KriminalitätSexueller Missbrauch von Kindern nimmt zu

Die erfassten Fälle von Sexualverbrechen an Kindern haben 2011 erneut zugenommen. Kinderschützer arbeiten nun an einem Verbots- und Maßnahmenkatalog gegen Missbrauch. von afp und dpa

Laut polizeilicher Kriminalitätsstatistik haben die erfassten Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern im vergangenen Jahr erneut zugenommen. Die Zahl erhöhte sich um 4,9 Prozent auf 12.444 Taten, berichtet Die Welt . Es müsse allerdings nach wie vor von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich will das Dossier aus dem die Zeitung zitiert am Mittwoch vorstellen. Dramatisch zugenommen habe demnach der Besitz und die Beschaffung von Kinderpornografie: Hier gebe es ein Plus von 23,3 Prozent. Das sind fast 3.900 registrierte Fälle .

Die Verbreitung pornografischer Schriften dagegen ist leicht zurückgegangen – auch digital. Dem Bericht zufolge signalisiert die Statistik beim " Tatort Internet " insgesamt eine Entspannung. Erfasst wurden im Vergleich zum Vorjahr knapp 10 Prozent weniger Straftaten. Überwiegend handele es sich um Betrugsdelikte.

Umfangreicher Maßnahmenkatalog

Um die Zahl der Sexualverbrechen zu senken , ist ein umfangreicher Verbots- und Maßnahmenkatalog gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen geplant. Der Bundesbeauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, handelt nach Informationen der Märkischen Allgemeinen Zeitung vom Wochenende mit 20 Dachverbänden wie der Deutschen Bischofskonferenz, dem Arbeitskreis der Internate oder der Arbeiterwohlfahrt entsprechende Vereinbarungen aus.

Die Mitglieder dieser Verbände verpflichten sich, konkrete Regeln im Umgang mit Kindern und Jugendlichen einzuhalten. In dem Verhaltenskodex werde unter anderem festgelegt, dass es zwischen Lehrern und Schülern keine Facebook-Kontakte geben soll. Die Anwesenheit in Dusch- und Waschräumen ist den Erwachsenen – abgesehen von Notfällen – demnach generell untersagt.

Der Deutsche Olympische Sportbund, die Arbeiterwohlfahrt und der Paritätische Gesamtverband haben die Regeln laut Bericht bereits unterschrieben. Ihre Bereitschaft dazu erklärt hätten die kommunalen Spitzenverbände, die Kirchen , die anderen Wohlfahrtsverbände, das Bundesforum Kinder- und Jugendreisen, der Arbeitskreis der Internate und die Deutsche Krankenhausgesellschaft.

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Leserkommentare
  1. Dabei muss man zwischen Missbrauch im strafrechtlichen Sinne und Missbrauch im sozialen Sinne unterscheiden.

    Die Gesetze sind in unterschieldichen Ländern unterschiedlich. Auch sind Altersgrenze unterschiedlich.

    Also kann man die Zahlen nicht wirklich vergleichen. Die effektivste Methode, die Zahl von Missbrauchsfällen zu reduzieren ist nämlich, die Strafgesetze so zu gestalten, dass Übergriffe nicht leicht als Missbrauch geahndet werden können.

    Aber hinter jeder Zahl steckt ein Mensch, ein Schicksal. Egal wie die Gesetze die Übergriffe definieren, ist es eine schlimme Erfahrung. Und das ist das Wichtigere.

    Zahlen kommen erst dann ins Spiel, wenn man Budgets genehmigen muss und dafür Zahlen haben muss.

