BlockupyDie Frankfurter Angst vor den Bankenkritikern

Sommerfest statt Randale bei der Abschlussdemo: Die Blockupy-Aktivisten haben Frankfurt nicht lahmgelegt, das hat die Stadt selbst erledigt. von 

Demonstranten und Polizisten in Frankfurt am Main

Demonstranten und Polizisten in Frankfurt am Main  |  © Boris Roessler/dpa

Die Hochsicherheitszone Frankfurt, sie beginnt an diesem Samstag für Besucher schon am Hauptbahnhof. Ein Spalier dick gepanzerter Polizisten verengt den Haupteingang des Gebäudes vormittags zu einer schmalen Gasse, die Reisenden stauen sich auf beiden Seiten.

Ab und zu greifen die Beamten ein paar schwarz gekleidete oder ihnen sonst wie verdächtige Personen heraus. Es ist heute, am Tag der Großdemonstration in Frankfurt, wie so oft in den letzten Tagen: Nicht vermeintlich gewaltbereite Aktivisten von Blockupy blockieren die Stadt, sondern die Vertreter der Staatsgewalt selbst.

Anzeige

Aus Angst vor Ausschreitungen durch gewaltbereite Linksradikale hatte die Stadt die Dutzenden geplanten Veranstaltungen an den Tagen von Mittwoch bis Samstag gleich komplett verboten und die Frankfurter Innenstadt ihrerseits zur Sperrzone gemacht, aus Sicherheitsgründen. Nur diese Abschlussdemo hat sie erlaubt.

Linke Randale gab es kaum

Nimmt man ihren Ablauf als Maßstab, erscheint die rigorose Linie der Stadt unverständlich: Denn auch mit ein paar mehr erlaubten Veranstaltungen, mit weniger Sicherheitszonen und aufmarschierten Hundertschaften, wären die Blockupy-Tage wohl kaum ein Gewaltexzess geworden, hätten die Aktivisten das Bankenviertel nicht zum Schlachtfeld gemacht. Linke Randale gab es an diesem Samstag kaum.

Stattdessen: mehr als 20.000 Demonstranten, die über vier Stunden lang das Sommerwetter genossen, Fahnen schwenkten, haufenweise Flugblätter verteilten. Ein großes Stück der Demonstrationsstrecke führte direkt am Main entlang. Spätestens als sich einige der Demonstranten für eine Pause mit einem Eis auf die Wiese am Fluss setzten, scheint die vermeintliche Radikalen-Demo endgültig zum Wochenendspaziergang geworden zu sein.

Überhaupt ist vieles anders gekommen als gedacht an diesen Frankfurter Blockupy-Tagen. Die Einwohner zum Beispiel waren eher genervt von den etlichen und großräumigen Polizeisperren in ihrer Stadt, also von den politischen Aktivisten. Ständig mussten sie Ausweise vorzeigen, Umwege fahren. Die Geschichte machte die Runde, dass zeitweise nur Menschen mit Frankfurter Anschrift und einer gültigen Bahnfahrkarte in den Hauptbahnhof durften.

Diese Sicherheitsmaßnahmen nach dem Prinzip viel hilft viel wirkten vor allem deshalb so absurd, weil die ganzen Tage keine Bedrohung sichtbar wurde, die ein solches Vorgehen gerechtfertigt hätte. So war die Innenstadt vier Tage lang ein riesiges Gelände für weitestgehend harmlose Katz-und-Maus-Spiele von Polizei und Aktivisten. Vier Tage, in denen die Beamten die Demonstranten beobachtete, warnte, auseinandertrieb, einkesselte, wegtrug, ihnen Platzverbote erteilte – und so am Ende selbst wie der Verursacher dieses Ausnahmezustands wirkte.

Leserkommentare
  1. hat sich der Schwarze Block etwa abgesprochen und ist Frankfurt einfach fern geblieben, trotz gegenteiliger Spitzelmeldungen?

    7 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Es wird Zeit, dass sich die Stadt ebenso wie alle anderen Verantwortlichen für die Kriminalisierung und Verbote der Demonstrationen vergangener Tage und Wochen entschuldigen, und versprechen, dass das nächste Mal absolut unbehelligte Versammlungsfreiheit herrscht.

    dass das so glimpflich abgelaufen ist.

    Sie haben aber die Blockadearbeit an die Polizei delegiert - macht man jetzt so als Führungskraft- und haben lieber der Abschlusskundgebung auf einer angrenzenden Wiese bei etwas kühlem Eis gelauscht ;-)

    mittlerweile dürfte die "3.Reichsgeneration" verschieden sein, denn diese hätte uns davor warnen können, dass sich ein Polizeistaat nicht abrupt bildet sondern langsam. Die Einschränkung des Versammlungsrechts dürfte - den Kommentaren nach zu urteilen - schon Befürworter in der breiten Masse gefunden haben. Ist also nicht mehr tabu. Bald werden ein paar autonome den Reichstag anzünden, oder ein Flugzeug in ein Frankfurter Börsengebeude fliegen und schon haben wir einen Schuldigen, einen Sündenbock gefunden, den es zu echten gilt. Damit man dann diese "rote Gefahr" oder vielleicht die türkisch stämmigen Mitbürger (Potenzial für einen solchen Konsens gibt es, siehe Sarrazindebatte) besser dingfest machen kann, werden schärfere Kontrollen sowie das Spitzeltum Einzug erhalten, und ehe man sich's versieht wird man wegen einer nicht Regierungskonformen Meinung Kriminalisiert. Es muss nicht im Krieg enden, aber für einen Polizeistaat oder einen Arbeitssklavereistaat reicht es allemal.

