GewaltverbrechenEin 18-Jähriger tötete die Elfjährige aus Emden

Ein junger Mann aus Emden hat gestanden, ein elfjähriges Mädchen getötet zu haben. Ihm droht eine Mordanklage. Die Polizei prüft Verbindungen zu weiteren Straftaten. von afp

Lena Mordfall Emdnen

Am 30. März wurde die Elfjährige in Emden beigesetzt. Sie wurde Opfer eines Gewaltverbrechens.  |  © Carmen Jaspersen/dpa

Der Mord an der Elfjährigen* aus Emden ist aufgeklärt. Am 31. März hatte die Polizei – eine Woche nach der Tat – einen 18-Jährigen festgenommen. Dieser hat jetzt gestanden, das Mädchen getötet zu haben. Außerdem hatte ein DNA-Test den Täter überführt. Der in Emden lebende Mann wollte nach Informationen der Ermittler bereits im November eine Joggerin vergewaltigen.

Das Amtsgericht Emden hat ein Verfahren wegen Mordes gegen den Mann eröffnet. Der 18-Jährige hatte die Elfjährige zunächst sexuell missbraucht und anschließend umgebracht. Er wurde inzwischen ins Gefängnis gebracht. Noch unklar ist, ob dem Volljährigen nach Erwachsenen- oder Jugendstrafrecht der Prozess gemacht wird. Dies liegt im Ermessen der Richter, die beurteilen müssen, ob der Täter zum Zeitpunkt des Verbrechens die Reife eines Erwachsenen hatte oder nicht. Wird er wie ein Jugendlicher eingestuft, drohen ihm maximal zehn Jahre Haft. Gilt er vor Gericht als erwachsen, wäre das Höchststrafmaß eine lebenslängliche Gefängnisstrafe, die jedoch nach 15 Jahren Haft zur Bewährung ausgesetzt werden könnte.

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Staatsanwalt Bernard Südbeck sagte, der Tatverdacht begründe sich nicht nur auf Indizien, "sondern auf klaren, handfesten Beweisen gegen den Tatverdächtigen". Wie der Leiter der Mordkommission Werner Brandt sagte, handelt es sich bei dem Geständnis bisher nur um ein Teilgeständnis. "Das Teilgeständnis bedeutet, dass er uns gegenüber gestanden hat, dass er das Mädchen getötet hat." Bei den Einzelheiten und auch dem vorhergehenden sexuellen Missbrauch berufe er sich aber auf Erinnerungslücken. Deshalb würden die Ermittler vorerst weiterhin keine Angaben zu den genauen Todesumständen des Mädchens machen.

Die Getötete und der Täter kannten sich nicht

Das Mädchen war ein Zufallsopfer, die beiden hätten sich vorher nicht gekannt, sagte Brandt. Der Mann sei in unmittelbarer Nähe eines Parkhauses auf das Mädchen und ihren gleichaltrigen Freund gestoßen. Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand dürfte das Mädchen freiwillig mit dem Verdächtigen in das Parkhaus gegangen sein. Dieser kannte sich laut Brandt dort aus, weil er in dem Parkhaus regelmäßig die Sportart Parkour betrieben habe. Keine Angaben machten die Ermittler dazu, wo sich der Spielkamerad während der Tat befand.

Der Polizei zufolge waren aus der Bevölkerung 300 Hinweise zu dem Fall eingegangen. Darunter seien mehrere Hinweise gewesen, die zu einer Überprüfung und schließlich Festnahme des 18-Jährigen geführt hätten. So hätten zwei Zeuginnen in dem Zeitraum um den Mord den auffälligen Mann in der Nähe des Parkhauses gesehen.

Über die DNA des Täters seien die Ermittler auch auf eine Verbindung zu dem Übergriff auf die Joggerin im November gekommen. Der Mann habe dazu keine Angaben gemacht. "Er sagt, er kann sich an diese Tat nicht erinnern." Die Polizei prüfe nun, ob der 18-Jährige noch für weitere Verbrechen als Täter infrage komme.

Die Leiche war am 24. März in dem Parkhaus in Emden gefunden worden. Bei der Suche nach dem Mörder nahm die Polizei zunächst einen 17-Jährigen fest. Dieser blieb drei Tage in Polizeigewahrsam, bevor seine Unschuld erwiesen war und er freigelassen wurde. Ihm steht eine Entschädigung zu. Er war nach seiner Festnahme Morddrohungen aus der Bevölkerung ausgesetzt.

* Anmerkung der Redaktion: Der Name des Mädchens wurde nachträglich aus der Meldung entfernt .
 

