MigrantenTrotzdem zu Hause

Wie geht es Einwanderern, über die wir so viel debattieren? Fühlen sie sich bedroht oder gut aufgehoben? In unserer Themenwoche "Leben mit Rassismus" kommen sie zu Wort. von 

Ein Plakat aus dem Jahr 2007, das für einen nationalen Integrationsplan für Migranten warb

Ein Plakat aus dem Jahr 2007, das für einen nationalen Integrationsplan für Migranten warb  |  © Johannes Eisele/dpa

Migranten in Deutschland eint wenig. Manche sind vor Krieg und Armut geflohen, andere seit zwei Generationen Deutsche, einige sind zum Studieren gekommen. Sie sind Muslime, Hindus, Christen, Atheisten. Manche machen Karriere, andere bekommen schon in der Schule keine Chance. Was Einwanderer doch gemeinsam haben, ist, dass sie mehr oder weniger von Vorurteilen oder sogar Rassismus betroffen sind. Aber sie bleiben trotzdem hier und viele finden in Deutschland sogar ein Zuhause.

Leben mit Rassismus

Viele Migranten in Deutschland erleben Vorurteile und Rassismus. Wie gehen sie damit um? Mit diesen Blicken, Worten, Rangeleien oder sogar Gewalttaten? In unserer Themenwoche Leben mit Rassismus berichten ganz unterschiedliche Menschen, welche Rolle Rassismus in ihrem Leben in Deutschland spielt – und wie sie sich dagegen wappnen. Ihre Erfahrungen und ihre Sichten auf die Deutschen sind so individuell wie sie selbst.

Wir entwickeln keine neuen Theorien und hantieren nicht mit abstrakten Begriffen. Wir zeigen keine Prototypen – weder Opfer noch Täter. Stattdessen lassen wir Individuen zu Wort kommen.

Auch Ihre Berichte können Teil der Woche werden: Wie leben Sie mit Rassismus in Deutschland? Schreiben Sie einen Leserartikel.

Die Beiträge zur Themenwoche

Migranten – Trotzdem zu Hause

Bayrischer Wald – Der bayerische Inder

Sachsen-Anhalt – Angekommen in Stendal

Rassismus in Sachsen-Anhalt – "Wer aus dem Senegal kommt, wird als Neger beschimpft"

Berlin – Bouba Kabas Weg aus der Wut

Berlin – Fotos von Tatorten von Sabine Schründer

Brandenburg – Ich war schon immer da. Zwei türkischstämmige Berlinerinnen studieren in Frankfurt/Oder

Brandenburg – Herrn Chans Kampf in Cottbus

Thüringen – Zeca Schall: "Wir dulden keinen Rechtsextremismus mehr"

Leben mit Rassismus – Was ist ein Erfolg gegen Rechts?

Leserartikel – Beunruhigende Sprüche am Stammtisch

Leserartikel – Der Russe kommt

Leserartikel - Überfall an der Bushaltestelle

Bilanz - Hochachtung vor menschlicher Größe

Wie das geht, will ZEIT ONLINE in einer Themenwoche ergründen. Hier kommen normale, aber ganz unterschiedliche Menschen mit ihrer jeweils eigenen und differenzierten Sicht auf ihre deutsche Wirklichkeit zu Wort. Die Themenwoche bietet keine neuen Theorien mit abstrakten Begriffen, keine radikalen Salafisten oder gemarterten Nazi-Opfern. Wir zeigen keine Prototypen, sondern Individuen.

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Wie Samnang Chan, ein Kambodschaner in Cottbus . Er erlebte, wie sein Asylbewerberheim angegriffen wurde; er sollte ausgewiesen werden, obwohl er schon seit Jahren in Cottbus arbeitete. Doch inzwischen ist er Deutscher geworden und für die Grünen in seiner Stadt zur Wahl angetreten. Die Leute lieben das Hähnchen von seinem Asia-Imbiss.

Verschiedene Blicke auf die deutsche Wirklichkeit

Oder die beiden türkischstämmigen Berlinerinnen Canset Içpınar und Elif Gümüş, die Vorurteile erst spürten, als sie ihre gewohnten Orte verließen. Sie fühlten sich erst "ausländisch", als sie nach Frankfurt (Oder ) zum Studieren zogen.

