kerl anspricht.

    Warum wird von Seiten der Redaktionen die Forderung aus der Leserschaft nicht aufgegriffen, über die Propagandatricks der Rechten in Ihren (!) Foren zu recherchieren; sie regelmäßig offen zu legen (denn sie werden immer neu "justiert" - je nachdem, wohin die Empörungswellen im Internet gerade schwappen, hängt man sich da ran, selbstredend anonym.
    Es geht auch darum, die journalistischen und Leser- Strategien zur Diskussion zu stellen, mit diesen Leuten umzugehen!

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf haltlose Unterstellungen und Spekulationen. Danke, die Redaktion/au.

    Entfernt, da unsachlich. Danke, die Redaktion/au.

  3. 3. [...]

    Entfernt. Bitte äußern Sie sich sachlich und respektvoll. Danke, die Redaktion/au.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Und wer sind Sie nochmal, jemandem das Recht auf Äußerung einer - durchaus realen, ja nachvollziehbaren - Befindlichkeit abzusprechen?

    Schön für Sie, wenn Sie keine Bedrohung erkennen können. Müssen Sie auch nicht, darf ja jeder die Augen verschliessen, vor was er gerne möchte.
    Und der Geert und die Marie - im übrigen - sind genau das, nämlich Rechtspopulisten. Da können Sie noch so viele Anführungszeichen setzen...

    Die "zu beobachtende Realität" ist, dass eine rechtsterroristische Organisation in ganz Deutschland und über Jahre hinweg praktisch ungestört Morde an Ausländern verüben konnte.

    Darin eine Bedrohung für die freiheitlich-demokratische Grundordnung zu sehen halte ich durchaus für gerechtfertigt, aber vielleicht leben Sie ja in einer anderen Realität.

    Sie bedrohen vielleicht nicht unsere demokratische Ordnung, aber Menschen. Es mögen nicht so viele sein, wie oft glauben gemacht wird, aber es gibt sie. Nicht mehr nur mit Glatze, Bomber und Springern. Die meisten würden und das unterstelle ich Ihnen, SIE garantiert nicht erkennen. Sind Sie schonmal Opfer geworden, von rechtsradikaler Gewalt? Was ist der Unterschied zwischen stolz national, stark konservativ, rechts, rechtsradikal, rechtsextrem? Schmale Grenzen und man sollte sehr sehr vorsichtig sein, sie nicht alle über einen Kamm zu scheren. Aber nochmal zu Ihnen. Wurden Sie schonmal verprügelt, überfallen, Sachen nach Ihnen geworfen, Ihre Familie aufs übelste beschimpft, bespuckt etc.? Sicher nicht, sonst würden Sie nicht permanent leugnen und das Leugnen eines Sachverhaltes und Erfahrungswerte ist der 1. Schritt zur Unterstützung.
    Bei Ihren Kommentaren zu diesem Thema fragt man sich manchmal, ob Sie nicht selbst ...

    Alb ob Angst keine Realität wäre - in diesem Falle sehr berechtigt.

    • an-i
    • 25. April 2012 16:49 Uhr

    um meine Kinder...und das Erschreckende ist, faschistoide Regierungen werden in der EU!!! nicht nur toleriert, sondern neue Staaten mit dieser Gesinnung in die EU auch noch aufgenommen...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • wody
    • 25. April 2012 23:23 Uhr

    Was würden sie tun wenn alles was sie für richtig halten verurteilt wird. Zum Beispiel: Sie mögen keine Weißen Bürger aber Schwarze das genügt schon verfolgt zu werden wegen Diskriminierung angezeigt zu werden. Ein Beispiel wie Absurd das ganze Demokratische Gelüge Blüten treibt. Ich werde es mir nie und nimmer nehmen lassen zu Mohrenköpfen, Mohrenköpfe zu sagen das aber steht im Index der Verbote ebenso Negerküsse ist eine Diskriminierung. Ich könnte ihnen Dutzende beispiele geben, und das ist einer der Gründe das ich kein Nazi bin sondern ein Rechter und so wie es aussieht könnte ich bald ein Nazi werden.

