Wegen eines Aufrufs zur Lynchjustiz im Zusammenhang mit dem Mord an der elfjährigen Lena aus Emden ist ein 18-Jähriger zu zwei Wochen Jugendarrest verurteilt worden. Das Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Emden verwarnte den jungen Mann zudem, wie der Direktor des Gerichts, Otto Hüfken, mitteilte. Der Angeklagte hatte gestanden, Ende März nach der Festnahme eines Verdächtigen, über Facebook dazu aufgerufen zu haben, die Polizeiwache in Emden zu stürmen. Rund 50 wütende Menschen waren damals dem Appell gefolgt. Der Verdächtigte erwies sich später als unschuldig.

Der 18-Jährige musste sich wegen des öffentlichen Aufrufs zu einer Straftat verantworten. Schon in seinen früheren Vernehmungen hatte er sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft "sehr betroffen" über die Folgen seines Handelns geäußert und alle Beteiligten um Entschuldigung gebeten. Er habe sich keine Gedanken über die Tragweite gemacht, hatte die Anklagebehörde mitgeteilt.

Der Auszubildende hatte nach Überzeugung der Richter zu Gewalt aufgerufen, wie Hüfken sagte. Oberstaatsanwalt Klaus Visser sagte, niemand dürfe aber das Recht in die eigene Hand nehmen oder das staatliche Gewaltmonopol und die Unschuldsvermutung infrage stellen. Das Urteil entsprach der Forderung der Anklage. Es ist noch nicht rechtskräftig. Der Angeklagte hat eine Woche Zeit, um Rechtsmittel einzulegen.

Angeklagter gilt nicht als Alleinverantwortlicher

Nach Hüfkens Angaben wertete das Gericht den Aufruf des 18-Jährigen zu einer Straftat allerdings als nicht erfolgreich. Nach Überzeugung der Richter habe er zwar die ursprüngliche Aufforderung verbreitet, die Polizeiwache zu erstürmen. Für die Dynamik, die zu der Zusammenrottung geführt habe, hätten aber auch andere Nutzer mit ihren Kommentaren beigetragen, sodass der Angeklagte nicht als Verantwortlicher für den Auflauf selbst zu betrachten sei, sagte Hüfken. Andernfalls hätte er eventuell als Anstifter zu Landfriedensbruch oder einer anderen vergleichbaren Straftat deutlich schwerer bestraft werden können.

Lena war Ende März in einem Parkhaus in der Emder Innenstadt missbraucht und ermordet worden. Ein 18-Jähriger gestand die Tat. Vor seiner Festnahme hatte die Polizei zunächst einen 17-Jährigen als Verdächtigen festgenommen, ihn aber nach drei Tagen aufgrund neuer Beweise wieder freigelassen. Nach der Festnahme dieses ersten Verdächtigen hatte der nun vor dem Amtsgericht angeklagte 18-Jährige im Internet zur Stürmung der Polizeiwache und zum Lynchmord aufgerufen. 

Zu Gewalt kam es vor der Wache nicht. Die Polizei widersprach später Berichten, in denen von einem "Lynchmob" die Rede war. Letztlich war nicht festzustellen, ob die Menge wirklich dem Aufruf gefolgt oder aus Neugier gekommen war. Die Beamten schritten daher nicht ein und nahmen auch keine Personalien auf.