Osloer Gerichtsaal im Prozess gegen den norwegischen Attentäter Breivik © Fabrizio Bensch/Reuters

Der als Massenmörder angeklagte Anders Behring Breivik hat vor Gericht das radikalislamische Terrornetzwerk Al-Qaida als Vorbild gelobt. Von der Vorgehensweise der Islamisten könnten militante Nationalisten in Europa "viel lernen", sagte Breivik. Er bewundere deren Glauben an das Märtyrertum.

Am zweiten Prozesstag in Oslo verlas der Angeklagte eine Erklärung, in der er sich auch auf die Zwickauer Terrorzelle NSU in Deutschland bezog. Er behauptete, dass Gegner von Einwanderung und Multikulturalismus sich nicht frei äußern könnten. "Es sind diese Ungerechtigkeiten, die mich, den Lasermann in Schweden und die NSU in Deutschland schafften."

Der als "Lasermann" bekanntgewordene Schwede John Ausonius hatte von 1991 bis 1992 mit einer Schusswaffe Jagd auf dunkelhäutige Opfer gemacht. Er wurde wegen Mordes und neun Mordversuchen zu lebenslanger Haft verurteilt. In Deutschland war im vergangenen Jahr eine beispiellose Mordserie der Terroristen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) aufgedeckt worden.

Angehörige der Opfer beschwerten sich über den langen Vortrag und forderten den Angeklagten über ihre Anwälte auf, seine Stellungnahme abzukürzen. Breivik las mit ruhiger Stimme eine auf 13 Seiten vorbereitete Rede vor.

Gericht erklärt Schöffen für befangen

Zuvor war der Prozess kurz unterbrochen worden, um über die Befangenheit eines Schöffen zu beraten. Ein Laienrichter hatte zugegeben, einen Artikel der Zeitung VG im sozialen Netzwerk Facebook mit den Worten kommentiert zu haben: "Die Todesstrafe ist das einzig Gerechte in diesem Fall!" Das Gericht erklärte den Schöffen daraufhin für befangen. Die öffentliche Reaktion könne "das Vertrauen in ihn als Richter schwächen", sagte Richterin Wenche Elizabeth Arntzen. Ein Ersatzmann nahm die Stelle des Schöffen ein.

Das Gericht hatte bereits vor dem Prozess zwei der fünf berufenen Laienrichter ausgeschlossen. Ein Mann wurde für befangen erklärt, weil sein Sohn Mitglied der sozialdemokratischen Jugend AUF ist. Diese Jugendorganisation der norwegischen Arbeiterpartei war eines der Hauptziele von Breiviks Attentaten.

"Raffiniertester und spektakulärster Angriff"

In seiner Erklärung brüstete sich Breivik erneut mit den Anschlägen. "Ich habe den raffiniertesten und spektakulärsten politischen Angriff in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg unternommen." Er würde seine Anschläge im Regierungsviertel der norwegischen Hauptstadt und auf der Insel Utøya wiederholen. Bei den Angriffen waren insgesamt 77 Menschen ums Leben gekommen.

Seine Anschläge begründete Breivik damit, dass es in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg keine wahre Demokratie mehr gegeben habe. Da eine friedliche Revolution nicht möglich sei, sei Gewalt die einzige Option.

Bei den Opfern auf Utøya habe es sich nicht um "unschuldige Kinder" gehandelt. Dort waren 69 Teilnehmer eines Ferienlagers der regierenden Arbeiterpartei getötet worden. Breivik macht die Partei für die seiner Ansicht nach voranschreitende Islamisierung Norwegens mitverantwortlich.

Es sei für ihn die "größte Ehre", sein Leben im Gefängnis zu verbringen oder für sein Volk zu sterben, hieß es in der Erklärung weiter. Daraufhin unterbrach ein Richter seine Rede und forderte ihn auf, diese abzukürzen. Bevor er die Erklärung verlas, hatte Breivik gesagt, er habe angesichts der Opfer seine Rhetorik abgeschwächt.

Keine Fernsehübertragung vom Prozess

Für die Anhörung Breiviks sind insgesamt fünfeinhalb Tage angesetzt. Es wird befürchtet, dass er das Verfahren nutzt, um seine islamfeindliche Ideologie zu verbreiten. Anders als der Prozessauftakt am Montag werden seine Aussagen jedoch nicht im Fernsehen übertragen.

Breivik bekannte sich bereits zu den Anschlägen , sieht in ihnen aber kein strafrechtlich zu verfolgendes Delikt, da er wegen der aus seiner Sicht drohenden Islamisierung Norwegens aus "Notwehr" gehandelt haben will. Er plädierte auf nicht schuldig.

Zentrale Frage in dem Prozess ist, ob das Gericht ihm Schuldfähigkeit attestiert. Bei einem Schuldspruch drohen ihm bis zu 21 Jahre Haft. Andernfalls könnte der Mann lebenslang in der Psychiatrie untergebracht werden.