  4. Redaktion

    Lieber Oback_Barama,

    wissen Sie denn, ob Herr Mladek richtig liegt? Leben Sie in Anklam? Kennen Sie die Stadt?

    Ich habe mich eine Weile mit Ihr beschäftigt. Und dass wissenschaftliche Studien genauso wie der Chefredakteur des Nordkurier das Thema für sehr wichtig halten, hat mich in meinem Eindruck bestärkt.

    Anders herum: Was bringt Sie zu der Ansicht, alle Akteure in diesem Text außer Mladek lägen falsch?

    Bestes,

    Christian Bangel

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Christian Bangel:"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "wissen Sie denn, ob Herr Mladek richtig liegt? Leben Sie in Anklam? Kennen Sie die Stadt?"

    Ich lebe in Ostdeutschland und bin dort aufgewachsen (habe nebenbei auch Freunde und Bekannte in der Gegend). Die Situation in Anklam dürfte sich also von der, wie ich sie in meiner Umgebung erlebe, nur graduell unterscheiden. Und deren Augenschein berechtigt in keinster Weise zum Imaginieren einer rechtsextremen Bedrohung. Tut mir leid für Sie, Herr Bangel, auch wenn Sie das gern anders darstellen.

    "Ich habe mich eine Weile mit Ihr beschäftigt."

    Ich habe mich eine ganze Weile damit beschäftigt, von der Sitation vor der Mauer über die Vorgänge während bis hin zu denen nach dem Fall der Mauer. Da dürfen Sie mir einige Kenntnis zubilligen.

    "Und dass wissenschaftliche Studien genauso wie der Chefredakteur des Nordkurier das Thema für sehr wichtig halten, hat mich in meinem Eindruck bestärkt."

    Seit wann ist die Behauptung einer Tatsache gleichbedeutend mit deren Richtigkeit? Wenn die Berichterstatter vor Ort wie auch die Honoratioren der Stadt der Meinung sind, es gabe kein erkennbares Rechtsextremismusproblem, und sie erst von außen aufgefordert werden müssen, eines zu sehen, weil man das dort so wünscht: Was soll ich dann von der Richtigkeit Ihrer Thesen halten? Welche Studien meinen Sie?

    "Anders herum: Was bringt Sie zu der Ansicht, alle Akteure in diesem Text außer Mladek lägen falsch?"

    Fragen Sie die Leute selbst, und bitte nicht nur diejenigen, die Ihrer Meinung sind.

  5. "Auch die Lokalredaktionen hätten dazu gelernt, sagt Fischer. Früher sei im Osten die Ansicht verbreitet gewesen, solange die NPD nicht verboten sei, dürfe man sie nicht ausgrenzen. Inzwischen gingen aber viele Redaktionen offensiver mit den Neonazis um. Der Mecklenburger Journalistenverband hat einen gut besuchten Workshop zum Thema veranstaltet; die Redakteure beginnen, sich auszutauschen. Mladeks Chefredakteur Michael Seidel bezeichnet die Bekämpfung des Rechtsextremismus als Priorität seines Blattes."

    Allerdings erst nach der politisch-ideologischen Schulung in solchen Workshops, vermute ich. Vorher zählte noch die in Deutschland zu beobachtende Realität. Die scheint der Errichtung eines Gesinnungs- und Meinungsterrors allerdings nicht zu genügen. Was werden die Chefredakteure denn tun, wenn in absehbarer Zeit in europäischen Nachbarländern die "Rechtspopulisten" oder gleich "Rechtsextremisten" wie Geert Wilders oder Marie LePen an die Regierung gewählt werden? Geht dann der Kampf gegen diese Länder los?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Suryo
    • 25. April 2012 16:59 Uhr

    "...Gesinnungs- und Meinungsterrors".

    Wie nennen Sie es, wenn Journalisten "Todesurteile" im Briefkasten finden und Nazis in Redaktionsräumen auftauchen?

    Die Gesamtschau Ihrer Kommentare zu diversen Artikeln ergibt eindeutig das Bild eines knallharten Nazisympathisanten.

    okay, dann ist klar woher der Wind weht.

    Was Sie damit sagen wollen, bleibt unverständlich.

