BrandenburgHerrn Chans Kampf in Cottbus

Samnang Chan träumte von den USA und landete in Cottbus. Als einziger Kambodschaner Brandenburgs war er dort nicht gewollt. Aber er blieb. Und wie.

Normalerweise schläft Herr Chan früh und gut. Aber in dieser Nacht vor elf Jahren schaut er in seinem Bett immer wieder auf die Uhr. Die Aufregung. Er steht auf, läuft barfuß zum Kühlschrank und setzt sich mit zwei Flaschen Becks an den Küchentisch des Wohnheimes. Er ist allein, lehnt sich zurück. Genau um Mitternacht stößt Herr Chan mit sich an; darauf, dass er nun Deutscher ist.

Leben mit Rassismus

Viele Migranten in Deutschland erleben Vorurteile und Rassismus. Wie gehen sie damit um? Mit diesen Blicken, Worten, Rangeleien oder sogar Gewalttaten? In unserer Themenwoche Leben mit Rassismus berichten ganz unterschiedliche Menschen, welche Rolle Rassismus in ihrem Leben in Deutschland spielt – und wie sie sich dagegen wappnen. Ihre Erfahrungen und ihre Sichten auf die Deutschen sind so individuell wie sie selbst.

Wir entwickeln keine neuen Theorien und hantieren nicht mit abstrakten Begriffen. Wir zeigen keine Prototypen – weder Opfer noch Täter. Stattdessen lassen wir Individuen zu Wort kommen.

Auch Ihre Berichte können Teil der Woche werden: Wie leben Sie mit Rassismus in Deutschland? Schreiben Sie einen Leserartikel.

Die Beiträge zur Themenwoche

Migranten – Trotzdem zu Hause

Bayrischer Wald – Der bayerische Inder

Sachsen-Anhalt – Angekommen in Stendal

Rassismus in Sachsen-Anhalt – "Wer aus dem Senegal kommt, wird als Neger beschimpft"

Berlin – Bouba Kabas Weg aus der Wut

Berlin – Fotos von Tatorten von Sabine Schründer

Brandenburg – Ich war schon immer da. Zwei türkischstämmige Berlinerinnen studieren in Frankfurt/Oder

Brandenburg – Herrn Chans Kampf in Cottbus

Thüringen – Zeca Schall: "Wir dulden keinen Rechtsextremismus mehr"

Leben mit Rassismus – Was ist ein Erfolg gegen Rechts?

Leserartikel – Beunruhigende Sprüche am Stammtisch

Leserartikel – Der Russe kommt

Leserartikel - Überfall an der Bushaltestelle

Bilanz - Hochachtung vor menschlicher Größe

 Samnang Chan, in Cottbus überall Herr Chan genannt, ist der einzige Deutsche, der aus Kambodscha kam und in Brandenburg blieb. In jener Nacht im April 2001 erlangte seine deutsche Staatsbürgerschaft Rechtskraft. Dafür hatte er zehn Jahre gekämpft.

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Herrn Chans Reise beginnt 1988 in Phnom Penh, seiner Geburtsstadt. Die Militärregierung verlangt, dass er Soldat wird. Aber er will im Bürgerkrieg nicht gegen seine Mitbürger kämpfen. Herr Chan ist mutig. Er läuft weg.

Tagsüber versteckt er sich in den Wäldern Kambodschas. Nachts schleicht er zur Grenze nach Thailand. Hinter jedem Baum fürchtet er einen Soldaten. Als Kind hatte er Reis gegessen, den seine Eltern für den kommunistischen Staat anbauen sollten, und war dafür im Gefängnis gelandet. Zwei Monate musste er jeden Morgen mit einem Tuch um die Augen und einer Eisenkugel am Fuß vor den Soldaten der Roten Khmer stehen. Damit sie mit einem Holzknüppel auf seinen Rücken einschlagen konnten.

Er wollte nie hierher

Als Herr Chan das Flüchtlingslager an der Grenze zu Thailand erreicht, träumt er von einem Leben in den USA. Ein Jahr wartet er. Dann entdeckt er seine Nummer auf einer Liste. Er darf nach Deutschland fliegen. Ein weiteres Jahr wohnt er in Asylbewerberheimen in Frankfurt, Karlsruhe, Schöndorf bei Stuttgart und Eisenhüttenstadt. Im Sommer 1991 betritt Herr Chan das erste Mal das Wohnheim für Asylbewerber in Cottbus. Er weiß wenig von Ostdeutschland, gar nichts von dieser Stadt, er wollte nie hierher.