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    ... ich habe nur auf die Frage einer Person geantwortet, die wissen wollte ob und warum es in Deutschland so häufig ist. Auf eine phänomenologische Frage antworte ich phänomenologisch. Natürlich sagen Zahlen nichts über den individuellen Fall aus, aber sehr wohl über gesellschaftliche Trends. Es stimmt dass die Altersgrenze z. B. für Kinderprostitution in jedem westlichen Land bei unter 18 und nur in Deutschland bei unter 16 liegt (... und wir haben es trotzdem geschafft unter den Top 3. der Pädosextouristen zu landen). Wenn ich eine(n) Klienten habe, helfen mir diese Zahlen natürlich nicht weiter, da geht es um einen individuellen Fall und jeder Fall ist anders, auch wenn die Fakten noch so kongruent sind. Wenn ich aber gesellschaftspolitisch argumentiere, dann brauche ich die Zahlen und Theorien um gesellschaftliche Trends darzustellen und zu interpretieren. D. h. wenn ich weiß, dass in Ländern in den Kinder einen niedrigen sozialen Status haben, mehr Missbräuche geschehen, dann weiß ich, dass ich in der präventiven politischen Arbeit die gesellschaftliche Position von Kindern stärken muss. Wenn mein(e) Klient(in) wegen der posttraumatischen Belastung wieder mal nicht vor die Tür kann, dann werde ich sie/ihn in ihren individuellen Nöten versuchen aufzufangen und mir der Einmaligkeit dieses Menschen bewusst sein. Es sind eben 2 verschiedene Handlungsebenen, beide haben viel Handlungsbedarf.

  2. 242. Mysogenie

    "Stimmt und ist somit ein weiterer Beleg dafür, dass sexualisierte Gewalt gegen Jungen ebenso wie selbige gegen Mädchen überwiegend von Männern ausgeht, wobei Sie die weiblichen Opfer meiner Ansicht nach gerne totschweigen würden."

    Ich schweige nichts tot. Sexualisierte Gewalt geht weit überwiegend von Männern aus, das ist ein inhärentes Prinzip des Patriarchats. Betroffene sind jedoch, im Gegensatz zu Ihrer Auffassung, überwiegend Jungen und junge Männer - deren Sexualität und sozial-emotionale Bindungsfähigkeiten auf einem sehr alltäglichen Wege zerstört werden.

    Und ich behaupte, daß die Zurichtung von männl. Identität und Sexualität von weiblicher Komplizinnenschaft gedeckt ist.

    Ansonsten bin ich der Mann, der den Riß zwischen den sog. Gesschlechtern mal so richtig aufmachen kann.

    Doch das trauen Sie sich nicht. Denunziation ist billiger.

    ^^

    I.

    Antwort auf "Statistik"
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    Interessant in diesem Zusammenhand ist allerdings, dass das Thema Kindesmissbrauch erst erst genommen wurde, als männliche Opfer begannen, aktiv zu werden.

    Also weibliche Opfer redeten und Selbsthilfegruppe gegründet hatten, wurden sie als nur hysterisch abgetan.

    Männliche Betroffene werden von der Politik irgendwie besser gehört, wenn sie aus Betroffenensicht Forderungen stellen.

  3. 243. Paradox

    "Von Kindern die Finger weg!
    Da gibt es kein Verhandeln von wegen "war ja keine Gewalt im Spiel" oder ähnlichen Kram."
    ----------------
    Das müsste dann allerdings auch für Jugendliche und junge Erwachsene gelten.

    Es geht nicht, dass an einer Schule ein männlicher Lehrer seine Kolleginnen und erwachsene Schülerinnen Sex aufzwingen darf, nach dem Motto, Frauen hätten sich ja wehren müssen, und wenn was passiert, sind sie selbst schuld.

    Und gleichzeitig zu fordern, dass diese Frauen "hinschauen" sollen, bei jüngeren Opfern des selben Täters.

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    allerdings sehen Gerichte das wohl anders, wenn ich an das Urteil von diesem Jahr gegen einen 32-jährigen Lehrer denke, der mit einer 14-jährigen eine sexuelle Beziehung anfing.

    Oberlandesgericht Koblenz, Aktenzeichen: 1 Ss 213/11

  4. Interessant in diesem Zusammenhand ist allerdings, dass das Thema Kindesmissbrauch erst erst genommen wurde, als männliche Opfer begannen, aktiv zu werden.

    Also weibliche Opfer redeten und Selbsthilfegruppe gegründet hatten, wurden sie als nur hysterisch abgetan.

    Männliche Betroffene werden von der Politik irgendwie besser gehört, wenn sie aus Betroffenensicht Forderungen stellen.

