KriminalitätSexueller Missbrauch von Kindern nimmt zu

Die erfassten Fälle von Sexualverbrechen an Kindern haben 2011 erneut zugenommen. Kinderschützer arbeiten nun an einem Verbots- und Maßnahmenkatalog gegen Missbrauch. von afp und dpa

Laut polizeilicher Kriminalitätsstatistik haben die erfassten Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern im vergangenen Jahr erneut zugenommen. Die Zahl erhöhte sich um 4,9 Prozent auf 12.444 Taten, berichtet Die Welt . Es müsse allerdings nach wie vor von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich will das Dossier aus dem die Zeitung zitiert am Mittwoch vorstellen. Dramatisch zugenommen habe demnach der Besitz und die Beschaffung von Kinderpornografie: Hier gebe es ein Plus von 23,3 Prozent. Das sind fast 3.900 registrierte Fälle .

Die Verbreitung pornografischer Schriften dagegen ist leicht zurückgegangen – auch digital. Dem Bericht zufolge signalisiert die Statistik beim " Tatort Internet " insgesamt eine Entspannung. Erfasst wurden im Vergleich zum Vorjahr knapp 10 Prozent weniger Straftaten. Überwiegend handele es sich um Betrugsdelikte.

Umfangreicher Maßnahmenkatalog

Um die Zahl der Sexualverbrechen zu senken , ist ein umfangreicher Verbots- und Maßnahmenkatalog gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen geplant. Der Bundesbeauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, handelt nach Informationen der Märkischen Allgemeinen Zeitung vom Wochenende mit 20 Dachverbänden wie der Deutschen Bischofskonferenz, dem Arbeitskreis der Internate oder der Arbeiterwohlfahrt entsprechende Vereinbarungen aus.

Die Mitglieder dieser Verbände verpflichten sich, konkrete Regeln im Umgang mit Kindern und Jugendlichen einzuhalten. In dem Verhaltenskodex werde unter anderem festgelegt, dass es zwischen Lehrern und Schülern keine Facebook-Kontakte geben soll. Die Anwesenheit in Dusch- und Waschräumen ist den Erwachsenen – abgesehen von Notfällen – demnach generell untersagt.

Der Deutsche Olympische Sportbund, die Arbeiterwohlfahrt und der Paritätische Gesamtverband haben die Regeln laut Bericht bereits unterschrieben. Ihre Bereitschaft dazu erklärt hätten die kommunalen Spitzenverbände, die Kirchen , die anderen Wohlfahrtsverbände, das Bundesforum Kinder- und Jugendreisen, der Arbeitskreis der Internate und die Deutsche Krankenhausgesellschaft.

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Leserkommentare
  1. Sexueller Missbrauch von Kindern findet für gewöhnlich im Verborgenen statt und der Schritt an die Öffentlichkeit ist meist ein großer, da er das gesamte Umfeld erodieren kann.

    Ich würde es so sehen, wie es auch im ersten Absatz heißt: "die Zahl der erfassten Fälle" stieg, was ich mit den vielen Diskussionen im Zusammenhang sehe, die vielleicht zu mehr Anzeigen führten und auch die Offenheit im Umfeld fördern halfen.

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    • th
    • 14. Mai 2012 11:12 Uhr

    gäbe es keine Sensationsmeldung!

    Sie müssen aber auch die Interessen der Politiker, Verbände und Journalisten verstehen!

    Natürlich werden viel mehr Fälle angezeigt als früher, aber das heißt doch nicht, dass viel mehr passiert. Vor allem, wenn man von einer hohen Dunkelziffer ausgeht.

    Noch was:

    Wenn die Anwesenheit Erwachsener in Dusch- und Umkleideräumen ganz unterbunden werden soll - wer führt dann dort die Aufsicht, und was ist bei Unfällen und Kloppereien zwischen den Kindern bzw. Jugendlichen? Hier wird in einer allgemeinen Hysterie das Kind mit dem Bade ausgeschüttet.

