GesundheitssystemEmpörung über "Fangprämien" von Ärzten

Einer Studie zufolge soll fast jede vierte Klinik Prämien für Patienten bezahlen. Die Bundesärztekammer bezweifelt die Zahlen, Politiker sprechen von Mafia-Verhältnissen. von dpa

Viele Ärzte sollen gesonderte Honorare dafür bekommen, dass sie ihre Patienten an bestimmte Kliniken überweisen. Das berichtet bild.de unter Berufung auf eine repräsentative Studie der Universität Halle-Wittenberg , für die im Auftrag des GKV-Spitzenverbandes mehr als 1.100 niedergelassene Fachärzte, stationäre Einrichtungen und nichtärztliche Leistungserbringer befragt wurden.

Danach soll fast jede vierte Klinik (24 Prozent) sogenannte Fangprämien für Patienten zahlen, heißt es in dem Bericht. Fast die Hälfte (46 Prozent) der nichtärztlichen Leistungserbringer wie Sanitätshäuser, Hörgeräte-Akustiker oder Orthopädie-Schuhmacher hätten zugegeben, schon Vorteile wie Geld, Kostenübernahme von Tagungen oder Sachleistungen erhalten zu haben.

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Dem Bericht zufolge gab knapp ein Fünftel (19 Prozent) der befragten Ärzte zudem an, das Verbot, sich an der Zuweisung von Patienten zu bereichern oder dafür Vorteile zu gewähren, nicht zu kennen. 40 Prozent hätten erklärt, dies nur als Handlungsempfehlung zu verstehen. Ein Großteil der Befragten halte das Risiko, entdeckt zu werden, auch für gering: 52 Prozent der Ärzte und 53 Prozent der nichtärztlichen Leistungserbringer hätten eingeräumt, sie seien sich mangelnder Kontrolle und der geringen Gefahr von Sanktionen bewusst.

SPD-Experte fordert Minister zum Handeln auf

Bundesärztekammer-Präsident Frank Ulrich Montgomery warf den Autoren der Studie Stimmungsmache gegen Mediziner vor. Gegenüber NDR Info zweifelte er die Zahlen der Untersuchung an: Sollten sie stimmen, müsste es bei der Ärztekammer und den Staatsanwaltschaften viel mehr Anzeigen geben, sagte Montgomery. Er rief dazu auf, die entsprechenden Vergehen auch tatsächlich anzuzeigen.

Aus der Politik gab es empörte Reaktionen. "Fangprämien sind illegal", sagte CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn bild.de . "Jeder einzelne Fall ist völlig inakzeptabel." Der SPD-Politiker Karl Lauterbach forderte Gesundheitsminister Daniel Bahr ( FDP ) zum Eingreifen auf. "Das sind Mafia-Verhältnisse, die einen Riesen-Schaden verursachen, vor allem für Patienten, die so in Behandlungen kommen, die für sie nicht optimal sind", sagte er. Die SPD will seinen Angaben zufolge durchsetzen, dass Ärzte in solchen Fällen künftig strafrechtlich wegen Bestechlichkeit belangt werden können.

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    • Quelle Zeit ONLINE, dpa
    • Schlagworte FDP | Frank Ulrich Montgomery | NDR | SPD | Bundesärztekammer | Gesundheitssystem
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