Erstmals seit sieben Jahren ist die Kriminalität in Deutschland 2011 wieder leicht angestiegen. Der neuen Polizeilichen Kriminalstatistik zufolge zählten die Beamten im vergangenen Jahr 5,99 Millionen Straftaten.

Dies ist ein Zuwachs um ein Prozent im Vergleich zu 2010. Die Aufklärungsquote sank von 56,0 auf 54,7 Prozent. Bei der Gewaltkriminalität wurde ein leichter Rückgang verzeichnet.

Besonders deutlich zugenommen haben im Jahresvergleich Wohnungseinbrüche mit einem Plus von 9,3 Prozent. Die Aufklärungsquote betrug hier lediglich 16,2 Prozent.

Wie in den Vorjahren dominieren Diebstahldelikte mit einem Anteil von 40,1 Prozent an der Gesamtkriminalität. Dies bedeutet einen Anstieg um 4,4 Prozent. Stark zugenommen haben Fahrraddiebstähle. Der Anstieg um 7,2 Prozent auf fast 330.000 Fälle ist vor allem auf einen starken Zuwachs in Berlin und Hamburg zurückzuführen. Der Diebstahl von Autos sowie Ladendiebstähle gingen dagegen leicht zurück.

Langfristig deutlicher Rückgang der Kriminalität

Auch die Straßenkriminalität stieg wieder leicht um 2,2 Prozent . Verglichen mit den neunziger Jahren ist sie aber stark rückläufig. 2011 wurden in diesem Bereich über eine Million Delikte weniger gezählt – ein Minus von 42 Prozent gegenüber 1993.

Die Zahl der Rauschgiftdelikte stieg um 2,4 Prozent. Einen extremen Zuwachs gab es demnach mit plus 110 Prozent bei Ecstasy. Die Wirtschaftskriminalität ging um 22,7 Prozent zurück. Beim Tatort Internet wurden 223.000 Straftaten erfasst, was im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang um 9,9 Prozent bedeutet. Überwiegend handelt es sich laut Statistik um Betrugsdelikte.

Die erfassten Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern haben 2011 erneut zugenommen: Die Zahl stieg um 4,9 Prozent. In diesem Feld muss nach Ansicht von Experten mit einer hohen Dunkelziffer gerechnet werden. Massiv zugenommen hat der Besitz und die Beschaffung von Kinderpornografie. Hier wurde ein Plus von 23,3 Prozent registriert. Die Verbreitung pornografischer Schriften über das Internet ging um 2,1 Prozent zurück.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) machte "völlig verfehlte Sparmaßnahmen bei der Polizei" für die Entwicklung verantwortlich. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) nannte vor allem den Wegfall der Grenzkontrollen Ende 2007 als Ursache des Anstiegs.

Die neuesten Zahlen ändern aber nichts daran, dass langfristig ein deutlicher Rückgang der Kriminalität zu verzeichnen und die Aufklärungsquote angestiegen ist: Seit 1993 sind die erfassten Straftaten um 11,3 Prozent zurückgegangen. Die Aufklärungsquote stieg von 43,8 auf jetzt 54,7 Prozent.