Nubbek-Studie : Jeder zweite Kindergarten bekommt die Note "unzureichend"

Die Qualität frühkindlicher Bildung ist in deutschen Betreuungseinrichtungen überwiegend mittelmäßig bis schlecht. Dennoch bescheinigt eine Studie den Nutzen von Kitas.

Die pädagogische Qualität in deutschen Kindergärten ist zum größten Teil nur mittelmäßig. Dieses Fazit zieht der Zwischenbericht der ersten "Nationalen Untersuchung zur Bildung, Betreuung und Erziehung in der frühen Kindheit" ( NUBBEK ). Innerhalb jeder Betreuungsform – ob Krippe, Kita, Kindergarten oder Tagesmütter – klaffen erhebliche Qualitätsunterschiede. Nach wie vor schneiden ostdeutsche Einrichtungen dabei im Durchschnitt schlechter ab als westdeutsche. Vor allem für Betreuungseinrichtungen mit hohem Migrantenanteil fordern die Autoren der Studie mehr und besser ausgebildetes Personal.

Analysiert wurden in erster Linie frühkindliche Bildungsangebote, Gruppengröße, Zuwendung durch die Erzieher sowie Zufriedenheit von Kindern, Personal und Eltern. Zwei Jahren lang untersuchten die NUBBEK-Autoren 600 Betreuungseinrichtungen in acht Bundesländern. Dabei beobachteten die Forscher rund 2.000 zwei- und vierjährige Kinder sowie ihre Familien. Sie machten auch Tests und mehrstündige Interviews mit dem Personal.

Bei einem gezielt auf die Bildungsbereiche Lesen, Mathematik, Naturwissenschaft und interkulturelles Lernen ausgerichteten Qualitätstest schnitt jede zweite Betreuungseinrichtung "unzureichend" ab. In der Gesamtwertung erreichten 80 Prozent der Betreuungseinrichtungen auf einer pädagogischen Qualitätsskala mittlere Werte. Gute Qualität bescheinigten die Forscher weniger als zehn Prozent der Einrichtungen, schlechte Qualität hingegen mehr als zehn Prozent.

Kaum Fortschritte seit 1997

Bei einem frühen Eintritt zweijähriger Kinder in Betreuungseinrichtungen stellten Mütter und Erzieher nach einer Weile eine bessere Entwicklung des Kommunikationsverhaltens fest. Die Mütter bescheinigten ihren Kindern zugleich bessere Alltagsfertigkeiten. Die Autoren der Studie ziehen daraus den Schluss, dass der quantitative Ausbau der Kinderbetreuung durch intensivere Anstrengungen zur Verbesserung der pädagogischen Qualität begleitet werden muss. Ein Vergleich mit früheren Untersuchungen zeige, dass sich in den vergangenen 15 Jahren in dieser Beziehung nicht viel getan habe.

Die NUBBEK-Studie wurde vom Bundesfamilienministerium , der Jacobs Foundation und der Robert Bosch Stiftung gefördert, ebenso von den Bundesländern Bayern , Brandenburg , Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen . Der komplette Forschungsbericht erscheint im Herbst 2012.
 

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Kommentare

36 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

Aussagekräftig

wäre nur ein Vergleich von Kindern, die die Krippe besuchen, und solchen, die zu Hause betreut werden. Dass man bei Kindern eine Entwicklung des Kommunikationsverhaltens und eine Zunahme an Fertigkeiten feststellt, ist altersgemäß - und sagt also noch nichts über die Vorzüge von Krippenbetreuung statt. Ärgerlich an der ganzen Diskussion ist, dass häufig die defizitäre Familie und die hervorragende Krippe verglichen werden, als gäbe es nur solche Krippen. Entscheidend für die Entwicklung des Kommunikationsverhaltens ist die Frage, wie viel Zuwendung und Ansprache ein Kind hat - und das kann bei ein bis zwei Kindern zu Hause deutlich mehr sein als in einer Gruppe mit sieben Kindern.

IDEOLOGIE

Wann endlich führen wir die Diskussion darüber, WELCHE Erziehungsweise gut ist? Dass Krippen gebraucht werden, weil viele Eltern sie brauchen und es auch Kinder gibt, für die Krippen besser sind als ein desaströses Elternhaus, ist doch eh klar. Der fünftausendste Beweis hilft uns da auch nicht weiter (und wie der Vorredner schon gesagt hat: das sich Kinder auch in Krippen entwickeln ist doch fast schon beleidigend selbstverständlich. Demnächst wird uns bewiesen, dass sie auch in Krippen atmen können.)

Wir brauchen eine Diskussion darüber, WAS Krippen gut und was sie schlecht macht. Welche Anforderungen sind an sie zu stellen? Wie soll Betreuungs- und Erziehungsarbeit in ihnen KONKRET aussehen?

Der ewige Hinweis auf die Berechtigung ihres Daseins blockt diese Debatte auf fast schon hinterhältige Weise ab. Manchmal habe ich schon den Verdacht, das kommt von Leuten, die grundsätzlich GEGEN Krippen sind und mit ihrem ewig monotonen Einerlei dass Thema Krippen grundsätzlich madig machen wollen.

