Demonstranten protestieren gegen die islamistische tunesische Partei Ennahda. © Zohra Bensemra / Reuters

Zwei junge Männer sind in Tunesien zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt worden, weil sie den Propheten Mohammed karikiert hatten. Die Zeichnungen veröffentlichten sie auf Facebook. Sie seien wegen eines Angriffs auf die Moral, Verunglimpfung und Störung der öffentlichen Ruhe schuldig gesprochen worden, hieß es aus dem Justizministerium.

Ein Sprecher des Justizministeriums bestätigte das Urteil, das zunächst auf Webseiten und in Blogs publik geworden war. Der Schuldspruch gegen Ghazi Béji und Jabeur Mejri aus der Küstenstadt Mahdia erging demnach bereits am 28. März. Während Béji nach der Einreichung der Klage nach eigenen Angaben noch nach Europa fliehen konnte, sitzt sein Freund Mejri seit Anfang März in Haft. Beide Männer wurden laut einem Medienbericht auch zu einer Geldstrafe verurteilt.

Auf den Zeichnungen von Béji und Mejri war der Prophet Mohammed "nackt" zu sehen. Zudem sollen die beiden tunesische Persönlichkeiten diffamiert haben. Die Menschenrechtsaktivistin Bochra Bel Haj Hmida kritisierte den Richterspruch als "viel zu hart". Die beiden Männer hätten sich auf Facebook "geschützt" gefühlt, sagte sie.

Seit in Tunesien nach dem Sturz des früheren Staatschefs Zine El Abidine Ben Ali Islamisten an die Macht gekommen sind, häufen sich Prozesse wegen angeblicher Verletzungen von Moral und Werten. Erstmals fiel eine Bestrafung nun aber derart hart aus. Weltweit für Schlagzeilen hatte im Februar das Vorgehen gegen den Geschäftsführer einer Zeitung gesorgt, die ein Aktfoto des deutschen Models Lena Gercke und ihres Freundes, dem Fußballnationalspieler Sami Khedira, veröffentlicht hatte.