    Antwort auf "Mysogenie"
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    die weiblichen Betroffen haben seit gut 30 Jahren eine Lobby.

    Deren Mächtigkeit ist wohlbekannt und ich würde niemals deren Berechtigung infragestellen.

    Nur sind eben nicht nur Mädchen/Frauen Opfer.

    Der exklusive Anspruch steht infrage, mehr nicht.

    I.

  5. "Misogynie (griechisch μισεῖν misein „hassen“ und γυνή gyné „Frau“) bezeichnet die bereits in der griechischen Antike denkerisch und literarisch behandelte starke Abneigung gegen Frauen (den „Frauenhass“) und kann sowohl individuell bedingt als auch eine Äußerung des sozialen Sexismus sein" (wikipedia)

    Mir wurde hier ja schon von Männern misandrische Tendenzen vorgehalten. Nun kommen Sie mit misogynen.

    Was bitte soll mir das sagen?

    I.

  6. 246. Unsinn

    die weiblichen Betroffen haben seit gut 30 Jahren eine Lobby.

    Deren Mächtigkeit ist wohlbekannt und ich würde niemals deren Berechtigung infragestellen.

    Nur sind eben nicht nur Mädchen/Frauen Opfer.

    Der exklusive Anspruch steht infrage, mehr nicht.

    I.

    Antwort auf "männliche Betroffene"
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    Der Runde Tisch gibt es nicht seit 30 Jahren. Sondern das wurde in erster Linie wegen Skandale in Internaten gegründet, und da waren viele männliche Betroffene dabei.

  7. "Mal derb gesagt" ist hier zutreffend, denn so läuft die Untersuchung bei Missbrauch meist nicht ab.

    Sondern, meist ist der Täter bekannt - da braucht man nicht nach Tätern suchen, und Nachweis über Körperkontakt bringt meist auch nichts.

    Wenn nach DNA-Spuren unter Fingernägel gesucht wird, dann geht es eher um Fälle, wo direkt nach der Tat angezeigt wurde, und das Opfer aussagte, dass es den Täter gekratzt hat. Und man braucht einen Beweis, um die Glaubwürdigkeit der Aussage zu untermauern.

    Sehr oft werden aber Anzeigen erst Jahre später gemacht.

    Es wäre gut, wenn Sie sich an Fakten orientieren würde statt "bildlicher Sprache" schon aus Respekt für Opfer.

    Antwort auf "[...]"
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    Entfernt. Nutzen Sie den Kommentarbereich bitte, um sich sachlich über den konkreten Artikelinhalt auszutauschen. Danke. Die Redaktion/kvk

  8. Der Runde Tisch gibt es nicht seit 30 Jahren. Sondern das wurde in erster Linie wegen Skandale in Internaten gegründet, und da waren viele männliche Betroffene dabei.

    Antwort auf "Unsinn"
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    da kommen nach Jahrzehnten die Dimensionen von Mißbrauch an Jungen und männlichen Jugendlichen in deutschen Vereinen, Verbänden, Kirchen und Schulen allmählich zutage und dann wird die Gründung von runden Tischen zur Mißbrauchsthematik von weiblicher Seite darauf zurück geführt, daß das ja nur geschiehen ist, weil es sich bei den Betroffenen überwiegend um Jungen / Männer gehandelt habe.

    Nach dem Motto:
    wären mehrheitlich Mädchen / Frauen betroffen gewesen, wäre ganz sicher nichts passiert.

    Das ist kaum bzw. nicht zu glauben, wie hier noch die Opfer nach Geschlecht gegeneinander ausgespielt werden sollen.

    So, als hätte es nie und nicht seit Jahrzehnten eine breite Diskussion um sexuelle Übergriffe, Mißbrauch und sexualisierter Gewalt von Jungen/Männern/Väter gegen Mädchen, Frauen und Mütter gegeben und als gäbe es für diese keine Hilfe, Schutz, Unterstützung etc.

    Nein, die Jungs sind noch als Opfer privilegiert.

    Sonst noch was, die Damen?

    I.

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP
  • Schlagworte Bischofskonferenz | Entspannung | Erwachsene | Hans-Peter Friedrich | Internat | Internet
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