    ... zufällig habe ich genau zu diesem Thema in meinem Studium eine Prüfung abgelegt. Die Anzeigebereitschaft hat deutlich zugenommen. In der Regel kennen Opfer ihren Täter persönlich, oft ist er auch aus demselben Umfeld. Das führte oft dazu, dass früher von Anzeige abgesehen wurde, um den eigenen Ruf nicht zu schädigen. Diesbezüglich haben Aufklärung etc.. große Errungenschaften gebracht. Tatsächlich wurden in den 50ern im Jahr 4 mal so viele tote, missbrauchte Kinder in Deutschland aufgefunden (ca 140 im Jahr) als in den letzten beiden Jahrzehnten (ca 40 im Jahr). Das diesbezüglich noch viel zu viel passiert ist unbestreitbar. Aber dennoch bin ich immer wieder hochgradig enttäuscht, dass nicht einmal wirklich deutlich öffentlich gemacht wird, wie viel Aufklärung, Stärkung des Selbstbewusstseins und Steigerung des Wertes von Kindern in unserer Gesellschaft gebracht hat, damit genau dieser Weg weiter bestärkt wird!! ... und dass die Anzeigen nicht zuletzt zugenommen haben, weil viele Menschen heute mehr Mut als früher zeigen! Einige Quellen meiner Arbeit: Schäufele, B. „Sexueller Missbrauch – Mediandarstellung und Medienwirkung“ VS Verlag für Sozialwissenschaften/GWV Fachverlag GmbH, Wiesbaden; Goedelt K. „Vergewaltigung und sexuelle Nötigung – Untersuchung der Strafverfahrenswirklichkeit“, 2010, Universitätsverlag Göttingen; Amman, H. „Sexuelle Ausbeutung von Buben“, Edition Soziothek, Bern; etc...

    Um Missverstädnisse vorzubeugen:

    Bei der polizeilichen Kriminalstatistik geht es um Anzeigen. Man muss dabei u.a. bedenken:

    1) Wenn ich im 2011 eine Tat aus 2004 anzeige, dann wird das in der Statistik 2011 erfasst und nicht in der Statistik 2004.

    2) Es gibt Regelungen, wie Mehrfachtaten erfasst werden, z.B. wenn ein Täter gleichzeitig 3 Kinder missbraucht, oder ein Kind wird von einem Täter 10 mal missbraucht, oder ein Kind wird von 2 Tätern missbraucht usw.

    3) Es geht um Anzeigen, nicht um Verurteilungen.

  2. ... ist eine Katastrophe und deswegen ist höchste Aufmerksamkeit gefordert und Präventions- und Verfolgungsbedarf nicht gering zu schätzen.

    Jedoch: wenn, wie im Artikel beschrieben, "die erfassten Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern im vergangenen Jahr erneut zugenommen" haben, liegt das sicher auch an einer erhöhten Aufmerksamkeit und Sensibilität -dringend notwendig- für dieses Thema, das immer mehr Fälle erfasst und statistisch verzeichnet - hoffentlich auch dagegen vorgeht.
    Journalsitisch halte ich es aber dann nicht für seriös, die Überschrift "Sexueller Missbrauch von Kindern nimmt zu" zu verwenden.
    Das leistet nur dem ständigen "Früher war alles besser" und "Früher ist sowas nicht passiert" Vorschub, das man so gerne von Älteren hört.
    Weil man früher im Dorf eben noch mehr weggeschaut hat, wenn der Onkel, Pfarrer, Lehrer, Vater sich an Kindern zu schaffen gemacht hat.
    Damit ist keinem Opfer geholfen, schon gar nicht den nicht aufgearbeiteten Fällen der vergangenheit (Kinderheime etc....)
    Falls es jemand nicht gemerkt hat: ich will damit NICHT die Fälle und den Klärungsnotstand bagatellisieren !

    20 Leserempfehlungen
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    Ganz unbewusst und geradezu subtil schauen wir weg und schützen.

    • Bastie
    • 14. Mai 2012 9:03 Uhr

    "Weil man früher im Dorf eben noch mehr weggeschaut hat, wenn der Onkel, Pfarrer, Lehrer, Vater sich an Kindern zu schaffen gemacht hat."