Herr Chan nennt es nicht Zufall, dass er zufällig nach Deutschland ausgeliefert, dass er von deutschen Behörden zufällig nach Cottbus verteilt wurde. Er spricht von Fügung. Cottbus sei nun sein Zuhause, egal was die Neonazis getan haben.

Der Mob hat keine Chance

Es ist einige Monate nach seiner Ankunft im Sommer 1992. Ein sonniger Tag. Herr Chan lebt mit anderen Asylbewerbern in einer WG im Wohnheim. Er steht jeden Morgen um vier Uhr auf, läuft zum Einkaufszentrum in Cottbus Sachsendorf und putzt zwei Stunden für einen Stundenlohn von zehn Mark. Weil kein Deutscher seinen Job machen will, bekommt Herr Chan jedes halbe Jahr eine Arbeitserlaubnis. Weil er als politisch verfolgt gilt, wird er in Cottbus geduldet. An diesem Abend sitzt er in seiner WG vor dem Fernseher.

Unten vor dem Wohnheim stehen Rechtsradikale. Sie brüllen, werfen brennende Flaschen. Ausländer-raus-Schreie hallen vom Grundstückszaun bis ans offene Fenster. Vor einigen Tagen jagten in Rostock Lichtenhagen Dutzende Nazis Asylbewerber, etwa 2.000 Bürger standen klatschend daneben. Auch in Cottbus hört es sich an, als stünden Hunderte da unten. Aber der Mob hat keine Chance. Die Polizei in Cottbus zögert nicht und hat die Situation unter Kontrolle.

Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ag

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wenn Sie den Artikel gelesen haben (Können Sie das?), dann sollte Ihnen aufgefallen sein, dass Herr Chan kein Fremder, sondern mittlerweile Deutscher ist, dass er sich zivilgesellschaftlich und politisch in seiner Heimat engagiert, und sogar von einem Richter (mithin nicht unbedingt das progressivste Völkchen) das Zertifikat "guter Bürger" ausgestellt bekommen hat.

    Von einem Hass gegen Deutsche spüre ich im obigen Artikel nichts. Dass Nazis verachtet werden, darf und muss dagegen aus jedem guten Artikel klar und deutlich ersichtlich werden.

    Fremde? Alien? Preußen statt degenerierter EU-Moloch??
    Mir scheint, Sie verwehren sich gegen die Beschimpfung von Nazis allein aus der Angst, selbst damit gemeint zu sein.
    Mehr gibt es zu ihrem absurden, lächerlichen und menschenverachtenden "Beitrag" wohl nicht zu sagen!

    Wenn Sie den Artikel gelesen haben (Können Sie das?), dann sollte Ihnen aufgefallen sein, dass Herr Chan kein Fremder, sondern mittlerweile Deutscher ist, dass er sich zivilgesellschaftlich und politisch in seiner Heimat engagiert, und sogar von einem Richter (mithin nicht unbedingt das progressivste Völkchen) das Zertifikat "guter Bürger" ausgestellt bekommen hat.

    Von einem Hass gegen Deutsche spüre ich im obigen Artikel nichts. Dass Nazis verachtet werden, darf und muss dagegen aus jedem guten Artikel klar und deutlich ersichtlich werden.

    Fremde? Alien? Preußen statt degenerierter EU-Moloch??
    Mir scheint, Sie verwehren sich gegen die Beschimpfung von Nazis allein aus der Angst, selbst damit gemeint zu sein.
    Mehr gibt es zu ihrem absurden, lächerlichen und menschenverachtenden "Beitrag" wohl nicht zu sagen!

  2. 2. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich nur, wenn Sie einen sachlichen Beitrag zur Diskussion leisten möchten. Danke. Die Redaktion/ag

    3 Leserempfehlungen
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    • Panic
    • 24.05.2012 um 9:08 Uhr

    war letztes Wochenende mal wieder auf dem Land. Ne ne, da bleib ich ich lieber in meinem Neukölln. Hier stimmt der Ausländeranteil. Der ist sehr hoch. In Brandenburg sind mir einfach zu viele Glatzen.

    cheers

    • Panic
    • 24.05.2012 um 9:08 Uhr

    war letztes Wochenende mal wieder auf dem Land. Ne ne, da bleib ich ich lieber in meinem Neukölln. Hier stimmt der Ausländeranteil. Der ist sehr hoch. In Brandenburg sind mir einfach zu viele Glatzen.

    cheers

  3. 3. [...]