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Leserkommentare
  1. ohne dass sich ein durchgeknallter Pöbel als Hüter von Gesetz und Ordnung aufspielt, um seine ganz eigene Vorstellung von Zivilcourage ausleben (oder austoben) zu können

    22 Leserempfehlungen
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    • bayert
    • 01. April 2012 20:57 Uhr

    wenn der Täter nach Jugendstrafrecht verurteilt wird, verbringt er maximal 5 Jahre in Haft (Höchststrafe wird er nicht erhalten, ein Teil wird zur wegen guter Führung zur Bewährung ausgesetzt). Ich meine, viele Leute sehen diese Strafe als nicht angemessen an. Meiner Meinung müsste man für Mord zwischen 30 und 40 Jahre im Gefängnis verbringen.

  2. diese Bevölkerung und wo ist das Leck bei der ermittelnden Behörde, dass es ihr möglich macht, einen Minderjährigen Verdächtigen eines laufenden Verfahrens zu identifizieren?

    Die Unschuldsvermutung muss in der Schule gelehrt werden. Und zwar richtig. Lynchjustiz und Wutbürgertum liegen sehr nahe beieinander.

    10 Leserempfehlungen
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    ...finden sie in ihrem Portmonee und dieses lässt sich mit ein Paar lila,gelb,grünen Scheinen verkleinern ;-)

    sondern sehr sehr neugierige Nachbarn mit einem Facebook-Account.

    ...

    Emden ist eine relativ kleine Stadt, es fällt auf wenn beim Nachbarn die Polizei vor der Tür steht oder der Kollege in der Schule fehlt. Die Buschtrommeln funktionieren da prima, da brauch es kein Leck oder unfähige Beamte.

    Mit der Unschuldsvermutung haben Sie allerdings sehr Recht.

  3. ...finden sie in ihrem Portmonee und dieses lässt sich mit ein Paar lila,gelb,grünen Scheinen verkleinern ;-)

    Antwort auf "Wer ist"
    • bayert
    • 01. April 2012 20:57 Uhr

    wenn der Täter nach Jugendstrafrecht verurteilt wird, verbringt er maximal 5 Jahre in Haft (Höchststrafe wird er nicht erhalten, ein Teil wird zur wegen guter Führung zur Bewährung ausgesetzt). Ich meine, viele Leute sehen diese Strafe als nicht angemessen an. Meiner Meinung müsste man für Mord zwischen 30 und 40 Jahre im Gefängnis verbringen.

    8 Leserempfehlungen
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    junge Mann wirklich nur 5 Jahre im Gefängnis bleibt? Ich weiß es nicht...

    Man wird abwarten müssen, wie er von Sachverständigen eingeschätzt wird. Es könnte darauf hinauslaufen, dass man ihn als nicht voll zurechnungsfähig ansieht und in die Psychiatrie eingewiesen wird. Bei der Schwere der Tat dürfte er dort deutlich länger als 5 Jahre bleiben...

    ist bei so einem grausamen Verbrechen wirklich ein Schlag ins Gesicht für die Angehörigen.
    Der Täter kommt nach wenigen Jahren frei, aber Eltern und Geschwister sind ihr Leben lang bestraft mit Arbeitsunfähigkeit, psychischen Erkrankungen, zerrütteter Ehe.

    Da gibt es keine vorzeitige Entlassung wegen guter Führung oder auf Bewährung.

    Mord an einem Kind ist auch immer Mord an der Familie.

    k.

    • Heinz_K
    • 10. November 2012 21:34 Uhr

    Unsere Verfassungsrichter haben uns gesagt was das Grundgesetz sagt :Der Mörder soll noch die Möglichkeit bekommen ein lebenswertes Leben zu führen !Das ist bei 40 Jahren nicht möglich - soweit OK !
    Gut ,das es uns gesagt wurde : Im Grundgesetz steht nur : " Die Todesstrafe ist abgeschaft "
    Man hätte auch noch den Zusatz anhängen können : "Die lebenslange Strafe wird in eine zeitlich unbefristete Strafe umgewandelt , die regelmäßig überprüft werden muß ". War aber keine Zeit mehr ...Wiederaufbau und so ?
    "Die lebenslange Strafe läßt wie die Todesstrafe dem Verurteilten keine Hoffnung und ist damit in ihrer Auswirkung der Todestrafe gleichzusetzen.Da die Todestrafe verboten ist , ist also auch die lebenslange Strafe verboten"
    Wie bitte ? Sonst gabs nichts mehr ?
    Mundtodmachen durch schnelles Todmachen ; Verurteilung Unschuldiger ; der Beruf des Henkers usw. alle diese Gründe zählen nicht ?
    Nur die Lebensqualität von echten Verbrechern ?

  4. junge Mann wirklich nur 5 Jahre im Gefängnis bleibt? Ich weiß es nicht...

    Man wird abwarten müssen, wie er von Sachverständigen eingeschätzt wird. Es könnte darauf hinauslaufen, dass man ihn als nicht voll zurechnungsfähig ansieht und in die Psychiatrie eingewiesen wird. Bei der Schwere der Tat dürfte er dort deutlich länger als 5 Jahre bleiben...