    Inwiefern folgt aus der Tatsache, dass ein Journalistenverband einen Workshop über das Thema Umgang mit Rechtsextremisten veranstaltet, die Vermutung einer "politisch-ideologische" Indoktrinierung?

    Ich könnte mir z.B. vorstellen, dass es in diesem Workshop unter anderem um das Thema ging, wie man sich gegen Terror von Rechts wehren und schützen kann, wenn man kritisch über die Szene berichtet. Vor etliche Jahren hatte ich mich mal längere Zeit mit Rechtsextremen im Usenet in einem Politik-Forum auseinandergesetzt und ihre plumpen Propaganda-Versuche bekämpft.

    In der Folge ist es einigen dieser Leute gelungen, meine Adresse und Telefonnummer zu ermitteln, woraufhin ich ziemlich übel bedroht und belästigt wurde.

    Ihre Frage, was passierte, wenn Leute vom Schlage eines Geert Wilders oder einer Marie LePen an die Regierung gewählt würden, dürfte sich allerdings leicht beantworten lassen. Es gibt schließlich geschichtliche Beispiele dafür, was passiert, wenn Populisten bzw. Extremisten die Macht in Händen halten.

    Von daher ist es beruhigend, dass eine solche Wahl auf absehbare Zeit nicht allzu wahrscheinlich sein dürfte.

    Meine Rede!

    Wenn Sie, Herr Barama, es schon für nötig halten, MarieLePen und dergleichen als Rechtsextremisten in Anführungszeichen zu beschreiben, bleibt über Ihre politische Gesinnung leider nichts Gutes mehr zu denken.

    Die Realität besteht darin, dass Journalisten von Neo-Nazis in ihrer Berichterstattung gehemmt werden. Durch Gewalt gegen freie Meinung! Würden diese Journalisten nicht berichten, würde es niemand tun und die anhaltende Gewinnung neuer Mitglieder für die rechtsextreme Szene würde unbeobachtet weitergehen.

    So kann es man ihn natürlich auch umdeuten: das Engagement gegen Demokratiefeindlichkeit als Meinungsterror.

    Zur Einengung an Sie: Nazis sind keine harmlosen Mitbürger oder Spinner, die man einfach ignorieren darf. Sonst brennen bald wieder Asylantenheime und werden Diner ermordet.

    "Meinungsterror". Ich fasse es nicht.

    Wer wegschaut und bagatellisiert, macht sich mitschuldig.

    • huhi
    • 25. April 2012 16:55 Uhr

    Richtig, was der Redakteur hier beschreibt.
    Ähnliches geschieht aber überregional bei der Zeit!
    Zwar nicht aus Angst oder Mangel an Budget, sondern weil nicht geschrieben werden darf, was nicht sein darf!
    ...Man denke an die Meldung von Hartz IV-Bezug von Salafisten gestern. In der Zeit? Pustekuchen.
    Wer lernt endlich mal, dass Blindheit auf beiden Augen nichts nützt! Der Bürger ist aufgeklärter als die Zeit befürchtet!
    Also Mut und nach beiden Seiten die Extremisten offensiv bekämpfen!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Links, Rechts, Islam?

    Ich bin jetzt gerade echt verwirrt, normalerweise wird doch Linker "Terror" immer zu gleicher höher wie Rechter Terror hochgeadelt.

    Oder geht das nicht mehr, seit wir wissen, dass die brennenden Autos in Berlin auf die Kappe eines Bekloppten gehen?^^

    Mensch, bin ich jetzt verwirrt. ;-)

    • Suryo
    • 25. April 2012 16:59 Uhr

    "...Gesinnungs- und Meinungsterrors".

    Wie nennen Sie es, wenn Journalisten "Todesurteile" im Briefkasten finden und Nazis in Redaktionsräumen auftauchen?

    Die Gesamtschau Ihrer Kommentare zu diversen Artikeln ergibt eindeutig das Bild eines knallharten Nazisympathisanten.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Christian Bangel:"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • xpeten
    • 25. April 2012 17:40 Uhr

    Rechtspopulisten in Anführungsstriche gesetzt werden,

    da weiß doch jeder gleich, woher der Wind weht.

    die kennen wir ja nur zu gut :-)

    Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Artikelthema. Danke, die Redaktion/jz

Service