Chan, Içpınar, Gümüş und die weiteren Protagonisten der Themenwoche sind Beispiele dafür, wie Einwanderer Rassismus erleben. Und dafür, dass auch diese Erfahrungen sowie der Blick der Migranten auf die Deutschen individuell sind.

Die Deutschen verstehen's nur nicht. Politiker, Sozialarbeiter und Journalisten reden von Menschen wie Chan und Içpınar meist, als wären sie eine einheitliche Gruppe: die Migranten, oder eben "Menschen mit Migrationshintergrund". Der Begriff ist sehr korrekt – aber auch sehr abstrakt. Beschrieben wird der Topf; aber die Menschen, die dort hineingeworfen werden, können wir uns nicht vorstellen.

© ZEIT ONLINE

Einseitige Bilder

Schlimmer noch: Spätestens seit den Tiraden eines Thilo Sarrazins stellen sich viele Deutsche unter dem Sammelbegriff Menschen mit Migrationshintergrund doch etwas vor. Statt der Vielfalt der Lebenswelten sehen sie aber nur einseitige Bilder, die sich wiederum mit Schlagworten zusammenfassen lassen: mangelnder Integrationswille, Islamismus, Parallelgesellschaft, Bildungsarmut. Sie sehen prügelnde Salafisten oder Störenfriede aus Berlin-Neukölln: arm und je nach Geschlecht entweder latent kriminell oder unterdrückt unter dem Kopftuch.

Das andere ebenfalls einseitige und nur scheinbar gegenteilige Bild ist das der Neonazi-Opfer, die die Sympathie der meisten Deutschen haben – aber erst, wenn sie getötet oder schwer misshandelt worden sind. Diese beiden Bilder können schnell vertauscht werden, wie man bei den Opfern der NSU-Mörder gesehen hat. Erst waren sie selbst unter Verdacht, in kriminelle Fehden verwickelt zu sein, nun haben sie unser ganzes Mitleid und es werden Straßen nach ihnen benannt.

Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich nur wenn Sie einen sachlichen und konstruktiven Beirag leisten möchten. Danke, die Redaktion/lv

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    Entfernt. Der Kommentar, auf den Sie sich bezogen, wurde inzwischen entfernt. Danke, die Redaktion/lv

    • -
    • 21. Mai 2012 12:57 Uhr
    2. [...]

    [...]

    Freu mich auf Berichte, jenseits von Bild und RTL.
    Man hört immer nur irgendwelche schlecht recherchierten Berichte, wo Imigranten nur selten ausführlich zu Wort kommen.

    Teil entfernt. Der Kommentar, auf den Sie sich bezogen, wurde inzwischen entfernt. Danke, die Redaktion/lv

  2. Ich finde es immer außerordentlich schade, wenn solche Artikel geschrieben werden. Ich bin selbst Migrant, bin in Deutschland aufgewachsen, studiere und habe hier meine Freunde und Familie. Trotzdem geben mir solche Artikel immer den Anschein ein "Exot" zu sein.

    Wünsche mir endlich einen Artikel, der die Dimension aller Migranten versteht und auch richtig reflektieren kann.
    Und nicht immer dieselbe Leier!

    Schade!

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    • huhi
    • 21. Mai 2012 13:23 Uhr

    Leider kann die Zeit vom Mythos des durchweg diskriminierten Migranten nicht lassen! Damit wirft sie eben gerade alles in einen Topf.
    Die Zeit bedient damit selbst das einseitige Klischee des Opfermigranten.
    Vielleciht ja deshalb, weil die Leserschaft der Zeit es mehrheitlich so sieht; daher, warum nicht das Klischee auch bedienen (so wie BILD, nur umgekehrt...)
    Besser wäre: Artikel, wie alle Aspekte beleuchten: Von Mustermigranten, Diskriminierten bis zu Scheinasylanten alles abzudecken!

    Sie schreiben "...Wünsche mir endlich einen Artikel, der die Dimension aller Migranten versteht und auch richtig reflektieren kann. Und nicht immer dieselbe Leier!"