    Eine Leserempfehlung
  5. In Stuttgart hat ein 18jähriger Sproß aus einer türkischen Migrantendfamilie einen Abiturienten mit einem Baseballschläger totgeschlagen und danach die Leiche in Teile zersägt, diese einbetoniert und im Nekar versengt. Das war der sog. "Zementmord". Der Typ kam mit 10 Jahren davon. Reifeverzögerung. Ich habe den Eindruck, hier liegt ein Zirkelschluß vor, nach dem Motto: Wer solche Verbrechen begeht, kann ja nicht reif sein. Damit ist die Anwendung des Erwachsenenstrafrechts bis 21 dann de fecto ausgeschlossen.

    Unabhängig davon wird Mord in Relation zu so manchem Vermögensdelikt viel zu schwach bestraft. Wer einen Menschen aus niederen Motiven tötet, müßte mindestens 30 Jahre hinter Gitter verbringen.

    11 Leserempfehlungen
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    • fse69
    • 02. April 2012 9:28 Uhr

    ... welche Relevanz es für Ihre Aussage hat, dass es sich bei Ihrem Beispiel um einen "Sproß einer türkischen Migrantenfamilie" handelte ... Ein sehr durchsichtiger Versuch der Hetze, den Sie hier demonstrieren.

    welche Relevanz es hat, daß der Täter in diesem Fall:

    http://www.stern.de/panor...

    aus einer türkischen Migrantenfamilie stammt?

    Dazu muß ich sagen: Die Herkunft und das Milieu der Täter wird von der Kriminalstatistik durchaus mit erfaßt. So war es auch in diesem Fall Teil der Pressemitteilung der Polizei. Es kann in vielen, auch soziologischen Kontexten relevant sein.
    Speziell in diesem Fall scheint mir durch die krankhafte Eifersucht und die Brutalität des Vorgehens eine Ähnlichkeit zu den sog. Ehrenmorden gegeben, die durch kulturelle Hintergründe zumindest mitbedingt ist.

  6. 7. [...]

    Entfernt. Bitte verfassen Sie sachliche Kommentare. Danke, die Redaktion/au.

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    • WABler
    • 01. April 2012 22:27 Uhr

    Entfernt. Bitte äußern Sie sich sachlich und respektvoll. Danke, die Redaktion/au.

  7. ist bei so einem grausamen Verbrechen wirklich ein Schlag ins Gesicht für die Angehörigen.
    Der Täter kommt nach wenigen Jahren frei, aber Eltern und Geschwister sind ihr Leben lang bestraft mit Arbeitsunfähigkeit, psychischen Erkrankungen, zerrütteter Ehe.

    Da gibt es keine vorzeitige Entlassung wegen guter Führung oder auf Bewährung.

    Mord an einem Kind ist auch immer Mord an der Familie.

    k.

    10 Leserempfehlungen
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    • Pjotr_
    • 01. April 2012 22:56 Uhr

    Was Sie schreiben mag alles stimmen. Die Frage ist aber; haben die Dinge, die Sie beschreiben, strafrechtliche Relevanz bzw. sollten sie diese haben? Sollten die sozialen Netzwerke des Opfers bei der strafrechtlichen Bewertung eines Mordes eine Rolle spielen. Ist ein Mord schwerwiegender, wenn das Opfer Familie oder andere enge soziale Bindungen hat? War das Leben des Einzelgängers, der keine trauernden Angehörigen hat, weniger wert? Ich denke nicht! Für mich war es immer ein Grundpfeiler des modernen Rechtsstaates, dass das Leben jedes Staatsbürgers als gleichwertig betrachtet wird. Ich muss auch gestehen, dass ich unter Ausblendung der emotionalen Faktoren nie eine generelle rationale Rechtfertigung für die strafrechtliche Sonderbehandlung des Mordes an Minderjährigen gefunden habe.

    • fse69
    • 02. April 2012 9:35 Uhr

    "...ist bei so einem grausamen Verbrechen wirklich ein Schlag ins Gesicht für die Angehörigen.
    Der Täter kommt nach wenigen Jahren frei, aber Eltern und Geschwister sind ihr Leben lang bestraft mit Arbeitsunfähigkeit, psychischen Erkrankungen, zerrütteter Ehe...."

    ... nicht, wenn ein Täter nach Erwachsenenstrafrecht abgeurteilt wird? Sehe da irgendwie keinen Zusammenhang. Ich würde vorschlagen, der Mob hält sich jetzt einfach mal ein wenig zurück und lässt die Justiz unvoreingenommen ihre Arbeit machen. Ob Jugendstrafrecht oder nicht hängt hier von der individuellen Konstitution des Anzuklagenden ab - weder von der Grausamkeit des Verbrechens, noch vom öffentlichen, medialen oder gar politischem Druck.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP
  • Schlagworte Bevölkerung | DNA | Entschädigung | Jugendstrafrecht | Missbrauch | Mord
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