    Und durch diesen Kommentar beweisen Sie, dass Sie selbst die Hälfte der potentiellen Täter außer Acht lassen. Das sollte Ihnen vielleicht zu denken geben.

    • tobmat
    • 14. Mai 2012 10:54 Uhr

    "Journalsitisch halte ich es aber dann nicht für seriös, die Überschrift "Sexueller Missbrauch von Kindern nimmt zu" zu verwenden."

    Dem kann ich nur zustimmen. Insbesondere da in diese Statistik auch Straftaten fallen, bei denen gar kein Kind zu Schaden gekommen ist. Zum Beispiel der Besitz und das verbeiten kinderpornografischer Schriften, Comics, Zeichnungen usw.. Auch das Straftaten mit kinderpornografischen Bildern und Videos zunehmen, lässt keinen Rückschluss auf die tatsächlichen Missbrauchsfälle zu.

    • malera
    • 14. Mai 2012 10:36 Uhr

    @christygoe:
    Meine Haupaussage zielte auf die Verschiebung des Skandals.
    Da Zahlen zu Gewalt an Jungs schwer zu finden sind, kann ich mit keinem link über Gewalt an Jungs aufwarten. Vielleicht aber können Sie das?

    @saja:
    Das ist aber jetzt ein schlechter Witz, oder?
    Haben Sie einen Blick auf Seite 12 geworfen, und die Fragen berücksichtigt und außerdem Seite 30?

    Auf Seite 12 werden 7 Fragen aufgestellt:
    1. "...ein Mann sein Geschlechtsteil"
    3. "am Geschlechtsteil, Busen, oder After"
    4. "Scheide, oder ihren After eingedrungen"
    5. "mindestens fünf Jahre älterer Mann" - "in ihre Scheide oder After"
    6. "mindestens fünf Jahre älterer Mann" - "mit seinem Penis in ihren Mund"

    Von 7 Fragen sind 4-5(!) eindeutig vorgegeben: Mann Täter - Mädchen Opfer.
    Und selbst die 3. Frage, die noch neutral mit Geschlechtsteil den Penis allg. miteinschließt, wird der Busen doch explizit erwähnt, während bei 2. zwar kein Busen, aber auch kein Penis expliziert wird - dafür aber nach Mundbefriedigung frägt.
    Bei diesem Fragekatalog fühlen sich Jung sicherlich gleichbehandelt angesprochen.

    Seite 30 verrät unter dem Kapitel Täterkreis(!): "Weibliche Täter" -und damit ihre Taten- "wurden aufgrund der Festlegung" -(!)- "auf ausschließlich männliche Personen bei diesem Delikt nicht genannt."
    ---

    Ich stelle fest: die Opferhoheit soll den Mädchen erhalten und die Täterhoheit den Männer zugewiesen bleiben, und zwar nicht nur als mögliches Fakt, sondern als Über-Verdeckung von Männer/Jungs als Opfer.

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    • saja
    • 14. Mai 2012 11:33 Uhr

    Soviel mal vornweg: Ich finde es gut, dass sie auf das Problem hinweisen, dass männliche Opfer häufig stärker stigmatisiert werden als weibliche und weibliche Täter zu wenig wahrgenommen werden. Da gibt es auf jeden Fall noch Forschungsbedarf! Allerdings muss ich auch anmerken: Sie zitieren verkürzt. Bei Fragen 3 und 4 ist die Geschlechterrollenverteilung, da auch Jungen einen After und Geschlechtsteile haben, und auch Frauen Penetration ausüben können (z.B. mit Fingern oder Gegenständen) eben gerade nicht festgelegt:

    (3) … eine mindestens fünf Jahre ältere Person Sie am Geschlechtsteil, am Busen oder am After angefasst hat, um sich oder Sie sexuell zu erregen? (SM3)
    (4) … eine mindestens fünf Jahre ältere Person mit ihrem Finger, ihrer Zunge oder einem Gegenstand bei Ihnen in die Scheide oder den After eingedrungen ist, um sich oder Sie sexuell zu erregen? (SM4)