  2. Es wird Zeit, dass sich die Stadt ebenso wie alle anderen Verantwortlichen für die Kriminalisierung und Verbote der Demonstrationen vergangener Tage und Wochen entschuldigen, und versprechen, dass das nächste Mal absolut unbehelligte Versammlungsfreiheit herrscht.

    65 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
  3. es geht nicht zuletzt um die einschüchterung der mittelschichtnormalos. ...wenn so viel polizei da ist, dann wird's wohl auch radikal sein..

    aber keine angst, elite, so weit, dass sich die massen vom sofa erheben, sind wir noch lange nicht. irgend ein blödsinn wird sich im fernsehen schon finden.

    56 Leserempfehlungen
    • IQ130
    • 19. Mai 2012 20:37 Uhr

    Wichtig wäre vor allem, dass Bänker Angst vor uns haben. Dann und nur dann (O-Ton eines Bänkers!) wären sie vorsichtiger.

    Leider werden - wieder einmal - die falschen Leute geschützt. Die Täter sitzen seit geraumer Zeit in den Banken. Und sie tragen nicht die Verantwortung für die Zockerei.

    Der Großteil der Polizisten wird sicher mit der Faust in der Tasche seine Arbeit tun. Sie müssen mehr arbeiten bei weniger Gehalt.

    Damit mehr Geld für die Finanzassis da ist.

    39 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    garantiert nicht in ihren Banken, während unten demonstriert wird!

    Wovor?

    Dass so selbsternannte Demokraten mit einem IQ von 130 ihnen einen rein hauen?

    Oder welche anderen fundierten Argumente sind Ihnen IQ130 von Blockupy bekannt?

    Genau diese fehlenden Argumente führten zu dem Polizeieinsatz.

    Ohne den hätte die geistige Elite a la IQ130 mal den Banker "Angst gemacht" = Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch, Körperverletzung etc.

    Tja, und ansonsten gilt: Blockupy = heisse Luft.

    Für die Champions-League machte sich gestern mindestens 3x mehr Leute auf den Weg nach München, als für die Rettung der Welt vor den Banken nach Frankfurt.

    Traurig, sich das so enorm wichtige Feld der Kapitalismuskritik mit solch regressiven Wutbürgern teilen zu müssen!

  4. Wer hat warum "Angst vor Bankenkritikern"?
    Zumindest haben diese Ängstlichen ausreichend Einfluß auf die Politik, um Städte in Festungen zu verwandeln und brutale Polizeieinsätze unter Einsatz von Waffengewalt gegen Bankenkritiker vorzubereiten.
    Ein deutliches Zeichen, wer in unserem Land wirklich die Macht hat.
    Wem nützt es?

    37 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Demonstration verboten - Stadt trotzdem blockiert.

    Eventuell weil der Polizei der Auftrag nicht gefallen hat?

    Also so deutsch-gründlich sichern, dass die Demonstrationen zur Blockade nicht mehr nötig sind.

    schön wärs!

  5. ...was wenn die Leute wirklich anfangen zuzuhören.?

    "Bankraub: eine Initiative von Dilettanten. Wahre Profis gründen eine Bank."
    Bertolt Brecht

    25 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Heute brauchen sich die Herren Weishemd Kriminellen jeglicher Coleur keine Sorgen mehr zu machen.
    Die marktkonforme Demokratie eilt voraus. Die bevölkerung jubelt der Kanzlerin zu der Totengräberin der Demokratie.
    Alles wir in geheimen Hinterzimmern beprochen und dann verkündet.
    Der Wähler wirds auch im Herbst wieder abnicken.
    Der Deutsche braucht Struktur und Obrigkeit.

  6. Demonstration verboten - Stadt trotzdem blockiert.

    Eventuell weil der Polizei der Auftrag nicht gefallen hat?

    Also so deutsch-gründlich sichern, dass die Demonstrationen zur Blockade nicht mehr nötig sind.

    schön wärs!

    3 Leserempfehlungen
  7. "Wer weiß, wer sonst noch nach Frankfurt gekommen wäre, wenn die massiven Sicherheitsmaßnahmen vielleicht weniger abgeschreckt hätten. Wäre es doch zu Ausschreitungen gekommen, hätten sich nachher alle zuerst um mangelnde Sicherheitsmaßnahmen beklagt."

    Genau das ist doch der springende Punkt. Lasst uns doch jetzt froh sein, dass von beiden Seiten nicht zu Gewalt kam. Damit wurde doch das Ziel erreicht. Man muss sich immer vor Augen halten, was im März passiert ist und was angekündigt war. Unter diesem Aspekt sind die übertrieben-wirkenden Maßnahmen der Polizei nicht mehr soooo abwegig - finde ich.

    Allerdings - das muss man den Demonstranten lassen - wurden selbst für meinen Geschmack zu viele Aktionen verboten. Damit gibt man den Leuten doch eine Steilvorlage um sich über die Repression des böses Staates (der die bösen Bänker schützt) zu beschweren.

    6 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Karl63
    • 20. Mai 2012 11:08 Uhr

    vom VGH in Kassel untersagt worden ist, bleibt für mich nicht nachvollziehbar. Welche Gefährdung der "öffentlichen Sicherheit und Ordnung" von Konstantin Wecker, Lava 303 etc. hätte ausgehen sollen, ist ein Rätsel.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Deutsche Bank | Fluss
Service