Richtig, Krippen schaden Kleinkindern, je nach Qualität

etwa 50 bis 90% der Kinder. Und krippen verschlingen zudem hohe Steuerszbventionen, die bei den Eltern besser aufgehoben wären, zumindest bei der großen Mehrheit. Wenn man also dem Steuerzahler das Geld mit vollen Händen zuerst aus der Tasche zieht, auch den vielen Eltern mit Kindern, sollte man es ihnen wenigstens auch wieder zurückgeben und sie entscheiden lassen, ob sie mit den monatlichen 1000€ einen staatlichen, schlechten bis mittelmäßigen Krippenplatz oder für 500€ eine meist bessere Tagesmutter bezahlen oder eben für dieses Geld das Kind, sofern sie dazu in der Lage sind, evt. nach einer entsprechenden Elternschulung selbst betreuen wollen. Das wäre Wahlfreiheit und zudem noch preiswerter für den Staat, weil dann bei der Mehrzahl der Kinder die für die Gesellschaft extrem teuren Krippenspätfolgen vermieden werden würden. In Schweden werden diese Spätfolgen mittlerweile offen artikuliert, wie z.B. die Ärztin und Neurobiologin Prof. A. Dahlström (Uni Göteborg) in Göteborgs Posten:

"Das erste Mal in der Geschichte der Menschheit müssen wir fast alle Erkenntnisse im Bezug auf Kinder auf die Müllkippe der Geschichte werfen. Vielen Kindern geht es heutzutage richtig schlecht...Ein Kind, das herzzerreißend weint, wenn es in der Kinderkrippe abgeliefert wird, fühlt sich ausgeliefert...." Es handelt sich hierbei um Kindesmißhandlung, teilweise viel schlimmer als der zu Recht verpönte kleine Klaps auf den Hintern, um den so viel Aufhebens gemacht wurde.

Beim Thema schauderts mir langsam....

langsam wird mir das mit dem Thema Demographie der Deutschen auch immer klarer.

Sätze und Wörter unter Frauen wie "als Mutter nicht bereit","schrecklich", "unreif", "die Erzieherin hätte das Kind gleich nach der Geburt haben können" habe ich schon mehrmals gehört.

Mein 37 jähiger verheirateter kinderloser (Gutverdiener) Kollege findet die Idee des Betreuungsgelds auch schrecklich. Der Staat kann das doch alles besser und die Bayern sind sowieso d....

Feministinnen haben meist keine Kinder ob wohl das doch das weiblichste überhaupt ist.

Dabei muss man schon fragen ob man Kinder nur noch für den Staat und Frauen als Arbeitstiere statt als Mütter haben möchte.

Wir leben in krankhaften Zeiten.

Wieso sollten Feministinnen keine Kinder haben?

Ich selbst habe Kinder und würde mich als Feministin bezeichnen und kenne diverse aus dem In- und Ausland, die ebenfalls Feministinnen mit Kindern sind. Darin steckt keinerlei Widerspruch.

Und zu den Kindergärten: meine Kinder waren in Kitas, die tatsächlich kaum Bildung vermittelten. Interkulturell waren sie schon aktiv, allein weil es internationale Kindergärten mit Kindern aus vielen Ländern der Erde waren. Bildung allerdings habe ich auch nicht erwartet. Aber vielleicht ist es bereits Bildung, wenn dort gesungen, Feste gefeiert, gegärtnert und geschwommen wird. Ich kenne diese Studie nicht, habe aber mit den Kitas und meinen Kindern darin beste Erfahrungen gemacht.

Bildung?

"Bei einem gezielt auf die Bildungsbereiche Lesen, Mathematik, Naturwissenschaft und interkulturelles Lernen ausgerichteten Qualitätstest schnitt jede zweite Betreuungseinrichtung "unzureichend" ab. "

Tja, was soll man sagen. Schon blöd, wenn der 2-jährige Max noch nicht gescheit lesen kann und die 3-jährige Lena immer noch keine Infinitesimalrechnung drauf hat. Da muss dann wohl ein Privatlehrer her, der dieses katastrophale Defizit ausgleicht. Ansonsten überholt uns der Chines' und wir wollen doch alle unseren Wohlstand behalten, nicht wahr?

Ich finde das so unfassbar lächerlich, wie Kitas mehr und mehr danach bewertet werden, ob sie den Kindern "auch ornt'lich was beibringen" anstatt danach, ob liebevoll mit den Kindern umgegangen wird, diese schön spielen und ihre Kindheit genießen können.

Wer von den heutigen Eltern ist denn während seiner Kitazeit (oder auch zu Hause im Kleinkindalter) naturwissenschaftlich gefördert worden? Eben! Also, warum fordert er/sie das dann für die eigenen Kinder.

Eine glückliche Kindheit sollen Kinder haben, keine produktive. Wenigstens die paar Jahre sollte man den kleinen Menschen lassen, produktiv (meist für andere) kann man dann noch sein ganzes Leben lang sein.