    Würden Jungen hier falsche Angaben machen, obwohl das Item insgesamt auf sie zutrifft, nur weil sie einige der aufgeführten möglichen Körperteile nicht besitzen? Spätestens bei dem Item „sonstige sexuelle Handlungen (als die bisher genannten)“ sollten doch alle Missbrauchsfälle gezählt worden sein. Somit ist meinem Verständnis nach jede mögliche sexuelle Handlung von Tätern jedweden Geschlechts hier aufgeführt. Daher finde ich Ihre Kritik in dieser Schärfe überzogen.

    • malera
    • 14. Mai 2012 13:13 Uhr

    Nein, Sie wollten die Studie heranziehen, um zu belegen, dass Mädchen in jedem Bereich überwiegend die Opfer sind und Männer überwiegend die Täter. Dann sehe ich in die Studie rein, und sehe, dass 1. Frauen herausgenommen wurden, und damit ja auch die Taten. Was sich demnach auch auf die sieben Fragen auswirkt.
    ( Und eigentlich müsste man bezüglich der Fragen entrüstet sein. Mit wissenschaftlicher Redlichkeit hat das für mich persönlich nichts mehr zu tun. Meiner Meinung nach müsste so schlampig-einseitige tendenziöse Arbeiten eines Ministerium auch zu politischen Rücktrittsforderungen führen.)

    Ich hatte selbst auf die neutralen Begriffe wie Geschlechtsteil hingewiesen, aber es ist unredlich, skandalös, und hat mit neutraler Wissenschaft nicht mehr viel zu tun, wenn bei 7 Fragen in der Gesamtheit eine Missbrauchsituation Mann gegen Mädchen suggeriert wird, und im Einzelnen Penis kein einziges mal(!) - kein einziges mal - als eines möglichen Opfers auftaucht, stattdessen aber als explizite Täterpenis-zuordnung, dafür aber Scheide, Brust, und ja auch After (aber trotz Penisneid, ist immer noch der Penis das Primärgeschlecht des Jungen), explizit, und zwar nur in der Opferzuordnung.
    Warum typische Missbrauchserfahrungen von Jungen von vornherein ausgeschlossen, wenn man den Mädchenfragenkatalog auch auf Jungs anwenden und -redliche- Vergleiche oder Zahlen gegenüberstellen will?

    Warum dann also nicht den Fragenkatalog um die Täterelemente Scheide und Brust erweitern?

    • malera
    • 14. Mai 2012 13:34 Uhr

    Warum, wenn man doch angeblich neutral und wissenschaftlich unvoreingenommen, also redlich, warum pische Missbrauchserfahrungen von Jungs herausnehmen, wenn man doch gerade vorgibt an denen der Jungs auch interessiert zu sein?
    Das beginnt bei der ebenso expliziten Nennung von Scheide und Brust als Möglichkeit der missbräuchlichen Erfahrung, wie es bei dem Mädchenfragenkatalog ja auch gemacht wird: aufgedrängte Zurschaustellung von Brust und unbekleideter Vagina, missbräuchliche 'Zuneigung' (Umarmung) mit unangenehmer Berührung durch Brust, Scheide, missbräuchliche Aufforderungen, den 'Opferpenis' in die Scheide zu stecken oder an der Brust zu reiben, oder von der Mutterhand unangenehm, unagemessen berührt, kassisch: gewaschen, oder eben auch mastubiert zu werden.

    Und dabei ist ein anderer Missbruchsaspekt, der subtilen Kontrolle, der sehr wohl sexualsisiert, Sexualität angreifend sein kann, der aber für Jungs noch mal ein ganz eigenes Kapitel ist, gar nicht inkludiert.