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ag

    Eine Leserempfehlung
  4. Wenn Sie den Artikel gelesen haben (Können Sie das?), dann sollte Ihnen aufgefallen sein, dass Herr Chan kein Fremder, sondern mittlerweile Deutscher ist, dass er sich zivilgesellschaftlich und politisch in seiner Heimat engagiert, und sogar von einem Richter (mithin nicht unbedingt das progressivste Völkchen) das Zertifikat "guter Bürger" ausgestellt bekommen hat.

    Von einem Hass gegen Deutsche spüre ich im obigen Artikel nichts. Dass Nazis verachtet werden, darf und muss dagegen aus jedem guten Artikel klar und deutlich ersichtlich werden.

    Fremde? Alien? Preußen statt degenerierter EU-Moloch??
    Mir scheint, Sie verwehren sich gegen die Beschimpfung von Nazis allein aus der Angst, selbst damit gemeint zu sein.
    Mehr gibt es zu ihrem absurden, lächerlichen und menschenverachtenden "Beitrag" wohl nicht zu sagen!

    30 Leserempfehlungen
    Antwort auf "[...]"
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    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf hetzerische Äußerungen. Danke. Die Redaktion/ag

    (und danke für diesen ermutigenden Bericht)
    lebte ich in Cottbus, meine Stimme hätte er.

    Was für ein kämpferischer Lebensweg, Hochachtung.

    Es sollten auch die die als Unterzeichner für ihren Mitbürger eingetreten sind gewürdigt werden und die die in Cottbus mit ihrer Zivilcourage dafür sorgten, daß die NPD unter ferner liefen abschneidet.

    Sich mit o.g. menschenverachtenden comments zu befassen bringt dagegen m.A.n. nichts, außer einem vollgemüllten Kommentarstrang - denn das ist so gewollt von dieser Seite - daher: rechts liegen lassen, ignorieren oder bedenklich melden. Alles andere zersetzt die hier angestoßene wichtige Debatte.

    k.

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf hetzerische Äußerungen. Danke. Die Redaktion/ag

    (und danke für diesen ermutigenden Bericht)
    lebte ich in Cottbus, meine Stimme hätte er.

    Was für ein kämpferischer Lebensweg, Hochachtung.

    Es sollten auch die die als Unterzeichner für ihren Mitbürger eingetreten sind gewürdigt werden und die die in Cottbus mit ihrer Zivilcourage dafür sorgten, daß die NPD unter ferner liefen abschneidet.

    Sich mit o.g. menschenverachtenden comments zu befassen bringt dagegen m.A.n. nichts, außer einem vollgemüllten Kommentarstrang - denn das ist so gewollt von dieser Seite - daher: rechts liegen lassen, ignorieren oder bedenklich melden. Alles andere zersetzt die hier angestoßene wichtige Debatte.

    k.

  5. 5. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf hetzerische Äußerungen. Danke. Die Redaktion/ag

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Oh Mann. In so einem Forum haben sie schon mal nichts verloren, wenn Sie anderen, die nicht ihrer Meinung sind, unterstellen AIDS zu haben, was meiner Meinung absolut nichts ist womit man spaßen sollte und man weder als Argument noch als Beleidigung benutzen sollte.
    Hier wird über Rassismus gesprochen, vor Allem die rechte Szene wird erwähnt, wie in aller Welt lesen Sie daraus Hass gegen Deutsche heraus?
    Ich habe in Japan gelebt, ich habe während meine ganzen Kindheit mir Rassismus gelebt, und das Alles dank Menschen wie Ihnen, die nicht in der Lage sind, mit Hass, Angst und Stolz richtig umzugehen.

    Oh Mann. In so einem Forum haben sie schon mal nichts verloren, wenn Sie anderen, die nicht ihrer Meinung sind, unterstellen AIDS zu haben, was meiner Meinung absolut nichts ist womit man spaßen sollte und man weder als Argument noch als Beleidigung benutzen sollte.
    Hier wird über Rassismus gesprochen, vor Allem die rechte Szene wird erwähnt, wie in aller Welt lesen Sie daraus Hass gegen Deutsche heraus?
    Ich habe in Japan gelebt, ich habe während meine ganzen Kindheit mir Rassismus gelebt, und das Alles dank Menschen wie Ihnen, die nicht in der Lage sind, mit Hass, Angst und Stolz richtig umzugehen.

    • -
    • 24.05.2012 um 8:24 Uhr
    6. Unser

    Entfernt. Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich. Danke. Die Redaktion/ag

    Eine Leserempfehlung
    • -
    • 24.05.2012 um 8:33 Uhr

    ich weiß was ich heut zu Abend esse, hat eigentlich immer geschmeckt dort:)

    3 Leserempfehlungen

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