NaturkatastropheMindestens sechs Tote bei Erdbeben in Italien

Ein Erdbeben hat den Norden Italiens erschüttert, wenige Stunden später folgte ein Nachbeben. Zahlreiche historische Gebäude, Türme und Kirchen wurden beschädigt. von afp und dpa

Italienische Feuerwehrleute vor einem eingestürzten Gebäude in Finale Emilia

Italienische Feuerwehrleute vor einem eingestürzten Gebäude in Finale Emilia  |  © Elisabetta Baracchi/dpa

Bei einem heftigen Erdbeben in Italien sind mindestens sechs Menschen getötet worden. Das Beben der Stärke 5,9 erschütterte am Sonntagmorgen um 4.04 Uhr die Region Emilia-Romagna und war auch noch weit entfernt zu spüren.

Nach übereinstimmenden Medienberichten starben vier Arbeiter während der Nachtschicht in Fabriken. Sie wurden durch einstürzende Dächer oder umstürzende Pfeiler erschlagen.

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Auch eine 37 Jahre alte Deutsche starb aus zunächst ungeklärten Gründen – möglicherweise habe Panik ihren Tod verursacht, meldete die Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf die Polizei. Die Frau habe nach den Erdstößen Atemprobleme bekommen und dann das Bewusstsein verloren. Eine über 100 Jahre alte Frau erlitt während des Erdbebens ebenfalls einen tödlichen Kreislaufzusammenbruch. 

Laut dem öffentlichen Fernsehsender Rai wurden bei dem Beben mindestens 50 Menschen verletzt. Etwa 3.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen, die meisten in der Provinz Modena.

Starkes Nachbeben

Das Epizentrum lag in der Po-Ebene in einer Tiefe von etwa zehn Kilometern, teilte das Nationale Geophysikalische und Vulkanologische Institut mit. Die Erdstöße seien in ganz Norditalien zu spüren gewesen, berichtete Rai. Eineinhalb Stunden nach dem Beben gab es ein Nachbeben der Stärke 3,3, Minuten später folgten Stöße der Stärke 2,9. Am Nachmittag erschütterte ein Nachbeben von 5,1 die Gegend. Weitere Gebäude stürzten ein, ebenso ein Teil des Rathauses in Sant'Agostino bei Ferrara. Medienberichten zufolge fiel ein Feuerwehrmann von einer Mauer und wurde bewusstlos ins Krankenhaus gebracht.

Am schlimmsten betroffen sei die Gegend um Bologna , Modena, Ferrara, Mantova und Rovigo, berichtete Rai weiter. Die schwersten Schäden gab es Ansa zufolge in dem Ort San Felice und in Finale Emilia. In San Felice brach eine Kirche zusammen. In Finale Emilia seien schwer kranke Patienten vorsorglich aus dem Krankenhaus gebracht worden. Laut corriere.it stürzte in dem Ort auch ein Turm ein. Das Fernsehen zeigte schwer beschädigte Gebäude, Trümmer lagen vielerorts auf der Straße.

Die Regierung befürchtet große Schäden an kulturgeschichtlich wichtigen Orten – die Renaissance-Stadt Ferrara und die Region darum gehören zum Weltkulturerbe der Unesco . In Bologna und anderen Städten liefen Tausende Menschen im Schlafanzug in Panik auf die Straße. Einige wagten sich nicht zurück in ihre Häuser.

In den vergangenen Tagen hatte es Rai zufolge bereits immer wieder leichte Erdstöße gegeben. Dem habe aber niemand besondere Bedeutung beigemessen. Jährlich erschüttern 2.000 Erdbeben das Land, drei Millionen Italiener wohnen in gefährdeten Gebieten, wie der Geologe Gianvito Graziano sagte.

Das Beben war fast so stark wie das von Aquila. Am 6. April 2009 hatte ein Beben der Stärke 6,2 die Stadt in den Abruzzen erschüttert und schwere Schäden angerichtet. 1976 hatten Erdstöße der Stärke 6,2 die Region von Friaul erschüttert. Als schwerste Erdbebenkatastrophe der Nachkriegszeit in Italien gilt das Beben von Irpinia mit einer Stärke von 6,8.

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Leserkommentare
  1. erst gestern Anschlag auf eine Schule, heute Erdbeben, Krise sowieso...

    Wann bekommt dieses Land wieder mal eine Ruhe Pause..

    [...]

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/lv

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Las ich gerade, da bekam ich einen Anruf von meiner Tochter, die nicht weit vom Epizentrum gerade mit Mann und kleinen Kindern Urlaub macht.