    Selbst wenn Sie die tendenziöse Unseriösität zur Aufrechterhaltung ideologisch gebrauchter Ergebnisse mit ihrem Verweis auf die neutralen Begriffe verleugnen wollen, dann haben Sie immer noch Erklärungs- und Rechtfertigungsbedarf, warum diese Neutralität der Begriff überhaupt erst, und zwar mit der eindeutigen Tendenz, spezifiziert wird.
    Warum auch gleich Frauen als Täter einfach mal herausgenommen werden - bei der Befragung nach sexuellem Missbrauch - das ist nur noch zynisch.

    • malera
    • 14. Mai 2012 8:53 Uhr

    Liegt es daran, dass beim 'bloß' normalen Missbrauch 'bloß' vermehrt Jungs dran glauben müssen, oder weil es doch zu gewöhnlich bewertet und verharmlost zur Normalität gehört, ja dass es doch schon in Ordnung ist, der 'normale' Missbrauch, also der gewalttätige physisch-psychische, oder ist diese permanente Verdrängung zu erklären, dass man lieber 1000 Mal zum sexuellen Missbrauch, als wäre der Skandal eben erst durch diesen sexualisierten Zusatz gegeben?

    Mittlerweile macht man sich also gar nicht mehr die Mühe, will man detailliert differenziert sexuellen '('Missbrauch')' betrachtet haben, andere Formen des Missbrauchs zu erwähnen.
    Physische, Psychische Gewalt ist immer noch gesellschaftsfähig. Traurig.

    So schlimm der sexuelle Missbrauch ist, er ist es, und ist skandalös, weil ein (junger) Mensch zu Schaden kommt, und das liegt im Missbrauch, und nicht etwa erst im sexuellen begründet.

    Wer sich nicht am Missbrauch allgemein stört, zeigt, dass er erst durch die Sexualisierung skandalös wird. Und das ist ein rein moralisches Problem bzgl Sexualität allgemein, und kommt so gar nicht an das missbräuchliche Element bei 'Anwendung' bri Kindern/Jugendlichen an. Der spricht womöglich bei seinem ehrlichen Entsetzen nur in einer prüden Dimension und gar nicht von der Dimension, was mit Missbrauch gemeint ist.

    Verortet man aber den Skandal richtiger Weise im Missbrauch, ist die sexuelle, sexualisierte nur eine Form der Perversion - warum dies empörte Schweigen zu Missbrauch?

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    das zeigen bislang alle Untersuchungen. Hier zu behaupten, dass Jungs häufiger betroffen sind, ist schlicht falsch.

    • saja
    • 14. Mai 2012 9:17 Uhr

    Wie kommen Sie darauf, dass hauptsächlich Jungs betroffen sind? Da sagt eine aktuelle repräsentative Befragungsstudie aber etwas ganz anderes:

    „Vergleicht man die Geschlechter hinsichtlich der Auftretensrate sexuellen Kindesmissbrauchs, so ist festzu-stellen, dass Mädchen deutlich häufiger betroffen sind als Jungen, nämlich von Entblößen und sonstigen sexuellen Handlungen etwa vier Mal so häufig und von Missbrauch mit Körperkontakt etwa fünf Mal so häufig“

    Eine Metaanalyse von Stoltenborgh et al. (2001) findet ebenfalls, dass Mädchen in westlichen Nationen deutlich häufiger betroffen sind als Jungs (in Afrika scheinen Mädchen und Jungs dagegen gleich stark betroffen zu sein).

    • malera
    • 14. Mai 2012 10:36 Uhr

    @christygoe:
    Meine Haupaussage zielte auf die Verschiebung des Skandals.
    Da Zahlen zu Gewalt an Jungs schwer zu finden sind, kann ich mit keinem link über Gewalt an Jungs aufwarten. Vielleicht aber können Sie das?

    @saja:
    Das ist aber jetzt ein schlechter Witz, oder?
    Haben Sie einen Blick auf Seite 12 geworfen, und die Fragen berücksichtigt und außerdem Seite 30?

