BrandenburgHerrn Chans Kampf in Cottbus
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Einige Nazis kommen zum Nudeln essen

Herr Chan sagt, dass er häufig als Fidschi oder Kanake beschimpft wurde. Oft, wenn er mit der Straßenbahn durch Cottbus fuhr, knallten aggressive Jugendliche mit ihren Fäusten gegen die Tür. Durch das Einkaufszentrum, in dem er jahrelang putzte, liefen regelmäßig Nazis. Mal hätten sie ihn provoziert, mal missachtet. Jahre später kamen einige von ihnen in seine Imbissbude Nudeln essen.

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Hot-Wok heißt Herr Chans Imbiss. Er steht auf einem Parkplatz neben dem Alibaba-Döner, geöffnet von Montag bis Samstag. Die Cottbusser lieben Ente und süßsaures Hühnchen. Wenn Herr Chan im Wok rührt, spricht er oft übers Wetter. Wenn die Sonne scheint, freut er sich für seine Kunden. Heute nieselt es leicht. Er schaut über die Theke in die Augen eines Cottbusers und sagt, dass die Wolken sich verziehen werden.

Kampf im Einkaufszentrum

Von 1990 bis 1997 arbeitet Herr Chan im Einkaufszentrum erst als Putzmann, dann als Vorarbeiter und Betriebsleiter. Trotzdem lehnt die Stadt Cottbus seinen Antrag auf deutsche Staatsbürgerschaft ab. Weil die Situation in Kambodscha sich gewandelt hat, gilt er 1997 nicht mehr als politisch Verfolgter.

Menschen mit Migrationshintergrund

Alle Ausländer gelten als Personen mit Migrationshintergrund, unabhängig davon, ob sie im Inland oder im Ausland geboren wurden. Weiterhin gehören zu den Personen mit Migrationshintergrund die Menschen, die in Deutschland als Ausländer geboren, dann aber eingebürgert wurden. Auch diejenigen zählen dazu, die in Deutschland schon mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren wurden, deren Eltern aber eingewandert sind. Zu den Letzteren zählen auch die deutschen Kinder von Spätaussiedlern und Eingebürgerten – und zwar auch dann, wenn nur ein Elternteil diese Bedingungen erfüllt, während der andere keinen Migrationshintergrund aufweist. Deutsche Kinder ausländischer Eltern, die die Bedingungen für das Optionsmodell erfüllen, also mit einer deutschen und einer ausländischen Staatsangehörigkeit in Deutschland geboren wurden, sind ebenfalls Menschen mit Migrationshintergrund.

Quelle: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge

Herr Chan soll Cottbus verlassen. Er will nicht. Herr Chan widerspricht dem Gericht, stellt sich jeden Tag ins Einkaufszentrum und sammelt Unterschriften. "Unterstützt Herrn Chan" nennt er seine Initiative. Er hat ein kleines Plakat gemalt, das er im Einkaufszentrum zeigen darf. Neben der Unterschriftenliste liegen seine Gehaltszettel als Belege, dass er jahrelang Steuern gezahlt hat. Wenn Leute ihn fragen, was er da mache, lächelt Herr Chan. Er erzählt, dass er in Cottbus gearbeitet habe, dass er niemals ein Verbrechen begangen habe. Und das diese Stadt seine Heimat sei.

Auch einige Nazis kommen an seinem kleinen Stand vorbei; sie schauen weg.

Ein guter Bürger

Als der Einspruch gegen die Abschiebung Herrn Chans vor Gericht verhandelt wird, liegt dem Richter die Sammlung von Unterschriften vor. Fast einhundert Cottbusser haben ihren Namen gegeben. Der Richter nimmt das Urteil zurück, er sagt: "Herr Chan, Sie sind ein guter Bürger. Sie haben vernünftig gelebt. Sie dürfen bleiben." Herr Chan sagt, diese Worte werde er nie wieder vergessen.

Steffen Dobbert
Steffen Dobbert

Steffen Dobbert ist Redakteur bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Seit zwanzig Jahren lebt Herr Chan nun in Cottbus. Er wohnt nicht mehr im Wohnheim, sondern hat eine kleine Wohnung in der Nähe gemietet, sich eine gebrauchte VW-Limousine gekauft, den Cottbuser Flüchtlingsverein für Asylbewerber gegründet. Zwei Mal ist er bei der Wahl zum Cottbuser Stadtparlament angetreten, 2003 als parteiloser Kandidat und 2008 als Kandidat der Grünen in Cottbus.

Wenn er über sein politisches Engagement redet, klingt es beiläufig. Ja, Cottbus hatte mal ein Problem mit Neonazis, in den neunziger Jahren. Aber ihm sei damals nie etwas Schlimmes passiert, sagt er.