    Die Sekunden zwischen den beiden Nachrichten waren fürchterlich. Ich zittere jetzt noch. Das Erdbeben war ihrer Angabe zufolge deutlich zu spüren.

    Gibt es nicht so etwas wie Vorwarnsysteme?
    @Montessori, aus welcher Gegend Italiens stammen Sie?

    sollen innereuropäische Verwerfungen nur in der Finanz-, Wirtschafts-, und Sozialpolitik existieren?

    Wenn eurasische und adriatische Platte meinen, sich aneinder reiben zu müssen, dann kommt es eben auch mal zu einem Erdbeben, anstatt zur Auffaltung eines beliebten Tourismus- und Wintersportgebietes.

    MfG
    AoM

  2. Las ich gerade, da bekam ich einen Anruf von meiner Tochter, die nicht weit vom Epizentrum gerade mit Mann und kleinen Kindern Urlaub macht.

    Die Sekunden zwischen den beiden Nachrichten waren fürchterlich. Ich zittere jetzt noch. Das Erdbeben war ihrer Angabe zufolge deutlich zu spüren.

    Gibt es nicht so etwas wie Vorwarnsysteme?
    @Montessori, aus welcher Gegend Italiens stammen Sie?

    Antwort auf "Herr Gott nochmal..!"
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    alles andere bringt nichts..keine Panik schieben...

    Grüße
    Montessori

  3. "Gibt es nicht so etwas wie Vorwarnsysteme?"

    Nein, gibt es für Erdbeben allgemein nicht.
    Vorwarnsysteme gibt es nur für Tsunami..

    Das ist meine Gegend, komme aus Bologna..und ich kenne das Gefühl der Ohnmächtigkeit nicht nur aus Italien, ich habe es in Griechenland und auch in der Türkei erlebt..

    Viele Grüße
    Montessori

  4. 4. Warum

    sollen innereuropäische Verwerfungen nur in der Finanz-, Wirtschafts-, und Sozialpolitik existieren?

    Wenn eurasische und adriatische Platte meinen, sich aneinder reiben zu müssen, dann kommt es eben auch mal zu einem Erdbeben, anstatt zur Auffaltung eines beliebten Tourismus- und Wintersportgebietes.

    MfG
    AoM

    Antwort auf "Herr Gott nochmal..!"
  5. alles andere bringt nichts..keine Panik schieben...

    Grüße
    Montessori

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    für Ihren Trost. Ja das Gefühl der Ohnmacht ist schrecklich. Hoffentlich gibt es keine Nachbeben.

    Ich selbst habe mal Erdstöße auf Sizilien erlebt. Es ist so, als wäre die Schwerkraft ein Stück außer Kraft gesetzt.

    Grüße

  6. 6. Danke

    für Ihren Trost. Ja das Gefühl der Ohnmacht ist schrecklich. Hoffentlich gibt es keine Nachbeben.

    Ich selbst habe mal Erdstöße auf Sizilien erlebt. Es ist so, als wäre die Schwerkraft ein Stück außer Kraft gesetzt.

    Grüße

    Antwort auf "Ruhe bewahren..."
  7. Ich wünsch Dir einen guten Stand!

  8. Ich habe selbst mehrere Erdbeben miterlebt und war als freiwilliger Helfer im süditalienischen Erdbengebiet (Irpinia) im Einsatz. Dass ein Erdbeben der Stärke 6, das in Japan kaum wahrgenommen wird, in Italien derartige Schäden verursacht und sogar Todesopfer fordert, ist tragisch. Mit erdbebensicherer Bauweise in den gefährdeten Gebieten könnte das Ärgste verhindert werden. Das ist natürlich kein Trost für die Betroffenen, denen mein Mitgefühl gilt.

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    was schreiben Sie da wieder? Bei Neubauten ist das auch der fall.

    Wie sollte man Mittelalterliche Städte und Dörfer Erdbebensicher machen??

    Das ist das Welterbe Italiens und der Menschheit die in Trümmer und Asche verschwindet..Und zur Erinnerung Italien Unesco Welterbe macht fast 70% Weltweit aus.

    Soll man jetzt Florenz betonieren?

    sind das jetzt Hochmoderne Dubai Konstrukte oder doch Kirchen, Türme, Rathäuser aus der Renaissance oder Mittelalter Zeit?

    http://www.corriere.it/ga...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa
  • Schlagworte Italien | Erdbeben | Naturkatastrophe | Unesco | Erdstoß | Fabrik
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