Migranten in Deutschland eint wenig. Manche sind vor Krieg und Armut geflohen, andere seit zwei Generationen Deutsche, einige sind zum Studieren gekommen. Sie sind Muslime, Hindus, Christen, Atheisten. Manche machen Karriere, andere bekommen schon in der Schule keine Chance. Was Einwanderer doch gemeinsam haben, ist, dass sie mehr oder weniger von Vorurteilen oder sogar Rassismus betroffen sind. Aber sie bleiben trotzdem hier und viele finden in Deutschland sogar ein Zuhause.

Wie das geht, will ZEIT ONLINE in einer Themenwoche ergründen. Hier kommen normale, aber ganz unterschiedliche Menschen mit ihrer jeweils eigenen und differenzierten Sicht auf ihre deutsche Wirklichkeit zu Wort. Die Themenwoche bietet keine neuen Theorien mit abstrakten Begriffen, keine radikalen Salafisten oder gemarterten Nazi-Opfern. Wir zeigen keine Prototypen, sondern Individuen.

Wie Samnang Chan, ein Kambodschaner in Cottbus . Er erlebte, wie sein Asylbewerberheim angegriffen wurde; er sollte ausgewiesen werden, obwohl er schon seit Jahren in Cottbus arbeitete. Doch inzwischen ist er Deutscher geworden und für die Grünen in seiner Stadt zur Wahl angetreten. Die Leute lieben das Hähnchen von seinem Asia-Imbiss.

Verschiedene Blicke auf die deutsche Wirklichkeit

Oder die beiden türkischstämmigen Berlinerinnen Canset Içpınar und Elif Gümüş, die Vorurteile erst spürten, als sie ihre gewohnten Orte verließen. Sie fühlten sich erst "ausländisch", als sie nach Frankfurt (Oder ) zum Studieren zogen.

Chan, Içpınar, Gümüş und die weiteren Protagonisten der Themenwoche sind Beispiele dafür, wie Einwanderer Rassismus erleben. Und dafür, dass auch diese Erfahrungen sowie der Blick der Migranten auf die Deutschen individuell sind.

Die Deutschen verstehen's nur nicht. Politiker, Sozialarbeiter und Journalisten reden von Menschen wie Chan und Içpınar meist, als wären sie eine einheitliche Gruppe: die Migranten, oder eben "Menschen mit Migrationshintergrund". Der Begriff ist sehr korrekt – aber auch sehr abstrakt. Beschrieben wird der Topf; aber die Menschen, die dort hineingeworfen werden, können wir uns nicht vorstellen.

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Einseitige Bilder

Schlimmer noch: Spätestens seit den Tiraden eines Thilo Sarrazins stellen sich viele Deutsche unter dem Sammelbegriff Menschen mit Migrationshintergrund doch etwas vor. Statt der Vielfalt der Lebenswelten sehen sie aber nur einseitige Bilder, die sich wiederum mit Schlagworten zusammenfassen lassen: mangelnder Integrationswille, Islamismus, Parallelgesellschaft, Bildungsarmut. Sie sehen prügelnde Salafisten oder Störenfriede aus Berlin-Neukölln: arm und je nach Geschlecht entweder latent kriminell oder unterdrückt unter dem Kopftuch.

Das andere ebenfalls einseitige und nur scheinbar gegenteilige Bild ist das der Neonazi-Opfer, die die Sympathie der meisten Deutschen haben – aber erst, wenn sie getötet oder schwer misshandelt worden sind. Diese beiden Bilder können schnell vertauscht werden, wie man bei den Opfern der NSU-Mörder gesehen hat. Erst waren sie selbst unter Verdacht, in kriminelle Fehden verwickelt zu sein, nun haben sie unser ganzes Mitleid und es werden Straßen nach ihnen benannt.