In Oslo hat der Prozess gegen den mutmaßlichen Massenmörder Anders Behring Breivik begonnen. Er hatte gestanden , im vergangenen Juli einen Bombenanschlag im Osloer Regierungsviertel und danach ein Massaker in einem Jugendlager der Arbeiterpartei verübt zu haben. Dabei wurden 77 Menschen getötet, die meisten von ihnen Jugendliche. Das Medieninteresse an dem Prozess ist riesig: Etwa 800 Journalisten werden vor Ort erwartet.

Der 33-jährige Rechtsextremist nutzte seinen ersten Auftritt vor Gericht für symbolische Provokationen: Er streckte zum Gruß seinen rechten Arm mit geballter Faust und sagte später, er erkenne das norwegische Gericht und das Recht nicht an. Die norwegische Justiz hätte ihr Mandat von Parteien erhalten, die den Multikulturalismus förderten.

Nach der Verlesung aller Opfernamen plädierte Breivik trotz seines Geständnisses auf nicht schuldig. "Ich gebe die Taten zu, bekenne mich aber nicht strafschuldig", sagte der 33-Jährige. Er habe in Notwehr gehandelt.

"Phase der Propaganda"

Als die Richterin bei seiner Vorstellung sagte, er sei arbeitslos, korrigierte er dies mit den Worten, er sei Schriftsteller. Er schreibe im Gefängnis an einem neuen Werk. Breiviks Anwalt kündigte an, sein Mandant werde vor Gericht bedauern, "nicht weiter gegangen zu sein".

Es wird erwartet, dass Breivik die Verhandlung als Plattform nutzen wird, um seine ausländerfeindliche Ideologie zu verbreiten. In einem 1.500-seitigen Manifest im Internet hatte er geschrieben, dass mit einer Festnahme die "Phase der Propaganda" beginne.

Schuldfähigkeit entscheidende Frage

Dem Gericht liegen zwei unterschiedliche psychiatrische Gutachten vor: In einem wird der Attentäter als psychisch krank beschrieben, das andere bescheinigt ihm volle Zurechnungsfähigkeit . Endgültig über Breiviks Geisteszustand entscheiden muss die aus fünf Richtern bestehende Strafkammer. Sollten die Richter Breivik für zurechnungsfähig halten, muss er bei einem Schuldspruch mit 21 Jahren Haft rechnen. Bei einer Einstufung als geistig krank droht ihm eine dauerhafte Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie.

Zu Beginn des Verfahrens trug die Anklagevertreterin die Namen der Opfer der beiden Attentate vor. Staatsanwältin Inga Bejer Engh beschrieb dabei in allen Einzelheiten, wie die Menschen beim Bombenanschlag im Regierungsviertel von Oslo starben und wie die Jugendlichen auf der Ferieninsel Utøya erschossen wurden.

Das Urteil wird im Juli erwartet, also ungefähr ein Jahr nach der Tat vom 22. Juli 2011. Das Gericht will rund 150 Zeugen hören. Als Nebenkläger treten etwa 770 Überlebende und Hinterbliebene auf.