Einige Hundert Stimmen hat Herr Chan bei der vergangenen Wahl 2008 bekommen. Die NPD hatte damals fast jede Laterne in Cottbus Sachsendorf plakatiert. Es half nicht viel. Gerade mal drei Prozent aller Cottbuser wählten die Rechtsextremen.

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Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ag

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    Wenn Sie den Artikel gelesen haben (Können Sie das?), dann sollte Ihnen aufgefallen sein, dass Herr Chan kein Fremder, sondern mittlerweile Deutscher ist, dass er sich zivilgesellschaftlich und politisch in seiner Heimat engagiert, und sogar von einem Richter (mithin nicht unbedingt das progressivste Völkchen) das Zertifikat "guter Bürger" ausgestellt bekommen hat.

    Von einem Hass gegen Deutsche spüre ich im obigen Artikel nichts. Dass Nazis verachtet werden, darf und muss dagegen aus jedem guten Artikel klar und deutlich ersichtlich werden.

    Fremde? Alien? Preußen statt degenerierter EU-Moloch??
    Mir scheint, Sie verwehren sich gegen die Beschimpfung von Nazis allein aus der Angst, selbst damit gemeint zu sein.
    Mehr gibt es zu ihrem absurden, lächerlichen und menschenverachtenden "Beitrag" wohl nicht zu sagen!

  2. 2. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich nur, wenn Sie einen sachlichen Beitrag zur Diskussion leisten möchten. Danke. Die Redaktion/ag

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    • Panic
    • 24. Mai 2012 9:08 Uhr

    war letztes Wochenende mal wieder auf dem Land. Ne ne, da bleib ich ich lieber in meinem Neukölln. Hier stimmt der Ausländeranteil. Der ist sehr hoch. In Brandenburg sind mir einfach zu viele Glatzen.

    cheers

  3. 3. [...]

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ag

  4. Wenn Sie den Artikel gelesen haben (Können Sie das?), dann sollte Ihnen aufgefallen sein, dass Herr Chan kein Fremder, sondern mittlerweile Deutscher ist, dass er sich zivilgesellschaftlich und politisch in seiner Heimat engagiert, und sogar von einem Richter (mithin nicht unbedingt das progressivste Völkchen) das Zertifikat "guter Bürger" ausgestellt bekommen hat.

    Von einem Hass gegen Deutsche spüre ich im obigen Artikel nichts. Dass Nazis verachtet werden, darf und muss dagegen aus jedem guten Artikel klar und deutlich ersichtlich werden.

    Fremde? Alien? Preußen statt degenerierter EU-Moloch??
    Mir scheint, Sie verwehren sich gegen die Beschimpfung von Nazis allein aus der Angst, selbst damit gemeint zu sein.
    Mehr gibt es zu ihrem absurden, lächerlichen und menschenverachtenden "Beitrag" wohl nicht zu sagen!

    Antwort auf "[...]"
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    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf hetzerische Äußerungen. Danke. Die Redaktion/ag

    (und danke für diesen ermutigenden Bericht)
    lebte ich in Cottbus, meine Stimme hätte er.

    Was für ein kämpferischer Lebensweg, Hochachtung.

    Es sollten auch die die als Unterzeichner für ihren Mitbürger eingetreten sind gewürdigt werden und die die in Cottbus mit ihrer Zivilcourage dafür sorgten, daß die NPD unter ferner liefen abschneidet.

    Sich mit o.g. menschenverachtenden comments zu befassen bringt dagegen m.A.n. nichts, außer einem vollgemüllten Kommentarstrang - denn das ist so gewollt von dieser Seite - daher: rechts liegen lassen, ignorieren oder bedenklich melden. Alles andere zersetzt die hier angestoßene wichtige Debatte.

    k.

  5. 5. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf hetzerische Äußerungen. Danke. Die Redaktion/ag

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    Oh Mann. In so einem Forum haben sie schon mal nichts verloren, wenn Sie anderen, die nicht ihrer Meinung sind, unterstellen AIDS zu haben, was meiner Meinung absolut nichts ist womit man spaßen sollte und man weder als Argument noch als Beleidigung benutzen sollte.
    Hier wird über Rassismus gesprochen, vor Allem die rechte Szene wird erwähnt, wie in aller Welt lesen Sie daraus Hass gegen Deutsche heraus?
    Ich habe in Japan gelebt, ich habe während meine ganzen Kindheit mir Rassismus gelebt, und das Alles dank Menschen wie Ihnen, die nicht in der Lage sind, mit Hass, Angst und Stolz richtig umzugehen.

    • -
    • 24. Mai 2012 8:24 Uhr
    6. Unser

    Entfernt. Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich. Danke. Die Redaktion/ag

    • -
    • 24. Mai 2012 8:33 Uhr

    ich weiß was ich heut zu Abend esse, hat eigentlich immer geschmeckt dort:)

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