    Dann schreiben Sie doch mal, ShineOn - mich würd´s interessieren. Und hier haben Sie die Plattform dazu. Das wäre dann eben nicht "...immer dieselbe Leier"

    • snoek
    • 21. Mai 2012 13:43 Uhr

    Wenn Sie sich einen solchen Artikel wünschen, dann schrieben Sie ihn! Ich bin gespannt, wie ein Artikel, der „die Dimension aller Migranten versteht und auch richtig reflektiert“, aussieht. Möglicherweise braucht es dafür mehr als nur einen Artikel. Eine Themenwoche vielleicht. Upps, die ZEIT macht diese Woche sowas. Welch grandioser Zufall.

  3. super!

    Genau so sollte man das Thema angehen,
    da es wohl immernoch (zum Glück nur eine Minderheit der Deutschen) gibt, die nichts mit Ausländern anfangen können,
    oder jedenfalls sehr fragwürdige Bilder von einem Ausländer im Kopf haben.

  4. Entfernt. Bitte beachten Sie das Thema des Artikels. Danke. Die Redaktion/sh

  5. 6. [...]

    Entfernt. Der Kommentar, auf den Sie sich bezogen, wurde inzwischen entfernt. Danke, die Redaktion/lv

    Antwort auf "[...]"
  6. Entfernt. Bitte beachten Sie das Thema des Artikels. Die Redaktion/sh

    • vonDü
    • 21. Mai 2012 13:07 Uhr

    Mit dem, von wenig globaler Realtität beeinflussten, negativen Bild eines rassistischen Deutschlands, erweist man der Sache, der man diesen will, m.E. einen Bärendienst. Wie leben, erleben Migranten das Leben in Deutschland, wäre neutraler und angebrachter.

    Die These, ausgerechnet Deutschland habe ein massives Problem mit Rassismus, halte ich für schlichtweg falsch. Die Themenwoche unter diese Überschrift zu stellen, und damit den Trend für die Beiträge vorzugeben, wirkt wie eine Anklage aber nicht wie Information. Dementsprechender Gegenwind sollte daher nicht wundern.

    Ich bin im Ausland geboren, habe in den USA gelebt und Afrika und Asien bereist und kann nicht behaupten irgendwo auf der Welt weniger Rassismus erlebt zu haben, als zu Hause in Deutschland. Es deckt sich auch nicht mit dem, was ich aus den vielen Gesprächen mit Migranten in Deutschland erfahre.

    Leben in Sicherheit, könnte man mit ebenso vielen Belegen ebenso als Überschrift wählen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Entfernt. Kritik an der Moderation richten Sie bitte an unser Postfach community@zeit.de. Vielen Dank, die Redaktion/ds

    weder in der überschrift noch im artikel eine behauptung das dtl den rassismus für sich gepachtet hätte oder gar besonders herraussticht auf diesem gebiet
    das immer wieder diskutanten dieses behaupten ist zwar ärgerlich
    aber deshalb sollten sie sich an diese wenden

    und das sage ich als jemand der viele Freunde ausländischer Herkunft hat, wie Sie hier mit dem Thema umgehen. Es scheint als seien Sie geradezu allergisch, wenn Migranten ihrem deutschen Umfeld Rassismus bescheinigen wollen und dieses thema durch die Medien endlich einmal aus der Sicht von solchen Migranten behandelt wird. Man muss das nicht von einer unspezifischen Ausgangslage betrachten, auch in der Wissenschaft entscheidet man sich für bestimmte Themenbereiche, die man näherer erschlüsseln will. Selbstverständlich darf und kann (und ich finde, soll) man das Thema der Migration mit dem Blick auf den Rassismus erörtern können ohne sich Voreingenommenheit unterstellen zu müssen.

    Es gibt Rassismus in Deutschland. Und viele befürworten ihn, wissen wir seit Sarrazin.

    Ich bin sehr überrascht über diese Serie und befürworte sie händeklatschend.

    Danke Zeit!

    Zum Beispiel mit diesem Klischee: "Manche machen Karriere, andere bekommen schon in der Schule keine Chance." Alle bekommen die gleichen Chancen. Alle können kostenlos zur Schule gehen und kostenlos studieren. Das ist in anderen Ländern nicht selbstverständlich. Bei uns schon. Das sollte mit Lob und Dankbarkeit anerkannt werden.

    Wenn dennoch der Bildungserfolg ausbleibt, kann das auch andere Gründe haben.

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  • Serie Leben mit Rassismus
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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Islamismus | Kopftuch | Rassismus | Jemen | Sierra Leone | Cottbus
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