Murdoch-MedienSender Sky News gibt E-Mail-Hacking zu

Journalisten des Senders Sky News haben heimlich Mails von Straftatverdächtigen gelesen. Der Sender argumentiert, das Hacking sei "im öffentlichen Interesse" gewesen. von afp und dpa

Das Studio von Sky News Arabia in Abu Dhabi

Das Studio von Sky News Arabia in Abu Dhabi  |  © Jumana El Heloueh/Reuters

Der zum Medienkonzern von Rupert Murdoch gehörende britische Sender Sky News hat sich Zugang zu den E-Mail-Konten von mutmaßlichen Kriminellen verschafft. Der Sender habe in zwei Fällen Journalisten autorisiert, die elektronische Post von Straftat-Verdächtigen zu lesen, teilte Sky News mit.

In einer Stellungname teilte der Sender mit , Sky News sei sich über die Spannungen, die sich zwischen Justiz und investigativem Journalismus ergeben, bewusst. "Wir stehen zu unserem Handeln und sind der Ansicht, es war journalistisch gerechtfertigt und im Interesse der Öffentlichkeit." Die Ergebnisse der Hacking-Aktion habe der Sender der Polizei weitergegeben.

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Das Hacken von E-Mails ist in Großbritannien nach dem Gesetz zum Umgang mit Computern illegal. Die zuständige Polizei teilte nach Angaben des Nachrichtensenders BBC mit, man untersuche den Fall.

Murdoch steht nach dem Medienskandal um seine ehemalige Zeitung News of the World sowie um das Boulevardblatt Sun in scharfer Kritik. Die News of the World war vergangenen Sommer eingestellt worden, nachdem bekanntgeworden war, dass dort mit illegalen Recherchemethoden gearbeitet wurde. Unter anderem waren Handy-Anrufbeantworter von Straftat-Opfern angezapft worden. Reporter der Sun sollen Polizisten bestochen haben . In Großbritannien arbeitet derzeit eine Kommission an einem neuen Pressekodex.

Rupert Murdochs Sohn James hatte am Mittwoch seinen Rücktritt als Chef des Verwaltungsrats beim Fernsehkonzern BSkyB bekanntgegeben. Zuvor hatte er sich bereits aus der Verlagsgruppe News International zurückgezogen.

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Leserkommentare
  1. Wir stehen zu unserem Handeln und sind der Ansicht, es war journalistisch gerechtfertigt und im Interesse der Öffentlichkeit.

    Tse tse, da könnte doch die englische Regierung das doch auch machen, ist ja schließlich im Interesse der Öffentlichkeit. Gesetze, quatsch, was soll das denn.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    wichtigen Teil der Staatsgewalt privatisieren lassen?

    Irgendwas Exekutives wenn ich mich recht entsinne.

    Von daher handelt es sich durchaus um ein großzügiges Vorgreifen, eine Vorreiterrolle.

    Da bin ich mir wirklich nicht so sicher, ob die Kritik erst bei dem Sender ansetzen sollte, oder nicht vielleicht schon an anderer Stelle.

    Wir haben eh keine Zeit über der Briten 4. Staatsgewalt zu reden, unsere stinkt doch mehr als ausreichend.

  2. 2. Oh man

    Die sind doch alle nicht zu retten hab ich den Eindruck. Erstmal geht die das gar nichts an selbst wenn es Kriminelle sind und selbst wenn es Kriminelle sind ist/sind Post/Mails Tabu und dürfen nur im gesetzlichen Rahmen der Strafverfolgung eingesehen werden.

  3. "Der Sender habe in zwei Fällen Journalisten autorisiert, die elektronische Post von Straftat-Verdächtigen zu lesen, teilte Sky News mit." - "habe...autorisiert", ist diese Formulierung tatsächlich so gefallen oder übersetzungsbedingt? Am Ende autorisiert mich meine Mami noch, Sky News zu schließen!

    Eine Leserempfehlung
  4. wichtigen Teil der Staatsgewalt privatisieren lassen?

    Irgendwas Exekutives wenn ich mich recht entsinne.

    Von daher handelt es sich durchaus um ein großzügiges Vorgreifen, eine Vorreiterrolle.

    Da bin ich mir wirklich nicht so sicher, ob die Kritik erst bei dem Sender ansetzen sollte, oder nicht vielleicht schon an anderer Stelle.

    Wir haben eh keine Zeit über der Briten 4. Staatsgewalt zu reden, unsere stinkt doch mehr als ausreichend.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Seicht argumentiert"
  5. Erstaunlich, was alles unter das öffentliche Interesse fallen soll. Sogar das illegale Beschaffen von privaten E-Mails anderer Leute durch Journalisten.

    Da wird das "öffentliche Interesse" mehr als überstrapaziert.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa
  • Schlagworte Rupert Murdoch | BBC | Chef | Computer | Journalismus | Justiz
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