Bei einem heftigen Erdbeben in Italien sind mindestens sechs Menschen getötet worden. Das Beben der Stärke 5,9 erschütterte am Sonntagmorgen um 4.04 Uhr die Region Emilia-Romagna und war auch noch weit entfernt zu spüren.

Nach übereinstimmenden Medienberichten starben vier Arbeiter während der Nachtschicht in Fabriken. Sie wurden durch einstürzende Dächer oder umstürzende Pfeiler erschlagen.

Auch eine 37 Jahre alte Deutsche starb aus zunächst ungeklärten Gründen – möglicherweise habe Panik ihren Tod verursacht, meldete die Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf die Polizei. Die Frau habe nach den Erdstößen Atemprobleme bekommen und dann das Bewusstsein verloren. Eine über 100 Jahre alte Frau erlitt während des Erdbebens ebenfalls einen tödlichen Kreislaufzusammenbruch. 

Laut dem öffentlichen Fernsehsender Rai wurden bei dem Beben mindestens 50 Menschen verletzt. Etwa 3.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen, die meisten in der Provinz Modena.

Starkes Nachbeben

Das Epizentrum lag in der Po-Ebene in einer Tiefe von etwa zehn Kilometern, teilte das Nationale Geophysikalische und Vulkanologische Institut mit. Die Erdstöße seien in ganz Norditalien zu spüren gewesen, berichtete Rai. Eineinhalb Stunden nach dem Beben gab es ein Nachbeben der Stärke 3,3, Minuten später folgten Stöße der Stärke 2,9. Am Nachmittag erschütterte ein Nachbeben von 5,1 die Gegend. Weitere Gebäude stürzten ein, ebenso ein Teil des Rathauses in Sant'Agostino bei Ferrara. Medienberichten zufolge fiel ein Feuerwehrmann von einer Mauer und wurde bewusstlos ins Krankenhaus gebracht.

Am schlimmsten betroffen sei die Gegend um Bologna , Modena, Ferrara, Mantova und Rovigo, berichtete Rai weiter. Die schwersten Schäden gab es Ansa zufolge in dem Ort San Felice und in Finale Emilia. In San Felice brach eine Kirche zusammen. In Finale Emilia seien schwer kranke Patienten vorsorglich aus dem Krankenhaus gebracht worden. Laut corriere.it stürzte in dem Ort auch ein Turm ein. Das Fernsehen zeigte schwer beschädigte Gebäude, Trümmer lagen vielerorts auf der Straße.

Die Regierung befürchtet große Schäden an kulturgeschichtlich wichtigen Orten – die Renaissance-Stadt Ferrara und die Region darum gehören zum Weltkulturerbe der Unesco . In Bologna und anderen Städten liefen Tausende Menschen im Schlafanzug in Panik auf die Straße. Einige wagten sich nicht zurück in ihre Häuser.

In den vergangenen Tagen hatte es Rai zufolge bereits immer wieder leichte Erdstöße gegeben. Dem habe aber niemand besondere Bedeutung beigemessen. Jährlich erschüttern 2.000 Erdbeben das Land, drei Millionen Italiener wohnen in gefährdeten Gebieten, wie der Geologe Gianvito Graziano sagte.

Das Beben war fast so stark wie das von Aquila. Am 6. April 2009 hatte ein Beben der Stärke 6,2 die Stadt in den Abruzzen erschüttert und schwere Schäden angerichtet. 1976 hatten Erdstöße der Stärke 6,2 die Region von Friaul erschüttert. Als schwerste Erdbebenkatastrophe der Nachkriegszeit in Italien gilt das Beben von Irpinia mit einer Stärke von 6,8.