    Auf Seite 12 werden 7 Fragen aufgestellt:
    1. "...ein Mann sein Geschlechtsteil"
    3. "am Geschlechtsteil, Busen, oder After"
    4. "Scheide, oder ihren After eingedrungen"
    5. "mindestens fünf Jahre älterer Mann" - "in ihre Scheide oder After"
    6. "mindestens fünf Jahre älterer Mann" - "mit seinem Penis in ihren Mund"

    Von 7 Fragen sind 4-5(!) eindeutig vorgegeben: Mann Täter - Mädchen Opfer.
    Und selbst die 3. Frage, die noch neutral mit Geschlechtsteil den Penis allg. miteinschließt, wird der Busen doch explizit erwähnt, während bei 2. zwar kein Busen, aber auch kein Penis expliziert wird - dafür aber nach Mundbefriedigung frägt.
    Bei diesem Fragekatalog fühlen sich Jung sicherlich gleichbehandelt angesprochen.

    Seite 30 verrät unter dem Kapitel Täterkreis(!): "Weibliche Täter" -und damit ihre Taten- "wurden aufgrund der Festlegung" -(!)- "auf ausschließlich männliche Personen bei diesem Delikt nicht genannt."
    ---

    Ich stelle fest: die Opferhoheit soll den Mädchen erhalten und die Täterhoheit den Männer zugewiesen bleiben, und zwar nicht nur als mögliches Fakt, sondern als Über-Verdeckung von Männer/Jungs als Opfer.

    • malera
    • 14. Mai 2012 11:54 Uhr

    Googelt man nicht über Gewalt an Jungen sondern Frauengewalt und amerik. Studien wird man fündig:
    http://www.vaeter-zeit.de...

    Kurz und knapp: Nur durch Weglassen weiblicher Gewalt wie Ohrfeigen, Treten, Anbrüllen, Geschirrwerfen, verschiebt sich die Tätereigenschaft asymmetrisch hin zum Mann als Täter. Lässt man diese weiblichen Taten nicht weg, ist es auch schon nahezu symmetrisch und gleich.

    Und jetzt, liebe Damen, gefragt nach Gewalt gegen Jungs:
    "Die ist in der Hauptsache Gewalt gegen Jungs. [...] Die Zahl der Gewalttaten gegen Jungen ist von Seiten der Mütter und auch der Väter" - "doppelt" - "so hoch."

    Insgesamt wird auch hier genau Ihre Reaktion auf meinem Kommentar bestätigt, wonach die Fixierung der Gleichung überwiegend Mädchen/Frauen als (Missbrauchs-) Opfer (und überwiegend Männer als Täter) nur durch Weglassen weiblicher Gewalt und Fixierung auf sexuelle Gewalt zementiert werden kann.

  3. Erstaunlich, dass es einige Vorkommentatoren gibt, die hier tatsächlich Haarspalterei betreiben und darüber streiten, ob nun mehr Jungen oder mehr Mädchen sexuell missbraucht werden/wurden.
    Ist das denn wichtig? Es ist der MENSCH, das KIND an dem sich vergangen wird! Wo ist der Unterschied, ob Mädchen oder Junge? Ist das eine besser als das andere? Wohl eher nicht!

    Davon abgesehen denke ich auch, dass heutzutage mehr Augenmerk darauf gelegt wird, solche Fälle zu erkennen als früher.

    Mein ehemaliger Sportlehrer kam nur in die Dusche um zu "gucken" oder wie er sagte "um nach Ordnung zu sehen". Ich beschwerte mich, den Direktor und andere interessierte es nicht. Jahre später habe ich erfahren, dass er mittlerweile ein Verfahren am Hals hat. Er hatte sich an einem Schüler vergangen. Darum plädiere ich dafür genau hinzusehen und genau hinzuhören und "Beschwerden" nicht als pubertäre Übertreibung anzusehen!

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    oder wenn es um Ermittlungen geht, denn wenn man von Grundannahmen ausgeht, die nicht der Realität entsprechen, macht man Fehler.

    Wegen solcher Motti wird sich hier beschwert.

    Weil jedes Opfer ein Opfer zuviel ist.

    Aber jede Erwähnung von Jungs anscheinend auch eine zuviel ist.

    Weil es ein gesellschaftliches Klima gibt, welches dafür sorgt das Kinder sich nicht trauen das Schweigen zu brechen.

    Und weil das auch sehr gut ein Mechanismus sein kann, der dann auch dafür sorgt, dasses für missbrauchte Jungen noch schwieriger sein kann sich zu äussern.

    Wegen solcher Details beschweren sich einige Männer. Vollkommen zu Recht.

  4. wird es soweit ich weiß, nicht als Missbrauch in die Statistik einfließen und ein 15-jähriger, der mit seiner 13-jährigen Freundin eine Handlung ausführt, die als sexuell einzustufen ist, wird auch nicht als Missbraucher eingestuft.

    Der Staat sollte sich aber immer einmischen, wenn Erwachsene sich an Kinder und Heranwachsenden sexuell ausleben und davon sollte man auch kein Stück abrücken.

    10 Leserempfehlungen
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    • Floak
    • 14. Mai 2012 9:36 Uhr

    Beispielsweise das "Spiel" Hoppe-Hoppe-Reiter. Heutzutage gilt das besonders wenn das ein Erzieher mir einem Kind, "spielt" schon als sexueller Missbrauch. Ist auch verständlich. Aber da wird einem schon klar, warum es mehr Fälle gibt. Vor noch 20 Jahren hat sowas keinen interessiert, während man heute schon wesentlich genauer unterscheidet.

    Im Prinzip gibt es also wahrscheinlich nicht mehr Fälle - proportional zur Bevölkerung gesehen - sondern nur eine bessere Erkennungs- und Verfolgungsrate.

  5. "In dem Verhaltenskodex werde unter anderem festgelegt, dass es zwischen Lehrern und Schülern keine Facebook-Kontakte geben soll."

    Was für ein Armutszeugnis. Welches für ein Menschenbild haben eigentlich Leute, denen sowas einfällt? Und welches Menschenbild will man den Kindern beibringen? Traue niemanden, niemals?

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    Ein schönes institutionalisiertes Ohnmachtsverhältnis.

    Wollte man die Situation für Kinder wirklich verbessern, dann müsste man an Ecken und Enden stärken, wo man schnell in Konflikt mit mächtigen Interessen gerät.

    ich lasse mein Kind ja auch nicht ohne Training in den Strassenverkehr!

    • CoMiMo
    • 14. Mai 2012 10:34 Uhr
    49. Jein...

    Mädchen sind nicht viel häufiger Opfer vom Missbrauch als Jungen - überhaupt und ganz ehrlich ist es schon widerwärtig da jetzt Vergleiche zu ziehen, Kinder sind Kinder!

    Der Missbrauch von Jungen und Mädchen hält sich etwa in der Waage.

    Das Problem ist nur, bei Mädchen fällt es - rein biologisch gesehen - eher auf als bei Jungen UND - und das wird gerne vergessen - Jungen wird eher eingeredet dass es ein Mannesritual ist, was da mit ihnen passiert.

    Wenn man bedenkt, dass viele Täter auch mal Opfer waren und sich dann mit denen unterhält, dann sieht man schon, dass die Anzahl derer recht hoch ist.

    Was mich neben diesem Vergleich immer anwidert ist auch die Tatsache, dass die weiblichen Pädophilen irgendwie immer unter den Tisch gekehrt werden. Es gibt auch viele Frauen, die sich an Kindern vergreifen.

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    Und wenn die Opfer unterschiedlich sind und es die Täter (80 - 90 % männliche Täter) ebenfalls sind, muss man sich anders darum kümmern als wenn man sagt "Sind alles Kinder und Männer und Frauen sind gleichermaßen beteiligt"

    Wenn man eine solche Gleichmacherei betreiben möchte, nur um den Fakten aus dem Weg zu gehen, schadet man denen, die zukünftig noch Opfer werden könnten.

    Ich finde das schlimm, denn das ist für mich der wahre Täterschutz und vor allem liefert eine solche Einstellung meines Erachtens die Opfer auf dem Präsentierteller.

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP
  • Schlagworte Bischofskonferenz | Entspannung | Erwachsene | Hans-Peter Friedrich | Internat | Internet
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